hat einen Schlusspunkt gesetzt, nach langer, bizarrer, schrecklicher Krankheit. Ich bin zum Glück Atheist, allenfalls Agnostiker, sonst müsste ich mit dem da oben abrechnen. R.I.P. (In den frühen Neunziger Jahren wurde bei mir, lange vor ihrem Tod, und ohne dass eine besondere Krankheit bekannt war, angefragt, ob ich, sozusagen vorab, ante mortem, einen Nachruf auf Ella Fitzgerald schreiben würde. Ich habe abgelehnt, kopfschüttelnd. Okay, werden manche sagen, das ist Routine in diesem Geschäft. Ach ja, was für ein Geschäft? Lebende beerdigen, oder Geiselnehmern durch die Lande folgen, unempfänglich für das Leid von Silke Bischoff, die dann auch konsequent getötet wurde? Hier ist die Rede von dem sogenannten „Geiseldrama von Gladbeck“. Und davon, wie Journalisten sich prostituiert haben, um eine Schnitte von der „Sensationsstory“ abzubekommen. Auch eine Art, Lebende zu beerdigen. Wolfgang Herrndorf war ein wunderbarer Schriftsteller, aber selbst wenn er Trashschreiber gewesen wäre: wie er sein langes Sterben protokolliert hat, auf seiner Webseite („Arbeit und Struktur“ möge bald als Buch erscheinen, es ist, auch mit seinen messerscharfen Analysen diverser Kultur- und Alltagswelten, soviel bedeutsamer als Uwe Tellkamps lächerlich überschätztes, hölzernes „Wendemonstrum“ „Der Turm“) ähnlich humorvoll, bitter und schonungslos wie Christoph Schlingensief seinen schleichenden Tod in seinem letzten Buch, nötigt mir tiefste Bewunderung ab.)