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Archives: Samstag, 18. August 2012

2012 18 Aug.

Ein Horrorroman von Ror Wolf

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Die Vorzüge der Dunkelheit – Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen.

 

Seit über 30 Jahren kenne und liebe ich die Sprachkunst-Werke von Ror Wolf. Es ist eine ganz eigene Art von Literatur, für die vielleicht nicht jeder einen Sinn hat. Wer aber offen ist dafür, dass mit Sprache, Wortklang, Redewendungen, Klischees, Wortwitz und dem kunstvollen Wechsel aus zwingender Logik und fantastischer Absurdität gespielt wird, sollte unbedingt auch dieses wunderschöne Buch besitzen und verschlingen. Hier werden kleinste Partikel und Fragmente aus allen denkbaren Textsorten zusammengefügt: Abenteuer- und Reisebeschreibungen, Reportagen, Krimis, Katastrophenberichte, Erotik und Wissenschaft. Das ist originell, ästhetisch, im Sekundentakt überraschend und vor allem hochkomisch. Zusammen mit den vielen, wunderbar reproduzierten, surrealistischen Bild-Collagen handelt es sich hier um ein grandioses Gesamtkunstwerk. Ror Wolf gehört meiner Ansicht nach zu den ganz Großen der deutschsprachigen Literatur, aber, trotz der Fangemeinde, die er zweifellos seit Jahrzehnten hat, auch immer noch zu den am stärksten Unterschätzten. Vielleicht verdeckt das scheinbar Unernste, Slapstickhafte der Texte ihre ungeheure Virtuosität und Genialität.

 

 
 

 
 

Ganz in den Anfängen tauchte er auf durch eine zufällige Kombination aus Licht, Luft und totaler Abwesenheit von Sound. Daher sehnt er sich nach dem Leib der Stille. In seinen Ohren ist eine stille Welt eine wunderschöne Welt. Macht er sich auf einen Weg, wird er ständig eskortiert von einem Engel und einem Dämon. Sie sind beide stumm. Er beobachtet uns, er ist allgegenwärtig mit seiner milden und schrecklichen Ruhe und seinen sublimen Ohren, die jedes Wort auffangen, egal, wie zögernd oder unvollkommen es ist. Er würde gern unser gesammeltes Murmeln zu perfekter Stille destillieren. Er selbst äussert sich durch kleinste Bewegungen, Blicke und schmerzhafte Pausen, ohne Ende. Er trägt keine Feindschaft gegen uns im Sinn, aber er misstraut uns. Wenn die Lebenden ihn ermüden, wendet er sich den Toten zu. Sie wissen alles über Stille. Sie lauschen ihr. Der Gott der Stille ist ein geduldiger Gott. Er hat genug Geduld zu warten, bis wir alle Fossilien sind.
(Paal-Helge Haugen)

 

David Sylvian: voice
Jan Bang: samples
Erik Honore: synthesizer, samples, synth bass
Arve Henriksen: trumpet samples (performed by Jan Bang)

 

Jan Bang & Erik Honore: UNCOMMON DEITIES, out on Samadhisound on Sept, 26 (Radiopremiere des Stückes THE GOD OF SILENCE: Klanghorizonte (DLF-Nachtradio), 27. August 2012, nachts um eins)

 

Poetry and music always gets mixed reviews, because there are always critics who call such things high brow. A singer has to sing, not recite poems. Bullshit. The poems by two Norwegian lyricists are sensual explorations and mythical fantasies about the lifes of absent gods. A spiritual journey that will even please hard core atheists. Sidsel Endresen is the singer on several pieces. She never sings conventional language. But a careful listener will detect more torch and passion in her performance than in any well-mannered, recycled love song. The music explores and extends the brilliant texts of Paal-Helge Haugen and Nils Chr. Moe-Repstad. You’ll be transported, dear reader, feeling simultaneously safe and sound and fragile at weird places. The voice of Sylvian is in the center, calm and concentrated, telling stories about twilight worlds of power, well, the loss of power, and alienation. And it is a voice that knows when to leave the stage for the spirits around him. It’s a great art to create landscapes where even sweet sounds can be naked and merciless. Five stars. (M.E.)


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