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Archives: Donnerstag, 11. August 2022

2022 11 Aug.

Peter Strickland’s „Flux Gourmet“

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Flux Gourmet is another sensual adventure east of European mainstream cinema. It is set during a retreat for performance artists at a remote gothic mansion, somewhere in Europe, in an era left deliberately vague (though it seems like the mid-’70s, what else, haha!). The artists there all practice something called “sonic catering,” a method of creating music out of the sounds made by food.

 

Cynthia und Evelyn hatten natürlich eine Vorgeschichte. Das ist ja kein Märchen, das uns Peter Strickland da erzählt in seinem erotischen Meisterwerk „The Duke of Burgundy“, egal, wie unwirklich uns diese reine Frauen- und Lesbenwelt irgendwo im europäischen Hinterland erscheint. Was niemand im Film gesehen hat: es gibt  auch ein Caféhaus nahe dem Seminargebäude der Schmetterlingsforscherinnen, und dort lernten sich die Zwei kennen, beim Katalogisieren einer neuen Schmetterlingslieferung aus Uruguay. Anfangs hatten die Zwei den natürlichen, elementaren, heissen Sex,  den wir hoffentlich alle, homo oder hetero oder beides, aus unserem Leben kennen, oder auch aus dem grossartigen Film „Blau ist eine warme Farbe“. Gäbe es also das Prequel zu Stricklands Film, würden wir wunderbaren Gesprächen lauschen, die von ferne an unsere Zeit in den Siebzigern erinnerten, als wir Milan Kundera  verschlangen, von „erotischer Freundschaft“ träumten, und noch immer latent dem Ende der Beatles nachtrauerten. Und rauschhaft viele ECM-Platten hörten. Zurück zum angedachten Prequel: wir würden ausschweifenden Erotikszenen beiwohnen, mit einer Präferenz von Stellung 69 und ein wenig Kamasutra für die westliche Welt. Cynthia und Evelyn würden zum Glück auch nicht in Pastell abgefilmt, sondern am Fluss frühmorgens, im Bett bei Kerzenlicht, einmal (klassisch) auf einem langen Beistelltisch im Audimax – es war schon in ihrer Frühzeit eine seltsam dunkle Freude spürbar, wenn sie, ausser in präorgiastischen Liebesanrufungen („ich liebe dich, Evelyn“), ihre Sprache entromantisierten, und bei einer Tasse Milchkaffee den nächsten „Fick“ terminierten. Der Soundtrack wäre allein von den zwei Duoplatten von Ralph Towner und John Abercrombie gekommen, und „Saragasso Sea“ wäre der Titel  des Films gewesen. Peter Strickland tat dennoch ein Gutes daran, von diesem Prequel die Finger zu lassen – die Story hätte nicht annähernd den Thrill des Hauptfilms erreicht, ausser in der Schlussszene, als das Liebespaar den Zugewinn an Lust entdeckte, wenn eine sich auslieferte, und die andere den Ton angab, unter anderem mit einer sehr ungewöhnlichen Bondage-Technik. Peter bat mich, diese hier nicht näher zu beschreiben, weil er diese Fesselung in einen bald anstehenden, postmodernen lesbischen Vampirfilm einbauen möchte. Es wäre letztlich, trotz toller Momente und guter Musik, ein relativ blasser Nachklapp gewesen, der eher in Bahnhofskinos gelandet wäre, oder im ZDF als „Erotisches Sommerkino“ gepriesen worden wäre, Goodfeel-Kino mit viel zu wenig Irritationen. Was also macht die Magie von „The Duke Of Burgundy“ aus – die Auflösung bald hier, und bis dahin empfehle ich jedem, sich den Film auf Amazon prime auszuleihen, oder als Bluray oder Dvd zu erleben. Und, am besten DANACH, noch mal Uschis Text lesen! Der dem Film auf etwas andere Weise als ich auf  die Spur und Schliche kommt. P.S. Es schadet auch nicht, mal wieder die Platten „Saragasso Sea“ und „Five Years Later“ von Ralph und John aufzulegen. Welcome in the Seventies and early Eighties! Welcome, you dark joys of surrender! „Cynthia, this is all I ever dreamed about!“

2022 11 Aug.

Abendtour

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… the emptiness that we confess in the dimmest hour of day …

 

Wenn man an jene Alben dieser Drei denkt die eine gewisse Beliebtheit und Popularität erlangten dann war da gelegentlich ein Ohrwurm ein Drive ein Hook hier und da und zuweilen wieder und wieder ein Singalong aber nun 2022 sind diese Dinge Mangelware und die lyrics werden jeden hippen Kritiker stutzig machen weil sich da so nichts schnell übersetzen lässt in Alltagsgefilde und tatsächlich ist der Hintergrund der deplatzierteste Ort für diese gesammelten Niemandshorizonte in den sich junges Leben nur kurz zeigt ansonst aufflackert auflöst aber seltsam beharrlich Funkenflüge absetzt und Reisen durch Endspiele sind das allesamt aber unterm Kopfhörer in abgedunkelten Räumen hinter geschlossenen Lidern  scheucht ein Bild ums andere ein wunderliches Empfinden auf und der nächtliche Blick zum Himmel ist nur eine Episode aber hallo was ist denn hier los it‘s magic

Henning Bolte, Ingo J. Biermann and me have written this and that on Sidsel Endresen over the years, one of our most beloved singers / vocalists. Though Henning (possibly) and me (other obligations) won‘t be part of the Punkt Festival in 2022, we will participate from distance by posting quite some „Sidseliana“, paintings, reviews, miniature essays, films, a poem, etc. We start with Henning‘s memory of the first time Sidsel and David met on stage. I remember that concert very well, and, well, I am still dreaming of a studio recording of her. More than one, to be honest. She seems absorbed with appearing live. This little series (with a little help from our design headquarter in Hannover) will end on the first day of the forthcoming PUNKT Festival. Let‘s wait, write, read, and listen. And, by the way, this photo, Henning, looks like a cover! Of a fantastic studio recording. (m.e.)

 
 

 
 

PUNKT 2017

 

It was the first time Sidsel Endresen and David Toop met in performance. David Toop, author of a couple of key books on music as „Rap Attack,“ „Ocean of Sound,“ „Haunted Weather,“ „Sinister Resonance,“ and „Into the Maelstrom,“ is a measured and mindful performer. Sidsel Endresen is a quite visceral, strong and at times accelerating explosive performer. How would these two different temperaments catalyze each other or intertwine? The performance started with sparse tonal gestures letting time pass. After a longer Endresen switched to a higher gear and speed of vocal articulation while Toop kept his more sedate pace. Thus a fine-grained soil emerged traversed by crinkly vocal traces—open to a subsequent live-remix.

The somewhat rudimentary performance of Sidsel Endresen and David Toop provided a wonderful draft to work with and convert into a marvelously fitting complement of a two-part unity, which Jan Bang, Erik Honoré, bassist Mats Eilertsen and drummer Anders Engen did joyfully and brilliantly. It was also accomplished due to the close familiarity of the remixing crew with the work of Sidsel Endresen: it was a home game to enjoy.

 

– Henning Bolte

 


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