Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Montag, 15. November 2021.

Archives: Montag, 15. November 2021

2021 15 Nov.

Wir sprechen später darüber!

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

 
 

An dem Tag, als ich Neil Young entdeckte, im Schaufenster eines Plattenladens in Paignton (und Menschen haben mitunter kristallklare Erinnerungen an die Augenblicke, in denen sie Cover entdecken von Alben, die erst später am Tage auf einem Plattenteller landen, also Liebe auf den ersten Blick, seltsam irrational, weil noch kein Ton zu hören war), da war es vor der Tür hochsommerlich warm (Palmen in der Nähe, der Golfstrom sowieso), und neben dem Cover von „After The Goldrush“ (ein unfassbar faszinierendes Cover – lassen sie es mal vor das innere Auge treten, und gleichen sie das entstandene Bild mit der Wirklichkeit ab), stand die Platte „We‘ll Talk About It Later“ von „Nucleus“ hinter dem Glas, an dem ich meine Nase plattdrückte. Ich kaufte „After The Goldrush“ sofort, und machte mich kundig, was „Nucleus“ betraf, und Miles-Davis-Fan Ian Carr, und auch das Album gefiel mir ziemlich gut, als ich es mir später in D. besorgte. Ich habe es ewig nicht gehört, hätte aber bestimmt Freude am Wiederentdecken (sang da auf einem Stück Norma Winstone mit – kann mich täuschen). Young haute mich um, und einen Tag später konnte ich „Tell Me Why“ mitsingen, lernte die in vom Kanadier hingekrakelten lyrics auswendig, wunderbar.

 

Wurzeln im Drahtkäfig. In Tagträumen versunken schaufle ich Löcher, versenke Käfige samt Inhalt, fülle frische Erde auf. Winterglocke, Koröser Weichsel, Hauszwetsche, Apfelquitte, Accolade. Werden die Käfige verrotten und die Bäume wachsen?

Genau: eine andere schwarze Welt. Dreimal tief in das Damon Albarn Album eingetaucht, dreimal um die Klänge herumgestreunt: gespenstisch-schwebende Partikel, ein seltsam in sich geschlossenes Album voller Spiegelungen. Musik der Dunkelheit.

Monument ist weniger ausufernd als Terrain, weniger unmittelbar, leichter zu hören. Portico Quartet haben dieses Jahr erst ein ganz und gar großartiges, danach ein gutes bis sehr gutes Album veröffentlicht – treibend, monochrom.

Groovemonster: Roots von Ian Carr’s Nucleus macht mir nicht nur unverschämt gute Laune, sondern auch Lust, tagelang Weather Report zu hören. Ein paar Mal war ich im Internet über diese Wiederveröffentlichung gestolpert, hatte aber immer den Eindruck, dass dieser 70er Jahre Fusionjazz nichts für mich ist. Beim dritten Reinhören konnte ich nicht verstehen, warum ich an dieser Musik gezweifelt habe. Das Artwork auf dem Cover ist ausserdem völlig durchgeknallt. Aber hey: Wer braucht nicht einen Roboter, der beim Stricken hilft? Wieso liegt da ein Staubsauger herum? Hat J.K. Rowling hier Inspiration für Harry Potter’s Zimmer bei den Dursleys gefunden? Dazu noch diese Farbgebung … ein quietschbuntes, fettes Groovemonster.

Staub im Mondlicht. Die Nacht wirft silbrige Muster über die Gedanken. Ich hänge der Zeit hinterher, verloren im kalten Strom der Daten – Magie in der Allgegenwart.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz