Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the month Oktober 2021.

Archives: Oktober 2021


 
 

 
 
 

Unter der Schutzherrschaft von dem Entdecker der Ozeane, Jaques Cousteau und der Schirmherrschaft der kanarischen Inseln, FEDAS, nahmen anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Unterwasserfotografie EL HIERRO“ mehrere nationale und internationale Taucherteams an der Weltmeisterschaft in Unterwasserfotografie teil. Hier wird die älteste Tauchform, das Apnoetauchen angeboten. Die Taucher halten bis zu 10 Minuten die Luft an und können so, dem Yoga ähnlich, durch die tiefe bewusste Atmung Bewusstseinstrübung herbeiführen. Normalerweise wird hier die Unterwasserfotografie von Flaschentauchern, jeweils zu zweit, praktiziert. Wenn man auf diesem Wettbewerb gewinnt, wird man „Master von El Hierro“. Ich habe mir an drei Wochenenden das Tauchgeschehen, die Videos und Fotos angesehen. Gestern wurden dann die hier hochgeladenen Wunder prämiert.

 


Also, dein Soloalbum „Orchestra“ (1989) ist ja kein reines Bassalbum, zuweilen tauchen auch andere Instrumente auf. Aber der Hauptdarsteller ist hier, mehr als auf deinen früheren Werken, dein spezieller Elektrobass, mit seiner unverkennbaren Klangsprache. Der „Weber-Sound“ sozusagen.

 

– Dazu fällt mir eine Merkwürdigkeit ein. Als ich vor längerer Zeit mal meine Platten diagonal durchhörte, war ich zunächst entsetzt, dass mein Klang jedesmal anders war: manchmal ganz hinten, mono und klein, dann schwingend mit einem phasing-Effekt, dann wieder stereo und orchestral. Schliesslich habe ich mich aber doch darüber gefreut, weil ich eben doch nicht von diesem Instrument abhänge. Sicher, es ist mein Markenzeichen, aber sein Klang hat viele Facetten; ich bleibe ich, wenn ich ein entsprechendes Instrument spiele. Leute, die sagen, dass sie mich aus Hunderten raushören, sind immer ganz erstaunt wenn ich ihnen mitteile, das ich auf meiner ersten Platte „The Colours of Chloe“ fast ausschliesslich den grossen Kontrabass spiele. Mittlerweilen habe ich meinen Bass zu meinem Werkzeug gemacht, habe damit Spielweisen entdeckt, die man nur mit diesem Instrument machen kann.

 
 

 

(Was da gerade zu lesen war, ist eine Passage aus meinem ersten Interview mit Eberhard Weber im Spätsommer 1989, wir unterhielten uns im Essener Folkwang-Museum, vor einem der Seerosenbilder von Claude Monet – lang ist‘s her. Jahre später, 1993, erschien sein zweites, reines Solobassalbum namens „Pendulum“, da trafen wir uns wieder, diesmal in München. Kate Bush schrieb Eberhard Weber im Sommer 2014 eine E-Mail, in der sie, im Hinblick auf ihr Bühnen-Comeback, anmerkte: „Did I tell you that we played your stunning Pendulum CD in the venue before each and every show as it‘s my favourite album!“. Ein Zitat aus seinem Buch „Résumé – eine deutsche Jazz-Geschichte“. Am kommenden Freitag erscheint Webers Solo-Konzert „Once Upon A Time“, live aufgenommen in Avignon anno 1994. Die beiden Alben „Résumé“ (2013) und „Encore“ (2015), in denen er ausgewählte Bass-Soli aus Konzerten mit der Jan Garbarek Group in einen besonderen „flow“ verwandelt, vervollständigen die Liste primär solistischer Basswerke. Irgendwie hat mich seine Musik ein Leben lang begleitet. Zu allererst erlebte ich ihn, als er gerade frisch in das Dave Pike Set eingestiegen war, im Dortmunder Domicil, recht früh in den Siebziger Jahren, an seiner Seite Volker Kriegel. Wenn ich mal den Soundtrack meines Lebens notieren wollte, würde „Yellow Fields“ ein eigenes Kapitel bekommen, so wie „The Following Morning“, auch so ein Wunderwerk, bei Pat Metheny. Aber da sind wir nun tief in den Siebziger Jahren gelandet.)

 

 

Daniel Clowes hat eine grandiose Fähigkeit, Gesichtsausdrücke zu zeichnen. In seiner Graphic Novel Ghost World fiel mir das bereits auf, in dem Band Caricature. Nine Stories haut es mich regelrecht um, denn ich erkenne ich jedem Gesicht eine Persönlichkeit und in jedem Ausdruck ein unergründliches Feld. Dabei liegt zwischen der Veröffentlichung von Ghost World (1997) und Caricature (1998) nur ein Jahr. Das Panel oben stammt aus der Titelgeschichte von Caricature. Der Mann ist die Hauptfigur, ein eher durchschnittlicher Karikaturist, der von einem Festival zum andern zieht, seine Ausrüstung in einen Stand räumt und Leute zeichnet. Die schönen Ladys stellt er sich nackt vor, in einer Position, wie er sie leicht haben kann. Mit der Frau im Panel links (sie hat ein blaues Auge, links, daher im Bild nicht zu sehen) kommt er ins Gespräch, sie gehen essen. Gerade hat er ihr eine triviale Karikatur eines anderen Künstlers gezeigt. Die Frau ist schwer einschätzbar, sie ist klug, arbeitet in Nachtclubs, wird dafür bezahlt, cool auszusehen und dem Club eine Identität zu geben. Ihre Eltern sind bekannte Künstler. „He’s almost too aware of what he’s doing“, sagt sie, als sie die Zeichnung betrachtet. Und was bedeutet sein Gesichtsausdruck? Da kann man viel hineinlesen: Skepsis, Bewunderung, Erstaunen, Erkennen. Es kann auch der Moment sein, in dem ihm klar wird, dass er mit ihr ins Bett will, aber nicht oder nicht nur, weil sie gut aussieht, sondern weil noch etwas anderes, wichtigeres da ist. Die Geschichte ist vielschichtig, verläuft völlig unberechenbar, am Ende muss sich der Karikaturist neu erfinden. Auch in den anderen Storys begegnen wir einsamen Randfiguren der Gesellschaft, Traumlogik, time- and spacetravel, Gewalt und Gegengewalt, Reue, Rache, Selbstreflexion. Der Reiz der Graphic Stories von Daniel Clowes: Sprache ist nur ein Teil der Verständigung. Zentral, ja: entscheidend im Leben ist etwas, was im Dunkel liegt, verschwommen, verdächtig. In einem langen Interview mit Kristine McKenna aus dem Jahr 2011 in dem wundervollen, von Alvin Buenaventura herausgegebenen Band The Art of Daniel Clowes sagt der Künstler: „The only stuff that becomes really interesting is the stuff that’s so obscure it isn’t on the internet.“ In der Story Immortal, Invisible aus Caricature zieht ein Vierzehnjähriger in der Halloweennacht trick-or-treating in seiner Nachbarschaft herum, wobei er die Häuser, die sich für das Fest geschmückt haben, meidet und die anderen aufsucht.

 

Damit man sich nicht verliert im Dschungel der Digitalität, sollte man vielleicht von Zeit zu Zeit schriftlich resümierend zum Rückblick anhalten. Ist doch Paul Klees Angelus Novus, also der sich rücklings aus dem Bild entfernende Engel, nicht erst seit Walter Benjamins Reflexionen dazu von grosser Bedeutung. Auch man selbst findet zunehmend Gefallen an dieser Haltung, die auch altersbedingt ermöglicht, die Welt in Distanznahme und zunehmender Abkehr zu betrachten. Zunächst aber zum Heute: der Buchtitel „Kein Sport ist auch keine Lösung“ ist aktuelles Gebot der Stunde und katapultierte mich geradewegs in eine Gegend, in der ich vorher noch nie war. Das ist immer wieder ein gutes Gefühl. Eine neue Fahrradbrücke führte über eine neue Schnellstrasse und der laue, aromatische Südwind tat sein Übriges zu folgender Assoziation: what a stairway to heaven! Alter Mann, was nun? Ganz gewiss den Karren noch nicht hingeschmissen!

 
 


 
 

 
 

Zurück zum Rückblick: am vorigen Sonntag, der sehr sonnig war, fuhr ich zunächst in die City, um ein paar Fotoshots zu machen. Komischerweise hatte ich die ganze Zeit Byung-Chul Hans Buch Duft der Zeit im Sinn, das ich einmal wieder lesen wollte. Als ich dann aus der Stadt spätnachmittags in den Georgengarten fuhr, bot sich ein seltsames Schauspiel: im proppevollen Park, in fantastische Herbstsonne eingetaucht, fotografierte nahezu ein Jeder mit seinem Smartphone, was das Zeug hielt. Beinahe hätte ich, um eine bestimmte Perspektive zu ergattern, einen Anderen in den Teich geschubst. Ja, die Schüchternheit, sie legt sich mit dem Alter. Der Han am nächsten Tag ging rein wie Butter. Gute Lektüren, ebenso wie auch Musik und Serien, sind ja perfekte Spiegelungen, in denen man sich selbst wiedererkennt. Neben Han waren das zuletzt das Trio-Album Bayou, für mich die schlichtweg ultimative Musik. Weiterhin zu nennen wäre die vierte Staffel von Goliath, fantastisch fotografiert. Und wo sind wir heute Abend? Mit Nine Perfect Strangers auf einem Selbsterfahrungstrip der höchsten Güte. There is nothing better than a microdose of LSD.

Bei der Stimme von Dietrich Fischer-Diskau habe ich (auch) stets die Flucht ergriffen, genauso wie bei den Gesängen und Gesänginnen von Adele, Diana, Sting und Bono. Es gibt eine Art edel verpackter Inbrünstigkeit, die bei mir allergische Reaktionen auslöst wie Übelkeit, und ich kann mir kaum Gelackteres vorstellen als das Saxofonsolo von Branford Marsalis auf Stings Song über die Fragilität unseres Daseins. Das Saxofonsolo  von „Baker Street“ kann ich seltsamerweise stets goutieren, obwohl es ja auch von der sehr einschmeichelnden Sorte ist. Dieses Lied von Peter Sarstedt aber, ein one hit wonder, wie es im Buche steht, packt mich immer, und gehört zu den Top 10 meiner „sentimental overkill charts“, in bester Nachbarschaft von einem Song der Walkabouts, einem stets anderen Song von Leonard Cohen (heute ist es das papierdünne Hotel, und morgen der berühmte blaue Regenmantel), zwei Abba-Abräumern, Leo Ferrés „Ton style“, Gary Jules’ Fassung von „Mad World“ (ein guter Grund, wieder mal „Donnie Darko“ anzuschauen), Michael Kiwanukas „Cold Little  Heart“, und zwei Chansons aus dem letzten Album von Jacques Brel. Ich weiss gar nicht, und will auch nicht wissen, wo ich Sarstedts Meisterstück zum ersten Mal gehört habe, für mich könnte es als Schmachtfetzen seinen Weg in einen französischen Spielfilm voller unüberbietbarer Liebeskümmernisse eingeflossen sein. „You got from the Sorbonne / And the painting you stole from Picasso / Your loveliness goes on and on, yes, it does…“ – wundervoll! Eine enttäuschte Sehnsucht schwingt in jeder Sekunde mit, eine Abrechnung mit einer verlorenen Liebe, zugleich die Unmöglichkeit, von ihr zu lassen. The winner takes it all. Ein klarer Fall für einen Traumatherapeuten – aber alle Therapie erledigte sich von selbst, als Peter einst dieses Lied sang, Abend für Abend, Stadt für Stadt, und ein ungebremster stiller Tränenfluss Teile des Publikums en passant flachlegte, entwaffnete (und auch die alte Tante Katharsis bereithielt).

2021 29 Okt

Norman Blakes Favorit 2021

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Ich kenne den Teenage Fanclub etwas länger als Norman Blake (seit unserem Interview zu dem wunderbaren Album „Bandwagonesque“ (1991)), und bin ihm später ein weiteres Mal im Umfeld eines Projekt seines Glasgower Musikfreundes Bill Wells begegnet. Ein kluger Gentleman in reiferen Jahren, mit einer unerschöpflichen Liebe zum „old-fashioned pop song“. Mein Gespräch mit ihm war mal  in einer alten Sendung von WDR 2 zu hören, „Pop Session“ – lang ist es her.  Und noch immer haut Norman feine Songs raus, die so gewitzt wie vielschichtig sind, und stets fallen mir ein paar ein, welche in die Liste „heimlicher Jukebox-Hits“ aufgenommen werden sollten. Nur, es waren eben fast nie richtige Singles. Sollte jemand nun  neugierig geworden sein auf den Teenage Fanclub – das obige Album ist wirklich ein guter Einstieg. Hier sein Favorit des Jahres, eine wirklich zauberhafte Arbeit, die in meinem Jahresrückblick am 6. Dezember auf Platz 5 landet (in meinen Rückblicken gibt es nur „wertende Reihenfolgen“ – a very addictive listening experience from start to end, that‘s what I would call it. And in  case it is a kind of „rock opera“ Norman is speaking of, i very much prefer „Coral Island“ to The Who’s „Tommy“, seriously.)

„My pick of this year’s releases is Coral Island by The Coral. I’ve liked their music since I went to see Gorky’s Zygotic Mynci supporting them in Glasgow, 20 years ago. It’s one of those rare albums where every song is good, and the narration gives the album a kind of rock opera feel and I’m a sucker for that kind of thing. I really like their sonic palette – close harmonies, in your face organ, and jangly, surfy guitars. James Skelly’s voice has a lovely timbre too.

This year I started collecting the Top Of The Pops albums – you can pick them up pretty cheaply from charity shops. My favourites are the ones that were made during the punk era. That someone thought it was a good idea to cover Death Disco or Gary Gilmore’s Eyes is both mind-boggling and very funny. They made about 150 of these compilations and I have around 25, so I have quite a ways to go before I complete my collection!“

 

Ich erinnere mich, wie Eberhard Weber Ende der Neunziger Jahre in den Cuevas de los Verdes solo auftrat, auf einer kleinen Bühne (in einer dieser Höhlenanlagen von Lanzarote), zu der man eine Weile durch einen unterirdischen Gang gehen muss. Auf dem Flugreise war  der Koffer des Bassisten abhanden gekommen, und da er sich wohl nicht ratzfatz mit schnell zusammengekauften Kleidungsstücken behelfen wollte, trat er in knallbuntem Reise-Outfit auf, wie ein archetypisch-kanarischer Tourist. Und dann zauberte er so hemdsärmelig wie konzentriert seine Elektrobass-Exkursionen in den Raum – unvergesslich. Sein Auftritt in Avignon im Sommer 1994 ist eine rundum beeindruckende Ausgrabung aus dem Gräfelfinger ECM-Archiv. Und es passt sehr wohl, dass ich dieses Album vorstelle, in einer Sendung voller Quertreiber*innen und Abenteurer*innen der jüngeren und jüngsten Jazzgeschichte (Linda, Ayumi, Vera und Charlotte sind auch dabei), am Ende meiner kommenden Ausgabe der JazzFacts, mit Neuem von der improvisierten Musik, am Donnerstag  um 21.05 Uhr.

 

2021 28 Okt

„Ein Echo zu den Horizonten“

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Hallo Herr Engelbrecht, diesmal bin ich schneller. Vielen Dank wieder einmal für diese wundervolle Radiozeit.

herzlich grüßend
Olaf (Ost)

 

Dark Star Safari: Murmuration – fast schon zu nah an Sylvian, als dass es souverän und nicht als Abklatsch wirkte – insofern schön, aber nicht sehr interessant…Wohingegen Gaspar Claus und das Ayumi Tanaka Trio in ihrer Askese sehr reizvoll klingen. Die Villagers sind eine sanfte Überraschung. In dieser Zärtlichkeit und Verdrehtheit klingen MGMT hervor.

Die Zweite Stunde ist eine Märchenstunde par excellence. Koboldhaft, gespenstisch. Es gibt nicht so viele Radiomenschen, die mich in solcher musikalischen Spannbreite mit Informationen versorgen, und die ich deswegen sehr wertschätze. Diesmal ist auch so gar nichts dabei, mit dem ich nichts anfangen kann…

Toitoitoi Vaganten: es gibt immer mal wieder solche obskur-amüsanten-hübschen Lo-Fi-Kleinode (als solches würde ich dies benennen) Und weil es auch Anklänge an mittelalterliche Volksmusik gibt, fällt mir spontan 1 Platte von Erdenklang ein: La Fleur Bleue (die allerdings nur »schön«, nicht so witzig ist) und natürlich wären auch die WTF oder Stock, Hausen & Walkman zu nennen. Hat auch wat von Comelade. (btw: seit ziemlich langer Zeit klebt ein Zettel mit des Vaganten Künstlernamen an einer meiner Zimmertüren, auf dass sich Gäste rasch orientieren können…) LOW: Wie geil ist DAS denn?! (Auch die Coverbilder von Low und Unheimlich Manoeuvre sind wunderbar)

The Congos: der Congoman könnte ewig laufen! What a drive! Hatte bislang noch gar nicht den Querverweis zu den Sängern (The Meditations) gemacht, von denen ich die »I love Jah« auf Wackies im Schrank habe…

 

 

4. Std. Eine feste Burg sind mir Rhythm and Sound. Seit Dezennien. Irgendwo in der Berliner Brunnenstraße hatten Tarwater ihr Studio. Da hinein bin ich geraten – roundabout 1997 –, wollte eigentlich mit den Jestram/Lippoks über irgendeine VÖ quatschen. Stolpere aber mitten in eine Session, wo so’n dunkelhäutiger Typ ins Mikro scatted. Klingt verdammt nach Tikiman, sag ich. Isser auch, sagen die. Das Material kam erst Ewigkeiten später raus, und war wohl »Like a miracle«. Klang am ehesten danach, was ich im Hinterkopf hatte.

Rip Hayman obertönt im Kopfhörer besonders sphärisch und die waves tosen herbstlich stürmend. Kann man sich gerade super reinfühlen.

Was das GAS angeht: selten, dass eines die Hirnwindungen so in Schwung und Schwingung bringt. Habe die erste, die gelbe, als Vinyl, und somit die volle Flasche bis zum letzten Hauch aus- (und ein-)atmend. Was uns der Voigt alles beatet, das ist bemerkenswert…

Std. 5: Wyatt gefällt mir besser als Barney. Marley klingt wunderbar erdig und WAR war wahrlich eine klasse Combo, gibts einige Perlen. Ein schöner Abschluss der wiedermal sehr gelungenen Horizonte. Hat mir sehr sehr gefallen.

 

(Lieber Olaf Ost, mich interessieren ja stets Reaktionen auf solche Nächte, schliesslich ist man allein in einem kleinen Studio, mit einer Kanne grünem Tee, Mineralwasser, und Honig für die Stimme. Kein Panoramafenster mit Blick zum Ozean, was ich ein wenig bedaure. Und da dies meine vorletzte Sendung war im Nachtprogramm, wollte ich genug Überraschungen bieten, und auch den guten alten Trick anwenden, Vertrauteres in ungewohnten Zusammenhängen auftauchen zu lassen. Bei der letzten Nacht im Dezember könnte die Qual der Wahl drohen, denn sie heisst schliesslich (und schlussendlich) „30 Jahre Klanghorizonte“.  Aber heute haben mir da The Necks & Underworld eine gute Option an die Hand gegeben (ich lasse das mal etwas kryptisch so stehen). Klanghorizonte live „in the wilderness“ dann  um Nikolaus herum auf Sylt, im Morgengrauen,  mit  Donovan,  viel Ozean – und Dadawah!!! Vielen Dank für echo & reverb & deep listening) – herzlich retour, m.e.!)

2021 28 Okt

Schöner Zufall

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

 

Ich war heute zu einer Lasagne eingeladen, zubereitet mit Rotwein, karamellisiertem Gemüse (letzteres, um der Säure der Tomaten entgegenzuwirken), als ich eine kleine Synchronizität erlebte. Ich bestieg den Toyata (der nicht meiner ist und auf WDR 4 programmiert war) – ein Sender, bei dem freudig erregte Menschen ständig von Retrorausch zu Retrorausch eilen. Der ganz und gar falsche Umgang mit dem Segen einer Jukebox. Ich drehte den Schlüssel um, und exakt in der Sekunde fingen mich die ersten Töne eines Liedes ein – „das kenne ich doch“. Sobald die Stimme einsetzt, das wusste ich, wäre ich in dem Song drin. Nun war dieser Anfang mit seinen ruhig gesetzten Akkorden auf der Akustikgitarre viel zu verhalten, um sofort das Deja-Vu zu produzieren. Und dann erzählte Donovan von Atlantis. Es war wie früher, als ich das Lied so viel öfter gehört habe – der gesprochene Teil ist der fesselndere, die Melodie in ihrer leicht trunkenen Benommenheit ein bisschen zu schwelgerisch im Abgang, im fade-out. Ein Gassenhauer halt (Was für ein schöner Zufall, wo ich doch gerade seine Autobiographie lese!) – im Sommer 66 oder 67 hatte ich noch einen Blutsbruder, und wir sangen den Refrain von Atlantis lauthals um die Wette und legten noch etwas mehr Greenhornteenagerpathos hinein. Wieso man solche Momente erinnert, mit diesem berühmten „als-wäre-es-gestern-gewesen-mindset“. Sunshine Superman hatten wir auch im Programm (in halb konfabuliertem Englisch). Als ich Matthes vor ungefähr zehn Jahren mal ausfindig machen wollte, endete die Suche im Telefonbuch, und an der alten Klingel des einstigen Nachbarhauses. Unbekannt verzogen, heisst es ja, im Leben oder anderswo. Aber ein sehr altes Paar hörte ich an jenem Tag in unserem alten Siedlungshaus rumoren, die Eltern der schönen Gabriele, die sieben war, als ich sieben war (und immer von der „Farbenfrau“ träumte, die mich allnächtlich in Serienträumen umarmte, am Rande eines Swimmingpools). In meiner verschwommenen Einbildung hätte ich zu gern das Kopfkissen mit ihnen geteilt, mit Gabi und der Indianerin. Und zu dritt auf dem Transistorradio Donovansongs gelauscht. Ganz real war hingegen die riesengrosse Märklin-Spielzeugeisenbahn von Matthias, am Fuss der blauen Berge.

 

 

v i d e o

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz