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Archives: Dienstag, 29. Dezember 2020

2020 29 Dez.

Medienphrasen 2020

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Auch dieses Jahr bleiben sie uns nicht erspart, die abgegriffensten und sinnbefreitesten Redewendungen in den (vorrangig deutschen) Medien:

 

geht gar nicht
Männerfreundschaft
ein Zeichen setzen
Brücken bauen
Unternehmensphilosophie
Duell
Erdrutschsieg
Zerschlagung
gerät zunehmend unter Druck
Signal auf Grün / Rot
Da bin ich ganz bei Ihnen
Think Tank / Denkfabrik
Großwetterlage
postkolonial
zum Anfassen
hochfahren / runterfahren
abgehängt
Schalte
vorpreschen
Brummi
schonungslos
Zerreißprobe
an den Rollstuhl gefesselt
Kult
Bärendienst
Satire darf alles
Wglssn dr Vkl
raunen
Ein Gespenst geht um
Legende
active shooter
Beziehungsdrama
Bestsellerautor
Die Menschen dort abholen, wo sie stehen
Wir müssen reden
Dystopie
Reich der Mitte
Weißwurstäquator
Donaumetropole
Vierbeiner
gefiederte Freunde
tief gespaltenes Land
Narrativ
Narrativ
Narrativ
Unruhestand
Wertschätzung
Ruder herumreißen
Kasse klingelt
Herausforderung
*
eingepreist
breit aufgestellt
steile These
systemrelevant
durchimpfen
Urteil gekippt
herunterbrechen
immer mehr
noch nie
Spaghettiwestern
Punkt. Hinter. Jedem. Wort.
wird nichts mehr so sein wie früher
es braucht Mut

 

Somit durchgeimpft gegen kommende Narrative bis 2021.

2020 29 Dez.

Portrait of a Lady on Fire

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Mein Kinofilm des Jahres, daheim gesehen, auf BluRay (auch als DVD erhältlich, sowie bei „amazon prime“). Das französische Original, englische Untertitel. Die BluRay-Edition ist empfehlenswert, spannende Extras, u.a ein Interview mit der Malerin Claire Mathon, deren Bilder die Geschichte, die hier nicht verraten wird, miterzählt. Je grösser die Leinwand, desto besser. Es ist in vielen Passagen ein ruhiger Film, der Sprache nur sehr sparsam verwendet. Kein Gehetze zwischen Untertiteln und Bild, der Zuschauer darf sich zurücklehnen und kann in den bewegten und ruhenden Bildern versinken. Céline Sciamma hat hier aber nicht nur einen Film über die Bilder gemacht, die Menschen sich aus Konventionen machen, oder was passiert, wenn die gezeichnete Welt die Übereinkünfte verlässt. Es ist auch ein Film über die Lust am Lesen und an der Musik. Letztere kommt im Film, wie in der Realität des 18. Jahrhunderts, nur vor, wenn man ihr leibhaftig begegnet. Die eine junge Frau hatte in ihrem bisherigen Leben nur die Orgel gekannt. „Bleak“ nennt die andere den Sound des sakralen Monsters, natürlich auf französisch. Und in dem abgelegenen Haus am  Meer, in dem die Malerin die junge Frau zeichnen soll, für den von ihrer Mutter ausgewählten Zukünftigen, gibt es ein Spinett, dessen kurz angeschlagene, spindeldürre Töne allein schon, bei der sich nach dem Unbekannten Verzehrenden, Wirkung zeigen. Die wenigen Male, wenn jenseits der Meeresbrandung Musik erklingt, ist die Wirkung immens, und trifft ins Innerste. Einmal, als die Zwei mit dem Hausmädchen zu einer grösseren Gesellschaft nahe des Meeres aufbrechen, beginnen die Anwesenden (in meiner Erinnerung alles Frauen) einen wunderbar ergreifenden Gesang, Stimme für Stimme, und ich denke für einen Moment an Dead Can Dance. Und, kleiner Sprung, das Finale, die Klänge, die reine Gänsehaut! Einer dieser Filme, den man wieder und wieder sehen kann – „spellbinding“ ist das englische Wort dafür.

 


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