Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Dienstag, 25. Juli 2017.

Archives: Dienstag, 25. Juli 2017

Ick weit einen Eikboom vull Knorrn un vull Knäst

Up den fött kein Biel nich un Axt

Sien Bork is so ruuhig und sien Holt is so fast

As was hei mal bannt un behext …
 
(Fritz Reuter 1810-1874)

 

… Ok dat Gelee wier wat för mi.

Man ein Deil nich, dat segg ick di.

Dei Mammelad künn ik nich verknusen,

Wäg’n all deine Karns man miene Kusen.

 
 


 
 
 

 
 

Rezept für Heidelbeermarmelade

 

1 kg Heidelbeeren

400 gr Gelierzucker

1 Banane

1 kl. Stück Ingwer

Eine halbe Limone ausdrücken

 

Alles 5 Min. kochen

Gläser mit heißem Wasser füllen

Gläser leeren und mit Marmelade füllen

Gläser stürzen für 10 Min.

Gläser umdrehen

 

2017 25 Juli

„Call It Dreaming“

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments

Iron & Wine

say its here where our pieces fall in place
any rain softly kisses us on the face
any wind means we’re running
we can sleep and see them coming
where we drift and call it dreaming
we can weep and call it singing
 
where we break when our hearts are strong enough
we can bow because our musics warmer than blood
where we see enough to follow
we can hear when we are hollow
where we keep the light we’re given
we can lose and call it living
 
where the sun isn’t only sinking fast
every night knows how long its supposed to last
where the time of our lives is all we have
and we get a chance to say before we ease away
for all the love you’ve left behind, you can have mine
 
say its here where our pieces fall in place
we can fear because a feelings fine to betray
where our water isn’t hidden
we can burn and be forgiven
where our hands hurt from healing
we can laugh without a reason
 
because the sun isn’t only sinking fast
every moon and our bodies make shining glass
where the time of our lives is all we have
and we get a chance to say before we ease away
for all the love you’ve left behind, you can have mine
 
 
 

Nathalie Merchant war auch mal jung und eine Plattendiebin, das erste Album, das sie klaute, in ihrem lokalen „drugstore“, war „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“. Als sie Brian später einmal bei einer Musikveranstaltung traf, versuchte sie ihm zu erklären, was sie an seinen Soloalben, und nicht zuletzt an der „Tigerbergmusik“, so liebte: nicht die Welt schien ihr mit 14 ein besonders lebenswerter Ort zu sein, sondern die Räume, die Brians Musik aufschloss. Wäre Nathalie da nicht schon eine gestandene Künstlerin gewesen, Brian hätte Angst haben müssen, einen besonders fanatischen Fan vor sich zu haben. „I couldn’t even recognize the instruments that were being played, it was so outrageously original and bizarre“.

Tatsächlich klang hier manches nach Synthesizern, was allein auf das „treatment“ klassischer Instrumente zurückging. Und wenn „Here Come The Warm Jets“ eine in alle Richtungen schiessende Freisetzung kreativer Energien darstellte, „Astral Weeks a la Eno“ (es muss sich zu Roxy-Zeiten einiges aufgestaut haben), ging es auf dem Nachfolger konzentrierter, konzentrischer, zur Sache, die Lieder besassen eine in seltsamen Kreisläufen verlaufende Form, in denen „singalongs“ an Moebiusschleifen erinnerten – und einmal sagte Eno, er wollte  das  Empfinden erzeugen, diese Lieder würden um ein  „imaginäres Zentrum kreisen“.

Als ich den ersten Song hörte, „Burning Airlines Give You So Much More“, Mitte der Siebziger, wusste ich, dass ich hier einen neuen Lieblingsmusiker (Seelenverwandten) gefunden hatte, der mich zu Roxy-Music-Zeiten noch seltsam ungerührt liess. Ich mochte die surrealen Geschichten von Menschen, die kleine Kameras in ihrem Haar trugen, durch den Dschungel wanderten und in lauter Abenteuer verwickelt schienen. Das war großes Theater. Einmal, lange vor meinen Journalistenjahren, rief ich beim Hauptquartier von Polydor in London an und abeitete mich mit charmanter Hartnäckigkeit zu einer Sekretärin vor, die mir Enos handgeschriebene „lyrics“ fotokopierte und nach Würzburg schickte.

Wie entstanden denn diese Songtexte, die, bei aller Exotik, mit skurrilem Humor, seltsamer Traurigkeit, und, immer wieder auch, einem Quantum Sehnsucht durchsetzt waren? Das fragte ich Brian einst, im Sommer 2005, und erhielt folgende Antwort. Will Nathalie Merchant wirklich dort leben? Sie sollte es sich gut überlegen. Zum Glück gibt es Paralleluniversen, und zum Glück wird hier auch eins lebendig, in dem ein Nachfahre von Lewis Carroll Verse in die Popkultur schleust, und Atheisten Krippenlieder schmieden.

 

Witzigerweise fand ich vor drei oder vier Monaten das Notizbuch, in das ich die Songtexte von “Taking Tiger Mountain (By Strategy)” geschrieben hatte. Und es war sehr interessant , da einen Blick hineinzuwerfen. Da ist eine Seite, auf der ich einen ganzen Song in einem Rutsch geschrieben habe. Als hätte jemand anders mir alles diktiert. Der Text ist voll ausgeschrieben, manchmal ist ein Wort durchgestrichen und durch ein anderes Wort ersetzt. Oder zwei Zeilen veränderten ihre Position. Ich weiß nicht, ob meine Erinnerung mir einen Streich spielt und die Dinge schönt: ich erinnere mich jedenfalls, überhaupt keinen Zweifel und keine Schwierigkeiten gehabt zu haben, die Texte zu schreiben. Es war, als wären sie schon alle in mir vorhanden gewesen. Und ich hatte ein sehr klares Bild von dem Gefühl, daß dieses Album vermitteln sollte. Es war die Tragödie der „chinesischen Erfahrung“, dieses große Zerplatzen der Träume, die der Maoismus einst repräsentiert hatte. Und wie bei allen Zusammenbrüchen revolutionärer Hoffnungen, entwickelt sich ein kollektiver Unterton der Enttäuschung. Im letzten Song des Albums machen sich die Menschen auf den langen Marsch über den Berg, sie kämpfen sich durch Schnee und Eis in eine ungewisse Zukunft. Sehr melancholisch.“


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz