Manafonistas

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Archives: Freitag, 11. März 2016

And dreams should stay in dreamspace, for that’s where they belong. Mainly cos a dream remembered is a dream that has only half done its work. And the cosmos is made up of stuff the scientists can’t find. Most of it is dream matter – a product that fuses language and music, iration and realisation, past and present, up and down, war and non-war, everything and everything else, and more, into one synaesthesic ball of luminous gloop. Everything* participates. Why does your heart as well as your gut feel music when music is only auditory – just chimp 1.2 banging skins and strumming wires? Because there’s no such thing as playing music: the music plays you. All the successful musician does – in the final analysis – is mediate smudged echoes of the moment of creation and maybe the moment under the moment too. They are listening for the ghost of a chance. They may help us make sense of who we are and where we came from; and as a compassionate side effect, teach us that nothing is lost. So I rake the sky, I listen hard. I trawl the megahertz.

And one night in 2013 a dream half did its work, remembered it on awakening in the middle of the night. The visuals have longsince turned to cosmotic/dreamcosmotic dust but the main theme of it was entirely word based. A repeated phrase that meant nothing to me. It went „Zeta Reticuli knows“, I don’t know how many times. I Say ‚remembered it‘ but the riff was still bouncing around my cerebral cortex – I could still feel it. I picked up my phone and sent myself an SMS so I could remember this meaningless phrase in the morning: „zetaretikuly knows“. Went back to sleep. Typed the nonsense phrase into Google the next day. And it turns out, with the help of search engine semantic/syntax correction, that Zeta Reticuli is real. Why it had got buried under a bush in the boondocks of the subconscious is not for me to conjecture. But hey, Zeta Reticuli knows – for it is written in light on a speck of lighter lighter light in the synaesthesic oblate globe of luminous silly putty that 90% of the cosmos comprises of. Somewhere.

And last week I dreamt I saw the cover of Marillion’s record Misplaced Childhood on a post written in pixels within the everchanging wider set of pixels on Manafonistas. And I dreamt I listened to the whole thing over again.  Ich brauche eine bestimmte Energie, um diese Schallplatte zu hören. & this was all I needed. &:
 

And I looked out the window
And I saw a magpie in the rainbow, the rain had gone

 

 
 
 
What the record offers is a nexus: the place where the dreamers of the dream meet the morning at the window, where The Incredible String Band, Boards of Canada and your own warblings make sense. The cup is broken. And everything is broken. And everything is repairable.

 
*Even stone.
 
[Note: 12.35% of this text is copyright Paddy McAloon, 2003. The rest is copyright: the universe]

I’ve written Brian Eno some lines about my journey along the Northern coast of Scotland, from Thurso to Dunnet Head, with some side trips to the hinterland. Alone with a driving jukebox called „Land Rover“ playing four cd’s only, David Bowie’s „Blackstar“, Brian’s „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“, Van Morrison’s „Astral Weeks“, and Bo Hansson’s „Lord of the Rings“ – for days and nights on end, and hard rain in between.

 

„That was quite a strange Highlands drive you took Michael. I’ve never heard Bo Hansson’s Lord of the Rings and indeed know nothing about it. But what a nice group of albums.

I’ve never owned a car in my life, and the only regret I’ve had is that I therefore haven’t been able to drive off into the mountains and listen to music. There’s something about the confinement and concentration of a car interior that makes it an especially good place for listening. I think it’s also that the music really occupies the space of the car three-dimensionally, so you’re really inside the experience (…) 

Speaking of being inside the experience: If you want to hear my new album ( – thanks for the nice comments!) in its 3-dimensional form – which was how it was intended to be heard – I have a multi-channel installation called THE SHIP in Geneva at the moment, at the Institute of Contemporary Art. It’s a long train ride for you…but you could drive and listen to some music on the way!  (…)“

 
 
 

 
 
 

David Mitchell. Die Knochenuhren
 
 
Gleich zu Anfang: ich gebe es zu, ich schätze David Mitchell sehr und freue mich auf jedes neue Buch von ihm. Der 1969 in Southport, Lancaster, geborene Mitchell spricht generationsübergreifend die Menschen an, gefällt also nicht nur mir, sondern begeistert auch meine Schüler, deshalb lesen wir dieses jüngste Buch des Meisters im Moment auch im Literaturkurs der Klasse 13. Doch nun zum Buch selbst: Die Knochenuhren.

Wie Der Wolkenatlas, aber auch Mitchells Erstlingswerk Chaos, spielt auch Die Knochenuhren auf verschiedenen Zeit- und Erzählerebenen. Vom 30.6. bis zum 2.7.1984 erzählt uns die fünfzehnjährige Holly Sykes entscheidendes aus ihrem jungen Leben. Dann springen wir in das Jahr 1991, Geschichtenerzähler ist nun der Student Hugo Lamb, der im dritten Teil des Buchs, im Jahr 2004, von Brubeck, Journalist in Kriegsgebieten und Holly´s Ehemann abgelöst wird. Dann kommen wir in die jüngst vergangene Gegenwart, ins Jahr 2015, Crispin Hershey ist jetzt unser Erzähler, ein Dichter, ein Autor, dessen schöpferische Kraft versiegt und der nun ums Überleben kämpfen muss.

Übrigens, anders als im Wolkenatlas, begleitet uns Holly durch alle Buchteile hindurch, sodass wir am Ende des Buches vor ihrem Lebenspanorama stehen und die Lebenszeit eines Menschen vom 15ten Lebensjahr an bis ins hohe Alter betrachten können.

Der fünfte Teil spielt 2015, die Erzählerin ist Dr. Iris Mariunus-Fenby, eine Ärztin. Wahrscheinlich hat sich Mitchell auf Grund dieses Kapitels, es ist der weitaus längste Teil des Buches, den Winner of the World Fantasy Award geholt, mehr wird hier nicht verraten. Der letzte Teil der „Knochenuhren“ spielt 2043, Erzählerin ist wiederum Holly Sykes, jetzt aber im hohen Alter. Wir befinden uns in Irland, die Zivilisation ist am Ende, die westliche Welt heruntergewirtschaftet, die Umwelt restlos und irreparabel zerstört, überall herrscht Armut und Hunger, wer kann, flieht, etwa als Wirtschafts- oder Klimaflüchtling nach China.

 

Holly sagt am Ende ihres Lebens:

„Ich und meine Generation haben uns sinnlos vollgefressen im Restaurant der Reichtümer dieser Erde und die Zeche geprellt, obwohl wir – trotz allen Leugnens – genau wussten, dass wir unseren Enkeln eine Rechnung hinterlassen, die sie nie werden bezahlen können.“

 
 
 

 
 
 

Es ist natürlich keine Frage, dass Mitchell die jeweilige Zeitepoche wieder perfekt sprachlich, politisch, wirtschaftlich und kulturell darstellt. Und dabei spielt natürlich auch die Musik eine große Rolle (das ist aber eine andere Geschichte, siehe der nächste Plattenschrank).

Am letzten Wochenende habe ich mit größtem Interesse einmal mehr die Kolumne von Caroline Emcke in der Süddeutschen-Zeitung gelesen. Es ging um Bildung, um Schule, ums Denken lernen. Emcke zitiert zu Anfang ihres Artikels den französischen Philosophen und Literaten Paul Valéry: „Denken ist unablässiges Durchstreichen“ , schrieb er. Der Satz hat bei mir gesessen, genau so ist es, dachte ich. Denken verlange demnach, schreibt Carolin Emcke weiter, „das zuvor Gedachte nicht unangetastet zu lassen, als sei es heilig, sondern es permanent neugierig und skeptisch zu betrachten. Denken als „unablässiges“ Durchstreichen verweist also auf die Notwendigkeit, bisher sicher geglaubte Erkenntnisse oder auch lieb gewonnene Gewohnheiten immer wieder zur Disposition zu stellen und, bei Bedarf, zu korrigieren.“

Genau das führt uns David Mitchell in seinen Büchern vor und er schafft das, indem er uns zurücktreten lässt, und eine Gesamtschau auf Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges ermöglicht und uns dadurch zur Korrektur, zur Umkehr zum „Durchstreichen“ bewegen könnte. Mitchells berühmtestes Buch Wolkenatlas spannt den Bogen beginnend 1849 über 1935, 1973, 2044, 2144 bis ins 24 Jahrhundert, Die Knochenuhren stellen ein Lebenspanorama vor, vom 15ten Lebensjahr der Protagonistin, bis in ihr hohes Alter.

Und Mitchell hat natürlich auch wieder in seinem jüngsten Roman, Verbindungen nicht nur zwischen den einzelnen Zeitaltern hergestellt, sondern, auch das kennen wir schon aus Vorgängerromanen, hat auch Verschränkungen zu früheren Romanen hergestellt. Immer wieder begegnen wir vertrauten Figuren aus früheren Romanen. Kürzlich las ich, dass zwanzig Figuren aus den „Knochenuhren“ bereits im „Wolkenatlas“ vorkommen. All das ist aber keine Spielerei, Mitchell wird nämlich nicht müde, dem Leser klar zu machen, dass alles miteinander zusammenhängt, dass die Sklaverei im 18 Jahrhundert, der Kolonialismus der letzten Jahrhunderte, der Rassismus, der gnadenlose, nur am Gewinnstreben orientierte Kapitalismus, die Ausbeutung der Natur nicht einfach irgendwann einmal die Welt beherrscht hat und dann war´s das, nein, all das hat bis in unsere Gegenwart Auswirkungen und wird auch unsere Zukunft bestimmen.

Und so wird es für mich besonders deutlich in Der Wolkenatlas, in Die tausend Herbste des Jacob de Zoet und jetzt wieder in Mitchells jüngstem Roman Die Knochenuhren: Denken ist „unablässiges Durchstreichen“, wir haben es in der Hand, was aus dieser unserer Welt wird, nichts ist egal, was wir uns erträumen, was wir wollen und umsetzen, das ist wichtig. Wir sollten dann aber auch vielleicht manchmal Gewohntes in Frage stellen, sicher geglaubte Erkenntnisse zur Disposition stellen.

„Wenn wir wirklich glauben, dass die Menschheit sich über Klauen u. Zähne erheben kann, wenn wir wirklich glauben, dass unterschiedliche Rassen u. Glaubensbekenntnisse diese Welt so friedlich miteinander theilen können wie die Waisenkinder ihren Kerzenölbaum, wenn wir wirklich glauben, daß Führer gerecht sein müssen, Gewalt geächtet gehört, Macht verantwortet werden muß u. die Reichthümer der Erde u. ihrer Oceane gerecht vertheilt werden sollen, dann wird eine solche Welt auch zustande kommen.“ (Zitat Adam Ewing 1849, Tagebuchaufzeichnung – aus: Der Wolkenatlas).

So, ich denke, ich habe nichts vorweggenommen, Sie werden dieses Buch verschlingen, als wäre es ein außerordentlich spannender Krimi. Für mich war es allerdings schon etwas gewöhnungsbedürftig, auf der einen Seite grandiose realistische Literatur zu lesen, die uns während etwa 600 der über 800 Seiten geboten wird, dann aber auch Fantasy, mag sie auch wirklich sehr gut sein. Wer Mitchell einmal kennenlernen will, er kommt in ein paar Tagen nach Deutschland, dieses Mal leider nicht nach Stuttgart, er liest am 15.03. in Köln im WDR Funkhaus, am 16.3. in Frankfurt im Literaturhaus und am 16.07. in Zürich.

 

Der Roman Die Knochenuhren erscheint heute in deutscher Sprache.


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