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Archives: Samstag, 16. Januar 2016

A winter’s day, a bitter snowflake on my face …

‚Sell Me A Coat‘ has long been one of my favourite Bowie songs.
Like a lot of Bowie’s coolest stuff, it’s just a pop song.
But then you look at it more closely and it’s a Schneekugel.
(Which I guess is an appropriate seasonal comparison.)

It’s a winter scene, a solitary individual in a winter landscape.
My mind’s eye sees it as a kind of grey urban space like in a Lowry painting.
The song immediately works its magic by fixing itself in time – the bitter snowflake is ultratransience, it will melt or disintegrate in seconds.
And so the song takes place in this most brief sliver of time.

What I like about this is its forlornness – love lost but no anger or reproach, or even much self pity – it’s more just baleful self-analysis.
The language here is just fantastically effective – I really love it, it does what the best lyrics should do.
What should they do, the best lyrics?
Perform benign, cosmos-changing magic, that’s what.

Sell me a coat is an a commercial ‚call to action‘ in reverse.
(Call To Action examples – ‚BUVEZ Coca-Cola‘, ‚Buy Today 10% off‘ etc.)
It’s unclear as to whom is being asked to do the actual selling.
This lack of obvious addressee gives the song’s main refrain a prayerful tinge.
So what we have is a world where polarities have changed.
Warmth has become unwarmth, time has become untime.
It’s almost like something out of the i-Ching.
Fire from the mountain, the eagle circles the summit.
Summer will give way to winter soon and your prize will fly into the blue.
Everything you touch, you change – everything you change, changes you.
The universe is change, our life is what our thoughts make it.
Supreme success if you hold your course.

And of course he has no coat – and therefore is no Joseph.
Asking to be sold a coat.
With patch pockets.
Somewhere to keep your hands warm!
In a jingly song.
A jingly song sounds that like it was recorded in a small room that was virtually opaque with the smoke from Players No 6 cigarettes.

Is this the same guy who ten years later would sing the weird pseudo-Romanian incantations on Warszawa?

Wow.
 
 
 

 

2016 16 Jan.

Heart of a Dog

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Mit der Oscar-Nominierung für Laurie Anderson (sie stand auf der Shortlist für die Kategorie Documentary Feature) hat es nun leider doch nicht geklappt.

Dafür gibt es einen speziell gefertigten Dreiminutenausschnitt aus ihrem Film noch bis Ende Januar jeden Abend um 23:57 in den Midnight Moments auf allen Videoscreens des New Yorker Times Square zu sehen.

Der ganze Film feiert seine Fernsehpremiere in den USA am 25. April auf HBO. Bis dahin kursiert er weiterhin durch ausgewählte Kinos.

 
kaestner_herrausglas
 
 
 
Erich Kästner (1899-1974) gehört neben Kurt Tucholsky und (jedenfalls, soweit es Drehbücher betrifft) Edgar Reitz zu den Autoren, ohne die ich wahrscheinlich nicht zum Stift bzw. zur Tastatur gefunden hätte.

Um so schöner, wenn es von einem dieser Herren neues Futter gibt. Schon 2013 hatte der Zürcher Atrium-Verlag (der seinerzeit im Prinzip nur gegründet wurde, damit Kästner während der Zeit seines Schreibverbotes publizieren konnte) die ungekürzte Fassung von Fabian veröffentlicht. Die Geschichte war 1931 zum Teil sinnentstellend gekürzt und entschärft erschienen und das Originalmanuskript galt als verschollen. Es ist eine Kopie gefunden worden, und nun liegt Kästners Roman in einer von Sven Hanuschek kommentierten Fassung unter ihrem ursprünglich vorgesehenen Titel Der Gang vor die Hunde vor. Einige der Kürzungen gehen von mir aus in Ordnung, aber einige wichtige Handlungsdetails werden erst jetzt, da die bislang fehlenden Teile wieder da sind, klar. Wer sich für die Situation und Lebensgefühl in der Endzeit der Weimarer Republik, kurz bevor die Nazis übernahmen, interessiert, wird hier in jedem Fall mehr erfahren als aus manchem Geschichtsbuch.

Und jetzt, wiederum von Sven Hanuschek herausgegeben und kommentiert, liegt Der Herr aus Glas vor; eine chronologisch angelegte Sammlung von 42 Erzählungen, die Kästner zwischen 1923 und 1955 für verschiedene Tageszeitungen und Illustrierte schrieb, zum Teil unter erst kürzlich entschlüsselten Pseudonymen (etwa „Jarosmin“ oder „Emil Brüll“). Einige der Geschichten waren bereits in der neunbändigen Hanser-Werkausgabe von 1998 oder auch in dem Doppelband Gemischte Gefühle von 1989 (noch in der DDR erschienen) enthalten, aber die meisten erscheinen hier erstmals in Buchform.

Vielen dieser Stories merkt man an, dass Kästner sie als Skizzen für später ausgearbeitete Langwerke oder als eine Art Schreiblabor angesehen hat, in dem er Ideen durchspielt und auf ihre Tauglichkeit testet. So findet man etwa unter der Überschrift „Inferno im Hotel“ (1927 im „Berliner Tageblatt“ erschienen) eine noch völlig unkomische Skizze, aus deren Motiven 1934 die (immer noch wunderschöne) Romankomödie Drei Männer im Schnee entstand. Und wenn ein „Sergeant Aurich“ auftaucht, dann muss man Kästnerkennern nicht erzählen, in welchem späteren Gedicht die Story ihre Endform fand („Sergeant Waurich“). Andere Kurzgeschichten sind blanker Nonsens, tragikomisch oder von einer surrealen Realitätsverliebtheit, die mich nicht selten an Kurzgeschichten von Franz Hohler erinnert. Die für Kästner typische Melancholie und (manchmal etwas arge) Sentimentalität steht über allen Geschichten, wird aber in aller Regel durch den ebenso typischen kästnerschen Humor aufgefangen. Dazwischen stehen auch Geschichten, die eher Tagebuchnotizen sind, etwa „Mutter bringt die Wäsche“ (1947 in der „Neuen Zeitung“ erschienen), die die vollkommene Fassungs- und emotionale Hilflosigkeit von Kästners Mutter schildert, als diese Kästners ausgebombtes Haus in Berlin nicht mehr betreten kann. Vor solchen Texten steht man mit Schluckbeschwerden. Und mindestens so interessant ist, wie Kästner diese (wahre) Episode in eine andere (erfundene) Kurzgeschichte („Berliner Hetärengespräch“) transformiert, die dann letztlich wohl eine Szene für die Münchener Kabarettbühne „Kleine Freiheit“ wurde. Und es gibt sehr selbstreflektive Texte, die als „Briefe an mich selbst“ firmieren und in denen Kästner seine erzählerische Eleganz für kurze Zeit aufgibt. Die lassen ahnen, wie er bei aller Hektik und Betriebsamkeit, die ihn wohl ständig umgab, tatsächlich getickt hat — ein Effekt, den ich sonst nur aus dem Blauen Buch kenne.

Nicht alle der hier vorgelegten Geschichten stammen aus der ganz obersten Schublade. Das macht aber nichts, denn interessant sind sie doch alle. Möglicherweise werden es auch nicht die letzten sein, denn noch immer sind nicht alle Kästnerschen Pseudonyme bekannt oder mit Sicherheit entschlüsselt, und es dürfte weitere Werke Kästners geben, die noch der Entdeckung harren. Ich freu mich drauf.
 
Erich Kästner:
Der Herr aus Glas
Atrium-Verlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-85535-411-5


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