Manafonistas

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Archives: Sonntag, 20. September 2015

 

 
 
 

Ein Männlein steht im Walde und überreicht uns den Ehrenbambi, weil wir jetzt so richtig alt aussehen?  Oder ist es der Bambi in der Kategorie Pop International? Nein, natürlich nicht! Hier schreibt auch nicht der Fan des „Einzigen“, geschweige denn des „Einfachen“ oder „Eintönigen“. Es geht um die Würdigung einer Musik, die in ihren Vocals gibt, und die in ihrer instrumentalen (Schlag-)Seite wieder nimmt. Aber das Ganze hebt sich nicht auf; die menschliche Stimme hat noch alles niedergerungen, was ihr zu Ohren kam, ganz gleich, ob dabei das harmonische Prinzip zur Anwendung gekommen ist oder nicht! David Sylvian macht seine Sache sehr gut: Seine Stimme hat etwas Tröstliches, etwas Lichtspendendes, etwas Vertrautes. Und die Musik macht das einzig Richtige: Sie transportiert in der Vielzahl ihrer Möglichkeiten die inneren Stimmen unseres Waldemigranten, der sich scheinbar im Unterholz der Töne verlaufen hat. Aber schon sehen wir die nächste Lichtung, die sich vor unseren Ohren auftut: seine Gesangskunst. Wer löffelt nun die ganze Ratlosigkeit aus, die die Kritiker umtreibt, seitdem das Rabbit seine Löffel abgab? Ich denke, rückbesinnend auf den o. g. Titel, daß der, dem sich diese Musik erschließt, der die Polarität überwindet, in all ihrem Wechselspiel von Anziehung und Abstoßung -, ein-geweiht zu nennen ist, und somit … ein Geweihter. Allen anderen – mit Blick auf das Cover von „Manafon“ – sind die Hörner aufgesetzt. Sie sind die mit sanften Augen und schweren Herzen ausgestatteten Geweihträger.

 

 

 
 
 

Sieben Staffeln, 92 Folgen. Drama und Motorräder, Americana und Hamlet-Variationen, Teufelsbrut und gute Böse, gute Gute, das ganze Reich der Dunkelgrautöne im Springen von Abgrund zu Abgrund – Kurt Sutter hat sein Meisterstück geschrieben. Man sehe es im Original, je grösser die Leinwand, der Fernseher, desto besser. Ja, denkt man, man hat doch alles schon gesehen, kennt die Muster,  und dann das: eine TV-Revolution aus den USA, die bis Twin Peaks zurück reicht (Six Feet Under, Lost, Justified, Homeland, True Detective etc.), die Tabugrenzen und Intensitätszonen erweitert, und, im Falle von SOA, die langen Dialoge des europäischen Kinos ins Biker-Höllental Charming transportiert. Ich sah gestern die letzte Episode der vorletzten Staffel, und, wenn grosse Kunst so etwas erlaubt, und es das 19. Jahrhundert wäre, würde ich jetzt schreiben: in den letzten zehn Minuten gefror mir das Blut in den Adern. Man kann bei SOA auch bestens die karthatische Funktion amerikanischer Songs dingfest machen, die eine Geschichte epischen Ausmasses miterzählen. So rette ich mich jetzt ein wenig ins Sachliche (durchatmen) – ich kann mich nicht erinnern, jemals im fiktionalen Raum etwas dermassen Schockierendes gesehen zu haben, vielleicht als Jugendlicher, abends allein vor dem Fernseher, bevor er von den Filmstudenten dieser Welt in seine Einzelteile zerlegt wurde und zum Kinokulturerbe mutierte, der Mord in der Dusche, in „Psycho“. Aber damals war ich noch klein, und sah Gespenster. SOA ist eine Reise ans Ende der Nacht, eine der zehn TV-Serien, die man gesehen haben sollte, wenn man die eigene Seele mal mit einem „cold turkey“ beglücken will, mit dem ganz harten Stoff: eine Selbsthilfegruppe gründen, ist auch nicht ganz abwegig.

2015 20 Sep.

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Macy’s, Downtown Pittsburgh, September 19, 2015

 


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