In einer grossen fernen Stadt fand ich in einer grossen vielstöckigen Altbauwohnung Hunderte meiner Klanghorizonte-Sendungen. Zum Teil akkurat archiviert, gingen die alten Chromkassetten bis ins Jahr 1998 zurück, starteten also acht Jahre nach meinem Arbeitsantritt als Nachtfalke. Die Listen der einzelnen Shows liessen im Takt eines rasanten Tak-Tak alter Diaprojektoren Bilder und Gefühle aufsteigen, wie Rauchwolken in der Ferne, aber klar konturiert, und mit Adleraugen noch schärfer gestellt. Zwischendurch huschte Nick Drake vorbei, ja, der Cello-Song, vor zehn Jahren hatte ich ihn zuletzt gespielt, jetzt taucht er am Samstag wieder auf. Die Archivarin kannte die Sendungen gut, und erzählte mir, wie sie an meiner Stimme meine jeweilige Gefühlslage ausfindig machte. Manchmal tauchen in den „playlists“ einzelne Sätze meiner Moderationen auf, in solch verdichteter Form bin ich meinem historischen Ego noch nie begegnet. Gelebtes Leben, in Klängen gehortet. Da war erst mal ein Spaziergang durch die Nacht angesagt. Und ich sagte, wie schön es sei, in ein paar Tagen eine weitere Zeitreise anzutreten, in der viele alte Jahre gestreift werden, und selbst der Tanzboden am Ende der Stunde voller doppelter Böden, und bodenlos sei. Let the power fall!
Archives: Mittwoch, 20. November 2013
2013 20 Nov.
Das geheime Leben alter Radiosendungen
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 17 Comments
