Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Samstag, 31. März 2012.

Archives: Samstag, 31. März 2012

an diesen surrealen Roman von Italo Calvino, dem der Schriftsteller David Mitchell attestierte, heitere Avantgarde zu sein, denke ich an die vielen Romananfänge, die sich in diesem Erzählwerk aneinander reihen, unterbrochen von der zarten Liebesgeschichte zwischen einer Leserin und einem Leser. Das Schöne war, wie oft man in diesem Buch mit dem Versprechen eines neuen Anfangs geködert wurde, der dann stets in neue Welten, aber zugleich nirgendwohin führte. Etliche Jahre später habe ich dann die Lektion angewendet, die ich bei Calvino unbewusst gelernt hatte. Wenn dich ein Roman in ein uninteressantes Nirgendwo führt, statt, wie Calvino, in verführerische Nirgendwos, klappe das Buch zu, rasch! Dann wird es nie wieder passieren, dass du dich selbst austrickst und einem hochdekorierten Autor durch hanebüchenen Quatsch folgst. Bis zum bitteren Ende. In dieser Hinsicht (ich war so doof und habe es, einst, ganz gelesen) wird mir nie wieder das langweiligste Buch meines Lebens begegnen, denn ich müsste ja das ganze bleierne Werk durchkauen, um ein solches Urteil zu fällen. Und so thront einsam im Olymp des kulturell aufgeladenen Hoch-Blödsinns, Peter Handkes „Der Chinese des Schmerzes“, ein ganz und gar tumbes, gewiss virtuoses Deptessivum, ein Betroffenheisschinken sondergleichen, in dem ein großer Stilist pure Langeweile zelebriert (trotz Mord und Totschlag). Auch Calvinos postmoderne Romanze wirkt nach all den Jahren etwas altbacken. Aber manchmal denke ich an die Zeit der Lektüre zurück, wenn ich mal wieder in einem Buch gelandet bin, dass mich nicht, calvinoesk, mit einem Augenzwinkern und kurzem Genuss an die Luft setzt, bestens unerfüllt, sondern in einem, in das ich tiefer und tiefer eintauche, wie jetzt, in die Zeit der Staubstürme und der großen Depression der frühen 30er Jahre. Home was anywhere you hung your hat, and family was often whoever sat around your campfire, heißt es im Klappentext von Joe R. Lansdales neuem Roman ALL THE EARTH, THROWN TO THE SKY. Und das klingt doch, oder nicht, nach einem verlockenden Nirgendwo?!

2012 31 März

Garth Knox: Swirling across the centuries

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

The viola is emerging from the shadows: Garth Knox’s utterly original recital combines its dusky tones in new music – by Kaija Saariaho (with electronics) and Knox himself (a flash of moody Piazzolla) – with music for the larger viola d’amore and medieval fiddle. The repertory swirls across the centuries: eloquent, pared down arrangements of Dowland and Purcell songs for viola d’amore and cello, and a complete Vivaldi concerto reduced to its bare outline rub shoulders with vigorous folk dances and a flowing transition from Hildegard of Bingen to Machaut 200 years later, all unified by Knox’s clear-sighted vision and superb, earthy playing. (The Guardian)

2012 31 März

Enttäuschungen (5 Verrisse)

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off

Es ist ja fein, wenn Bruce Springsteen mal wieder den Arbeitskampf ausruft, und seinen E-Street-Rock mit irischer Folklore und Gospel-Flair aufbrezelt. Bei lauter vertrauten Posen bleibt die Musik seltsam formelhaft.

Die Shins waren jedermanns Darling. Nach fünf Jahren meldet sich Mr. Mercer mit einem zuckrigen Familienalbum, anderthalb guten Songs und reinen Mainstream zurück.

Burial hat wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben, kollektive Begeisterung stellt sich fast reflexhaft ein, doch höre ich mir die Mini-CD in Ruhe an, überfällt mich das grosse Gähnen. Monoton auf eine nicht sonderlich spannende Art, Sounds von der
Stange. Was findet man nur an diesem stillen Helden der britischen Elektronik-Szene? Mir ein Rätsel. Vor etlichen Jahren war es Aphex Twin, der mit Selected Ambient Works 2 wohl den Eindruck erwecken wollte, als waren die spirits von Brian Eno und Arvo Pärt gleichzeitig in sein Hirn gefahren: aber es waren nur geschmäcklerische Stereotypen, die viel zu viel Beifall ernteten. Und jetzt eben der zum Kult silisierte Dub-Step-Hero. Freund Henry K. hat schon Einspruch erhoben, er liebt Burial, und wird sich hier vielleicht noch äußern.

Richard Hawley greift nach seinem letzten, leisen, intensiven Meisterstück zur verzerrungsfreudigen E-Gitarre und verliert dabei allen Zauber. Rockt seltsam hohl.
Pathos der umangenehmen Sorte.

The Magnetic Fields greifen auf den Synthie-Pop früher Jahre zurück. Ist hier Langeweile der Antrieb? Kein Song zündet.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz