Manafonistas

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Archives: Samstag, 13. Mai 2023

 

frage 3

(The creative process)

 

With tracks, which reach far beyond the Swedish collective’s roots in jazz and experi-mental improvisation, routinely stretching over the ten-minute mark, Echoes proves that an overabundance of ideas can cohere into an immersive and thoroughly compelling gem. Anchored by the robust grooves of the rhythm section (Andreas Werliin on drums and bassist Johan Berthling) and mixed with an alluring focus on space and rhythm by alt. rock cult hero Jim O’Rourke, the two-hour epic moves seamlessly from majestically sculpted repetition and meditative minimalism to shrieking blasts of near-cacophony. With 43 musicians and singers on board, Echoes must have been carefully planned, yet it sounds refreshingly loose and spontaneous.

– The Yorkshire Post (Robert Wyatt knows this newspaper very well)

 

frage 6

(The process of recording)

 

 

 

 

In keiner Besprechung dieser ersten Vinyledition seit dem Erscheinungsjahr 1973 fehlt die Erwähnung von Quentin Tarantinos „Kill Bill“, denn seine Hommage ans japanische Kino griff eben auch auf zwei Songs von Meiko Kaji zurück, die selbst in alten japanischen B-Movies diverse Hauptrollen spielte – und so tauchten diese wunderbar gefühlvollen Schmachtnummern bereits in dem Rache-Thriller  „Lady Snowblood“ auf, und in dem nicht weniger gewalttätigen Streifen „Female Prisoner #701: Scorpion“.

Solche unangepassten Frauenfiguren produzierten in der japanischen Kultur nur dezente Schockwellen, die zusätzlich geschwächt wurden, wenn die von Männern dominierte Filmkritik den „Trash“-Gehalt solcher Filme belächelte. Aber das Subversive und die wundersamen Ver-Rückungen solcher Rollenmodelle entgingen weder dem japanischen Underground jener Jahre, noch späteren Musikarchäologen.

Meiko Kaji bediente sich an alten Traditionen (wie ich in den liner notes erfahre) und hebelte hehre Überlieferungen munter aus, mit japanischem Pop, und Prisen westlicher Psychedelik, Spuren von Funk. Alles herrlich wie fraulich in blumig-freche Arrangements gewickelt, ein Füllhorn an verführerischen Melodien. Man könnte an Petula Clark denken, an Dionne Warwick, aber man  kann das auch lassen, und sich mit Haut und Haar auf diese japanischen Parallelwelten einlassen. Und diese Stimme – wow!

Und das ist das Tolle wahrscheinlich all der fünf Langspielplatten von Meiko aus den wilden Siebzigern, die in diesem Jahr von We Want Sounds, neu remastert, veröffentlicht werden: glatt könnte man nämlich nostalgisch werden, hätten wir unsere  Boomer-Jahre mit etwas mehr von  diesen alten Liedern und Rachegeschichten verbracht. Fragen Sie mal John Darnielle. Ich erinnere mich, wie gross die Briefmarken aus Japan waren, überlebensgross. Nicht nur der Fujijama. So aber wird aus dem  Para-Nostalgischen auf den Entdecker-Modus umgeschaltet. Manches aus der Ferne wurde als grosse Kunst gefeiert, viel zu wenig landete meines Wissens in den Schmuddelkinos hinter den Bahnhöfen, die ja auch ihren ganz eigenen Zauber hatten.

2023 13 Mai

Traumhafter Stoff

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[in östlichen weisheitslehren und vielen meditativen praktiken geht es darum, sein „ich“ aufzulösen und mit dem „ganzen“ zu verschmelzen. das kann auch beim musikhören geschehen. normalerweise bleibt ja eine kritische distanz in der rezeption. gestern dieser überraschungsmoment, als ich in ein mir bis dato unbekanntes album eintauchte, auswählt als objekt einer allabendlichen „albumstunde“, um es kennenzulernen. zunächst dies: ein brilliantes sopransaxophon und ein piano, dazu kraftvolle perkussive geräusche (ich dachte an oregon). „hey, was ist das denn jetzt?“ kurz ins internet geschaut (ich muss immer wissen, wer und was da spielt). es stellte sich als ein cello heraus. zurück am ort des geschehens, zog es mich dann vollends weg, wie im traum. eine zarte, intime frauenstimme gesellte sich bald hinzu, singend, flüsternd, rezitativ. ich dachte nur halbtrunken und verschmolzen: „diese musik, das bin ich selbst“ und auch so etwas wie „album des jahres“]

 

bandcamp.com / l’étoffe des rêves

 

 

 

In der Juliausgabe von Mojo hat die Redaktion der drittbesten Musikgazette der Welt (nach Uncut und Wire) für die alte Serie HOW TO BUY… Keith Jarrett ausgewählt, und die Nummer 1 (siehe screenshot) ist die erste aller Jarrett-Kisten. Dieses unfassbar gute Album wird im Sommer Teil der neuen ECM-Analog-Remasters sein.

(Aus einer alten Deutschlandfunksendung:) Jesus hatte eine grüne Kiste dabei. Es war Sommer, im Schulhof versammelten wir uns um ihn. Abiturzeit. Jesus öffnete die dunkelgrüne Box, und sagte: „Sagenhafte Musik. Nur Klavier. Tim Buckley schwärmt von diesem Pianisten. Einer, Jungs, der auch auf dem Weg zu den Sternen ist. Hört euch Starsailor an!“ Jesus hatte gesprochen. In jeder Schule gab es einen, der wegen seiner wilden Matte mit Mittelscheitel, Jesus genannt wurde, wenn er zudem nur über ein Mindestmass von Charisma verfügte. Jesus hatte Ahnung von Musik, und eine scharfe Braut am Start. Da, im Pausenhof, waren wir aber noch schärfer darauf, diese Klaviermusik auf den Plattenteller zu legen. Wir kannten Keith Jarrett und die tollen Alben „Soundtrack“ und „Forest Flower“, bei denen er in der Band von Charles Lloyd Und seine wahnwitzige elektrische Pianomusik in Miles Davis‘ Band. Wie Miles hatte auch Lloyds Gruppe schon lange das Rockpublikum erreicht. Bald liefen Jarretts Solokonzerte aus Bremen und Lausanne endlos auf unseren Plattenspielern. Gleichberechtigt neben „Atom Heart Mother“, „Thick As A Brick“ und „Sgt. Pepper“. Es waren die frühen Jahre von ECM. In den USA wunderte man sich über die Allianz des Pianisten Keith Jarrett mit dem deutschen Produzenten Manfred Eicher. Man sollte sich bald noch viel mehr wundern.


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