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Archives: Sonntag, 10. Oktober 2021

2021 10 Okt.

Schwarze Tränen

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Eine Frau verliert ihre Sprache, nachdem sie ansehen muss, wie Mann und Söhne zu Tode gefoltert werden. Ein Ölfilm überzieht die karge Landschaft, bildet einen stumpfen Spiegel für die tief hängenden Wolken. Öl und Feuer spritzen aus der Erde. Rauchschwaden, enorme Rauschschwaden färben den Himmel. Wasserfontänen, Feuerwehrmänner, Bombenkrater, Folterwerkzeuge. Riesige Silos liegen zerknickt zwischen anderen Trümmern auf dem Boden. Ein Junge weint schwarze Tränen. 

„Der Zusammenbruch der Sternenwelten wird sich – wie die Schöpfung – in grandioser Schönheit vollziehen.“ Das Zitat von Blaise Pascal leitet Werner Herzogs Film „Lektionen der Finsternis“ von 1992 ein. Herzog hatte hierfür das vom zweiten Golfkrieg gezeichnete Kuwait bereist. Die Bilder sind apokalyptisch, hypnotisch, erschütternd. Der Film wurde im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt, dazu spielten das Portico Quartet, unterstützt von drei Streichern, das Album „Terrain“. Diese Musik hatte für mich immer eine flüssige, traumhafte Atmosphäre; im Zusammenspiel mit den Bildern wurde sie düster, klaustrophobisch. Die Musiker hielten sich zurück, es gab keine irgendwie geartete Performance, die Bilder standen im Vordergrund (allerdings wirkten die Herren auf mich auch nicht wie ausgeprägte Rampensäue). Die Becken tanzten, der erste Einsatz einer Trommel ging durch Mark und Bein. Langer Applaus nach einer Stunde durchgehend gespielter Musik, eine Zugabe wäre nach diesem Trip unpassend gewesen. Auf dem Rückweg schwebten die kleinen roten Lichter durch die schwarze Nacht.

Painting and giving life to places that don‘t have any, is very gratifying. 

 

  • Vor 10 Jahren brach hier vor der Küste ein Unterwasservulkan aus, die Bewohner von La Restinga mussten für Monate ihre Häuser verlassen. In Erinnerung an diese Naturgewalt hat nun die Gemeinde vier bekannte Künstler eingeladen, um das 350 Seelendorf mit Wandgemälden zum Thema ‚Vulkan’ zu schmücken. Die Einheimischen wurden natürlich nicht gefragt, sie reagierten zunächst verhalten bis unverständlich, aber jetzt sind sie erfreut.
  • Diese jungen Künstler kommen aus der 3D Generation, sie sind Betrachter der Internetlandschaften, kennen aber auch ihren Picasso. Sie sind um die 40 Jahre alt, alle sind weit gereist. („Traveling and discovering different cultures is a gift.“) Sie bemalen riesige leere Wände, von denen es hier zu viele gibt. Sie stehen auf elektrischen Kränen und besprühen die Flächen mit Neonfarben, die eine leicht hypnotische Sensation auslösen. Diese Open Space Gewohnten grenzen ihre Kunst durch geometrische Formen und mathematischen Berechnungen ein. Kandinsky‘s Kompositionen und Escher‘s Raumeffekte sind erkennbar. Sicher haben sie auch C.G.Jung‘s „Träumereien“ in den talentierten Händen gehabt. Alle Vier sind Autodidakten, haben sich Graphic Design , Graffiti, Popkultur und Illustration selbst beigebracht.
  • Irene Lopez Leon (Barcelona)
  • Iker Muro (Bilbao)
  • Ruben Sanchez (Berlin)
  • Louis Lambert (3ttt man/Frankreich)
  • Ihr Motto ist: Mach es selbst UND Es ist gesund, andere Orte kennenzulernen.
  • Ihre Inspirationen holen sie sich auf Reisen. Ihre großen Murials finden sich auf der ganzen Welt. Eins von Irene Lopez Leon auch in Hannover. ;)

 
 


 
 

 


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