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Archives: Montag, 15. März 2021

2021 15 März

Blaudunkel

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Ich habe vor 5 Jahren sehr gerne zwei Songs von Masha Qrella gehört: In einem geht es um einen (oder eine?) DJ, der fast nur „On The Beach“ auflegt, in dem anderen darum, nicht die Schlüssel zur Wohnung des Partners zu bekommen, damit man die später nicht zurückgeben muss. Die restlichen Songs des Albums gefielen mir auch, so dass „Keys“ im Sommer 2016 sehr oft lief – und danach kaum noch. (Nebenbei: 2016, in dem Jahr der Brexit Abstimmung, der Wahl der AfD in den Bundestag und der Trump Wahl, dachte ich, dass es nicht viel schlimmer kommen könne, nun ja). Die Ankündigung des neuen Albums „Woanders“ hat mich erst nicht großartig interessiert. Gedichte, die vertont werden?! Ach ne, da kaufe ich mir lieber einen Gedichtband von Thomas Brasch und gut ist. Der Song „Geister“ gefiel mir mit seinen bollernden Beat dann doch ganz gut … und „Das Meer“ im Duo mit Dirk von Lotzow ließ mich nicht mehr los, so dass ich die Schallplatte bestellt habe. Ich mag alle Stücke, mal gehen die mehr in Richtung späte Roxy Music, dann klingt es nach Indie Pop, gelegentlich treten elektronische Einflüsse in den Vordergrund. Als Doppelalbum mit 17 Songs vielleicht etwas wenig abwechslungsreich. In Zukunft höre ich das Album wahrscheinlich nicht so oft am Stück, lege zwischendurch was anderes auf. Aber: Die Texte sind toll und wirken wie für die Musik gemacht. Keine Ahnung, ob es unter meine 16 Lieblingsalben des Jahres kommt, da muss ich noch etwas länger hören, ob und wie sich die Musik in meinen Alltag einnistet.

2021 15 März

Mogwai: As The Love Continues

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Wie bei jedem Mogwai-Album teilt sich das Meinungsbild auch hier wieder zwischen den Fraktionen „ein weiteres Album im qualitativen Mittelfeld, das keine besonderen neuen Ideen zu bieten hat“ und „ihr bestes Album seit…“ – in jedem Fall ist festzuhalten, dass As the Love Continues schon jetzt das (in den Charts) erfolgreichste Album der 25-jährigen Karriere der schottischen Rockband ist.

Ich halte mich für keinen sorgfältigen Fachmann aller Mogwai-Alben, doch wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass ich doch fast alles mehr oder weniger gut kenne, was die Band gemacht hat. In gewisser Weise genügt es vollkommen, die preisgünstige Kollektion Central Belters zu haben, die auf 3 CDs einen hervorragenden Querschnitt aller Alben, Soundtrack-Arbeiten und Nebenstränge der ersten 20 Schaffensjahre bietet. Doch As the Love Continues, das erste neue (Studio-)Album seit dem verhalten aufgenommenen Every Country’s Sun 2017, hat mehr auf dem Kasten, als dass es über eine gute Stunde nur die alten Ideen wieder hochköcheln würde.

Der Humor der Schotten zeigt sich bereits wieder einmal in den Songtiteln; „Ritchie Sacramento“ beispielsweise, einer der sehr seltenen Songs mit Gesang, beruht angeblich auf der missverstandenen Nennung des Namens Ryuichi Sakamoto (wie vor zehn Jahren „You’re Lionel Richie“ die zufällige Begegnung des Mogwai-Frontmanns mit Herrn Richie im Wartebereich eines Flughafens aufgriff), aber klar, auch Gags würden keine mittelprächtige Platte hörbarer machen, und „Ritchie Sacramento“ ist für Mogwai-Verhältnisse ein wunderbarer Pop-Hit, der aus dem Gesamtkontext nur scheinbar durch seine Andersartigkeit herausfällt. Denn viele Stücke sind einladend bis mitreißend, auch wenn das nicht immer gleich offensichtlich ist – und, ja, emotional eingängig, ohne plump zu sein, wie das bei solchen „Post-Rock“-Scheiben schnell passiert. Auch „Fuck off Money“ beginnt mit Gesang, allerdings mittels Vocoder bis zur Unverständlichkeit verfremdet (erinnert damit anfangs an das famose „Hunted By a Freak“ vor über 20 Jahren), bevor sich leidenschaftliche Gitarrenberge auftürmen, die die ganze bestechende Kraft dieser Band zusammenfassen, wie das auch im schroffen „Drive the Nail“ der Fall ist.

Bei „Ceiling Granny“ denken nicht wenige Hörer an den Alternative Rock der (früheren) 1990er, doch der Gesang, den man hier tatsächlich erwarten würde, er kommt nicht. Und trotzdem ist es ein Song, ein eingängiger, auf sympathische Weise womöglich altmodischer zudem. Das folgende „Midnight Flit“ wird durch mehr und mehr wirr aufgetürmte und zum Ende hin wieder versickernde Streicher von Atticus Ross zum Spektakel, bevor mit „Pat Stains“ (mit Saxofonist Colin Stetson als Gast) eine angenehme Entspanntheit Einzug hält.

Flaming-Lips-Hausproduzent Dave Fridmann, der in den Neunzigerjahren beim Album Come On Die Young im Boot war, scheint eine einnehmende Melodiefreudigkeit herausgekitzelt zu haben, vielleicht hatte die Band aber auch nach den vielen Soundtrack-Projekten mal wieder so richtig Lust auf eine recht geradlinige, bodenständige Platte. Wie auch immer: Mit As the Love Continues sind Mogwai nun erstmals auf Platz 1 der britischen Charts gelandet. Und ich sage: ihr bestes Album seit … 25 Jahren.

Ich mag diese Platte total gerne. Ursprünglich als Soloalbum eines nicht ganz unbekannten Musikers gedacht (der einst in den 80ern die Sahne auf die Torte eines Hits einer singenden Schmalzlocke zauberte), wird sie bei denen, die diesen Meister seines Instruments kennen, wahlweise für Irritation / Faszination sorgen. Es ist zurecht ein Duo-Album geworden, ausgestattet mit einer raffinierten Portion Jazz. Rein instrumental, fragmentiert, in Sekunden höllisch funky & dann wieder seltsam verloren. Das Gebräu weigert sich strikt, einem steten Groove zu folgen, wechselt nahtlos von einem halluzinatorischen Halbstil zum anderen. Das Spiel der Akteure ist sowohl abenteuerlich als auch strukturiert, und das überraschende, wohltuende Resultat hätte auch eine Veröffentlichung verdient gehabt auf Enos Obscure-Label aus den 70ern. Es wäre Obscure No. 11 gewesen. Nur ist eben eine Neuheit, und das Cover setzt genauso auf Unauffälligkeit wie der Titel dieser Langspielplatte. Die Frage ist: um welches Opus handelt es sich hier? Die Antwort wird nicht wirklich weiterhelfen, denn die Musik bleibt ein Rätsel. Wie Lana Del Ray.

2021 15 März

Valerie

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Gestern hatte ich in aller Ruhe das neue Album von Valerie June gehört. Und ein interessantes Phänomen erlebt. Auf den ersten Eindruck schien es überproduziert. Zudem musste ich mich an die hohe Stimme gewöhnen. Das gelang mir beim vorigen Album, und jetzt auch wieder. Als ich mich dann durch die Lieder bewegte, von Raum zu Raum, in einem weitreichenden Sammelsurium der Stile – geriet erstmal alles in Schwingung zwischen den Ohren, es zirpte, trommelte leicht, sprühte Pastell mit lauter zart besaiteten Instrumenten – selbst sich rar machende Blasinstrumente (so kommt es mir in der Erinnerung vor) schienen bevorzugt im Hintergrund zu tänzeln. Zusätzlich waren die offiziellen Videos einzelner Songs gar nicht mein Fall, so edel designt. Sollte ich mir erste Krokosse ins Haar flechten? Doch dann kippte alles, was frühe Wahrnehmungen suggerierten: ich konnte mich hineinfallen lassen in den Strom feinziselierter Melodien, die Stimme entwickelt einen anderen Soul, von Song zu Song, es packte mich dermassen, dass die Zeit nur so dahinflog beim zweiten Hören. Zum Beispiel dieser Song: “Two Roads” begins as a soul pastiche but quickly morphs into a gorgeous country song, drenched in honey-sweet pedal steel. The song is about grappling with the consequences of past decisions, with June—like her soft, upper-register vocal hook— sounding lost in the clouds. Auf den Punkt gebracht: All that deepness in the lightness. All those spaces in between. Erstaunlich gute Platte.

 


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