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Archives: Dienstag, 16. März 2021

2021 16 März

„Further down the Jurassic coast in Dorset“

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March 22, 2012

 

Hello Michael – lovely to hear from you. Your wish is my command.

Here’s the story of  „west bay“ and this piece of music.

 

I have never had a home town, and I was a very restless young man – still am to a degree – who made friends very easily but also walked away very easily. Buried deep in me was a sadness that became severe in my early twenties, a detachment rooted in my very young experience that was playing itself out in destructive ways as I charged around London and between people without being able to verbalise my pain.

 

My only confidante in those days was writing, and I used to search for moments of significance like a junky for a fix. This rootlessness and searching would only ever really stop in inebriation, temporarily, or when confronted with the sea. The beach that led me to write this poem is actually not called ‚West Bay‘ but ‚West Bay‘ sounded better than it’s real name, and is a beach further down the Jurassic coast in Dorset from the one about which this was written.

 

I hope the joy of communing with the sea and with birds – I become fascinated by birds more and more – overrides the melancholy that is undoubtedly underneath the writing. I imagine germinating thoughts wriggling out to join a greater scheme when I read it now, typing it out, and the regal looking gull is still the same power that it was then, while I do not feel the pain of the young man anymore. I would hope listening to it is an oasis of sorts.

 

We recorded this track initially with Brian reading, the sequence he had written was so heartbreaking and with his reading, the piece was just too sad. We recruited Bronagh and she took the feeling to a different place.

 

Best wishes 

Rick

 

west bay

 

west bay
a home without the memories
where waves replace nostalgia
and welcome back the thinker
with every shift in shingle.
imagine. alone on this island
with only the stones
their timpani
and shoots of thoughts
just germinated, free to die
or swim away to grey horizon.
except you are not alone
near a troop of watching seabirds
resting in the day.

 

Brian Eno and the words of Rick Holland: West Bay, from: Panic of Looking, WARP Records, 2011. Hier zur Vertonung.

 

2021 16 März

Telefonat mit einem Presseagenten (memory mix)

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Agent: Und die lassen sie über den Hindenburgdamm drüber? Michael: Das ist kein Problem. Beim ersten Shutdown musste ich mich bei der Landesregierung akkreditieren lassen, mittlerweile reicht eine Auftragsbescheinigung für die Chefin meiner Pension. Agent: Es ist dort ja total einsam, und da wollen sie ausgerechnet dieses Buch lesen? Da kommt was auf sie zu. Michael: Ich hoffe es, und ich liebe gute Western. Wenn ich nur  an Cormac McCarthys „All die schönen Pferde“ denke, grossartiger Roman, keine gute Verfilmung. Und ja, im Mai werde ich dann, in meiner Radionacht den Roman vorstellen, aber nur, wenn er mich mit auf eine Reise nimmt. Und dann unterlege ich ihn wohl mit jenen spröden Wüstengitarren, mit denen Warren Ellis und Nick Cave schon manchen Western bestückt haben. Agent: Vielversprechend. Michael: Ich hoffe es. Ich nehme das Buch überall mit hin, selbst nachts, wenn eine  meiner „Inselquellen“ mir eine Sauna am Meer öffnet. Agent: Was machen sie denn nachts in einer Sauna? Michael: Saunen. Oder heisst es saunieren? Agent (lacht): Extrem. Michael: Es ist Teil einer weiteren Nachtwanderung. Sie müssten mich mal im Neoprenanzug hinterm Roten Kliff sehen, sie würden an einen Alien denken! Ein Alien mit Taschenlampe. Agent: Sylt kann ich mir nur schwer als Abenteuerinsel vorstellen. Michael: Ich bisher auch nicht. Aber im Shutdown, und nachts, das hat schon was von realen Gespenstergeschichten. Zumal ich im letzten Jahr viel Material gesammelt habe, aus Zeitungen, von Insulanern, über den Suizid des Schauspielers Ulrich Wildgruber an der Küste von Westerland. Agent: Ganz ehrlich, wenn ich die Insel in diesem Zustand erleben dürfte, ich würde mir sicher auch eine spannende Lektüre mitnehmen, aber, ähem, nicht so eine extrem dichte Einsamkeitserforschung. Da lassen sie sich auf was ein. Michael: Das will ich ja. Ich bin nicht als Tourist unterwegs. Und für mich sind die nord- und ostfriesischen Inseln immer auch Teil meiner Kindheitsgeschichte. Das erdet, auch wenn ich meistens alleine rumstreune. Agent: Erstatten sie mir hinterher Bericht, bitte. Michael: Gerne doch.

Die dritte Welle steigt, drastisch, mit zu vielen  schlecht durchdachten Öffnungen, der Inzidenzwert klettert (der kein politisches Konstrukt ist, sondern eine empirische Grösse mit existenziellen Auswerkungen), und das Murphy-Gesetz regiert. Oder Berlin? Die Intensivmediziner fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown, sie lesen die Zahlen und wissen nur zu gut, warum. Die regierenden Zirkel scheuen die Wahrheit der Zahlen und reden über das Leiden dahinter, in einer alten Sprache, welche nur Hohlwörter hat für Einsamkeit, Trauer, Verlust. Im Stotterrhythmus von einer zur nächsten und übernächsten „vorübergehenden Schliessung“: das klingt so, als sei der Chef eines Tante Emma-Ladens mal kurz zum Zahnarzt gegangen, um dann nie wieder aufzutauchen. Für den Alltag braucht man langsam ein Narkotikum: allein die immergleichen Diskussionsrunden betäuben nicht wirklich, diese medialen Möbiusschleifen. Ein Dauerflimmern. Die Pandemie ist mit der dritten Welle nicht einfach vorüber. Die Ausschläge zu hart, und was hinten, Menschen nämlich, runterfällt. Optimisten wittern die Umarmung Fremder im Herbst. Prognosentaumel. Manchmal sind Wiederholungen wie ein Schlag ins Gesicht, der erst beim zweiten, dritten Mal Wirkungstreffer zeigt, Wahrheitsgewinn: 78000 Kinder und Jugendliche leiden an teilweise schweren physischen Folgeerscheinungen der abgeklungenen Hauptinfektion, in England, Long Covid genannt,  wo das mutierte Virus die Zahlen beherrscht. Suizidraten, Depressionen, Existenznot, alles steigt mit den Wellen, mit miserablem Management. Ding, Dong, You’re Dead. Einen Ausweg, ZeroCovid, hat man ein uns andere Mal versäumt, anders als in Neuseeland oder Australien, wo Rockkonzerte wieder vor 30000 Zuschauern stattfinden. Hier gibt es den Vandalismus geheimer Corona-Parties, in Wäldern, Flusstälern, Naherholungsgebieten. Stadtrandzonen. Wo es gemeldet wird, rücken die Ordnungskräfte an. Der soziale Friede ist längst gefährdet. Und dieser ganze Scheiss ist, bitteschön, kein Stephen King-Roman. Bitten wir zum Maskentanz, safe and sound and forever. Meditation hilft. Yoga. Grüner Tee. Bewegung. Bewegung wirkt antidepressiv. Liebe. Gute Freunde. Ein Hund. Gute Musik*. Guter Sex auch. Unter Fremden bitte nur mit vorgezogenem Schnelltest. Und zwischen bald und irgendwann, die Impfung, ein ganz besonderes Desaster in deutschen Landen. Einigen wir uns auf eine Schlussblende: 2022. Stellen wir uns einen Kanzler namens Laschet vor, und die korrupteste WM der Fussballhistorie. Katar. Und Boris Johnson rüstet Grossbritannien atomar auf, der Irre, so sein Ansinnen. Gottogott. Am Glück müssen wir wohl, wie sonst auch, selber werkeln. Das ist der frohe Teil der Botschaft.

 

*Die Ressourcen der Freude lassen sich für manche möglicherweise mit Daniel Lanois‘ neuem, am 3. April erscheinenden Album Heavy Sun aufstocken. James McNair schreibt in der Mai-Ausgabe von Mojo, ein wenig frei übersetzt und gekürzt: „Heavy Sun, in Lanois‘ buddhistischem Tempel in Toronto entstanden, den er in ein Studio verwandelt hat, ist eine Medizin gegen den pandemischen Blues; ein frohsinniges Gospel-Album, das nicht zuletzt  auf der Hammond von Johnny Shepherd, basiert. Es ist ein kühnes Werk mit hellichten und horizonterweiternden Texturen. Wenn die Stimmung an die Aretha Franklin Live-Doku „Amazing Grace“ erinnert, bringt Lanois‘ nuancierte Produktion den Gospel in andere, manchmal dubbigere Gefilde. Der Afrobeat von Every Nation and Angels Watching zementiert das Gefühl, dass hier ein Meister der Atmosphären am Werk ist, während Tree Of Tule einen 1.000 Jahre alten Ort der Meditation unter den Ästen in Oaxaca, Mexiko, feiert.“

 


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