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2017 11 Aug.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
2017 11 Aug.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
Einen unbestrittenenen Verfechter der Jazzfotografie hatten wir hier schon, der in nicht zu zähmender Hartnäckigkeit Saxofonisten, Pianisten, Schlagwerker etc. in allen Posen der Exstase und des Innehaltens ablichtete. Auch mitunter in recht verdrehten Körperhaltungen, die einem die Qualität moderner Chiropraktik in Erinnerung rief. Das kam nicht ganz ran an die stilistische Brillianz der Klassiker des Genres, half aber, die Wertigkeit der eigenen Gedanken auch visuell zu dokumentieren, und eine gewisse Allgegenwärtigkeit. Ein Bild erzählt mehr als tausend Worte, diesen alten Spruch schien der knipsende Holländer allerdings widerlegen zu wollen, denn alle Geheimnisse waren aus den Bildern verschwunden, was blieb, falls es nicht ohnehin drunterstand, war munteres Musikerraten. Seither suche ich nach ähnlichen Serienmotiven, die allerdings, gegenüber dem abgegrasten Feld der Jazzfotografie mit ihren ewig wiederkehrenden Mustern, purer Erinnerungswertigkeit, etwas Geheimnisvolles für sich behalten, einen atmosphärischen Mehrwert. Fündig geworden bin ich beim Topos Strandkorb. Genosse Henry kann in solchen Aussichtsposten der Freizeitgesellschaft sicher ein gutes Buch lesen. „Der Butt“, von Grass. Allerdings kommen mir keine Menschen in die Körbe hinein. So bleibt alles ein wenig surreal, und ein leichtes Schwanken des Wirklichkeitssinnes macht offen für neue Erfahrungen, an scheinbar trivialsten Orten. Jedes Idyll ist trügerisch, und so kann heute jeder Strandkorbbewohner, zwischen Ostfriesland und Blackpool, folgende Zeilen in der Zeitung seines Vertauens lesen: “This situation is beginning to develop into this generation’s Cuban missile crisis moment,” ING’s chief Asia economist Robert Carnell said of the Trump-Kim spat in a research note. „While the US president insists on ramping up the war of words, there is a decreasing chance of any diplomatic solution.“
2017 11 Aug.
Gregor Mundt | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
Beide wären im gerade vergangenen Juli 90 Jahre alt geworden, wären sie denn noch beide am Leben, allein: er starb schon 2004 bei einem Autounfall, am 29.7.2017 hätte er Geburtstag gehabt, sie aber lebt und feierte ihren Geburtstag am 15.Juli. Ob es wohl zur Feier des Tages den legendären Rehbraten mit Spätzle gab, den Marlies Brunner-Schwer so gerne den Jazzmusikern nach getaner Arbeit in den weltbekannten SABA/MPS-Studios kredenzte?
Ihr verstorbener Mann, Hans-Georg Brunner-Schwer, war einst die Tonmeisterlegende und der Technikfreak aus der SABA-Dynastie. SABA, das Wort allein verströmt Wundervolles, Märchenhaftes, vor allem dann, wenn man bedenkt, was diese Firma seit den 1920er Jahren für Radiogeräte produziert hat. Mein schönstes und sicher wertvollstes SABA-Radio ist das SABA-Freiburg, es wurde ab 1955/56 gebaut, verfügt über 12 Röhren, 4 Lautsprecher, eine Fernbedienung und – tatsächlich – einen Sendersuchlauf. Dieses Meisterwerk kostete damals 679,00 DM.

Wenn man allerdings erfährt, was die Abkürzung SABA nun wirklich bedeutet, nämlich Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt August Schwer Söhne GmbH, ist es mit dem Zauber doch eher vorbei.
Vergessen wir das schnell wieder und lassen uns das Wort SABA auf der Zunge zergehen. Hier in Villingen, im Schwarzwald, wurde auch die Königin von SABA, gebaut. Dieser Rolls Royce unter den Musiktruhen hat sicher Max Grundig vor Neid erblassen lassen. Späte Rache: 1986 erwarb der Industrielle für 150 Millionen DM die Bühlerhöhe und ließ das Anwesen zum Luxushotel umbauen. Fortan konnte er auf die SABA-Werke hinunterschauen, die allerdings zu dieser Zeit schon längst dem französischen Thomson-Konzern gehörten.
Zurück zur Königin von SABA – die Maße: 1840 x 1070 x 530 mm, in diesem ab 1956 gebauten Möbelstück sind ein Fernsehgerät Schauinsland T 605, ein Radio Freiburg Automatic 7, ein Plattenwechsler Dual 1003 und ein Tonbandgerät AEG KL65 eingebaut. Preis 1956 einschließlich Tonbandgerät 4895 DM. Zum Vergleich, ein Standard-VW-Käfer kostete in dieser Zeit 3750 DM.
Die eigentliche Leidenschaft Hans-Georg Brunner-Schwers war allerdings sein Tonstudio. Hier fanden sagenumwobene Hauskonzerte statt, Oscar Peterson war gern gesehener Gast, aber auch Herb Ellis, Ray Brown, Hans Koller, Stephane Grappeli, Volker Kriegel, George Duke, Martial Solal, Rolf Kühn u.v.a. Sie alle waren verblüfft von der Aufnahmequalität, die Hans-Georg Brunner-Schwer schon zu dieser Zeit erreichen konnte. Das Tonstudio MPS kann mit Sicherheit als eines der Vorläuferstudios von Tonstudio Bauer (Ludwigsburg) und dem RainbowStudio (Oslo) bezeichnet werden.
Zum Geburtstag der beiden Brunner-Schwers entnehme ich meinem Plattenschrank eine schon etwas vergilbte Schallplatte von 1974, aufgenommen im Oktorber 1971 at MPS-Studio in Villingen by Hans-Georg Brunner-Schwer: es musizieren Oscar Peterson, N.H.O. Pederson und Louis Hayes. Diese drei spielen in Hochform: Younger Than Springtime; Where Do We Go From Here; Soft Winds; Just Squeeze me; On The Trail; Wheatland. Nach den Aufnahmen gab es mit Sicherheit Rehbraten mit Spätzle, gereicht von Marlies Brunner-Schwer. Und ich staune, wie toll sich diese Platte nach 46 Jahren noch anhört.