Ich weiss noch, das Raunen, das durch den Melody Maker ging, als die Platte erschien. Die Jungs auf dem Cover sahen alle ausgemergelt aus und blass, und die Songs landeten schliesslich in dem kleinen Würzburger Plattenladen, wo ich auch Low gekauft hatte. Ich nahm das Teil sofort mit, zog die Vorhänge zu, machte mir einen Tee (damals bestellten wir die Oolongs und Darjeelings bei einem Teeversand aus Bremen, warum auch immer), und die Musik verrichtete ihre Arbeit. Ein kleiner Studioraum in NYC, eine kleine Studentenbude im Frankenland. Jeder Song filettiert, rohes Material, das ins Singen kam. Die Zeit der alten Erhabenheiten war vorbei, und später sagte der Mann mit der schneidenden Stimme, er habe in jener Zeit viel Coltrane gehört. Zumindest erinnere ich das so, und höre ich die Musik, merke ich davon nichts. Ich fiel sowieso gleich in Trance. Nackter ekstatischer Rock, die Parallele zur Jazzlegende liegt vielleicht in der permanenten Intensität, die beiden Gitarren scheinen nicht die Notenblätter, sondern Telepathie zu proben. Nichts lässt einen hier vom Haken. Das lange Titelstück von Marquee Moon vergeht im Rausch. „Not just one of the best long songs but possibly the greatest rock song of all time, the title track of Television’s 1977 debut LP has everything: the grandeur of the finest freewheeling 70s rock, the needling intensity of punk and the eerie tension of an Edgar Allen Poe short story, marked by strange encounters and elemental surges (“the lightning struck itself”). Despite the efforts of generations of critics to unpick it, Marquee Moon remains brilliantly inscrutable – a mystery inside an enigma wrapped in a stinging guitar solo.“ (Sam Richards). Ich stimme zu, man denkt bei solchen Sounds an plötzliche Lichtausfälle, man muss im November nicht mehr auf die Friedhöfe, und John Carpenter kann sich mit dem nächsten Schocker ruhig Zeit lassen. Wird auf dem Album von Liebe gesungen? Blöde Frage. Ein Meilenstein, eine der Platten, bei denen sich viele daran erinnern, wann genau sie sie das erste Mal gehört haben. Und warum fühlte und fühlt man sich hinterher so verdammt lebendig, „good vibrations“ gingen doch eher anders. Die Platte erschien auf den Tag genau vor vierzig Jahren. Gut, dass einer der Hammersongs dieser Tage auftauchte, im Guardian, bei einer Sichtung unvergesslicher Lieder mit dem „long-time-treatment“, ein Fehler, Autobahn nur am Rande zu erwähnen, aber immerhin sind Kevin Rowlands und Iron Butterfly dabei, sowie „Papa Was A Rolling Stone“ und Donna Summers Song mit den dreizehn (?) Orgasmen. (Was ich zu gern finden würde auf den Plattenmärkten der Welt, ist die 12-inch-Ausgabe, die Langfassung, von „State of Independance“, es hat sie einmal gegeben, ich weiss es.)
Archives: Mittwoch, 8. Februar 2017
Auf die Frage, was ihr Lieblingssamstagabendalbum sei, antworte Jane Birkin:
„Mahler’s Symphony No. 10, the Adagio, by [Leonard] Bernstein. Gustav M’s last unfinished marvel … just tears your heart out. I was listening to this in my car and I was so elated, uplifted that I ran into a police van, I got all the policemen to get into my car and put the volume up, and this I thought explained all … it did.“