Manafonistas

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Archives: Freitag, 14. März 2014

2014 14 März

Radiohoerers Hörempfehlungen

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Hallo zusammen! Eigentlich war ich hier immer etwas früher dran … Aber ein paar Tipps zum Anhören können nie schaden, denk ich mal. Hier also ein paar Empfehlungen, die mir aus dem ‚üblichen Kanon‘ herausfallen:

 

  • Adam Roberts – Leaf Metal
  • Aki Takase ‚La Planète‘ – Flying Soul
  • Aspirin – Aspirin
  • Bolder – Hostile Environment
  • Christina Vantzou – No.2
  • Ekoplekz – Unfidelity
  • Kangding Ray – Solens Arc
  • Matthew Barnson – Sibyl Tones
  • Pan Sonic – Oksastus
  • Peder Mannerfelt – Lines Describing Circles
  • Peter Hammill & Gary Lucas – Other World (!!!)
  • Stephan Meidell – Cascades
  • The Young Mothers – A Mothers Work Is Never Done
  • Tom Rainey – Obbligato

2014 14 März

Unbestimmtheiten zuweilen

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Amsterdam, später Nachmittag, vorgestern
 
 

 

2014 14 März

Vierzehn Drei Vierzehn, II

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Das in Worte fassen und Aufschreiben von Lebensumstaenden und allem Belastendem ist immer der Versuch Distanz herzustellen, auf Abstand zu gehen. In der aktuellen Ausgabe des ZEITMAGAZINS berichtet Doris Doerrie sehr anschaulich ueber die therapeutischen Aspekte des Schreibens:
 
Dörrie: 1974, ich war gerade 18, ging ich nach New York zum Studieren. Ich war ja in meiner Familie behütet aufgewachsen, und ich habe es als sehr beängstigend erlebt, plötzlich allein zu sein. Ich hatte kein Geld und habe in so einem Obdachlosenhotel auf der 33rd Street in Manhattan gewohnt, die einzige Bleibe, die ich mir leisten konnte. Dort gab es wirklich Mord und Totschlag, ständig kam die Polizei, weil jemand abgestochen wurde. Nachts hörte ich in der Badewanne die Kakerlaken rennen. Die Tür von meinem Zimmer konnte man gar nicht richtig zumachen, weil jemand sie eingetreten hatte. Ich habe da zitternd in diesem völlig verdreckten Bett gesessen und angefangen zu schreiben. Und dann hatte ich keine Angst mehr.
 
ZEITmagazin: Das Schreiben hat Ihnen geholfen?
 
Dörrie: Ja, weil ich beschreiben konnte, was mir Angst macht. Wie sich die Kakerlaken wie eine Welle in dieser Badewanne bewegen oder die Heizung irrsinnige Laute von sich gibt, faucht, zischt und tobt, und all die Schreie auf dem Flur. Es war eine wirkliche Rettung, als ich gemerkt habe, dass ich diese Dinge überstehen kann, wenn ich sie beschreibe. Ich merkte auch, dass mich mehr interessiert, was um mich herum ist, als meine Innenansicht. Ich bin durch die Straßen New Yorks gelaufen und habe alles in einem schwarz-weiß marmorierten Notizbuch festgehalten. Das mache ich bis heute, ich habe immer mein Notizbuch dabei, auch jetzt. Das Schreiben ist für mich ein Zimmer, ein Schutzraum, in den ich immer reingehen kann. Toi, toi, toi, bis heute.

2014 14 März

Der falsche Oscar

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Stephen Price hat bekanntermassen einen Oscar bekommen für seinen „Gravity“-Soundtrack. Ich hätte ihm keinen verliehen, obwohl die Musik über weite Strecken in diesem „Weltraum-Kammerspiel“ sehr gut „funktioniert“. Aber eben nur über weite Strecken, was angesichts der hier bemessenen Räume ja schon fast wieder ein Kompliment ist. Der kleine, am Ende gewiss verzeihliche „faux pas“ dieses in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Filmes, ereignet sich genau da, am Ende, und wer den Film noch nicht gesehen hat, möge jetzt nicht weiterlesen: „spoiler“! Als Sandra Bullock wieder sicher zur Erde zurückgekehrt ist, und ihre Rettung das halbe „happy end“ sicherstellt, schiesst die Musik aus allen Rohren: der pure Bombast, die ausgelassene Euphorie. Statt hier eine leisere Tonart zu wählen, welche den erlittenen Verlust, die Erschöpfung etc. mitverarbeitet, also einen Raum der Zwischentöne und andere Blickwinkel öffnet (was Nino Rota so herrlich praktizierte bei Fellini), wird hier nur auf eine simple Verdopplung des Offensichtlichen gesetzt, und die Musik gängelt den Zuschauer in allzu berechenbarer Art. Genauso töricht wie die Schlussmusik von „127 Hours“. Einem ansonsten rundum überzeugenden Werk. Hollywood hat sich solch simpel gestrickte Schlussmusiken unendlich oft geleistet: der generell überschätzte Hans Zimmer liefert dafür genau so viele Beispiele wie „Ohrwurm“-Spezialist John Williams. Ich hätte den Oscar an Johann Johansson vergeben, der für den brillianten Thriller „Prisoners“ eine subtile Schattenmusik entwickelt, und selbst im atemraubenden Finale, Stille und Understatement praktiziert.

2014 14 März

Vierzehn Drei Vierzehn

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In der Mittagspause gestern den Kulturteil der „FAZ“ gelesen. Ich fuerchte, wir muessen jetzt ganz tapfer sein: Reinhold Beckmann, der bekannte Talkmaster der ARD, veroeffentlicht am heutigen Freitag ein Album mit eigener Musik. Gemessen an dem Platz, dem die „FAZ“ in der Printausgabe diesem Album einraeumt handelt es sich um ein kulturelles Grossereignis: drei Viertel der Titelseite des Feuilletons weisen den geneigten Leser auf das Album hin — und Edo Reents hat sich mit Reinhold Beckmann getroffen.

Auszuege aus dem „FAZ“ Artikel, die sich selbst kommentieren:

Die Musik? Nicht gerade Led Zeppelin. Und der Titel des ersten Albums könnte auch entschlossener sein: „Bei allem sowieso vielleicht“. Es erscheint diesen Freitag. Muss Beckmann jetzt auch noch Musik machen? Absolut.

(…)

Und nun gibt es ebendieses Album, zwölf Lieder, alles selbst- und handgemacht, sogar die beiden Hunde auf dem Cover gehören ihm. Stilistisch ist es vielseitig, Rock, Blues, Bar-Jazz, Swing, Bossa Nova, von Stephan Gade alles sehr filigran produziert. Wie gesagt: nicht gerade Led Zeppelin. Einsortieren würde man es wohl unter „Liedermacher“, man denkt an den besseren Stephan Sulke, an Reinhard Mey natürlich, aber auch an Paolo Conte oder Adriano Celentano.

Der Ton, für den Beckmann mit leicht angerauter Stimme sorgt, ist entsprechend: mal sentimental, mal zärtlich, mal scharf; die Themen auch: Alltagsbetrachtungen (wie das ätzende „Plauderton“), Rückblicke auf die Jugend („Bremen“), sogar eine Liebeserklärung an eine Fleischfachverkäuferin ist dabei („Charlotte“).

Ob er den kenne, frage ich Beckmann: „Kommt ein Mann in die Metzgerei: ,Tach! Ich hätte gern von der Groben, Fetten.‘ ,Tut mir leid, die hat heut’ Berufsschule.‘“ Beckmann lacht.

Neben dererlei tiefgezogenen Witzchen erfahren wir dann auch noch, dass Reinhold Beckmann „Dylan kann“ und welche musikalischen Vorbilder er hat:

Beckmann spielt: „Things Have Changed“, Dylans wunderbar swingendes, sogar mit einem Oscar ausgezeichnetes Lied, aber auf Deutsch. Man weiß nicht recht, ob er sich den deutschen Text gerade ausdenkt, aber es funktioniert: „Menschen sind verrückt, die Zeiten sind obskur.“

Was lief so zur Inspiration während der eigenen Aufnahmen? „Conte, Georg Danzer, der frühe Celentano, Tom Waits.“ Dazu die jüngste Wilco-Platte, eine rundum perfekte, aber wohl schon zu durchdachte, ambitionierte Sache, von der Gade sich fast hätte entmutigen lassen: „Als ich die hörte, dachte ich: nicht zu fassen, ich hör’ auf.“

Schon will man erleichtert aufatmen, aber Edo Reents gibt keine Entwarnung:

Dazu gab es keinen Grund. Es ist ein professionell-entspanntes Album geworden, breitbeiniges Gitarren-Gegniedel wäre für Beckmann auch nicht in Frage gekommen. Und es soll sogar, in kleiner Auflage, auf Vinyl erscheinen. Dann werde es eines Tages ein kleines Vermögen wert sein, prophezeie ich. Beckmann und Gade scheinen das nicht so recht zu glauben. Vinyl wäre jedenfalls typisch Hamburg, ist ja doch die deutsche Vinyl-Hochburg.

Beckmann droht: „Aber live spielen wir das mit einem richtig fetten Gitarrensolo.“ Im Herbst geht’s endlich wieder auf Tour. Erste Station: natürlich Twistringen, sein Heimatort. So viel Bodenständigkeit muss sein.


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