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Archives: Donnerstag, 13. März 2014

2014 13 März

Tipps vom Radiohoerer

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1 Die Wiederentdeckung des Donald Fagen
 
2 Eyes For Ears (von ARTE Creative)

Das Projekt stellt verschiedene experimentelle Musiker vor. Jeder Künstler wird aufgerufen Musik zu improvisieren. Diese Improvisationsprozesse werden durch den Film dokumentiert. Es entstehen Nahaufnahmen von den Gesten der Musiker sowie von ihren Instrumenten. Der Fokus ist verschlossen, die Umgebung verschwindet, die Kamera wird wie eine Maschine verwendet, die die Musik dekodiert. „Eyes For Ears“ zeigt instinktive Musik, die wie ein Spiel funktioniert. Umleitungen und Erforschungen nehmen an dem Spiel teil, dessen Regeln jedes Mal neu definiert werden. Es gleicht einer physikalischen Erfahrung; die Quellen der Musik und die Beziehung zwischen Bewegung, Materialien und Verbindungen werden evident. Der Film und der Schnitt spielen für die Dokumentation der improvisierten Musik eine ebenso große Rolle. Während des Drehens werden Ton und Bild separat aufgenommen und erst im Schnitt synchronisiert. Es ist ein Porträt der Maschinen, die durch den unsichtbaren Schöpfer manipuliert wird. Die verschiedenen Sequenzen bieten die Möglichkeit für jeden DIY Musik zu spielen.

Geschichten aus der Jukebox (1)

 

Die Taste 230 wird gedrückt, die NSA-Musikbox knackt und knistert, der Plattenwagen setzt sich in Bewegung, eine blaue Columbia-Single wird herausgefischt, das Shure-System fährt heran, nach dem ersten Ton weiß jeder, welche Platte gewünscht wurde, The Animals: The House of he Rising sun. Am 18.Mai 1964 aufgenommen, landete die Single bereits im Juli 1964 in der britischen und im September desselben Jahres in der U.S.single Chart. Im Januar 1965 kaufte ich mir die Platte für 4,75 DM, es war vielleicht meine zehnte Schallplatte in meinem damals noch recht übersichtlichen Plattenschrank. Diese Platte hatte es mir damals total angetan, ich war begeistert. Was mich allerdings sehr erstaunte, war die Tatsache, dass diese Single enorme Überlänge hatte, mit 4:29 Minuten war sie die längste von mir wahrgenommene Single-Platte. Die Rückseite der Platte Talkin´´bout You, eine Ray Charles-Nummer, war mit 1:54 im Normalbereich angesiedelt. Mein alter Perpetuum-Ebner-Plattenspieler musste die neue Platte natürlich unentwegt spielen.

 

Nun wohnten wir damals in einem kleinem niedersächsischem Dorf im Weserbergland. Ein winziger Bahnhof, sogar mit einem Bahnhofvorsteher besetzt, wurde von einem Triebwagen der Bundesbahn angefahren, aber auch Güterzüge verirrten sich manchmal in diesen Ort und wurden an einem Güterschuppen ent- und beladen. Für mich als damals elfjährigen Eisenbahnfan war das alles sehr abenteuerlich und so kam ich recht schnell mit dem freundlichen Bahnhofsvorsteher in Kontakt. Bald durfte ich helfen, Fahrkarten zu verkaufen, die Schranke, die an der einzigen Dorfstraße den Verkehr beim Herannahen eines Zuges zu stoppen hatte, herunterzukurbeln, Pakete in die Güterwagen zu tragen und vieles mehr.

Nachdem ich nun The House of the Rising Sun mein eigen nennen durfte, fiel mir ein richtig gutes Spiel dazu ein. Die Platte war ja, wie oben bereits erwähnt, mit 4:29 Minuten doch ziemlich lang. Fünf Minuten brauchte ich, um zu dem kleinen Bahnhof des Ortes zu gelangen und schnell wieder zurück nach Hause zu laufen, also zweieinhalb Minuten pro Strecke. War das nicht auch schneller zu schaffen? Aber wie die Zeit messen, eine Uhr besaß ich damals noch nicht. Da kam mir der Gedanke, die Animals-Single zur Hilfe zu nehmen: Ich legte die Platte auf meinen Perpetuum-Ebner, setzte die Nadel auf und rannte los. War ich mit den letzten Klängen des Songs wieder beim Plattenspieler, hatte ich gewonnen. Ich weiß nicht mehr, wie oft das Lied auf meiner kleinen Anlage lief, ohne, dass ich es gehört hätte … eigentlich eine Schande … anyway.  Was mein Freund, der Bahnhofsvorsteher wohl über dieses Spiel gedacht hat … er hat sich nie dazu geäußert, außer, dass er natürlich ein ums andere Mal gefragt hat, ob ich es nun endlich geschafft hätte …

 


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