Die neue Arbeit der Tindersticks ist zwar im Grunde alte Musik, aber wie hat es Thelonious Monk gehalten mit seinen Stücken, eben, auch er hat sie wieder und wieder aufgenommen. Und nun haben sich das mal die Tindersticks geleistet, feinsinnigste Melancholiker unter britischer Herbstsonne, Lieder aus ihrem Werkeverzeichnis neu eingespielt. Weder besonders neutönend noch elektrifiziert noch als extended mix, eher in schlichter Lust und Beiläufigkeit. Sie bereisen mit diesen aufgefrischten Erinnerungen europäische Theater, die wie für ihre Musik geschaffen sind, unter anderem den Berliner Admiraalspalast, wo ich sie erleben werde. Wir Tindersticks-Hörer brauchen nicht viele Dinge zum Glück, einen heftigen Regenguss vielleicht, einen warmen Pflaumenkuchen mit Hefeteig, guten Sex an fremden Orten, die Aussicht von Hampstead Heath, eine sanfte Landung auf dem kleinen Flughafen von Nizza, die dritte Staffel von Homeland im Gepäck, spät am Abend einen Caipirinha im Pool, die definitive Version von „I Know That Lovin“ (die haben wir jetzt!), oder eine Nachricht von Freunden an der Rezeption. Oder eine Kindheitserinnerung, in der man den Toten noch einmal „hallo“ sagen kann, „hello, with love“. Gute Nacht, legen Sie die neue Tindersticks auf mit den alten Liedern, und träumen Sie gut!
Archives: Donnerstag, 10. Oktober 2013
2013 10 Okt.
Across Six Leap Years
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Comments
Auf dem Weg nach Sjøbygda in der Sør-Trøndelag Region. Letzter Laden, bevor’s richtig silvanisch wird.

Nun geht’s über kurvenreiche Schotterwege tief in den Wald. Nach circa vierzig Minuten erreichen wir Eggaodden Skole, das alte Schulhaus, 1893 errichtet. Bis 1956 hat es Dienst getan und die folgenden fünfzig Jahre des eingetretenen Fortschritts hat es leergestanden. Hier im vorgefundenen Status.

Dann den Weg weiter hinunter zum Seeufer. Dort befindet sich Bekkastoggo, an einem kleinen Gebirgsbach gelegen. Das Haus war bis 1956 von zwei Schwestern bewohnt und stand danach ebenfalls fünfzig Jahre leer. Hier im vorgefundenen Status.

Bis Eldbjørg während eines persönlichen Umbruchs eines Tages hierhin fand, den Ort für sich entdeckte, sich seiner annahm und einen schnellen, wilden Entschluss fasste. Auf der Stelle kaufte sie beide Häuser. Zwei Tage später war alles unter Dach und Fach und konnte die Verwandlung beginnen. Die natürlich ein längerer Weg bis zum heutigen Status war.

Im alten Schulhaus treffe ich die Vokalistin Kirsti Huke und den Saxophonisten Tore Brunborg von der Gruppe Scent of Soil, die hier in der Abgeschiedenheit für einige Zeit an neuen Stücken gearbeitet haben. Sie werden sich am nächsten Tag mit den anderen Bandmitgliedern, Gitarrist Petter Vågan, Bassist Rune Neergaard und Schlagzeuger Gard Nilssen tausend Kilometer weiter nördlich im subpolaren Tromsø vereinigen, um zusammen Neues zu spielen.

Brunborg/Huke/Vågan/Nergaard/Nilssen – Scent Of Soil. Hubro 2513