Manafonistas

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Archives: Donnerstag, 7. Juli 2011

 

(Dieses Photo wurde von Gregs in der Nähe von St. Tropez geschossen, im Juni 2011. Stundenlange Verhöre durch den französischen Geheimdienst waren die Folge, als er es der Lokalzeitung für ein hübsches Sümmchen verkauft hatte.)

 

Sven Großhans (ein neuer Manafonista?) schreibt über das Buch mit dem obigen Titel, das von Michael Scheschte und Martin Engelbrecht herausgegeben wurde, folgendes: Ein geglücktes Resultat dessen, was geschehen kann, wenn man sich ernsthaft und ohne falsche Vorurteile auf ein Terrain begibt, das aus wissenschaftlicher Warte sonst oft kritisch beäugt oder gar belächelt wird. Die beiden mit allen Wassern gewaschenen Herausgeber „entführen“ uns mit dem Sammelband „Von Menschen und Außerirdischen – Transterrestrische Begegnungen im Spiegel der Kulturwissenschaft“ in eine hochinteressante Welt, in der „der Außerirdische“ von verschiedensten Seiten betrachtet und damit seine – vor allem gesellschaftliche – Relevanz ausgelotet wird. Der Sammelband zeigt, dass es möglich und durchaus fruchtbar sein kann, wenn man mit ungetrübtem Blick auch ungewohnte Themenbereiche sozialwissenschaftlich aufzubereiten vermag. So entfaltet sich eine Kartographie des Extraterrestrischen, in der Kunst und Medien genauso ihren Platz finden wie das Phänomen der Entführung durch UFOs oder auch das mittlerweile hochanerkannte SETI-Projekt. Mit dem nötigen Feingefühl ausgestattet gelingt es den einzelnen Autoren, die unterschiedlichen Bereiche auf eine Weise zu zeigen, wie sie einem sonst eher verborgen geblieben wären. Matthias Hurst beispielsweise führt uns auf interessante Art und Weise „Darstellungen und Interpretationen von Außerirdischen in Film und Fernsehen“ vor Augen, die ebenso einleuchtend wie erhellend sind. Im Aufsatz „Entführt! Von irdischen Opfern und außerirdischen Tätern“ entwirft Michael Schetsche ein neuartiges integratives Erklärungsmodell, dass die spezielle Thematik der „Abduktion“ (- die Entführung durch UFOs -) in einer nur selten zu findenden Klarheit erscheinen lässt und ein tiefergehendes Verständnis der soziopsychologischen Prozesse ermöglicht. Auch mutmassliche Entführungsopfer kommen zu Wort, die sich dann großenteils in fremdsprachigen Lauten artikulierten und in die Psychiatrie eingeliefert wurden.  Bestimmt kein Buch für jedermann – aber für jeden, der sich unvoreingenommen und auf wissenschaftlicher Ebene mit dem breiten Themenspektrum des Extraterrestrischen beschäftigen möchte. Auf diesem Gebiet gibt es derzeit keine (ernstzunehmende) Alternative zu diesem modernen Standardwerk der (Exo-)Soziologie!

 

Das waren noch Zeiten, als,  gerade mal 10 Minuten von meiner Haustür entfernt, die Platten, Bücher und CDs von Soul Jazz Records promoted wurden. Alle paar Wochen ging ich da vorbei, und kam mit neuem Stoff aus dem Hauptquartier des Labels von Stuart Baker nach Hause: die Roots Reggae-Fundgrube von Sir Coxsone Dodd schien unerschöpflich, aber es gesellten sich auch brilliante Kompilationen aus Brasilien, der New Yorker-Noise-Szene und anderen historischen Quellen hinzu. in letzten Jahren finden sich da auch viele brandaktuelle Produktionen aus der Dub-Step-Szene Britanniens, eine Musik, mit der ich allerdings nicht wirklich warm werde. Also kehrte ich immer wieder zu den „Perlen“  zurück: wilder, nie gehörter Jazz aus den 60er Jahren, herrlich ungezähmt, aber auch kubanische Ritualtrommeln und  harsche Elektronik aus New Wave-Zeiten. SoulJazz Records ist bis heute eine Bereicherung für meine Sendungen im Deutschlandfunk geblieben. Vielleicht macht Sie dieses kleine Interview (das seinerzeit als „Corsogespräch“ über den Äther ging) neugierig,  sich mal auf der Homepage von SJR umzuhören.

Tropicalia - A Brazilian Revolution in Sound

Woran arbeiten sie gerade in ihrem Büro in Soho?

  „Wir arbeiten an einem Buch mit dem Titel „New York Noise“ – ein Buch über die New Yorker Musik- und Kunstszene der 80er Jahre, mit Bildern von vielen Protagonisten  und mit Texten, etwa  von David Byrne oder  Cindy Sherman.  Und da nähert sich die Deadline, heute muss der komplette Text in die Post gehen!  Zudem beende ich gerade die Begleitexte für unsere zweite  „Tropicalia-Compilation“, die brasilianische Musik in den Siebzigern!  

In früheren Jahren zogen sie ja länger durch die USA,   im mit der Musik im Blickfeld. Wieso waren sie so scharf auf Raritäten, unabhängig von ihrem komerziellen Wert?

 „Ich war eigentlich besonders an schwarzer amerikanischer Tanzmusik interessiert. Ich weiss gar nicht so genau, woher diese Faszination rührte. Auf jeden Fall war es ein guter Weg, die USA zu erfahren, und nebenher eine Art musikalische Erziehung zu erhalten.“ 

Sie sagten einmal: man kann dieselbe Faszination für eine Jazzplatte aus den 50er Jahren empfinden wie für ein modernes Tanzalbum. Man muss es nur in der richtigen Weise präsentieren. Können Sie diesen Gedanken etwas ausführen?

 „Es ist meine eigene Erfahrung, dass ich die Musik einer anderen Kultur und einer anderen Zeit genauso genießen kann, wie Musik aus dem heutigen England. Hermann Hesse kann für einen 16-jährigen englischen Jugendlichen  genauso spannend  sein wie ein brandneuer  Roman. Es geht halt   um die Weise, wie man eine Umgebung präsentiert, die sich außerhalb deiner eigenen,  gewohnten   Kultur befindet. Und das ist die Freude daran, eine Plattenfirma wie Soul Jazz Records zu haben.“ 

Soul Jazz Records ist berühmt geworden für all die immer  noch sprudelnden Veröffentlichungen aus dem legendären Archiv des Studio One  von Sir Coxsone Dodd. Können Sie etwas erzählen von ihrer Beziehung zu Coxsone, und zu ihren Kämpfen gegen die „englische Reggaepolizei“?

 „(lacht) Ja, das ist wahr. Unsere Beziehung  begann vor etwa 10 Jahren – wir sagten ihm, dass wir gerne mit ihm zusammenarbeiten würden,  und  sandten Coxsone eine Sammlung unserer Arbeiten. Er mochte es, daß wir kein reines Reggae-Label waren, sondern alle möglichen Genres von Musik im Programm führten. Nicht zuletzt  Jazz und Soul – diese Musik liebte er sehr!  Er gab erst mal sein Ja für ein Projekt. Ich traf ihn in New York, und  das führte mit der Zeit zu einer Freundschaft – und zu Reisen nach Jamaika. Er gab uns auch grünes Licht für einen Film!  Von da an haben sich die Dinge stetig  weiterentwickelt. Und was die etwas sarkastische Bemerkung von der  „Reggae Polizei“ betrifft –  nun, die Wege, die Soul Jazz Records ging , waren in den frühen Jahren ziemlich gewöhnungsbedürftig für viele Leute. Uns ging es ja darum, Verbindungen aufzuzeigen zwischen Reggae, Soul- und Funkmusik! Und was jetzt ziemlich offensichtlich erscheint, löste vor gut zehn Jahren noch ziemlich viel Befremden aus.  Und viele Leute, die mit ihrer Liebe zum Reggae aufgewachsen waren, hatten da eigene Empfindsamkeiten entwickelt.  Und die richteten sich gegen unsere Vorgehensweisen. Da gab es einige Reibereien, und das war auch ein Generationenproblem!“  

https://www.youtube.com/watch?v=2AEwK0Gyd4o

„Die Reggaemusik hat ja oft ein sehr verklärtes Sonnenschein-Image. Aber die Wahrheit war eine andere: Berühmte Sänger wurden ermordet; Armut machte sich breit, Wohlstand war kaum zu erlangen, wenn man  keinen „dicken Vertrag“ von großen Labels aus England bekam. Wieso, denken Sie, strahlen diese alten Reggaeklänge heute noch für viel eine eigen Magie aus?  Es ging ja um eine Musik, die oft mit alten defekten Maschinen erzeugt wurde….“ 

 „Ich denke nicht, dass Reggae einfach nur eine Emotion verkörpert. Es hängt von der jeweiligen Zeit ab: „Ska“ war sehr turbulent und aufregend, spiegelt die  Unabhängigkeit und die eigenen Wurzeln; in den 70ern wurde der Reggae nicht melancholischer, aber teilweise dunkler.  Wieder spiegelte die Musik die Zeit, aber, wie bei aller Musik, die ich mag, kam hier stets   etwas Rohe und Raues zum Vorschein, etwas Ungeschliffenes. Diese  Reggae ist sehr roh, und das kommt bei den alten Aufnahmen sehr klar zum Ausdruck.“

Studio One Classics

https://www.souljazzrecords.co.uk/index.php

 


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