MANAFON ist ein zärtliches Ungetüm, eines der wenigen Meisterwerke des jungen Jahr-tausends. DIED IN THE WOOL – THE MANAFON VARIATIONS spinnt all die Fäden fort, die sich da anbahnten, öffnet Räume, schliesst Fenster, lässt die alten Gesänge seitwärts treiben, schiebt neue Songs hinterher. Wer vor MANAFON flüchtete, wird sich auch hier in Sicherheit bringen wollen. Was passiert hier alles mit dem Originalstoff: mal verschwindet die ganze Kulisse der frei improvisierte Gespinste, und wird durch den streng modernen Duktus eines japanischen Komponisten ersetzt, mal werden diese detailfreudigen Sound-forschungen des Ursprungsalbums subtil variiert. Das Amalgam funktioniert immer und nimmt gefangen: ob Arve Henriksens Trompete nordisch uncool die Vertonung eines Gedichts von Emily Dickinson anreichert, ob Samples aus einem Konzert von Skuli Sverisson (Kristiansand 2010) momentlang einen tonalen Untergrund bauen, wo sonst harmoniefreie Klangpartikel ins Offene entschweben, ob die Melange von Ambient Music und Song Sylvian zu einer zauberischen Ballade antreibt, die den Samen für ein ganzes Werk bilden könnte (I SHOULD NOT DARE): was durchweg verblüfft, ist die Natürlichkeit, mit der hier Neue Kammermusik, Electrionica, Sampling sogenannter Pop- und Klangspuren von manch anderen Welten eins werden. Geradzu lässig, als ginge all das Unerhörte und Dunkle leicht von der Hand.
Archives: Sonntag, 8. Mai 2011
2011 8 Mai
David Sylvian: Died In The Wool – The Manafon Variations
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog,Gute Musik,Musik aus 2011 | RSS 2.0 | TB | Tags: David Sylvian, Sylvian | Comments off
2011 8 Mai
Eine kurze Geschichte der Manafonistas
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Manafonistas | Comments off
Irgendwann im Herbst 2009 trafen sich die drei Manfonistas im Netz: man tauschte
sich aus über die neue Arbeit von David Sylvian, „Manafon“. Daraus entstand später
der Name. Drei unterschiedliche Typen, mit spannenden Übereinstimmungen und Nicht-Übereinstimmungen. Der aus Niedersachsen liebt z.B. eine bestimmte Platte von Pat Metheny, die der aus NRW eher langweilig findet, und unser Mann aus Thüringen, nun, keine Ahnung. Wir haben uns ja alle noch nie gesehen.
Der eine mag eher philosophische Bücher, der andere eher Thriller, der Dritte im Bunde analysierte beiläufig und punktgenau die Attraktion, die Texte des sogenannten „Krautrock“, mit ihrem spröden Minimalismus, bis heute ausüben. Zum Beispiel.
Von „Manafon“ ausgehend, schwärmten die Gedanken in alle möglichen Richtungen,
es ging um einen Friedhof für Schiffsbrüchige auf Sylt, Meisterwerke der Popmusik,
Zu Guttenbergs Fälschungskünste, das Erstellen von Playlists für Radiosendungen der etwas anderen Art, exzellente indische Restaurants in London, Liebesdramen aus Studententagen, Rupa and the April Fishes. Und jetzt sind wir hier.
Sind wir ein Skurrilitätenkabinett? Schon möglich. Heute entdeckte ich im Netz eine Liebeserklärung an einen Joe Jackson-Song. Ich mochte den Sänger nie, aber manchmal ist eine Liebeserklärung so überzeugend, dass sie eine Verlockung darstellt. Zum Beipiel diesem vergessenen Song noch eine Chance zu geben. Die Manafonistas stehen für solche Verlockungen, von Kalbsleber bis zu Lokalpossen im ostdeutschen Hinterland.
– Favorite Song of All Time Joe Jackson: “Steppin’ Out”. Every time I hear it, it takes me back to being three and hearing it in the car and thinking, “I’ve never heard anything like this in my life.” I’ve always loved that song.“ So spricht ein gewisser Mark Richardson.
2011 8 Mai
Neues aus der Feldküche
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Gastronomie | 3 Comments
Finden Sie nicht auch, dass die Kalbsleber viel zu selten thematisiert wird im Feuilleton? Wenn Sie mal in Köln sind, machen Sie einen Abstecher zu meinem neuen Stammrestaurant in der Alteburger Strasse! Es heisst schlicht FELDKÜCHE. Dort finden Sie nicht nur ein schräges Interieur voller verrückter Einfälle (die Gründungsmitglieder der Manafonistas würden hier wohl allwöchentlich einkehren, wären sich die Drei nur je in der wirklichen Welt begegnet!) , sondern auch eine Internationale Küche, die Einfaches virtuos und Virtuoses ohne grosse Show auf den Teller bringt. Köstlich, das nur nebenbei, das Tzatziki! Und die jüngste Kreation, die Kalbsleber mit Pürree und einer dezenten Gemüsebeilage, schlägt alles, was Sie sich in diesem Augenblick vorstellen, unter einer „Kalbsleber mit Pürree und einer dezenten Gemüsebeilage“. Pürree: das ist doch gemeinhin diese Kartoffelpampe, die schnell satt macht und besonders in der Nachkriegszeit hoch im Kurs stand. Hier wird sie al dente serviert, einzelne Kartoffelsegmente sind bestens erhalten, und kleine geröstete Teile (ebenfalls aus Kartoffel) sorgen wür ein crosses Feeling. Die Kalbsleber selbst ist auf genialische Weise zart – dazu passt ein trockener Burgunder, aber auch ein erdiger Merlot. Der Filmtipp zum Restaurantbesuch: Mein Essen mit Andre (von Louis Malle) – Ideale Musik für hinterher: Bob Marley and the Wailers: Catch A Fire (die Ursprungsfassung der Wailers!) (Platzreservierungen: 0221-3761497)