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Archives: Sonntag, 15. Oktober 2023

2023 15 Okt.

I once was lost

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Ist es noch ein Fall von Synchronizität, dass ich in meinem Blogbeitrag über The Analog Sea Review vor knapp zwei Wochen über die Kulturtechnik des Umherschweifens schrieb und gerade einen Kurzfilm sah, in dem jemand davon erzählt, wie er sich mit dem Auto verirrte? Im Anschluss spricht die Regisseurin Emma Limon unter anderem darüber,  inwieweit sie von der Ästhetik aus David Lynchs Twin Peaks beeinflusst war, besonders von Szenen im Diner. „I once was lost“ changiert zwischen Arthouse, Dokumentation und Spielfilm, dauert knapp elf Minuten, lief in der Sendung Kurzschluss auf ARTE und ist bis 5.12.2024 in der Mediathek verfügbar.

 

2023 15 Okt.

Quiet days in evil times

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In den letzten Tagen habe ich viel herumgelungert, zwei Bücher verschlungen, bis dann der Mittag rief.

 

 

 

 

Der Mittag ist ein Berg bei Sonthofen.

 

 

Dorthin – w i l l ich und ich traue

mir fortan und meinem Griff.


Offen liegt das Messer, ins Blaue, ins Blaue

treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,

Mittag schläft auf Raum und Zeit -:

Nur d e i n Auge – ungeheuer

Blickt mich’s an, Unendlichkeit!

Friedrich Nietzsche

 

 

Auf den Mittag wollte ich nicht hinauf. Ich genoss das entspannende Schwimmen in den stillen Bergseen, bald würde mich der unruhige Atlantik wieder umherschaukeln. Und dann schickte mir Apollo gen Mittag auf einem Weg eine Frau vorbei.  Sie erzählte, dass die Bergbahnen um uns herum ihr Vater gebaut hätte und dass sie sehr stolz auf ihn sei. Bei einem Frühstück mit ihrem alten Vater hätte sie zu ihm gesagt, dass jetzt die Werkstatt nicht stillgelegt werden müsste, dass da doch auch andere Klänge hineingezaubert werden könnten. Ihr Vater hätte darauf gesagt: “Wenn du meinscht.“ Das sei das grüne Licht für ihren lang gehegten Wunsch gewesen, einen Musikclub zu eröffnen. Sie hätte ihn – zu Ehren ihres Vaters – KULTUR WERKSTATT genannt. Das klang wie ein Märchen. Ich besuchte die Location und mittlerweile habe ich dort schon vier ausgezeichnete Konzerte gehört.

Gestern Abend nahm ich Abschied von Frau Bestle, die diesen Club seit 1997 alleine führt. Davor hörten wir gemeinsam die eingeladene Band, die sich schlicht Allgäu-Jazz-Quintett nennt. Das Programm war den aktuellen Dramen der Zeit gewidmet – intelligent und sensibel hatten die Musiker eine Komposition zusammengestellt, die es in sich hatte. Das Konzert begann mit PEACE, einem Stück von dem amerikanischen Jazzpianist und Saxophonist Horace Silver. Es folgte eine Coverversion von Lars Danielsson, einem schwedischen Jazzbassist, das Stück heißt ORANGE MARKET, es beschreibt den Markt in Haifa. Die Zugabe war erstaunlich. Der Jazzsänger brachte eine groovige Version von „Der Mond ist aufgegangen“ – was für ein kluger, einfühlsamer Konzertabschluss.

 


Verschon uns Gott mit Strafe

und lass uns ruhig schlafen

und unsern kranken Nachbarn auch

 


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