Halbwegs. In einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, wäre der Blick in den Guardian und Spiegel anders ausgegangen. Zwar sah es es so, als wären Joe und Kamala auf einem guten Weg, aber erste Zweifel wurden gestreut. Ein Beispiel für negative Trauminkubation: in dunklen Zimmer diskutierten wir erneute Verluste von Joe, kippten Whisky, um den Schmerz zu betäuben, und fassten es nicht, wie erschreckend wenig selbst das miserable Pandemie-Management das Verhalten veränderte: einmal Trump-Wähler, immer Trump-Wähler, von wenigen Abweichlern abgesehen. Nach zwischenzeitlichem Wachwerden wurden finstere Traumereignisse bestätigt. Nun, Stand 12.38 Uhr, sieht es ganz nach der nächsten Amtszeit des Elenden aus. Die derzeitigen Zwischenstände in den noch offenen Staaten bescheren ihm einen beträchtlichen Vorsprung. Und leider genug Wahlmänner, um den Abbau demokratischer Strukturen voranzutreiben. Selbst, wenn er sich ruhig zurücklehnen würde, schaut es nun nach einem Wahlsieg aus. Aber natürlich wittert er Betrug, eine klassische Projektion, und möchte gar den Obersten Gerichtshof anrufen, um beispielsweise das weitere Zählen der Briefe in Pennsylvania zu untersagen. Egal, ob es sehr schmutzig wird oder nur normal schmutzig: es wird traurig. Kein Erdrutschsieg der Demokraten, kein Abstrafen der endlosen Desinformationen und Spaltungen. Bei aller zutreffenden Multikausalität: manches gründet sich auch in der grassierenden Identifikation mit einer alles Dagewesene in den Wind schlagenden Niedertracht. Dieser Mensch ist so abgrundtief dreckig, dass man, ohne Übertreibung, und bei allem Wissen um Graustufen und die Schattenseiten der anderen Seite, nahezu von einer Wahl zwischen Gut und Böse sprechen kann. Keine gute Nacht, Amerika. Würde ich doch nur falschliegen in törichter Schwarzmalerei.
Archives: Mittwoch, 4. November 2020
2020 4 Nov.
Nachts um zwei Uhr war die Welt noch in Ordnung.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 12 Comments