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Archives: Dienstag, 21. Juli 2020

2020 21 Juli

Aus der Welt der Zufälle

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Antonio hielt den kaputten Boiler mit zwei Händen hoch über der Ablage und sang dabei ein Lied, das ich vom Text her zunächst erkannte. Es war eine alte Guanchenmelodie, die ich schon einmal in einem Park in La Laguna gehört habe. Ich war sofort von der Weichheit des Klangs beeindruckt. Sie erinnerte mich an die 69er Zeitklänge, insbesondere an den goosebumbsound von Artie Garfunkel – überirdisch. Ich ging neugierig diesem Sound  nach und wie oft, wenn ante portas, öffnet sich die Kunstwelt wie ein Schlaraffenland. Dichter, Sänger, Schriftstellerisches, Kunsttexte fand ich in alten, dicken Büchern der „Bibliotheka Canarias“ und stieß dann endlich, fast selbst schon verstaubt, auf den Urtext von dem Lied, das der Handwerker gesungen hat. Es stammt von dem Dichter und Philosophen Antonio Zerolo (1854-1923) aus Lanzarote. Ich las: “Zerolo! Simbolo, Candillo, Cantor!“ Zerolo schrieb enthusiastische Gedichte über die Kanaren und sang selbst die alten Guanchenlieder.

 

Hymne an den Vulkan / Ode an den Atlantik

 

“Wir haben das Meer, das uns umarmt, alles ist Licht und Poesie, es gibt keine Erde wie die unsrige, keine Rasse wie die unsrige …“

 
 
Wem einmal Zutritt in die Welt der Zufälle gewährt wurde, der bemerkt die Intensität der Verbindungen sogleich. Treten Sie mit ein ins wood wide web. First remember the sound of Robert Frost and enjoy it now:
 
 

“I‘d like to get away from the Earth for a while

and then come back and start it over

May no fate wilfully misunderstanding me

And half grant what I wish snatch me away

Not to return. Earth‘s the right place to love:

I don‘t know where it´s likely to go better …

 
 

(from The Birches/ Robert  Frost)

 
 

In der Welt der Vulkane gibt es eine Farbenpracht, die meist von Pilzen, Flechten oder Moosen herrührt. Sie breiten sich horizontal über lange Zeiten auf den Gesteinen aus. In dem wundervollen Buch Im Unterland erklärt ein Pilzforscher, wie schnell sich Pilze fortbewegen können und mit ihren säurehaltigen Ausscheidungen regelrecht Steine zerlegen können. Auf meiner Wanderung in einen Vulkankrater habe ich kurz nach dieser Lektüre das Wunder in der Natur entdeckt: “Du schaust auf dieses Netzwerk und das Netzwerk schaut zurück“ – das ist ein sehr beachtenswertes Zitat von diesem Pilzforscher. Parallel zu diesem Buch lese ich – oder wie Andreas Reckwitz meint: „kultiviere“ ich mein Leben also ziemlich singularistisch. Ich empfehle ebenso das Buch Die Gesellschaften der Singularitäten. Es geht in den beiden Büchern im Prinzip um das Gleiche: Wir Menschen müssen zusammenhalten, die Zukunft sieht eher schwer für uns aus. Schauen wir auf das Internet der Bäume und lasst  uns dann die richtigen kollektiven Entscheidungen treffen.

 
 

2020 21 Juli

Sounds of landscape

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Der Vermieter fuhr mit dem Auto vor, er hatte schon Gäste, die das Haus nicht finden konnten. Waldsiedlung Sund heißt die Straße, aber es ist keine Straße. In dem ausrangierten Wohnwagen auf dem verwilderten Grundstück an der Ecke zum Wanderlehrpfad, sagte er, lebt ein Aussteiger, ohne Daten, ohne Wasser und ohne Strom. Hier gibt es nur eine Handvoll Häuser, gut versteckt in ihren Gärten hinter Hecken und alten Bäumen. Eine Schale mit weißen Hängeblumen an einem Haken dreht sich um ihre eigene Achse. Nadelbäume beugen sich im zeitlosen Wind. Ich rückte den Plastikstuhl immer wieder ein Stück vor, ein Buch in den Händen, bis die Sonnenstrahlen vom Rasen verschwunden waren. Es ist der passende Ort, um den Abend mit John Carpenters Halloween I zu verbringen. Die Geräusche draußen während der Nacht nicht deuten können. Erst schlaflos mit klopfendem Herzen da liegen. Sich dran gewöhnen. Ungewissheit ertragen. Ein Teil davon sein.

 

 

Es ist ja nicht so, dass es hier keine verräterischen Hinweise gibt, wenn man sich den Ausschnitt des Lp-Covers anschaut, den das Foto preisgibt. Und gibt es nicht zahlreiche klassische Fotos von Tonstudios, die einen rasch auf die Spur ihrer Historie bringen!? Was ich wissen möchte, ist der Titel dieser LP, die übrigens in Stereo ist. Letzthin sind etliche Klassiker in vielgerühmtem Mono erschienen, das fällt also flach. Der Sieger dieses Musikrätsels erhält, kurz vor Erscheinen, die neue Nils Petter Molvaer-Cd in schlichter Ausführung, und eine besondere Überraschung. Ich denke, diesmal wird das eine harte Nuss. Das denke ich immer, und regelmässig täusche ich mich. Am 1. September muss das Rätsel spätestens hier in dem comments gelöst werden, das ist das Verfallsdatum. Eine ganze Seite des Albums wird übrigens in meiner Radionacht am frühen Morgen gespielt, am 15. August, zwischen 5.40 und 6.00 Uhr. In der letzten Zeitreise der fünf Stunden. Was, wer meine Sendungen kennt, bedeutet, dass es schon mal kein free jazz ist. Bei aller  Liebe zu dem Genre achte ich darauf, unvorbereitete Hörer nicht mit schrägen Tönen aus dem Bett zu schmeissen. Also eher Steely Dan als später Coltrane, was aber aucht nicht wirklich weiter hilft. Sobald das Rätsel gelöst ist, wird hier das Originalcover abgebildet, in voller Grösse. Der letzte Gewinner war übrigens Mr. Lorenz aus, kein Witz, Leinfelden-Echterdingen, der Ort des letzten legendären Mana-Treffens. Kleine Welt. Und aus den zehn Stücken dieser Scheibe könnte man, theoretisch, fünf Singles machen und jede Jukebox dieser Welt bereichern!

 


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