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Archives: Samstag, 25. Januar 2020

Patchouli war der Duft einer ganzen Generation. Schwer und süß durchwaberte er wenigstens ein Jahrzehnt nach 68, erdete und wirkte dank der in dem ätherischen Öl eines asiatischen Lippenblütlers reichlich enthaltenen Pheromonen besänftigend und aphrodisierend auf die Sinne und den Geist. Ein Duft, der sich harmonisch mit dem aromatischen Rauch feinen, pur gerauchten Haschischs vertrug, inspirierte und intime Räume öffnete. Eine Essenz der Nacht. Total Falsch. Das dunkle Blau der späten Abendstunden senkt sich in Zeitlupe in den Raum und nimmt ihm jede Gegenwärtigkeit. Zu langsam für die übliche Entschleunigung. Verwirrung am Strand. Wo bin ich wenn der Klang des Saxophons heranschleicht, Glaub mir kein Wort. Patchouli Blue. Wenn das einmal Jazz gewesen wäre, hätte ich geträumt. Von meiner Jugend, Musikhören in Räucherstäbchenschwaden und still verliebt sein. Deine Kusine. Vergessen & Vorbei. Die Titel bleiben kryptisch: Sollen es doch alle wissen! Tief Gesunken, nein, versunken in die nachtschwarzen Schwaden, die die Bar am Rande der Unendlichkeit mit ihren letzten, einsamen wie sehnsüchtigen Gästen, durchwabern. Blicke aus dunkelbraunen, wehen Augen, Zwei Herzen aus Gold. Sag Mir, Wie Lang. Ich weiß es nicht, Jahrhunderte vielleicht? Das fahle bunte Licht scheint auf die Totenschädel, ein Bild wie auf einer alten mexikanischen Totenfeier. Ein Requiem für kulturaffine Untote. Jenseitig könnte es schöner sein, aber warum am Steg des Fährmanns ins Totenreich noch etwas wähnen, denn Meine Welt ist Schön. Und sehr, sehr langsam, kurz vor dem Stillstand. Die Herrlichkeit der Schatten, durch die Fragmente bunten Lichts orientalischer Schatzhöhlen funkeln, werden verzerrt und ihrer Düsterkeit in melancholisch süßer Schwere entrückt. Wem das zu phantastisch erscheint oder wer glaubt der narkotisierende Rauch einer Opiumpfeife habe meine Sinne verschleiert der höre sich die Stücke von Patchouli Blue, dem neuen Album von Bohren & Der Club of Gore auf YouTube an und nutze die Funktion bei den drei Punkten, die Stücke einfach nochmals in halber Geschwindigkeit abzuspielen …

 
 
 

 

The Westway. London Fields. Battersea Power Station seen from the train on the way to Kent. Shadwell seen thru the window of a DLR train, under an indifferent sky. McDonald’s on the King’s Road, early evening in November. Powis Square in January sunlight. 3am „night safari“ around King’s Cross in mid July 2012, the madness and the law all around, dubstep vibe of the Subway restaurant at that hour, coffee and silence, Eurostar all the way to Avignon in 3 hours from St Pancras. Jamaica Road, Bermondsey. Trafalgar Square falconers: pigeon dispersal zone – 4 bronze lions, Spanish schoolkids climbing them, lion indifference under an indifferent sky. The Shard when it was still under construction. The Gherkin when it was still under construction. Electronics shops on the Tottenham Court Road. Turkish food in Dalston. Turkish coffee in Shoreditch. Chance meeting: outside LN-CC. I laugh. Coffee at Nico’s on Westbourne Grove (is it still there?). Weird dilapidated mansions at Kensington Palace Gardens sometime last decade, before the real money moved in. Brick Lane, graffiti on doors on Fournier Street. Getting off a bus at the wrong stop in the Murder Mile, Hackney and not getting murdered: it’s calm, hipsters walking past with „2013 beards“ even though it’s 2014. The Ikea advertising on the plastic wallet they give you for your Oyster card. The M&S food outlet that used to be Damien Hirst’s Pharmacy restaurant.

Before [Pharmacy]: http://damienhirst.com/exhibitions/projects/1998/pharmacy-restaurant

After: [M&S Simply Food] https://goo.gl/maps/OzwEP

I think I bought a cake there. Reduced price.

Karl Marx’s ridiculously extravagant grave in Highgate Cemetery, someone had left an orange on it. William Friese-Greene’s grave at the same skeletonyard. Ghosts. Ghosts in the cafe in Brockwell Park. Spirits. Everywhere, every day.

London, England, not a city I know, much: but I like the fragments I’ve seen.


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