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Archives: Freitag, 10. Januar 2020

2020 10 Jan.

Wolfgang Dauner 1935 – 2020

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Bye bye und Gute Reise, wohin auch immer sie gehen mag …

 

2020 10 Jan.

Katie Gately: Loom

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Katie Gately hat aufgeräumt. Die klangliche Überdrehtheit ihres Debütalbums Color im Herbst 2016 konnte einen wahnsinnig machen, wenn man sich gerade nicht auf der richtigen Wellenlänge befand. Es hat ein paar Jahre gedauert, doch nun ist endlich der Nachfolger da – und die CD trägt den Titel Loom (Webstuhl). Wer in den frühen Neunzigerjahren jugendlich war und „Adventure“-Computerspiele am PC spielte, verbindet mit „Loom“ lebenslang das radikal besondere, märchenhafte Grafikadventure der Firma Lucasfilm, bei dem der Spieler die Handlung nicht mit den üblichen Aufforderungen in Verbform, sondern durch zu spielende Melodien vorantreibt, die man im Verlauf der Geschichte erlernen muss. Keine Ahnung, ob Katie Gately das Spiel kennt; ihr Albumcover zeigt eine komplett zerlegte Fabrikhalle, aber ob da einst Webstühle drinstanden…? Womöglich wurde das Foto aus eher ästhetischer Motivation gewählt. Letztlich ist es auch ein angemessenes Bild für den Tod ihrer Mutter im Jahr 2018. Die Diagnose der Krebserkrankung war wesentlicher Ausgangspunkt für die Arbeit an diesem Album.

Wie Color hat Loom eine Gesamtspielzeit von 42 Minuten, und wieder gibt es Songs mit kurzen Titeln, aber teils epischer Länge. Allerdings steht der Gesang diesmal mehr im Vordergrund; die komplexe Instrumentierung und die extravaganten Rhythmusbasteleien wurden deutlich vereinfacht und auch transparenter gemischt, doch die ambitionierte Erzählhaltung bleibt dieselbe. Gately möchte ihre ganz eigene, neue Art von Songs erarbeiten, die zwar Avantgarde sind, aber diesmal um einiges eingängiger als zuletzt. Es ist also viel passiert in den etwa drei Jahren. Zwischenzeitlich durfte sie Remixes für Björk und Zola Jesus machen und einen Teil des vielgelobten Debütalbums ihres Landsmanns Josiah Wise, der unter dem Alias serpentwithfeet in Erscheinung tritt, produzieren – und dabei hat sie dessen Gospel-/Soul-Songs mit ihrer wilden Soundästhetik aufgekratzt. Daher klebt auf der CD lustigerweise gleich der Hinweis, dass es sich bei Katie Gately um die serpentwithfeet-Producerin handelt – als wäre das eine entscheidende Verkaufshilfe.

 

 

Ein schöner Einstieg in den Kosmos von Loom ist der Song Waltz, früher hätte man gesagt: die Single – zu der es auch direkt ein eindrucksvolles Musikvideo von der jungen Regisseurin und Performerin Samantha Shay gibt, die schon mit Marina Abramovic arbeitete und auch sonst viel mit Musiker/innen macht. Auf ihrer Webseite steht, dass sie „multisensorische, poetische Landschaften schafft, die an lebendige Träume erinnern und wie eine willkommene Halluzination auf den Körper wirken.“ Auf Waltz trifft diese Beschreibung jedenfalls sehr gut zu. Der Song ist inspiriert von Leonard Cohens Take This Waltz, dem Lieblingslied ihrer Mutter, das Gately 24 Stunden lang in Schleife gehört haben soll, bevor sie ihr eigenes Stück ausarbeitete. Katie Gately zog für die Arbeit an diesem Album von Los Angeles zu ihren Eltern nach Brooklyn um, wo sie meist nachts an der Musik arbeitete. In den wenigen Presseinformationen, die ich finden konnte, ist zu lesen, dass die verschiedenen Stücke „Personifikationen“ seien oder „abstrakte Gefühle“ aus dieser Zeit beschreiben. Das kann dann aber auch mal die Sicht der Mutter einnehmen oder gar die Perspektive der Krebskrankheit oder der Medikamente. Liest man, dass Samples wie die Schreie eines Pfaus, heulende Wölfe, das Geräusch vom Schließen eines Sarges oder des Schüttelns von Pillenbehältern und sogar Erdbeben auf der Platte zum Einsatz kommen, wird man, gerade auch nach Color, ein weitaus geräuschhafteres und extremeres Album vermuten, als Loom, das oftmals sogar gerade poetisch und sanft schillernd songhaft geworden ist, tatsächlich klingt. Und vor allem ist es alles andere als derart düster.

Ich empfehle einen Ausflug in die musikalische Welt von Katie Gately jedem, der die Popmusik der Zukunft sucht. Ihre reiche, sehr zeitgemäße Songkunst könnte ein Weg dorthin sein.

Das normale literarische Lesepublikum, das sich seinen Stoff in Buchhandlungen oder im Internet besorgt, hat meist keine Ahnung von der Existenz einer enormen Vielfalt an Literaturzeitschriften, die sich in einer Art Zwischenzone befinden. Vielleicht kennt man aus einer guten Buchhandlung Zeitschriften wie Sinn und Form oder Neue Rundschau, aber ich spreche hier von Magazinen, die manchmal in einer Auflage von weniger als hundert Stück erscheinen und die einzig vom Engagement der Redaktion leben und davon, dass Autorinnen und Autoren ihre Texte ohne Honorar zur Verfügung stellen und sich trotzdem unglaublich freuen, Teil von etwas zu sein. Mit der Verbreitung des Internets seit der Jahrtausendwende kamen Onlinemagazine dazu. Ich habe diese Welt erst entdeckt, als ich zu schreiben begann und erste Publikationsmöglichkeiten suchte. In Handbüchern für Autorinnen und Autoren, zum Beispiel in dem Standardwerk, das Sandra Uschtrin seit Jahrzehnten herausgibt, findet sich immer auch ein Kapitel mit einer Übersicht von Literaturzeitschriften.  Der Schriftsteller Arno Dahmer hat im vergangenen Jahr eine Online-Literaturzeitschrift für kürzere Texte gegründet.

 

Martina Weber: Arno, du hast vor drei Jahren deinen Erzählungsband Manchmal eine Stunde, da bist du im Mirabilis Verlag veröffentlicht und im vergangenen Jahr die Online-Literaturzeitschrift Das-Prosastück.de gegründet. Mittlerweile sind zwei Ausgaben erschienen, die erste am 20. Juli und die zweite am 30. Oktober. Auf der Website schreibst du, du möchtest „Prosa fürs Ohr“ vorstellen. „Kürzere Texte, die sich durch Sprachmusikalität auszeichnen: Prosagedichte, Prosaskizzen oder auch in sich geschlossene Auszüge aus Längerem.“ Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Literaturzeitschrift zu gründen, und wieso dieses Profil?

 

Arno Dahmer: Die Idee ist vor allem aus Leseerfahrungen entstanden, denn ich schätze Texte dieser Art besonders. In meiner Schulzeit diktierte uns ein Lehrer mal ein Stück aus Thomas Manns kurzer Erzählung „Enttäuschung“ – was eigentlich wohl geschah, um die Zeichensetzung in langen Sätzen zu üben, für mich aber eine Art literarisches Erweckungserlebnis war: Mir wurde bewusst, wie herrlich eine Prosa sein kann, die dicht und melodisch ist. Später habe ich dann mit Begeisterung Gottfried Benns „Gehirne“ gelesen, die (wenigen) Prosagedichte Stefan Georges und viele von den Prosastücken Robert Walsers – um nur einige Werke bzw. Autoren herauszugreifen, die zu dem Entschluss beigetragen haben mögen, „Das Prosastück“ zu gründen. Einer meiner Lieblingsschriftsteller – das muss ich in diesem Zusammenhang noch loswerden – ist Peter Kurzeck (1943-2013), der Romane schrieb, aber in einer ausgesprochen musikalischen, leicht experimentellen Sprache.

Ein anderes Motiv dafür, eine derartige Zeitschrift ins Leben zu rufen, war, dass ich lyrische Prosa – speziell kurze Texte dieser Art – für eine zu wenig beachtete und in gewisser Weise verkannte literarische Gattung halte. Die reine Lyrik hat immerhin ihre gut ausgebaute Nische: Es gibt Lyrikwettbewerbe, -festivals, -zeitschriften, sogar Lyrikverlage. All dies existiert für die lyrische Prosa nicht oder nur in geringerem Maße. Auf der anderen Seite passt sie aber auch nicht so recht zu einem weitverbreiteten Verständnis von Prosa, dem zufolge ein Prosatext eine Handlung und einen Länge von mehreren Seiten haben muss bzw. ansonsten etwas Unfertiges und/oder Läppisches ist – so als wäre Kurzprosa etwas, das immer nur als Fingerübung oder als Nebenprodukt auf dem Weg zum Roman oder zur längeren Erzählung entsteht. – Mit dem „Prosastück“ hoffe ich, eine Plattform schaffen zu können, auf der lyrische Prosa nicht am Rand, sondern im Zentrum steht, einen Rahmen, in dem sich im Idealfall der Reiz solcher Texte auch Lesern erschließt, die bisher wenig oder keine Berührung damit hatten. Abschließend möchte ich zum Konzept der Zeitschrift noch anmerken, dass zwar der Schwerpunkt auf lyrischer Prosa liegen wird, klassisch erzählte Kurztexte deshalb aber nicht prinzipiell ausgeschlossen werden sollen – siehe die Geschichte von Ralf Schwob in Ausgabe 2.

 

MW: Wie bist du vorgegangen, nachdem die Idee und der Plan da waren? Hast du dich erst um den technischen Aspekt des Aufbaus einer Internetseite gekümmert oder um die Textsuche, oder ging das parallel?

 

AD: Das lief parallel. Bzw. hatte ich mit dem technischen Aspekt wenig zu tun, weil eine Webdesignerin sich darum gekümmert hat. Aber natürlich hatte ich eine bestimmte Vorstellung im Hinblick auf die grafische Gestaltung, die auch weitgehend umgesetzt werden konnte.

 

MW: Stand für dich von Anfang an fest, dass du das Projekt allein durchziehst?

 

AD: Diese Aussage würde ich gern etwas differenzieren. Ich sehe das „Prosastück“ nämlich nicht als reines Solo-Projekt. Bei der Erstellung der Seite haben mich der Grafiker Florian L. Arnold (der übrigens auch Autor und Verleger ist) und die Webdesignerin Doreen Schiwek unterstützt. Zudem gibt es, hochtrabend ausgedrückt, einen Beirat, das heißt einen Kreis von Personen, der mir Texte empfiehlt – und das will ich auch noch ausbauen. Im Wesentlichen ist die Zeitschrift momentan aber schon ein Einmannbetrieb, was vor allem damit zu tun hat, dass Absprachen mit anderen Redaktionsmitgliedern sehr zeitaufwendig wären.

 

MW: Wie verlief die Textauswahl?

 

AD: Sehr unkompliziert. Da sich in Ausgabe 1 und 2 ausschließlich Texte von Autoren finden, die mir empfohlen wurden oder auf die ich selbst zugegangen bin, habe ich praktisch nur sehr gute und zum Profil der Zeitschrift passende „Prosastücke“ erhalten. Mal schauen, ob es auch in Zukunft so einfach sein wird.

 

MW: In welchen Abständen soll eine neue Ausgabe von Das-Prosastück.de erscheinen?

 

AD: Anvisiert sind zirka vier Ausgaben pro Jahr. Zum Glück ist man da bei einem Online-Magazin völlig flexibel: Je nachdem, wie viele geeignete Texte mir zur Verfügung stehen werden, könnte die Zahl der Ausgaben höher oder auch niedriger liegen.

 

MW: Wie findest du Leser*innen für Das-Prosastück?

 

AD: Durch Mundpropaganda in weiterem Sinne, das heißt einschließlich Kanälen wie Facebook.

 

MW: Geplant ist auch eine Auswahl von Texten als Printmagazin. Hast du auch darüber nachgedacht, Das-Prosastück generell in gedruckter Form zu publizieren? Ein Printmedium erfordert ja auch eine ganz andere Logistik als eine Onlinezeitschrift.

 

AD: Darüber habe ich in der Tat nachgedacht. Doch zum einen frage ich mich, ob eine regelmäßig erscheinende Literaturzeitschrift in gedruckter Form nicht schon fast ein Anachronismus ist. Und zum anderen hast du mit „Logistik“ ein wichtiges Stichwort genannt: „Hauptamtlicher“ Herausgeber kann und möchte ich nicht sein.

 

MW: Geplant sind – laut Website – auch Videointerviews mit Autoren und interessanten Persönlichkeiten des literarischen Lebens. Das klingt ambitioniert. Wieso Videointerviews und keine geschriebenen Interviews? Hast du schon Kandidat*innen für diese Interviews?

 

AD: Obwohl ich ein extrem textaffiner Mensch bin, finde ich gefilmte Interviews lebendiger und in der Regel ansprechender als verschriftlichte. (Weil ich gerade ein Interview gebe, das in schriftlicher Form erscheinen soll, trete ich da jetzt sozusagen in mein eigenes Fettnäpfchen …) Außerdem sehe ich in Videointerviews (auch Videolesungen oder eine Kombination aus beidem wären denkbar) eine Möglichkeit, dem Nutzer des „Prosastücks“ auch auf der visuellen Ebene etwas zu bieten, denn das Internet ist ja ein bildlastiges Medium. – Eine kleine Liste von Kandidaten habe ich bereits erstellt; da aber noch nichts abgesprochen ist, wäre es ungeschickt, Namen zu nennen. Prinzipiell kämen für solche Interviews insbesondere Autoren in Frage, die lyrische Prosa schreiben. Andererseits möchte ich es darauf nicht beschränken: Interessant fände ich auch Gespräche mit (Klein-)Verlegern, Literaturveranstaltern, Lehrern für kreatives Schreiben oder mit Menschen, die mehrere Rollen spielen, also zum Beispiel Autor UND Verleger sind.

 

MW: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir weiterhin viel Elan und Freude mit deinem Projekt.

 

2020 10 Jan.

El Hierro heißt Eisen

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2020 10 Jan.

Before the Police came …

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1969 fuhr der junge Dirigent der Münchner Kammeroper nach Amerika zu Bob Moog, um sich über dessen Modularsynthesizer zu informieren. Von einer Mäzenin hatte er 60000,- DM mitbekommen, um bei gefallen einen solchen erwerben zu können. Nach mehrtägiger Einweisung war er mehr als begeistert und kaufbereit. Doch Bob Moog musste ihn wegen der gerade explodierenden Bestellliste gründlich desillusionieren und bat ihn in zwei Jahren wiederzukommen. Doch kurz bevor er zurückfliegen wollte traf eine Lieferung mit vier riesigen Kisten im Hof des Herstellers ein: John Lennon hatte seinen Synthesizer mit der lakonischen Bemerkung: „Too complicated!“ wieder zurückgeschickt. Das war die Chance für Eberhard Schoener, der sofort zugriff und das Exemplar nach München bringen ließ. Bald darauf trat er zum ersten mal damit auf der Weltausstellung in Osaka auf und setzte seine Ideen und Experimente in den folgenden Jahren musikalisch sehr vielschichtig um, wobei seine Herkunft aus der Klassik auf subtile Weise sicherstellte, dass er hierbei die klischeehaften Entgleisungen vieler anderer Musiker weiträumig umschiffen konnte. So legte er 1974 mit Meditation ein bemerkenswertes frühes Ambientalbum vor, dass sich hinter den Klangforschungen der Berliner Schule nicht verstecken musste. Es folgten Bali Agung, das irgendwo zwischen Gamelan unf Trance den Hörer mit auf eine damals völlig neuartige Reise nahm und das programmatische Trance-Formation. Dieses Album markierte den Einstieg des späteres Police-Mitgründers Andy Summers; auf dem Folgealbum Flashback waren dann auch schon Sting und Steward Copeland dabei. Wer aber vermutet, dass sich hier auch nur irgendetwas nach den späteren The Police angehört hätte, irrt aber gewaltig. Es war eher ein Einstieg in den damaligen elektronischen Prog-Rock, dem man den klassischen Hintergrund und eine hohe musikalische Differenziertheit schnell anmerkte. Allein deshalb bin ich es bis heute nicht müde geworden seine 70er-Jahre-Alben immer wieder einmal aufzulegen und überraschend Neues, bisher Überhörtes zu entdecken. Das Ende dieser wunderbaren Serie bildete Video-Magic, das bis heute aus mir unbegreiflichen Gründen nie mehr wiederaufgelegt wurde und irgendwo im Niemandsland zwischen tranceartiger Elektronik, Jazz, Prog-Rock und klassischer Musik spielend wandelt.

 
 

In our day and age

we are experiencing the magic

of technical science.

II see the magic

in the city neon signs.

In the newspaper advertisements.

In the everpresent television

and in the constant

availability of music.

The music of „Video-Magic“

involves all this aspects.

For no one can deny

himself this magic.

A Koan.

 
 

schreibt Eberhard Schoener im Innencover. Ein Text der die magische Aufbruchstimmung der 70er-Jahre, die Faszination für das Artifizielle in Musik und visuellen Künsten, das Spiel mit Neon und Lasern recht treffend wiedergibt. Dinge, die schon lange nicht mehr innovativ sind und auch über die hyperpräsente Musik macht sich auch kaum noch einer Gedanken. Eine Zeitreise. Die erste Seite des Albums ist noch eher rockorientiert: Der elegante Opener Octogon erinnert ein bisschen an Pink Floyd, Speech Behind Speech ist eine komplexe Prognummer mit Ohrwurmmelodie, die von der noch etwas dünnen Stimme Stings intoniert wird, Natural High zitiert in geschickt arrangierten Fragmenten aus der damaligen Rock-Historie, wobei etwas ganz neues entsteht. Und schließlich Code Word Elvis, eine lange magische Ballade, die zwischen den Stilen nahtlos schwingt und auch das Orchester der Münchner Kammeroper, dessen Dirigent Schoener immer noch war, zum Einsatz kommt. Die zweite Seite ist dann hypnotischer und der grosse Moog bestimmt die Klangräume recht komplex und vielschichtig. Video-Magic steigt in eine sequentielle Trance ein, die in Night Bound City elegant fortgeführt wird. Mit San Francisco Waitress kommt Sting noch einmal zum Einsatz und schließlich endet das Album mit Koan, einem langen magischen, von Synthesizerflirren, Streichern und Jazzelementen getragenem Stück, in dem der Brückenschlag zwischen Elektronik, klassischer Komposition und einer Vorwegnahme von Elementen des New Wave am elegantesten gelingt und den Hörer am Ende, wie bei jedem anständigen Koan mit fragend-meditierendem Staunen absetzt. Ein sehr bemerkenswertes Werk, das in dieser Melange nur in Deutschland entstehen konnte und selbst im Rückblick in der Musik der 70er-Jahre wie ein sehr eigenwilliger, vieles vorwegnehmender Fremdkörper verbleibt.

 
 


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