Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the day Freitag, 17. November 2017.

Archives: Freitag, 17. November 2017

Neulich erwähnte ich in einem Kommentar zu einem Beitrag, dass in der Hörnumer Jukebox zehn Platten von Robert Wyatt zu finden seien. Seither möchte der eine oder die andere freilich wissen, um welche Platten es sich handeln könnte. Gerne möchte ich diese Fragen beantworten, hat sich hier doch ein Phänomen eingestellt, das anderenorts nicht selbstverständlich zu scheint: hier, in dieser Kneipe, ein paar Schritte vom Meer, von der rauen Nordsee entfernt, gehören diese Scheiben zu den am meisten gewünschten. The Guardian schrieb schon vor mehr als zehn Jahren:
 

Just as the best way to judge an adult is by his or her record collection, the best way to judge a pub is by the albums on its jukebox. Or it was, until the 21st-century caught up with the noisy machine in the corner. There are now nearly 2,000 internet-connected jukeboxes in the UK, each of which can access as many as 2m tracks – and with them has come Wyatting, which is either a fearless act of situationist cultural warfare or a nauseatingly snobbish prank, depending on who you ask. The phenomenon was first identified in the New York Times by Wendy McClure. She was in a grimy rock bar when someone pulled up Brian Eno’s Thursday Afternoon, which consists of a single distant piano phrase repeated for more than an hour, and found herself too mesmerised to leave. „Imagine replacing the brass cylinder in a music box with a Möbius strip made from nerve endings“, she wrote. The rest of the bar’s patrons, however, were soon in revolt.

 

Okay, hier nun die zehn ausgesuchten Robert-Wyatt-Scheiben:

 

  • Lullaby For Hamza (cuckooland 2003)
  • Maryan (shleep 1997)
  • Alliance (Old Rottenhat 1986)
  • The Age of Self (Old Rottenhat 1986)
  • Sea Song (Rock Bottom 1974)
  • Little Red Riding Hoot Hit The Road (Rock Bottom 1974)
  • The Ghost Within (… for the ghost within´ 2010)
  • Lush Life (… for the ghost within´ 2010)
  • Dondestan (dondestan 1998)
  • Little Child (Daddy Dear) 1972 (Solar Flares Burn For You 2003)

 
 
 

 
 
 

Und jetzt gibt es noch eine Warteliste, dringend werden folgende Songs gewünscht:

 

  • Strange Fruit (Nothing Can Stop Us 1982)
  • Blues in Bob minor (shleep 1997)
  • Solar Flares (Ruth Is Strager Than Richard 1989)
  • Speechless (Old Rottenhat 1986)
  • P.L.A. (Old Rottenhat 1986)
  • Round Midnigt (… for the ghost within´ 2010)
  • Sight of The Wind (dondestan 1998)
  • Costa – Memories of Under-Development (dondestan 1998)
  • At Last I´m Free (Nothing Can Stop Us 1982)
  • United States of Amnesia (Old Rottenhat 1986)

 

Ein Glas Weißwein trinken, Robert Wyatt hören, auf das Meer schauen, was will man mehr?

2017 17 Nov.

Feuer gefangen

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 4 Comments

Jeder kennt die Liebe auf den ersten Blick. Es gibt sie in persönlichen Begegnungen, aber auch bezogen auf Musik, auf Filme, Buchlektüren. Ein einzelner Akkord, ein Melodielauf, glasklare Evidenzen, etwas von Relevanz. Die ersten Minuten aus der Fernsehserie Halt & Catch Fire laufen ab und gleich ist klar: das Weiterschauen wird ein grosser Spass in den nächsten Wochen, ein entspanntes und bereicherndes Flow-Erlebnis. Man sieht einen Monitor, etwas wird eingetippt in neongrüner Schrift: HCF. Die Bedeutung dieses Computerbefehls wird sogleich erklärt. Ein riesengrosses Gürteltier krabbelt langsam über die Bildschirm, wie in einer Animation. Dann sieht man dieses fabelhafte Viech auf geteertem Strassenbelag, hört dazu das Motorengeräusch eines irrsinnig beschleunigten Sportwagens. Ein Porsche rast die Strasse herauf, dem Betrachter entgegen. Vollbremsung. Der Fahrer steigt aus und sieht sich den Schaden an: im Kühlerfrontgitter steckt ein blutiges Etwas. Diese in rhythmischer, bildwitziger Brillianz fotografierte Eingangssequenz könnte als Metapher gelten für Vieles, was dann folgt. Es um Veränderungen und Entwicklungen der digitalen Technologien. Wollte man dies aufhalten, so würde man überrannt. Es könnte auch Hinweis sein auf die forsche Rücksichtslosigkeit und den Ehrgeiz des attraktiven, bisexuellen, rhetorisch versierten Porschefahrers Joe MacMillan, einst Salesman bei IBM. Ein David Bowie der Computerbranche? Im Vorstellungsgespräch wird ihm Soziopathie unterstellt, zu Unrecht, denn er ist zu tiefen Emotionen fähig. Die Serie kommt aus gleicher Produktionsstätte wie auch Mad Men und Breaking Bad und das sieht man ihr an. Auch an Fargo erinnert einiges. Nichts ist hier zuviel und überflüssig. Dem Betrachter wird nicht Zeit gestohlen, vielmehr geschenkt. Figuren, mit denen man sich gerne identifiziert. Empathie, Katharsis. Eigene Lebenserfahrungen werden gespiegelt, nicht nur im Soundtrack. Eine hohe emotionale Intelligenz zeichnet die Serie aus. Ist das Ganze beendet, nach vier Staffeln, vierzig Episoden und dreissig Stunden Fernsehvergnügen, breitet sich Sehnsucht aus. Wie einst in verzauberten Sommernächten, die man allzu gerne zurückholte. Selbst ein Guru aus dem fernen Osten wäre davon nicht befreit. Denn Sehnsucht ist das Leben selbst. Wie Orpheus steige ich ein zweites Mal hinab in den Serien-Hades, beginne nach dem Abschied gleich von vorne. Schalte die Untertitel ab, geniesse den John-Bosworth-Sound in voller Konzentration. Wann hat man jemals so genial rappenden Texas-Slang gehört?


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz