Manafonistas

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Archives: Mittwoch, 3. Juli 2013

2013 3 Juli

Presque rien

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Das berühmteste Spiegeleierbrutscheln der Pophistorie befindet sich auf Pink Floyds Album Atom Heart Mother. Hätte es Alans psychedelisches Frühstück gegeben ohne Luc Ferrari? Fragen Sie mal Alan Parsons!“

 

Raum und Zeit sind durchlässige Grössen in der Musik am frühen Samstagmorgen, dem 6. Juli, man denke nur an die Songs von Meredith Monk: mit ihren avantgardistischen Vokaltechniken streift sie, halbbewusst, unbewusst, Gesangsrituale, die seit Jahrhunderten, bei den Pygmäen, in Tuva, oder anderen entlegenen Orten, zur Alltagskultur zählen, zu schamanistischen Praktiken. In den USA nannte man das schon mal „Kiffermusik für Fortgeschrittene“. Gesang als Anrufung und Beschwörung. Weitere leicht unwirkliche Klangräume öffnen sich in den Werken von The Dowland Project („Achtung: Minnesänger funken vom Mars“, merkt Karl Lippegaus in der SZ an), These New Puritans (das mutmasslich grossartigste Popalbum des Jahres 2013 hat ein kleines Problem, es ist gar kein Popalbum), Cristal (Dronemusik lebt!), und Luc Ferrari. Die „editions mego“ haben die vier Werke von Ferraris Reihe „Presque Rien“ auf einem hervorragend aufbereiteten Vinyl-Doppelalbum herausgebracht (45 rpm)! Der Boden unter den Füssen schwankt fortlaufend, eine Insel trennt sich vom Festland, und einem fernen Sommer im Jugoslawien des Jahres 1970 sollte man auch nicht blind vertrauen. Das kann ja nicht alles an Fumeux Fume, einem Haschischtraum aus dem 14. Jahrhundert liegen! Das Buch zu dieser „blauen Stunde“ stammt von Markus Gabriel und heisst „Warum es die Welt nicht gibt“. Hier wird ein „Neuer Realismus“ begründet, in dem auch die irrwitzigsten Träume Bestand haben, auch wenn es das IPhone 1000 noch nicht gibt, das unsere nächtlichen Filme in nullkommanichts scannt!

2013 3 Juli

Niemandsverfassung

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Von unten schallt laute Reggaemusik herauf und dichter Marihuanaqualm zieht ins Zimmer. Trotzdem versucht Tschechov sich zu konzentrieren und seinen Text zu lernen. Es wird Shakespeare gespielt werden. Jemand liegt neben ihm auf dem Bett, kuschelt sich an ihn. „Antonio, hör mal! Trifft das nicht auch auf dich zu?“ flüstert die dunkelhaarige Schöne und liest aus einem Buch von Jorge Luis Borge, auf dessen Umschlag nur ein gelber Strich zu sehen ist und auf dem Everything & Nothing geschrieben steht:

„In ihm war niemand; hinter seinem Gesicht … und hinter seinen Worten, die üppig, fantastisch und wildbewegt waren, stand nicht mehr als ein kaltes Wehen, ein Traum, der von niemandem geträumt ward … Als er (Shakespeare) einige zwanzig Jahre alt war, ging er nach London. Instinktiv hatte er sich schon zu dieser Zeit angewöhnt, so zu tun, als sei er ein anderer, damit seine Niemandsverfassung nicht herauskäme; in London fand er einen Beruf, der für ihn prädestiniert war, nämlich den des Schauspielers, der auf der Bühne spielend so tut: als sei er ein anderer, vor einer Ansammlung von Leuten, die spielend so tun, als hielten sie ihn für einen anderen!“

 


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