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Archives: Freitag, 5. August 2011

In 1968, Van Morrison was 22 years old and one album down, a Northern Irishman in New York, with a fledgling career built on garage rock, TB Sheets and Brown Eyed Girls. He was also involved in a contract dispute with his label, Bang Records, that prevented him from recording, and discouraged live venues from booking him.

In many ways Astral Weeks was born out of this frustration, and the accompanying financial anxiety, although little of that desperation seeps into the record; it is an album that sounds warm and rich and luxurious, and the urgency that runs through its eight songs has always seemed tethered to Morrison’s desire to articulate something – a longing, a desire, an essence.

This is an album heavy with yearning, with an aching for the streets of Belfast, for the „gardens all misty and wet with rain“, for being „conquered in a car seat“. It marries folk and rock and blues and jazz and gospel, flute, harpsichord, vibraphone – to create these eight songs that don’t so much play as wrap themselves around your legs, that get stuck beneath your fingernails.

Morrison himself described Astral Weeks as an opera of sorts, a story with definite characters, a song-cycle of „poetry and mythical musings channelled from my imagination“. And so we find memories of viaducts and slipstreams, ferry boats and cadillacs and cherry wine, mingling with talk of Huddie Ledbetter and little red shoes. We find the bewitching Madame George, the ecstatic Sweet Thing, the great knee-deep tangle of reminiscence that made up Cyprus Avenue. It was one of those albums that seemed to be about everything and nothing, the past and the now, the vital and the fleeting, and that somehow stood quite complete in its vision.

It was Lester Bangs who put it best: „Astral Weeks, insofar as it can be pinned down, is a record about people stunned by life, completely overwhelmed, stalled in their skins, their ages and selves, paralysed by the enormity of what in one moment of vision they can comprehend,“ he wrote. „Maybe what it boiled down to is one moment’s knowledge of the miracle of life.“

It baffled many upon its release, listeners thrown by its strange rhythms and peculiar lyrics, but over the following decades it would acquire towering cult status. Much of this is down to this record’s remarkable ability to prompt an overwhelming emotional response – the album’s producer, Lewis Merenstein, has described how, upon hearing the title track, he began crying. „It just vibrated in my soul,“ he said.

This is an album I grew up with, and that embodies everything I love about Morrison’s work – the great rich stew of it, the beguiling swarm of the music, lyrics that are proved on the pulses, a voice that sounds like rain against granite – dour and swarthy and half-grunted, barking and nickering its way through the „clicking, clacking of the high-heeled shoe“. It stands to me as a masterpiece, a maverick, a quite extraordinary creation.

(source: https://www.guardian.co.uk/music/2011/aug/03/van-morrison-astral-weeks-review)

2011 5 Aug.

How To Kill A Memory

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The Marmalade – „Reflections Of My Life“

 

SWAPDELTA Inc. entwickelt eine Oldie-Zerstörungsmaschine. Wir alle kennen Songs, die wir lieben oder liebten, aus unseren jungen Jahren. Die Oldie-Zerstörungsmaschine  hilft, sich von einzelnen Episoden zu trennen, generell loszulassen. Sie kennen das Lied mit den Zeilen THIS WILL BE THE LAST TIME … (mit der Oldie-Zerstörungsmaschine wird es tatsächlich das letzte Mal sein). Sie speichern das jeweilige Lied ein (zum Beispiel obiges, der Höhepunkt von The Marmalade) – und mittels einer bestimmten Software hören Sie, wie das Lied immer mehr an Kontur verliert und letztlich in sich zusammenbricht, mit einem seufzenden Geräusch. Sir erleben hautnah die Zerstörung eines Lieblingssongs, die so lange dauert wie der Song selbst. Immer wieder schnappen Sie einzelne Fragmente auf, und dann – Ende Gelände. Warum sollten Sie so blöd sein, fragen Sie. Die Destruktion des Songs geht erstmal durchaus fantasievoll vonstatten, nicht umsonst kostet das Teil 430 Euro. Richard Brautigan hat mal eine Geschichte darüber geschrieben, wie er sein Radio in Brand setzte und die Lieder sich dann in Rauch auflösten. Aber wir leben in einer anderen Zeit, und wir stecken uns auch nicht, wie der Hippie-Poet, einen Gewehrlauf in den Mund. Wir fangen noch einmal an. Wir lassen nur etwas Gepäck zurück. Irgendwann müssen wir ja mal damit anfangen. Sie sind also gar nicht blöd, wenn Sie sich die Maschine von SWAPDELTA Inc. zulegen. Die Trauerarbeit dauert nur so lange, bis der Song zerstört ist. Danach sagt Ihnen das Lied nichts mehr, nie wieder. Sie haben sich ein Stück Gegenwart zurück erobert. You´re welcome!

2011 5 Aug.

When We Were Old

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Who´s that woman? „Kino heisst, dem Tod bei der Arbeit zuschauen“, sagte Godard einmal. Nostalgie ermöglicht die Rückkehr an Orte in der Zeit, in denen die Gegenwart einen sehr langen Atem hatte,  Entdeckungen jeden Tag erfolgten,  alle  Dejavues noch geheimnisumwittert waren und selbst die Rituale des Alltags Angebote ferner, naher Welten enthielten. In der Jugend, die, wie ein tristes  Sprichwort sagt, an die Jugend verschenkt ist, kam das Wunderbare auch aus der Flimmerkiste. Es gab Fernsehserien, denen man entgegenfieberte, weil sie Tore in eine Welt aufsperrten, die vom kleinbürgerlichen Muff meilenweit entfernt waren. Nicht nur die Popmusik der 60er Jahre leistete diese Dienste, sondern auch jene Zwischenwelten zwischen „ich-trau-mich-nicht“ und „Trau-keinem-über-dreissig“, in denen das Fernsehen  Parallelwelten schuf, die sich bis in unsere Träume auswirkten. Wenn wir „Mit Schirm, Charme und Melone“ sahen, nahm uns schon die Filmmusik gefangen, „The Avengers“.  

Wir folgten Emma Peel und John Steed durch Welten voller Roboter, Psychotiker, und Laboratorien des Irrsinns, die später (mit erheblich mehr Science-Fiction-Elementen) von „Akte X“ in eine modernere Zeit transportiert wurden. Thrill und Mystery und britischer Humor waren eins  bei der Karate-kundigen Emma und dem archetypischen Gentleman John. Als vor Jahren die Serie neu aufgelegt wurde, war die Begeisterung gross: man konnte en detail referieren, wie Moden kreiert wurden, wie das Fernsehen alte Tabugrenzen brach, eine neue  Weiblichkeit listig auftrumpfte. Allein: die Nostalgie garantiert nicht mehr den alten Zauber; diese Filme wirken heute, trotz all ihren enormen Einfallsreichtums, seltsam altbacken, hochinteressant nur noch für den Historiker und ein restlos sentimentales Gemüt. Das Mitfiebern ist verschwunden. Es war einmal. Oder haben Sie Diana Rigg  gleich erkannt, auf diesem Foto? 

Der Soundtrack allein  erzeugt  noch den gleichen Schauer. Als würden  tief gelegte  Areale  unseres Gehirns angezapft, die alles Dazwischen ausschalten und uns unmittelbar in die Vergangenheit transportieren. Daran ist nichts Besonderes: gehen Sie mal nach Jahren und Jahren in Ihre alte Schule,  und nehmen Sie nur für einen Augenblick den vertrauten Geruch wahr (er verschwindet nie):  wenn die Glocken läuten, würden Sie, wie in Trance, ein altes Klassenzimmer aufsuchen, und sich, ganz kurz, wundern, wieso niemand sonst da ist. Geisterstunde.

https://www.youtube.com/watch?v=ZGvfDxnwUU4


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