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Archives: Sonntag, 12. Juni 2011

2011 12 Juni

Frohes Pfingsten

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Das empfehlenswerte Büchlein “Die Müdigkeitsgesellschaft” des koreanischen Philosophen Byung Chul Han war kurz nach dem Erscheinen sofort vergriffen, ist mittlerweile aber wieder erhältlich. Gottseidank – denn es enthält eine Fülle von Anregungen und plausiblen, originellen Erklärungen zur Situation der gesellschaftlichen Gegenwart. Im Folgenden bezieht sich Autor Han auf Peter Handke´s Versuch über die Müdigkeit und es wird erklärt, warum gerade sie ein Heilmittel sein könnte für so manche Malaise:

Handke entwirft eine immanente Religion der Müdigkeit. Die fundamentale Müdigkeit hebt die egologische Vereinzelung auf und stiftet eine Gemeinschaft, die keiner Verwandtschaft bedarf. In ihr erwacht ein besonderer Takt, der zu einer Zusammenstimmung, zu einer Nähe, zu einer Nachbarschaft ohne jedes familiäre, funktionelle Band führt:

„Ein gewisser Müder als ein anderer Orpheus, um den sich die wildesten Tiere versammeln und endlich mitmüde sein können. Die Müdigkeit gibt den verstreuten Einzelnen den Takt.” 

Jene Pfingstgesellschaft, die zum Nicht-Tun inspiriert, ist der Aktivgesellschaft entgegen-gesetzt. Handke stellt sie sich durch die Bank müde vor. Sie ist eine Gesellschaft der Müden im Besonderen Sinne. Wäre die Pfingstgesellschaft ein Synomym für die künftige Gesellschaft, so könnte die kommende Gesellschaft auch Müdigkeitsgesellschaft heißen. 

Die Müdigkeit lässt also alle Masken fallen und wirkt als Antidot gegen Überforderungen wie Sei Du Selbst!; Verwirkliche Dich! oder, wie jüngst Han´s Kollege Sloterdijk (beide mit Lehrstuhl in Karlsruhe) seinen Bestseller betitelte: Du Musst Dein Leben Ändern! Diese gelungene Lobpreisung an den Geist der Askesis (“Üben!”) kontert Han mit dem Seinlassen aus, Melville´s Bartleby zitierend: “I prefer not to …”

Denn alle leistungsfordernden Imperative können ins Gegenteil umschlagen in einer Kultur der Selbstausbeutung und statt zu motivieren erzeugen sie, vielleicht noch im Verbund mit einem rigiden Über-Ich, dann Das Erschöpfte Selbst (Alain Ehrenberg). Mit dem Heidegger-kundigen Han aber sind wir In-Die-Jahre-Gekommenen gerettet und setzen fröhlich-wissend dagegen: „Pusteblume! Nicht Narzissten.“ Schöne neue Welt: müdes frohes Pfingsten.

2011 12 Juni

Kleine Türen

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Über die Spielräume des Unglücks wird gerne debattiert

Schon die Bibel tat es filmreif mit Hiob und Co.

Wer Erlösung erhofft, spielt mit dem Zufall

Sagen die Theoretiker, würfeln Zahlen mit bleichem Gewicht

Die Toten sind Legende, haben Nachspiele auf Orgeln

In Hollywood, in Totenbüchern, sind sie Geister in der Klemme

Die wahren Helden sind Orpheus auf der Spur

Ihre Gitarrenkästen zieren die Zugluft im Underground

Die Station heisst „Angel“,  und wussten Sie

Dass „Heart Of Gold“  schon Milliarden mal gesungen wurde

Und lauter kleine Türen sind dann aufgegangen

Hinter denen das Nichts war, aber das Nichts hatte Namen

„Sommer of Love“, „All Day Long“, „Baby Blue“

Und die Statistiker spielen die Zahlen des Nichts

Am schönsten sind die Töne, die keiner hört, über Gräbern

Ich war dort, 1977, ich war ein Niemand für die Toten, ich bin dann mal fort

 


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