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2023 27 Nov.
Lajla Nizinski | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 7 Comments
2023 27 Nov.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 13 Comments
Circling Around Invisible Centers – Every year brings an abundance of wonderful musics, reissues and archival discoveries. Nevertheless, it’s easy for me to list a ravishing list of old and new dreams. „Old True Love Never Dies“, as Neil Young once sang, and I was 20 years young when the record ZUMA (quite a romantic album with some sharp edges) blocked my turntable in the International Student House in Würzburg for weeks. Along with three to five ECM records and John Coltrane’s „Live In Japan“. Brian Eno came later to my ears, at the end of 1975, with the albums „Taking Tiger Mountain (By Strategy)“ and „Discreet Music“ (and don‘t ask, I was not so much into the first two Roxy Music albums, I preferred the third one, „Stranded“.) In fact, I could write a long short story about the evening i first heard „Taking Tiger Mountain (by Strategy). Weeks later, when „Discreet Music“ from (Brian‘s Obscure Records) put a spell on me, i kept asking myself why I was falling for these silent sounds to the same degree as to that quite surreal song album. And my private answer was: both abums are circling around invisible centers.
Anyway, „old true love never dies“. Back in those days I entered into another dialogue with that songline from Neil and had to realise that I had already left a few „true old loves“ behind me, all of which (at least the real ones) remained unrequited and were merely adored (all courtship and lyrics failed), which in retrospect raises justified doubts about the attributes „old“ and „true“, not to mention „never dies“. That was to change in my summer of love in 1975, at least for a beautiful, infinitely short while. First came Christiana, the unearthly one in the white dress, and after the end of this 2-year-engagement, nobody for a while, and then a woman of unrivalled androgynous beauty, whose full name reminded a classmate decades later of the sound of a Bavarian porn star. But… she was a goddess from the highway… There can be no question of self-delusion and projection with the following albums and works of art from the old days. And from the new days, too.
01. P.J. Harvey: I Inside The Old Year Dying
02. Fire! Orchestra: Echoes
03. Natural Information Society: Since Time Is Gravity
04. Mette Henriette: Drifting
05. The Necks: Travel
06. Modern Nature: No Fixed Point In Space
07. Palle Mikkelborg / Jakob Bro / Marilyn Mazur: Strands
08. Jan Bang / Eivind Aarset: Two Last Inches Of Sky
09. Roger Eno: The Skies, They Shift Like Chords (DGG)
10. Lankum: False Lankum
11. Brian Eno: Top Boy (O.S.T.)
12. Craven Faults: Standers
13. Sylvie Courvoisier: Chimaera
14. Thandi Ntuli with Carlos Nita: Rainbow Revisited
15. Paul St. Hilaire: Tikiman Vol. 1
16. Rickie Lee Jones: Pieces Of Treasure
17. The Gurdjieff Ensemble: Zartir
18. Arooj Aftab / Vijay Iyer / Shahzad Ismaly: Love In Exile
19. Alabaster DePlume: Come With Fierce Grace
20. Blur: The Ballad of Darren
21. Wilco: Cousin
22. Nitai Hershkovits: Call On The Old Wise


A CURIOUS COLLECTION OF OLD AND NEW DREAMS – Buried Treasure: The Call (japo 6001) – Mal Waldron‘s fusion masterpiece, and an audiophile delight anyways, from the early days of Gleichmannstraße 10 in München Pasing!) / Best Classic Rock Box: Frank Zappa – Overnite Sensation (50th anniversary – still crazy after all these years, I like Zappa more than ever, to my own surprise) / Best Classic Rock Vinyl Remaster: The Who – Who’s Next / Best Archival Discovery Of Electronica: Pauline Anna Strom – Echoes, Spaces, Lines / Fabulous Roots Reggae Re-Discovery: George Faith – To Be A Lover / Best Old Movie Experience: Silverado / Best Concerts (I didn‘t see): Brian Eno, Berlin – P.J. Harvey, London – Kronos Quartet, Pittsburgh / Best Crime Novel: James Kestrel – Fünf Winter (Suhrkamp) / Best Old German Jazz Reissue On Vinyl: Volker Kriegel – Missing Link (MPS) / a forthcoming ECM album fitting perfectly for „my Klanghorizonte edition“ on January 25: Arve Henriksen & Harmen Fraanje: A Touch Of Time / A very special BluRay (or vinyl experience) for the Christmas Tree: Neil Young – Before + After / Essential Reissue of ECM in 2024: Keith Jarrett & Jan Garbarek: Luminessence (March) / A book that will trigger and restore adventurous times: Jan Reetzes Liebeserklärung an ein 50 Jahre altes Album (März 2024) / A songsmith’s album on loss, loss, loss, and yet still kicking and feeling alive: Bob Dylan: Time Out Of Mind / A jazz album with a lifetime‘s devotion: Ralph Towner: Solstice (ECM 1060)* / I am so sorry, my taste is so predictable, my only excuse, it‘s not taste, it‘s passion!
*ECM 1060“ / Ich war nur einmal in meinem Leben auf Wangerooge. Seltsam, dass mir von der Hinfahrt der kurze Zwischenstop damals, im Sommer 1975, in Husum, in Erinnerung geblieben ist, wo ich umstieg und mir das Leben in jenen Momenten eine Schwelle zu öffnen schien, ein Ende der Kindheit.
Ein paar Abende später schlich ich an dem Zimmer der Pensionsbesitzer vorbei, klopfte bei ihrem Aupair—Mädchen Elke Marie an die Tür und verschwand in ihren Armen. Im Sommer darauf, oder waren es zwei Sommer später, traf ich Elke Marie wieder, zu meiner Überraschung, an der Rezeption des Nordseehotels auf Borkum, und voller Freude lief sie zu mir, obwohl wir uns schon länger keine Briefe mehr geschrieben hatten. Aber war das nicht ein Zeichen, dachte sie wohl, was ich wohl auch gedacht hätte, über diesen kaum glaublichen Zufall, wenn inzwischen nicht soviel geschehen wäre, und für ein paar Minuten kam ich mir vor wie in einem Film von Eric Rohmer. Als ich ihr sagte, ich sei mit meiner Verlobten hier, hielt das Empfinden, immer noch Teil einer „moralischen Erzählung“ des Franzosen zu sein, weiter an, doch blieb es bei diesem kurzen Wiedersehen und Verabschieden. Es tat mir einen Moment lang weh, aber es ging nicht anders.
Im Sommer davor, oder waren es doch zwei Sommer, regnete es oft auf Wangerooge, und ausser meinem spätabendlichem Runterschleichen in Elke Maries Zimmer und der wunderbaren Wärme ihres Körpers, ihrem Duft nach englischem Moos, ihrem weichen wogenden Busen, erinnere ich nur noch einen Abend in jenen drei Wochen, an dem ich eine Jazzsendung von Michael Naura im NDR hörte. Ich hatte meinen Anorak angezogen, das Transistorradio in die Tasche gesteckt, und war trotz stetigen Regens runter zur Promenade gegangen. Nicht direkt ans Meer, wo die Musik untergegangen wäre. Naura schwärmte von einem brandneuen Album namens „Solstice“, von Ralph Towner, mit Jan Garbarek, Eberhard Weber und Jon Christensen. Dann spielte er die Komposition „Nimbus“, und ich kroch förmlich in die Lautsprecher des winzigen Metallradios hinein. Was für ein Tanz des Lebens!
In den Neunziger Jahren traf ich Ralph Towner in Dortmund, und wir gingen einzelne Stationen seines Lebens durch. Als wir zu „Solstice“ kamen (produced by Manfred Eicher, ECM 1060), seufzte der Amerikaner kurz auf, als würden in Sekunden Bilder und Töne an ihm vorüberziehen, von der Aufnahme in Oslo: das perfekte Miteinander der Vier, der überschäumende Ideenfluss. Manfred und Jan Erik im Kontrollraum. Es war klar, wir würden über eine Sternstunde reden. Es war ja nicht seine einzige. Nachspiel: Vor wenigen Tagen wählte ich mir ein Kennzeichen für meinen neuen Toyota aus, als Reminsizenz, AC – EC – 1060, nachdem der alte von einer älteren Dame mit neuronalem Blackout auf einer Kreuzung geschrottet wurde.
(I sent this story, in deep L translation, to Brian Whistler, and knew it would put a smile on his face.)
2023 27 Nov.
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Gong | 2 Comments
Sage noch einer, es gebe keinen Spacerock mehr. Schon mit dem ersten Track, „Tiny Galaxies“, wird man darüber aufgeklärt, dass es ihn sehr wohl noch gibt. Der ist allerdings eine eher freundliche Einführung in das kosmische Donnerwetter, das später folgt.
Mit Daevid Allens Pot Head Pixies und ihren fliegenden Teekannen hat das alles nicht mehr viel zu tun. Live spielt die Gruppe dieses Repertoire zwar noch immer (und ja, wie ihr Livealbum Pulsing Signals von 2022 zeigt, können sie das auch), aber es zeigt sich, dass Gitarrist und Sänger Kavus Torabi mehr und mehr die Regie übernommen hat. Und der ist mit seinen Mannen (Dave Sturt, bass; Cheb Nettles, drums; Fabio Golfetti, guitar, vocals; Ian East, sax; keyboards sind auf diesem Album nicht dabei) mittlerweile näher an Zappa als an Allen.
Das kann, bei Licht betrachtet, kaum anders sein und setzt eine Entwicklung konsequent fort, die sich bereits auf den vorigen Alben andeutete. Musikalisch sind die Jungs topfit, aber die Geisteshaltung ist eine andere als bei den (auch schon diversen) Ur-Gong-Besetzungen. Daevid Allens freundlich-ausgeflippter Humor sorgte dort stets für eine gewisse Leichtigkeit, und auch, wenn er manchmal recht böse Texte schreiben konnte, blieb Gong doch eine Gruppe, die den Hörer teils rockig, teils jazzig in hohe Höhen trug, ihn aber auch stets wieder sanft absetzte. Kavus hat diesen Humor nicht, auch seine Stimme bringt einen anderen Charakter ein als Daevids immer leicht ironischer Ton — was nicht heißen soll, dass diese Platte eine todernste Angelegenheit wäre oder etwas Verbissenes an sich hätte. Das hat sie nicht, aber sie kommt mit sehr viel mehr Power daher und bläst den Hörer eher um als dass sie ihn trägt.
Ob Unending Ascending einen Platz in meiner Jahresbestenliste bekommt, weiß ich noch nicht genau; die Platte erschließt sich nicht bei einmaligem Hören. Handwerklich jedenfalls ist das Ganze exzellent gespielt, greift frühere Stilmittel immerhin gelegentlich auf, liebt offenkundig ungerade Taktarten, folgt keiner Mode und keinem Trend, ist hervorragend produziert und trotz manchmal etwas länglich-anstrengender Passagen alles in allem absolut hörenswert.
Wer zu den ersten Bestellern gehört, bekommt obendrein eine numerierte Druckgrafik mitgeliefert, gezeichnet und handsigniert von Kavus. Auch die ziemlich ist spacig, aber nun ja: passt schon.