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Archives: Samstag, 21. Oktober 2017

2017 21 Okt.

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Er sagte, dass die Menschen vor dem Feuer wegrannten, fliegende Feuerobjekte hätten sie dann eingeholt und verbrennen lassen. Er sagte, dass er sich nicht vorstellen könnte, was die Wahrheit sei: Brandstiftung oder monatelange Hitze. Er sagte, dass es auf der ganzen Welt in toto nur 60 Feuertote gãbe, allein in Portugal über 40. Er sagte, wenn ich in Porto sei, solle ich zum Douro gehen, dort sei das Gold von Portugal: das Wasser und der Portwein. Er sagte, dass die Francesinha das beste Essen sei, so ganz nach den kleinen Französinnen benannt. Er sagte, dass im Casa Musica der beste Jazz gespielt wird, die Architektur mitunter das Modernste ist, was sein Land vorzeigen könnte. Zum Schluss sagte er nichts. Seine beijos sprachen für sich.

 

Salta, Argentinien. Erste Filmeinstellung: ein verlassener Bahnhof, leere, endlos lange Bahnsteige, grasbewachsenes Gleisbett. Im Hintergrund ist eine Ruine von einem einst blauweiß gestrichenem Personenzug zu sehen, dessen erste Waggons, vielleicht auch dessen Lokomotive in einem Lokschuppen, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat, verschwinden.

Zweite Einstellung: Von einem der Bahnsteige in Richtung Empfangsgebäude (?) aufgenommen. Mit dem Erklingen eines Bandoneons sieht man über die Gleise hinweg einen Mann vor der Bahnhofsruine stehen, es könnte Dino Saluzzi sein, im Vordergrund der Kameraeinstellung sieht man das Ortsschild SALTA. Dann kommt plötzlich Bewegung in das Standbild, Anja Lechner geht auf Dino Saluzzi zu, beide versuchen dann beim Schienenbalancieren erfolgreich zu sein, dabei erscheint der Filmtitel `El Encuentro – Ein Film für Bandoneon und Cello´.

Während die Kamera das verfallene Bahnhofsgelände zeigt, hört man die Stimme Anja Lechners, sie spricht über Musik. Der Zuschauer sieht weitere Areale des verwunschenen Bahnhofs von SALTA, weitere Eisenbahnwaggons, die nie mehr werden fahren können. Dino Saluzzi erzählt von seiner Musik.

Harter Schnitt. München. Anja Lechner begründet, weshalb ihr das Reisen so wichtig ist: „Die eigene Wahrnehmung von Musik und auch die eigene Art zu spielen verändert sich, wenn man reist. Es ist eine wunderbare Gelegenheit mit Musikern zusammenzuarbeiten, die in anderen Ländern leben, mit ihnen in ihren Ländern zu proben und zu spielen. Da kann ich die Musik ganz anders spüren und begreifen. Es eröffnet sich dann eine neue Welt, man ist dann umgeben von dieser Art Musik …“

 
 
 

 
 
 

Schnitt. Yerevan, Armenien. Anja Lechner bekennt, dass Armenien neben Argentinien das für sie wichtigste Land sei. In Armenien sei die Begegnung mit Tigran Mansurian die entscheidende Begegnung gewesen. Mit ihm zusammen arbeitet sie an der Aufführung seines Zweiten Cellokonzertes. Zwischendurch erzählt Dino Saluzzi immer wieder von seiner Heimat, seiner Musik und seiner Begegnung mit George Gruntz. Dieser sei als Leiter des Jazzfestivals Berlin 1982 durch Südamerika gereist, um Musiker zu finden, die ihr Land in Berlin musikalisch vertreten könnten. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden sollte noch viele Jahre andauern.

In München, führt Anja Lechner aus, habe sie Dino Saluzzi kennengelernt, aber seine Musik erst wirklich verstehen können, nachdem sie mit ihm zusammen Argentinien und insbesondere SALTA und die Plätze seiner Kindheit besucht habe.-

Vielmehr möchte ich von diesem großartigem ECM-Film aus dem Jahre 2012 nicht verraten, nur noch eines. Dino Saluzzi spricht über sein Instrument, das Bandoneon: „Ich lernte das Instrument kennen, als ich sieben Jahre alt war. Wie alt das Instrument war, weiß ich nicht. Es kam von Anfang an zu mir, es ist die Verlängerung meines Körpers. Ein Leben ohne Bandoneon ist für mich nicht vorstellbar. Dieses Instrument spricht mit Bescheidenheit, es erhebt seine Stimme nicht, es spricht mit Ruhe, mit Einfachheit und Direktheit. Hier sind alle Wörter schon enthalten, alle Gedanken sind drin, die schwierigsten Situationen. Man muss sich nur in seinen Dienst stellen, es verstehen, so kann man seine Sprache wahrnehmen.“.

 

„El Encuentro – Ein Film für Bandoneon und Violoncello“

Regie: Norbert Wiedmer & Enrique Ros; Dokumentarfilm; CH/2012, D/sp, digital hd, 52 Min

 

P.S. Neu im Plattenschrank: Valentin Silvestrov / Hieroglyphen der Nacht – Anja Lechner & Angnés Vesterman. Eine wunderbare Platte, erschienen bei ECM New Series …

 
 
 
 

 

 

 
 
 
 

NEW STUFF: Nils Okland: Lysning / BJ Nilsen: Massif Trophies / Erland Dahlen: Clocks / Stefano Battaglia: Pelagos / Greta Aagre & Erik Honoré: Tuesday Gods / Erik Honoré: Unrest / Björn Meyer: Provenance / Lusine Grigoryan: Komitas – Seven Songs / Danish String Quartet: Black Leaf /// Hannah Peel: Mary Casio – Journey to Cassiopeia / Stein Urheim: Utopian Tales / David Virelles: Gnosis / Anouar Brahem: Blue Maqams / Erlend Apneseth: Ara / Seamus Fogarty: The Curious Hand / Dirty Songs play Dirty Songs (thanks to David Toop for giving me his only copy in Kristiansand) / Hannah Peel (again) ///  CLOSE-UP: Brian Eno: Here Come The Wam Jets / Taking Tiger Mountain (By Strategy) / Another Green World / Before and After Science /// TIME TRAVEL: Bark Psychosis: Hex / Michele Mercure: Eye Chant / Jon Hassell: Dream Theory in Malaya /// Lal and Mike Waterson: Bright Phoebus / Dead Can Dance: Aion / Jon Balke – Siwan: Nahnou Houm (Release Date: November 3)

 
 

Hour 1
 

 
 
Hour 2
 

 
 

Michael: Erik, I got it all from your lecture at the Punktfestival, but tell me one thing: when living in disturbing times, like we all do, has the work on your new album on „Hubro Records“, UNREST, been a kind of retreatment space and reloading batteries? I know your answer won’t fit the „new age department“ :)

 

Erik Honoré: I’ve been thinking of that aspect, music (and music making) as a cathartic exercise in troubled times. But to me it is actually the very opposite: Music is a way of engaging with the world, not disengaging or finding retreat. I have that retreat in the mundane everyday life in idyllic Oslo. So what I want through music is to confront this dangerous thing that is „reality“, to feel strongly, and let it hurt when it should. I know that’s also kind of clichéd, but sometimes it’s that simple. And yes, times like these are inspiring. They open up the space for things you wouldn’t have found in normal times.

 


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