Auf Ingos Hinweis habe ich inzwischen zwei Filme von Claire Denis gesehen: Trouble Every Day (englisch/französisch, youtube) und Les Salauds (auf deutsch, arte+7, läuft noch 4 Tage). Beide Filme entwickeln von der ersten Sekunde an einen ungeheuren Sog, bei beiden gibt es zwei Handlungsstränge, deren Verbindung bei Les Salauds im Lauf der Zeit und bei Trouble Every Day erst spät erkennbar wird, beide Filme sind trotz ihrer Spannung sehr ruhig, fast meditativ, und gleichzeitig verstörend. Da gibt es viel Traumlogik, Existenzielles, es blitzen Bilder wie Fotos auf, ohne Verortung. Nachts in völliger Dunkelheit im Auto fahren, in einer unbekannten kurvenreichen Landschaft, mit zwei anderen, die nicht wirklich Freunde sind, da ist eine untergründige sexuelle Spannung, gegenüber beiden, eine Bedrohung, ein klares Machtgefälle, der Wunsch, wichtig zu sein. Und während der Fahrt darfst du ans Steuer und schaltest einen Gang höher und machst die Lichter aus. Die Schnitte zwischen den Bildern. Das Nicht-Gezeigte. Die Kinderzeichnung an der Wand. Großzügige Treppenhäuser, und immer nass geregnete Straßen. Ein mysteriöses Haus auf dem Land. Die Auswegslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und das Aufbegehren. Trouble Every Day endet – so habe ich es verstanden – versöhnlich, wobei dennoch der Atem stockt. Bei Les Salauds hätte ich darüber nachgedacht, die letzte Einstellung zu kürzen oder herauszuschneiden. Das war eine Erklärung von etwas, was schon mehrfach angedeutet war. Es ist natürlich ein Klassiker, irgendwann eine Pistole ins Spiel zu bringen, mit ungewissem Einsatz. Für mich ist Claire Denis eine Entdeckung.
Archives: Freitag, 9. Dezember 2016
2016 9 Dez.
Rewind – Stop – Les Salauds
Martina Weber | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Les Salauds | 11 Comments