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Archives: Samstag, 13. April 2024

2024 13 Apr.

Innehalten

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Eigentlich wollte ich heute das hochgewachsene Gras, die Gänseblümchenwiese mähen. Doch Catherine wies mich auf einen Marienkäfer hin. Den ich erst nicht sah, weil ich ihn fälschlicherweise auf den weißen Blüten vermutete. Als ich genauer hinguckte, sah ich wie er einen Grashalm hochkletterte und dann wieder runter. Ich stand nun völlig still da und beobachtete die Aktivitäten des Käfers, der permanent in Bewegung blieb, aber keine wirklichen Fortschritte – was auch immer das für einen Marienkäfer bedeuten mag – zu machen schien. Es ging permanent rauf und runter von Grashalm zu Grashalm. Wie für uns vor ein paar Jahren auf dem EB von Eisenach bis Olbernhau, der wirklich jede Erhebung auf dem Weg mitnahm. Ich stehe da also bewegungslos an einem sommerlichen Aprilsamstag und sehe zwischen der Hauswand und den Steinen eine Maus verschwinden, höre sie. Ich bin quasi verschwunden aus der Welt, bin reiner Beobachter, die Tiere nehmen keine Notiz von mir. Dieser Gedanke, stillzustehen und einfach nur wahrzunehmen, nimmt mich in Besitz. Je mehr man sich zurückzieht, je weniger man spricht, je zurückhaltender man ist, desto mehr Vertrauen haben die Tiere in einen. Desto mehr werden sie kommen. Cut.

Ich wollte ja eigentlich den Rasen mähen. Der Elektromotor des Mähers schafft einige Umdrehungen, dann erstirbt er. Nach wahrscheinlich über 30 Jahren. Exakt jetzt. Dem Nachbarn passiert kurz danach das Gleiche. Sein Rasenmäher ist allerdings erst 6 Jahre alt. Was hat das zu bedeuten? Auf jeden Fall wird die Wiese für eine weitere Woche eine Wildblumenwiese bleiben. Die Insekten werden sich freuen. Am Freitag soll dann der neue Akkumäher kommen. Mal sehen.

 

 

2024 13 Apr.

Das Gegebene

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Es gibt wohl kaum einen Philosophen, der mir so aus dem Herzen spricht wie Byung-Chul Han. Er nimmt gegenüber vielen Strömungen des auch durch Kapitalismus und westliche Lebensethik bestimmten Zeitgeistes eine kritische Haltung ein: eine betrachtende Distanznahme. Ich selbst wuchs dankbarerweise in einer Zeit und in einem Lebensraum auf, in denen es möglich war, sich auf friedliche Weise zu entfalten und eine reichhaltige Innenwelt von Leidenschaften und Vorstellungen auszubilden: im Bereich der Musik, der Kunst und der Literatur. Deshalb sehe ich mich auch in der Lage, zynischen Haltungen gegenüber Paroli zu bieten und hier Resilienz zu entwickeln. Zynische Grundhaltungen wären beispielsweise blinder und einen grundlegenden Mangel kaschierender Konsum, ferner das Raushauen meiner Meinung zu Irgendetwas, nur um die Gegenmeinung platt zu machen – ein Phänomen, das man als eine Art mentalen Beissreflex massenhaft beobachten kann in Leserkommentaren und Ego-Äusserungen des sozial-medialen Raumes: den shitstorms. Dagegen fordert ein Songtitel des Drummers und Knower-Mitglieds Louis Cole: „Quality over Opinion“.

 
 

 
 

Vor ein paar Tagen reparierte ich meinen dreissig Jahre alten Hifi-Verstärker (erneut ein Erfolgserlebnis: man widmet sich einem Problem und kommt mit etwas Glück, vor allem aber einer den äusseren Realitäten zugewandten Aufmerksamkeit, die wenig zu tun hat mit dem in der Psycho-Szene proklamierten selbstzentrierten Achtsamkeits-Gehabe, zu einer Lösung) und erlebte im Nachgang das, was viele von uns wohl aus der Zeit kennen, als man aufgrund eines neu erworbenen Hifi-Gerätes erstmal die gesamte Plattensammlung durchhörte, weil sie in neuem, frischen Licht erstrahlte. Nun, in meinem Falle ist es so: Gegenwart stellt sich ein und das Gegebene ist gut, so wie es ist. Neben der Musik vollzieht sich dann nämlich immer auch die Sensation des klanglichen Geschehens an sich – egal, ob es sich dabei um Ralph Towners erstes Soloalbum handelt oder um den neuesten hot shit von Vijay Iyer, Tyshawn Sorey und Linda May Han Oh.

 


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