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Archiv: Neil Young

 

 
 
 

It’s a beautiful day. I have all the words piled up, stuffed, caused to collapse reflecting those Lucinda Williams vibes still running through my veins. But not now. In the very early morning I saw a ship appearing out of a milky horizon. My borrowed blue metallic caravan did a risky thing tonight, wild camping in the Netherlands. Before sleep, a cold swim, and Björn Meyer’s forthcoming „Provenance“ from discreet loudspeakers. Where-am-I-drifting-music. I can’t get enough from small waves‘ tender touch. There’s an anti-nostalgic side in everything. That’s the way the mind works suddenly turning a different page. Remember Sgt. Pepper, remember „A Day in the Life“. The song is overpoweringly heartsick, John sings in his most spectral voice, treated with what he calls his „Elvis echo“, a la „Heartbreak Hotel“. As the hours go slowly by, and in the company of appel pannenkoek and Bessen Genever, one of the darkest albums of the ’70s springs to mind, Neil Young’s „On The Beach“. Beauty hurts, and darkness works as medicine. I blame it on C.J. Box’s „Paradise  Valley“ that a serial killer visited me tonight. Learned my lesson, do love all these empty pages of a fucking beautiful day, all these empty pages …

 

„There aren’t many, if any, precedents, but Eric Clapton’s 1991 song Tears in Heaven was written in response to the death of his four-year-old son, Conor, also from a fall. But where Clapton found some comfort in ideas of heavenly reunions and eventual peace, Cave finds no such salvation or solution. In fact, one of Skeleton Tree’s most powerful statements is its rejection of God and notions of easy healing, happy endings or even meaning.“ (Dave Simpson, The Guardian) 

 

„In den letzten Tagen tauchte ein Album auf, als ferne Parallele, in Besprechungen der neuen Alben von Wilco und Okkervil River: „On The Beach“, von Neil Young. Ganz sicher keines seiner bestverkauftesten Alben, aber eines, dessen Wirkungsgeschichte umso weiter reichen wird. Ein Werk des Abgesangs, verstörend allemal, in seiner Ruhe und Schwärze. Teil einer Trilogie Mitte der Siebziger Jahre, in der Neil Young die Flowerpower-Träume ohne Blumen zu Grabe trug, und gleich zwei Weggefährten mit beerdigte. Jetzt darf man eine weitere Parallele benennen, zu Nick Caves „Skeleton Tree“, Youngs „Tonight’s The Night“. Nicht in Hinblick auf die Alptraumakustik von Neils Grosser Nachtmusik, sondern mit einem Gespür für all die hörbaren und unhörbaren, letztlich untröstlichen Schreie, in der Stimme, und um die Stimme herum.“ (m.e.)

 

 
 
 

„We used to get our kicks reading surfing magazines / Wake up on the morning and the waves are clean / Standing on the headland taking in the scene / Just like they do it … In surfing magazines“ (The Go-Betweens)

 

Wieviele Surfer kenne ich eigentlich? Klaus S. aus meiner alten Schulklasse spielte nicht nur am besten Akustikgitarre, er ist, glaube ich, auch öfter zur holländischen Küste zum Surfen gefahren. Aber wie weit war Scheweningen von Santa Monica entfernt, über die Wellen sprechen wir erst gar nicht. Es waren eher symbolische Akte, aber überall lief die gleiche Musik, Underground und Overground. Mit Thomas W. vom Kammerflimmer Kollektief teile ich die Faszination am Surfen: zu gerne würden wir eine kleine Zeitreise in die späten Sechziger antreten, und in einschlägigen kalifornischen Surfmekkas ein paar alternative Lebensläufe am Rande sechs Fuss hoher Brecher erproben, inklusive Wipeout. Und hawaianischem Brudaar!

Tja, „Wipeout“, ich bin etwas schlauer geworfen. Ich habe mir einfach ein Buch aus dem Mare-Verlag gegriffen, „Surferboy“, und das endet mit einem seitenlangen Glossar mit Fachausdrücken der Surfersprache. Hab ich sie noch alle? Aber ja, das war die Motivation, lass dir mal so eine kalifornische Jugend erzählen, in der die „big waves“ nur so krachen. Surfin‘ USA. So the wind won’t blow it all away.

Interessanterweise bin ich in den letzten Tagen nicht nur beim Surfen gelandet, sondern auch beim Wrestling, so ungefähr die uninteressanteste Sportart, die ich mir vorstellen kann. Aber John Darnielle von den Mountain Goats ist in seiner Kindheit vom Wrestling-Virus infiziert worden, und in Kürze erscheint sein umwerfendes Konzeptalbum „Beat The Champ“, in dem er diese bizarre Welt in einen hinreissenden Songreigen verwandelt, in dem das Abseitige seine menschlich-allzumenschliche Strahlkraft freilegt. Eines der grossen Songalben des Jahres, und wie er hier auch noch Jazzspuren unterbringt, lässt einen endgültig staunen. Texte wie geschliffenes Glas, Verwundbarkeit, trostlose Motels, Blut, und die Einsamkeit von Kindern in der Vorstadt. Aber ich schweife ab.

Amerikanische Kids träumten vom Surfen weil sie genau in dem Biotop lebten, wo Dick Dale den Ur-Sound des Surfens prägte, wo die Beach Boys die nächste hippieske Welle ins Rollen brachten – selbst introvertierte Träumer wie Jackson Browne machten sich bei diversen „Roadtrips“ auf die Suche nach „moments of excellence“ – „Surfari“ war das Zauberwort. „Too late for the sky?“ Na ja, irgendwann schon.

Es gab damals eine Serie, die wirklich Kult war, und nie zu uns nach Europa rüberschwappte: „The Endless Summer“, zwei „Helden“ suchten nach der perfekten Welle, überall auf der Welt. Und sie fanden diese Riesendinger auch. In diese Welt taucht das alter ego des Schriftstellers Kevin McAleer ein. Am Anfang ist man ein „Kook“, ein Dilettant, ein Greenhorn, das im Wind schnüffelt. Man macht sich leicht lächerlich, Die Cracks ziehen die Show ab, schon die sog. grossen Zeiten taugen als Studienobjekt für dahinsiechende Mythen.

Julia Ritter versucht erst gar nicht, die Welt des Surfens nahtlos ins Deutsche zu übertragen, überall stolpern wir über unübersetzte idiomatische Sprache, aus dem Kontext ergibt sich Sinn, zumindest bruchstückhaft. Eine Verfremdung, die uns gar nicht erst „the real thing“ vorgaukelt. Mit der Zeit kommt das richtig gut. Von wegen: „go with the flow“. Sog und Widerhaken halten die Balance. Das Buch ist klug gebaut. Was anfänglich wie schlichter Stoff für Surfromantiker wirkt, geht dann richtig Bach und Welle runter.

Das wird von Episode zu Episode fesselnder, surreal, witzig, gefährlich, und das Ende von allem: die Moden und der Fundamentalismus. Im schlimmsten Fall toben Machtkämpfe, Freundschaften zerbrechen, aber, fuck, ich hätte zu gerne einmal im Leben die perfekte Welle erlebt, 68, in Malibu Beach.

Stattdessen habe ich heute noch eine genaue Erinnerung daran, wie ich, als Dick Dale an der West Coast tourte, auf dem Schulhof der Brüder Grimm-Schule einen Lederball mit der Brust annahm, und volley ins Tor schoss, knapp neben der rechten Tormarkierung, die durch einen Tornister markiert war. Ein Glücksgefühl ohnegleichen. Mein Held war Reinhold Wosab, der machte es im Stadion Rote Erde ganz ähnlich.

Die perfekte Welle hat viele Gesichter, der Gitarrist Fennesz ist, auf seinem frühen, gewiss nicht besten Album, „Endless Summer“, diesem Feeling nachgegangen, und neben „sweet fragments“ mit Beach Boys-Flair entwickelte er ein Stück Chaostheorie für die elektrische Gitarre. Der angezapfte Mythos hat ihm damals wohl mehr Türen in der Szene geöffnet als die noch unausgereifte Musik voller interessanter Versprechen.

In jedem Land hat die perfekte Welle andere Gesichter, und manche zeigte sich kurz vor Einbruch der Nacht, wenn man in einem Spiel, das nur noch der Erschöpfung und einer gewissen Traumlogik folgte, einen Fussball aus dem fahlen Laternenlicht auftauchen sieht, schemenhaft, und ihn vollkommen sinnlos in den Himmel bolzt. Wir sind alle Sternschnuppen, voller Elan. Aus dem Nichts geschöpft, erfüllte Momente & Wipeout. Und irgendwann singt immer jemand an einem Lagerfeuer in San Diego, gegenüber der Eisdiele am Leicester Square, oder auf dem Kopfsteinpflaster von Leinfelden-Echterdingen, Neil Youngs „Heart of Gold“.

Klaus hat übrigens Ernst gemacht. Er hat immer die weiten Räume gesucht, und sie sich mit seiner Frau, dem Hund und den Bären geteilt. Es gab auch, ganz früh, einen Abstecher in die Mohave-Wüste. In Las Vegas hat der letzte Hippie der OIc geheiratet, und auf der Bühne standen die legendären „Highwaymen“ der Countrymusik, Johnny Cash, Willie Nelson, Kris Kristoffersen, und einen vergesse ich immer. Das grosse Nordamerika hat Klaus nie losgelassen, ihm und Babsi widme ich diese kleinen Abschweifungen, mit Gedanken zum „Surferboy“, entrückten Erinnerungen, Evergreens, und jenen perfekten Tagen, die uns keiner mehr rauben wird. Die Erinnerung kennt keine Tagediebe, höchstens ganz am Schluss, wenn die Endspiele kommen, und die Tränen von einem zum andern wandern. „Tell me why“, Klaus, komm, nimm die Gitarre, spiel es noch einmal, ich singe mit.

I met a young woman from Bulgaria in a Starbuck’s cafe in Cologne. We talked for a while: the jobs, the past, the holidays. She will be in Sri Lanka now. Or in a short time from now. I played „Cinnamon Girl“ for her, the trailer of the new Neil Young album „Live from the Cellar Door, 1970“. Immediately she liked the music, love (attraction at least) at first sound, she had never heared that voice before, it was the first time. I’m listening to the record now, like „Live At Massey Hall“, it is pure magic, transcends this genre of confessional songwriters by far. Two months before his solo perfomance at the Cellar Door (Miles Davis was also there, 1970) his masterpiece AFTER THE GOLDRUSH had been released. Pure magic. Anti-matter. Only love can break your heart. Best wine for listening to Cellar Door before midnight: Gigglepot, Molly Dooker, South Australia, 2009. (Order at Aix Vinum, Aachen). Beware, girls and boys: flying on the ground is wrong.

1 – Die verrückten Professoren hadern noch miteinander, beim Fabrizieren bzw. Errichten der überlebensgrossen Pille, die letztendlich wie ein Mikrofon ausschaut, dieweil einer der grössten Songs des 20. Jahrhunderts, A DAY IN THE LIFE, ertönt, und das leitet die Zeitreise ein, die schon begann, als ich während der Hinfahrt, nichtahnend, SGT. PEPPER in Mono spielte, und dann betritt die Combo der vier alten Männer die Bühne, und das „verrückte Pferd“ feuert aus allen Zylindern.

2 – Wie Neil Young sich ans verwitterte Saloon-Piano setzt, und mit anmutigem Gesang, von einer verlorenen Seele singt, und mitten in all den erfolgreichen Raubzügen in der Ursuppe der Rockmusik auch mal für eine Weile in alten „Harvest“-Zeiten andockt.

3 – Wie Neil Young auch nach diesem akustischen Mittelteil in aller Ruhe am Klavier den rechten Schuh zubindet, über die Bühne schlendert, und dann mit drei harten Akkorden das nächste elektrifizierte Songgewitter einleitet.

4 – ROLL ANOTHER NUMBER – dieser schleichende Rocker erlaubt sich ein paar sentimentale Zeilen und rockt das Pferd. „Tomorrow is a long time when you’re a memory“ singt er an anderer Stelle, und die Hörer, die Neils Musik gut kennen, wissen, dass sich hier alle auf einem Trip befinden, dessen Quellcode in den dunklen Mittsiebzigern liegt, als Neil Young mit einigen Illusionen der Ära aufräumte und all jene Fans vergraulte, die nur zu gerne altem Sanftmut erliegen. No way. Aber mit Traumstoffen spielen – gerne.

5 – Das Soundgewitter, welches das Ende des genialischen Liedes über verlorene Illusionen, WALK LIKE A GIANT, in Geräusch und Asche legt;  später, im Tosen, hören wir den virtuellen Platzregen niedergehen, und, wie einst in RUST NEVER SLEEPS, „no rain, no rain“ allüberall erschallt. Die „Alchemy“-Tour ist in ihrem Element. Diese Musik ist, zum Glück, nicht ungefährlich.

6 – Crazy Horse hauchen jedem „fuckin‘ old song“ neues Leben ein, und wenn „HEART OF GOLD“ ohne jede Brechung, akustisch und sanft ertönt, ist klar, dass hier ein alter Traum nichts als eine Seifenblase ist, die am Ende genau das macht, was Seifenblasen machen.

7 – Das Gesicht von Neil Young ist eine „schöne Ruine“, sein famoses Spiel auf der E-Gitarre lässt immer neue Winkel einstürzen.

8 – „Hey hey, my my, Rock’n Roll will never die“ – Die Beschwörung. Es wird geschrien und geflüstert. Die gereckten Hände der ersten fünfzehn Reihen im Innenraum vollführen einen organischen Tanz, das „verrückte Pferd“ erzittert! Jede Improvisation geht Risiko.

9 – Ja, überlebensgross, die Marshall-Amps auf der Bühne, aber die ganze Performance ist das Gegenteil eines gigantischen Spektakels: vier Männer, einer mit Hendrix auf dem T’Shirt, sind sich der Brüchigkeit von Allem bewusst, manövrieren sich wie Zeitgeister zurück in die Zukunft. Das Wilde ist keine Geste. Jeder falsche Ton genau der richtige!

10 – Das Feuer brennt noch. Papierfetzen fliegen über die Bühne. „Everybody knows this is nowhere.“


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