Manafonistas

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Archiv: Neil Young

 

„There are degrees of amnesia, ways to forget
Ways to remember all the good that you’ve done
And if you can’t get a witness remind yourselves
Nobody’s just perfectly good all the time
And if you killed all those redskins long, long ago
Well, they’d all be dead now anyway, anyway
Don’t let that ghost disconcert you – the lord will provide
A nice little headstone for the brave Cherokee“

(Robert Wyatt, The United States of Amnesia)

 

 

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Wenn man weiss, und man weiss es, mit welch manipulativen Strategien die Brexit-Wahlen auf den Weg gebracht wurden, ähnlich wie die amerikanischen Wahlen, so dass ein ehemaliger Berater von Obama noch vor Wochen, auf die Chancen Trumps zu einer Wiederwahl angesprochen, fast resigniert anmerkte, durch die manipulative Propaganda a la Breitbart und Co. würden 30 % der Amerikaner in einer „alternativen Realität“ leben, und politische Aufklärung gar nicht in ihren Wahrnehmungsbereich gelangen, dann kann man ähnlich nüchtern feststellen, wie korrupt weite Kreise der englischen Politik sein müssen, oder dumm, quer durch die Parteien (die Sozialdemokraten ein ähnlich schlechter Witz wie die „Genossen“ in Deutschland, man führe sich nur vor Augen, welch dumpfbackigen Argumente die schlichte Frau Nahles gegen das „bedingungslose Grundeinkommen“ ins Feld führte – Andrea, lies doch mal das Godesberger Programm, um dich deiner Vorfahren zu erinnern!), dann ist es beinah sonnenklar, dass der heute wieder massiv aufflammende Widerstand gegen den Brexit einmal mehr abgelehnt und runtergebrochen werden wird, mit den üblichen fadenscheinigen Argumenten. Und natürlich, glauben Sie, der unlängst von Trump ins Amt berufenen Justizminister würde mit dem ihm nun vorliegenden Bericht Muellers zur russischen Einflussnahme auf die Wahl ein Beben in Gang setzen, sicher nicht! Trump wird auch das in einen Triumph verwandeln, und der Graben im Land sich weiter vertiefen. Jetzt fehlt nur noch, dass Maxim Biller mal wieder was Tolles über den Mossad erzählt!

 

 

 

 

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Mitch Epstein ist das Kind von Holocaust-Überlebenden. Jetzt begegnen mir einige seiner Bilder in der SZ, Orte, die er als „Akte des Widerstands“ fotografiert. Seit zwei Jahre zieht er wieder durch die USA, nicht zum ersten Mal,  die „property rights“ sind diesmal sein Thema. Bei Protesten von Indianern, die vermehrt vesuchen, Land zurückzukaufen, begegnet ihm bei einem Massenprotest die umgekehrt aufgehängte Sternenbanner-Flagge – sowas zählt als Straftat. Die Regierung Obama stoppte den Bau einer Pipeline durch heiliges Land der Sioux, Trump hob das Verbot auf. Neil Young schrieb einen Song dazu, die Gräben vertiefen sich mehr und mehr. Diese Dokumente könnten irgendwann auch als dauerhafte Verlustmeldungen in die Geschichte eingehen.

 

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Da sass James Yorkston daheim in seinem kleinen Kaff nahe der schottischen Küste, und stellte fest, es seien die alten Leute auf dem Land, vor allen anderen gewesen, die  mit dem Brexit sie Zukunft des Landes verkauft hätten. Im  Vorfeld wurden landesweit tiefverwurzelte Ängste bedient, vor Europa, vor einem starken Deutschland. Ich denke nicht, man sollte nun alle Alteingesessenen in moralische Sippenhaft für Emgstirnigkeit nehmen. Im tiefsten Hinterland finden sich Freigeister, und etliche  von denen, die sich mal kurz nach guter alter „spendid isolation“ sehnten, würden ihren Stimmzettel bei nöchsten Mal, das es  nicht geben wird, anders ankreuzen. Mir sind tief im schottischen Hochland wunderbare Menschen begegnet, als ich in den Tagen nach dem Tod von David Bowie (und nach einem kleinen Manfonistentreffen in Glasgow) an der sturmverwüsteten Küste gegenüber von den Orkney-Inseln mein meditatives „road movie“ erlebte, und ich zuweilen einen Evergreen meiner Teenagerjahre im CD-Player auflegte, „Lord of the Rings“ von Bo Hansson. Man groovt da ja nicht automatisch gutgelaunt durch die Lande – bei all dem Grau aus Regen, Wolken und Meer waren  hier und dort und im Nirgendwo schon kleine Stimmungsaufheller nötig, ich hätte ein Dutzend taugliche ECM-Coverfotos schiessen können, jeder Schnappschuss ein Treffer.  Vielleicht war es auch diese Reise über die Dörfer, die meine Begeisterung für die dreiteilige Serie von Darren Haymens „Thankful Villages“ noch mehr entfachte, diese herrliche  Mixtur aus Feldaufnahmen, Gesprächspassagen, Songs und Instrumentals. Einem ähnlichen Ansatz folgt Brian Harnetty seit langem, wenn er auf Reisen und in Archiven die Spuren eines alten Amerika aufnimmt. „Rooted in sound archives and the communities connected to them, his body of work contends that the simple act of listening –– to people, places, and their pasts –– can transform our futures.“ Das ist ein Quantum Utopie, gewiss. Aber Brian Harnetty versteht es, als „sonic enthnographer“, Historie lebendig werden zu lassen, nicht mit Weichzeichnung, vielmehr mit Genauigkeitsliebe und Erfindungsgabe. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, ich habe sein am 26. April erscheinendes Werk gestern zum ersten Mal gehört, und bin begeistert. Und da „Shawnee, Ohio“ eben auch ein kleines Taschen- und Bilderbuch ist, freue ich mich auf die Lektüre.
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Shawnee, Ohio is a sonic portrait––past and present, real and imagined––of a small Appalachian town in the United States. Shawnee emerged as a coal mining town in the 1870s. A century of decline forced businesses and people to leave, and today local residents fight to hold their buildings and community up amid a new “fracking” boom. Despite an uncertain future, these residents continue to work for environmental, economic, and cultural enrichment. Since 2010, I have been visiting and working in Shawnee. I have also been retracing the footsteps of my family, who immigrated there as Welsh coal miners in the nineteenth century. Shawnee, Ohio focuses on eleven portraits of local residents recounting their lives, work, friendships, and deeds. They talk and sing of mining, disasters, underground fires, social life, protest, and hope. They include women and men, are black and white, and are across generations and centuries. Working directly with community members, I use archival samples of their voices and weave them together with my own ensemble. Past and present are tangled together in a haunting world of music, stories, and images.“

 

 

 

Den klassischen Double-Take kennt man aus Stummfilmen, zum Beispiel bei Laurel and Hardy: ungerührt wird eine Aktion zur Kenntnis genommen, bis mit zeitlicher Verzögerung gestutzt wird, und der wahre Sachverhalt aufscheint. Wer unsere Double-Takes mit ECM-Platten kennt, wird natürlich nur eine minimale Reaktionszeit brauchen, um zu erkennen, dass Neil Youngs „Hitchhiker“ nicht zum ECM-Katalog zählt. Und doch haben diese beiden Schallplatten, die sich bei mir nie abnutzen, einiges geneinsam, man schaue nur auf die Umschattung der Coverfotografien.

Beide stammen aus den 70er Jahren, nur erschien Neil Youngs Soloperformance erst Jahrzehnte später – bei Jarrett stand „Facing You“ am Beginn vieler atemraubender Solodarbietungen. Im Studio waren aussser den Musikern jeweils nur zwei weitere Personen, Manfred Eicher und Jan Erik Kongshaug in Oslo, sowie  David Briggs und ein mit Neil befreundeter Schauspieler, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, an der West Coast.

Beide Tonaufzeichnungen sind überragend, und was die Ausstrahlung der Musik angeht, sind „intimacy“ und „intensity“ zwei reflexhaft auftauchende Wörter, die auch kurzem Nachdenken standhalten. Der gebürtige Kanadier hatte ein Heimspiel auf seiner Ranch, Haschisch war in dieser Nacht dabei, und, was weiss ich, sonst noch. Er betrauerte en passant das Ende einer grossen Liebe, und David Briggs scheint den Regler für die Gitarre ein wenig aufzudrehen, während Neil Young  an den Versen von „Give Me Strength“ entlangtaumelt, in sanfter Bedröhnung. Und doch waren seine Sinne geschärft.

Sicher hat Keith Jarrett während der Aufnahme einen eher klaren (oder, Zen-technisch, leeren) Kopf gehabt, egal, wohin die Musik ihn transportiert hat. Manfred Eicher könnte sicher einiges zu dieser magischen Dreiviertelstunde erzählen, den Stunden davor, dem Tag danach. Die eine oder andere Frau geistert, schaut man sich die Titel an, auch durch diese Platte, die in einer Doppel-Besprechung im Down Beat neben Paul Bleys „Open, To Love“ auftaucht: beide erhielten fünf Sterne, aber das wäre ein anderer „Double Take“.

 

 

 
 
 

It’s a beautiful day. I have all the words piled up, stuffed, caused to collapse reflecting those Lucinda Williams vibes still running through my veins. But not now. In the very early morning I saw a ship appearing out of a milky horizon. My borrowed blue metallic caravan did a risky thing tonight, wild camping in the Netherlands. Before sleep, a cold swim, and Björn Meyer’s forthcoming „Provenance“ from discreet loudspeakers. Where-am-I-drifting-music. I can’t get enough from small waves‘ tender touch. There’s an anti-nostalgic side in everything. That’s the way the mind works suddenly turning a different page. Remember Sgt. Pepper, remember „A Day in the Life“. The song is overpoweringly heartsick, John sings in his most spectral voice, treated with what he calls his „Elvis echo“, a la „Heartbreak Hotel“. As the hours go slowly by, and in the company of appel pannenkoek and Bessen Genever, one of the darkest albums of the ’70s springs to mind, Neil Young’s „On The Beach“. Beauty hurts, and darkness works as medicine. I blame it on C.J. Box’s „Paradise  Valley“ that a serial killer visited me tonight. Learned my lesson, do love all these empty pages of a fucking beautiful day, all these empty pages …

 

„There aren’t many, if any, precedents, but Eric Clapton’s 1991 song Tears in Heaven was written in response to the death of his four-year-old son, Conor, also from a fall. But where Clapton found some comfort in ideas of heavenly reunions and eventual peace, Cave finds no such salvation or solution. In fact, one of Skeleton Tree’s most powerful statements is its rejection of God and notions of easy healing, happy endings or even meaning.“ (Dave Simpson, The Guardian) 

 

„In den letzten Tagen tauchte ein Album auf, als ferne Parallele, in Besprechungen der neuen Alben von Wilco und Okkervil River: „On The Beach“, von Neil Young. Ganz sicher keines seiner bestverkauftesten Alben, aber eines, dessen Wirkungsgeschichte umso weiter reichen wird. Ein Werk des Abgesangs, verstörend allemal, in seiner Ruhe und Schwärze. Teil einer Trilogie Mitte der Siebziger Jahre, in der Neil Young die Flowerpower-Träume ohne Blumen zu Grabe trug, und gleich zwei Weggefährten mit beerdigte. Jetzt darf man eine weitere Parallele benennen, zu Nick Caves „Skeleton Tree“, Youngs „Tonight’s The Night“. Nicht in Hinblick auf die Alptraumakustik von Neils Grosser Nachtmusik, sondern mit einem Gespür für all die hörbaren und unhörbaren, letztlich untröstlichen Schreie, in der Stimme, und um die Stimme herum.“ (m.e.)

 

 
 
 

„We used to get our kicks reading surfing magazines / Wake up on the morning and the waves are clean / Standing on the headland taking in the scene / Just like they do it … In surfing magazines“ (The Go-Betweens)

 

Wieviele Surfer kenne ich eigentlich? Klaus S. aus meiner alten Schulklasse spielte nicht nur am besten Akustikgitarre, er ist, glaube ich, auch öfter zur holländischen Küste zum Surfen gefahren. Aber wie weit war Scheweningen von Santa Monica entfernt, über die Wellen sprechen wir erst gar nicht. Es waren eher symbolische Akte, aber überall lief die gleiche Musik, Underground und Overground. Mit Thomas W. vom Kammerflimmer Kollektief teile ich die Faszination am Surfen: zu gerne würden wir eine kleine Zeitreise in die späten Sechziger antreten, und in einschlägigen kalifornischen Surfmekkas ein paar alternative Lebensläufe am Rande sechs Fuss hoher Brecher erproben, inklusive Wipeout. Und hawaianischem Brudaar!

Tja, „Wipeout“, ich bin etwas schlauer geworfen. Ich habe mir einfach ein Buch aus dem Mare-Verlag gegriffen, „Surferboy“, und das endet mit einem seitenlangen Glossar mit Fachausdrücken der Surfersprache. Hab ich sie noch alle? Aber ja, das war die Motivation, lass dir mal so eine kalifornische Jugend erzählen, in der die „big waves“ nur so krachen. Surfin‘ USA. So the wind won’t blow it all away.

Interessanterweise bin ich in den letzten Tagen nicht nur beim Surfen gelandet, sondern auch beim Wrestling, so ungefähr die uninteressanteste Sportart, die ich mir vorstellen kann. Aber John Darnielle von den Mountain Goats ist in seiner Kindheit vom Wrestling-Virus infiziert worden, und in Kürze erscheint sein umwerfendes Konzeptalbum „Beat The Champ“, in dem er diese bizarre Welt in einen hinreissenden Songreigen verwandelt, in dem das Abseitige seine menschlich-allzumenschliche Strahlkraft freilegt. Eines der grossen Songalben des Jahres, und wie er hier auch noch Jazzspuren unterbringt, lässt einen endgültig staunen. Texte wie geschliffenes Glas, Verwundbarkeit, trostlose Motels, Blut, und die Einsamkeit von Kindern in der Vorstadt. Aber ich schweife ab.

Amerikanische Kids träumten vom Surfen weil sie genau in dem Biotop lebten, wo Dick Dale den Ur-Sound des Surfens prägte, wo die Beach Boys die nächste hippieske Welle ins Rollen brachten – selbst introvertierte Träumer wie Jackson Browne machten sich bei diversen „Roadtrips“ auf die Suche nach „moments of excellence“ – „Surfari“ war das Zauberwort. „Too late for the sky?“ Na ja, irgendwann schon.

Es gab damals eine Serie, die wirklich Kult war, und nie zu uns nach Europa rüberschwappte: „The Endless Summer“, zwei „Helden“ suchten nach der perfekten Welle, überall auf der Welt. Und sie fanden diese Riesendinger auch. In diese Welt taucht das alter ego des Schriftstellers Kevin McAleer ein. Am Anfang ist man ein „Kook“, ein Dilettant, ein Greenhorn, das im Wind schnüffelt. Man macht sich leicht lächerlich, Die Cracks ziehen die Show ab, schon die sog. grossen Zeiten taugen als Studienobjekt für dahinsiechende Mythen.

Julia Ritter versucht erst gar nicht, die Welt des Surfens nahtlos ins Deutsche zu übertragen, überall stolpern wir über unübersetzte idiomatische Sprache, aus dem Kontext ergibt sich Sinn, zumindest bruchstückhaft. Eine Verfremdung, die uns gar nicht erst „the real thing“ vorgaukelt. Mit der Zeit kommt das richtig gut. Von wegen: „go with the flow“. Sog und Widerhaken halten die Balance. Das Buch ist klug gebaut. Was anfänglich wie schlichter Stoff für Surfromantiker wirkt, geht dann richtig Bach und Welle runter.

Das wird von Episode zu Episode fesselnder, surreal, witzig, gefährlich, und das Ende von allem: die Moden und der Fundamentalismus. Im schlimmsten Fall toben Machtkämpfe, Freundschaften zerbrechen, aber, fuck, ich hätte zu gerne einmal im Leben die perfekte Welle erlebt, 68, in Malibu Beach.

Stattdessen habe ich heute noch eine genaue Erinnerung daran, wie ich, als Dick Dale an der West Coast tourte, auf dem Schulhof der Brüder Grimm-Schule einen Lederball mit der Brust annahm, und volley ins Tor schoss, knapp neben der rechten Tormarkierung, die durch einen Tornister markiert war. Ein Glücksgefühl ohnegleichen. Mein Held war Reinhold Wosab, der machte es im Stadion Rote Erde ganz ähnlich.

Die perfekte Welle hat viele Gesichter, der Gitarrist Fennesz ist, auf seinem frühen, gewiss nicht besten Album, „Endless Summer“, diesem Feeling nachgegangen, und neben „sweet fragments“ mit Beach Boys-Flair entwickelte er ein Stück Chaostheorie für die elektrische Gitarre. Der angezapfte Mythos hat ihm damals wohl mehr Türen in der Szene geöffnet als die noch unausgereifte Musik voller interessanter Versprechen.

In jedem Land hat die perfekte Welle andere Gesichter, und manche zeigte sich kurz vor Einbruch der Nacht, wenn man in einem Spiel, das nur noch der Erschöpfung und einer gewissen Traumlogik folgte, einen Fussball aus dem fahlen Laternenlicht auftauchen sieht, schemenhaft, und ihn vollkommen sinnlos in den Himmel bolzt. Wir sind alle Sternschnuppen, voller Elan. Aus dem Nichts geschöpft, erfüllte Momente & Wipeout. Und irgendwann singt immer jemand an einem Lagerfeuer in San Diego, gegenüber der Eisdiele am Leicester Square, oder auf dem Kopfsteinpflaster von Leinfelden-Echterdingen, Neil Youngs „Heart of Gold“.

Klaus hat übrigens Ernst gemacht. Er hat immer die weiten Räume gesucht, und sie sich mit seiner Frau, dem Hund und den Bären geteilt. Es gab auch, ganz früh, einen Abstecher in die Mohave-Wüste. In Las Vegas hat der letzte Hippie der OIc geheiratet, und auf der Bühne standen die legendären „Highwaymen“ der Countrymusik, Johnny Cash, Willie Nelson, Kris Kristoffersen, und einen vergesse ich immer. Das grosse Nordamerika hat Klaus nie losgelassen, ihm und Babsi widme ich diese kleinen Abschweifungen, mit Gedanken zum „Surferboy“, entrückten Erinnerungen, Evergreens, und jenen perfekten Tagen, die uns keiner mehr rauben wird. Die Erinnerung kennt keine Tagediebe, höchstens ganz am Schluss, wenn die Endspiele kommen, und die Tränen von einem zum andern wandern. „Tell me why“, Klaus, komm, nimm die Gitarre, spiel es noch einmal, ich singe mit.

I met a young woman from Bulgaria in a Starbuck’s cafe in Cologne. We talked for a while: the jobs, the past, the holidays. She will be in Sri Lanka now. Or in a short time from now. I played „Cinnamon Girl“ for her, the trailer of the new Neil Young album „Live from the Cellar Door, 1970“. Immediately she liked the music, love (attraction at least) at first sound, she had never heared that voice before, it was the first time. I’m listening to the record now, like „Live At Massey Hall“, it is pure magic, transcends this genre of confessional songwriters by far. Two months before his solo perfomance at the Cellar Door (Miles Davis was also there, 1970) his masterpiece AFTER THE GOLDRUSH had been released. Pure magic. Anti-matter. Only love can break your heart. Best wine for listening to Cellar Door before midnight: Gigglepot, Molly Dooker, South Australia, 2009. (Order at Aix Vinum, Aachen). Beware, girls and boys: flying on the ground is wrong.

1 – Die verrückten Professoren hadern noch miteinander, beim Fabrizieren bzw. Errichten der überlebensgrossen Pille, die letztendlich wie ein Mikrofon ausschaut, dieweil einer der grössten Songs des 20. Jahrhunderts, A DAY IN THE LIFE, ertönt, und das leitet die Zeitreise ein, die schon begann, als ich während der Hinfahrt, nichtahnend, SGT. PEPPER in Mono spielte, und dann betritt die Combo der vier alten Männer die Bühne, und das „verrückte Pferd“ feuert aus allen Zylindern.

2 – Wie Neil Young sich ans verwitterte Saloon-Piano setzt, und mit anmutigem Gesang, von einer verlorenen Seele singt, und mitten in all den erfolgreichen Raubzügen in der Ursuppe der Rockmusik auch mal für eine Weile in alten „Harvest“-Zeiten andockt.

3 – Wie Neil Young auch nach diesem akustischen Mittelteil in aller Ruhe am Klavier den rechten Schuh zubindet, über die Bühne schlendert, und dann mit drei harten Akkorden das nächste elektrifizierte Songgewitter einleitet.

4 – ROLL ANOTHER NUMBER – dieser schleichende Rocker erlaubt sich ein paar sentimentale Zeilen und rockt das Pferd. „Tomorrow is a long time when you’re a memory“ singt er an anderer Stelle, und die Hörer, die Neils Musik gut kennen, wissen, dass sich hier alle auf einem Trip befinden, dessen Quellcode in den dunklen Mittsiebzigern liegt, als Neil Young mit einigen Illusionen der Ära aufräumte und all jene Fans vergraulte, die nur zu gerne altem Sanftmut erliegen. No way. Aber mit Traumstoffen spielen – gerne.

5 – Das Soundgewitter, welches das Ende des genialischen Liedes über verlorene Illusionen, WALK LIKE A GIANT, in Geräusch und Asche legt;  später, im Tosen, hören wir den virtuellen Platzregen niedergehen, und, wie einst in RUST NEVER SLEEPS, „no rain, no rain“ allüberall erschallt. Die „Alchemy“-Tour ist in ihrem Element. Diese Musik ist, zum Glück, nicht ungefährlich.

6 – Crazy Horse hauchen jedem „fuckin‘ old song“ neues Leben ein, und wenn „HEART OF GOLD“ ohne jede Brechung, akustisch und sanft ertönt, ist klar, dass hier ein alter Traum nichts als eine Seifenblase ist, die am Ende genau das macht, was Seifenblasen machen.

7 – Das Gesicht von Neil Young ist eine „schöne Ruine“, sein famoses Spiel auf der E-Gitarre lässt immer neue Winkel einstürzen.

8 – „Hey hey, my my, Rock’n Roll will never die“ – Die Beschwörung. Es wird geschrien und geflüstert. Die gereckten Hände der ersten fünfzehn Reihen im Innenraum vollführen einen organischen Tanz, das „verrückte Pferd“ erzittert! Jede Improvisation geht Risiko.

9 – Ja, überlebensgross, die Marshall-Amps auf der Bühne, aber die ganze Performance ist das Gegenteil eines gigantischen Spektakels: vier Männer, einer mit Hendrix auf dem T’Shirt, sind sich der Brüchigkeit von Allem bewusst, manövrieren sich wie Zeitgeister zurück in die Zukunft. Das Wilde ist keine Geste. Jeder falsche Ton genau der richtige!

10 – Das Feuer brennt noch. Papierfetzen fliegen über die Bühne. „Everybody knows this is nowhere.“


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