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Archives: Andreas Heidtmann

 
 
Man nimmt dieses Buch zur Hand, schaut sich die Bilder auf der Vorder- und Rückseite an, und man weiß: Dies wird wohl ein Coming-of-Age-Roman sein.

Stimmt. Und er spielt im Jahr 1974, in einem Provinznest namens Lippfeld, irgendwo „zwischen Ruhrgebiet und Münsterland“, wo der Autor Andreas Heidtmann großgeworden worden ist. Er hat Klavier studiert — wie es sein Romanheld Ben Schneider tun wird, der allerdings nicht viel Heldenhaftes an sich hat. Die Parallele mag Zufall sein, vielleicht auch nicht. Ich will da nicht spekulieren.

Auf der Kirmes im Autoscooter beginnt die Geschichte von Ben und Susanna. In insgesamt 36 durchweg kurzen Kapiteln nehmen wir an der Teenagerliebe der beiden teil, mit den Höhen und Tiefen, die dieses Alter so mit sich bringt. Wir lernen die Klassenkameraden kennen, die Konfirmandengruppe, Eltern, Lehrer, den engeren Freundeskreis, die Clique, wir lernen die Treffpunkte kennen, erste tastende Kussversuche und etwas mehr, aber nie die volle Dosis. Dazwischen gibt es soziale Realität, gelegentlich sogar ziemlich harte — den Tod eines Mitschülers, den Suizid eines Vaters, einen ziemlich ärmlichen Einbruch in einen Kiosk, viel billiges Bier, Jägermeister und Kellergeister, zarte Drogenversuche und dörfliche Langeweile. Heidtmann ist ein guter Beobachter und ein ebenso guter Erzähler, der es aber auch versteht, Distanz zu halten, wo es nötig ist. Der Leser erhält die Informationen, die er braucht, aber nicht mehr.

Der dramaturgische Dreh des Buches ist die zunächst scheinbar etwas zusammenhanglose Erzählung von einzelnen, immer kurz gehaltenen Episoden. Wer da an die Skizzen zu einem potenziellen Drehbuch denkt, liegt wahrscheinlich gar nicht so falsch. Erst nach und nach merkt man als Leser, dass diese Episoden zunehmend enger um die Protagonisten kreisen und ein immer klareres Gesamtbild ergeben — mit dem Ergebnis, dass einem die Figuren des Romans immer mehr ans Herz wachsen.

Alle Kapitel haben Überschriften, die an Pop- oder Rockmusik der frühen 1970er Jahre angelehnt sind. Diese Musik spielt eine große Rolle im Ablauf der Geschichte. Sie definiert die Charaktere. Real existiert habende Radiomoderatoren kommen vor, etwa Mal Sondock, das WDR-Programm. Aber auch Klassik. Dass Ben ein guter Pianist ist, erschließt sich erst nach und nach. Gelegentlich ein bisschen übertrieben wird die Spielerei mit Produkten jener Jahre. Der Autor setzt deren Kenntnis voraus, und klar, auch ich kenne die noch alle, aber genau das gibt mir das Gefühl, dass mit ihrer Nennung eine Art „Ja, genauso isses gewesen“-Assoziation ausgelöst werden soll.

Der Schluss der Geschichte bleibt auf eine seltsame Weise offen. Aber so ist das ja wirklich, wenn man 16 oder 17 ist. Man ahnt, dass die Geschichte von Ben und Susanna nicht für die Ewigkeit ist, man spürt, dass Rebecca und Ben, als sie sich an der Folkwang-Akademie kennenlernen, nie ernsthaft zusammenkommen werden, weil sie aus zwei inkompatiblen sozialen Schichten stammen, man sieht, wie einige der Freunde wegrutschen und andere zu braven, anständigen Bürgern werden wie ihre Eltern.

Keine Helden, keine großen Abenteuer. Aber Mick, der Luftgitarrenweltmeister, gibt uns allen ein Glücksversprechen.

 

„After The Gold Rush“ feels like Young’s morning-after-the-60s album, but unlike the consoling tone of Simon & Garfunkel’s Bridge Over Troubled Water, it is gaunt, troubled and affecting. Amid the relationship woes, there is ecological disaster, racism and Don’t Let It Bring You Down, which, Young noted, was “guaranteed to bring you down”.


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