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Archives: Robert Fripp

2021 27 Jun

Leviathan

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Leviathan, der „sich windende“, der Unüberwindliche, der Ungeheuerliche betritt wieder den Plan. Der mythische Riesenwal, das archaische Urwesen. Dieses Mal in Form einer Kollaboration von The Grid und Robert Fripp, die auf altes Material von Anfang der 90er Jahre zurückgreift, als sie in gemeinsamen Sessions offenbar Unmengen an Material produzierten, was immer nur stückchenweise das Ohr der Hörer erreichte. The Grid (Richard Norris & Dave Ball) berichten

 

‘Robert (Fripp) turned up with a truck load of amps and effects, two great big stacks including delay units with a 76 second delay and played and played and played.’

 

Jetzt sind die vielen Bänder mit schier endlos weiten Frippertronics und Guitar-Soundscapes neu überarbeitet und mit subtilster elektronischer Musik angereichert worden, die einer ungewöhnlichen Dynamik folgt. Das Album beginnt extrem ruhig mit Empire, einem wunderbar subtilen Ambientstück, dann Milkwood, das ätherisch schwebend sich verdichtet. Langsam dann kommt ein leises Pulsieren in Pulse Detected und Loom dazu, um sich dann in der zweiten Hälfte dieses Meisterwerkes mit Leviathan rhythmisch immer weiter zu verdichten, zieht über After The Rain an zu Fire Tower, das sich auch mit den weiteren Stücken Zhora und Sympathico in einen feinsten futuristischen Slow-Tribal-Techno entfaltet, dem man das Alter des Ausgangsmaterials nicht ansatzweise anhört. So entsteht ein Mahlstrom einer Musik, die langsam und kompromisslos sich aus den Tiefen emporwindet und einen unabweisbaren Sog entwickelt. Ein Monolith, ein wahrlich raumergreifendes Statement, ein Leviathan!

 
 
 

 

 

Erinnerungen sind gerne trügerisch in Details, und in anderen, noch flüchtigeren Fundstücken einer fernen Zeit, extrem genau.“ (Ergänzung: auf keinen Fall sollte dieser Text von jemandem gelesen werden, dem er bekannt vorkommt.) 

 

1978 war eine Zeit, in der Kakteen interessante Schatten warfen in meiner leergeräumten Wohnung. Sie hatte gerade so viel mitgenommen, dass der Begriff Leere eine neue Bedeutung in meinem Leben bekam. Die erste Frau, die danach über Nacht blieb, hiess Julia und erzählte von ihrem Freund, einem Jazzdrummer, der Angst hatte, sein Augenlicht zu verlieren, weil seltsame Glaskörper durch seine Pupillen schwammen. Am Morgen nach der einzigen Nacht mit Julia klingelte der Postbote einmal, und ich mahm das neue Album von Brian Eno in Empfang, „Music For Films“. Eine Anzeige von Polydor in der „Sounds“ hatte die Langspielplatte beworben mit der Überschrift „Der Mann im Hintergrund“. Ich legte die Musik auf, und die Leere in meiner Wohnung im 7. Stock gewann eine betörende Qualität. Julia mochte die Musik auch und verliess meine Wohnung und mein Leben.

 

1980 fuhr ich mit einem Freund öfter ins „Act“ nach Weissenohe (oder so ähnlich), das war ein Wallfahrtsort mitten in der Fränkischen Schweiz, wo mal en passant Ultravox spielten, Kevin Coyne oder Robert Fripp´s The League of Gentlemen. Fripp liess ich mir nicht entgehen. Auf dem Hinweg zu der umgebauten Scheune im Hinterland hörten wir einen Meilenstein, von dem Easy Ed und ich damals schon wussten, dass es ein Meilenstein werden würde, „Colossal Youth“ von den Young Marble Giants. Robert Fripp war gut gelaunt, und seine Wave-Kapelle rockte den alten Kuhstall. Als ein Hörer Robert Fripp bat, doch etwas aus sich herauszugehen und den Schemel zu verlassen, auf dem er sass, entgegnete Fripp: – I have to sit. I´m only a limited guitar player. Süße Duftschwaden füllten den Raum, nicht lange danach machte die Polizei diesen dezenten Drogenumschlagplatz dicht.

 

1982 sah ich Herrn Fripp wieder, diesmal in dem alten Nürnberger Stadion, mit 30.000 Festivalbesuchern an meiner Seite, mit Anna, und an einem verdammt heissen Sommertag. Mein kleines Woodstock. Meine Geliebte hatte Lust, das Wochenende in einen französischen Film zu verwandeln. Wir hörten Fripps revitalisierte Ausgabe von King Crimson, mit Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford. Obwohl der Fripp-Faktor auf dem zuvor erschienen, fantastischen Album „Discipline“ hoch war, brachte Belew auch etwas vom fiebrigen Geist der Talking Heads mit ins Spiel. Spät am Abend Neil Young und Crazy Horse mit Nils Lofgfen, bei „Cortez the Killer“ reckten wir unsere Feuer in den Himmel. Etwas später  ging der Blick von unserm Hotelfenster auf den Rathausplatz hinaus, und mein Name war Jean Pierre Leaud. Der Blick war weniger Paris und mehr Rüdiger Vogler in dem Wenders-Film, in dem der gelockte Hippie auf die Altstadt von Husum schaute und sich die Troggs auf seinem Plattenspieler drehten. Auf der Rückreise lief Benzin unbemerkt aus dem Tank, und der grellgrüne Hippie-VW schleuderte im Kreis. Drei Monate später waren wir Geschichte.

 


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