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Archives: Manfred Eicher

Arild Andersen about three favorite albums from the first three decades:

 

 

 

 

 

FIRST DECADE 1969 – 1980

 

 

 

 

 

 

SECOND DECADE 1980 – 1990

 

 

 

 

 

 

Once I was away from home, and there was only one record store, and it only had ECM records. So all I did for months was buy ECM records. One record led to another, but it was all happening concurrently, so I was going into extreme free jazz, and into fusion, and all that stuff. I basically had every single Jarrett record, I had the Sun Bear concerts, the 10LP box set. I had everything. But Changes in particular had something about it that was very single-minded. They made Standards Volume One and Volume Two on the same day that they made Changes, and Changes was an improvised record. The way Gary Peacock is sitting on this one note thing, and DeJohnette is driving it really subtly, it reminds me of The Necks before The Necks. It’s got this propulsive thing, and I love that. It’s the explorative playing on top of a driving rhythm. And that’s something that I’ve always loved. I like to explore that in my music, too.“

(Oren Ambarchi)

 

 

THIRD DECADE 1990 – 2000

 

John Surman: ROAD TO ST. IVES / Walter Fähndrich: VIOLA / Jan Garbarek / The Hilliard Ensemble: OFFICIUM / Ketil Bjornstad: THE SEA / Lena Willemark & Ale Möller: AGRAM / Nils Petter Molvaer: KHMER / Bobo Stenson Trio: SERENITY 

 

 

 

 

 

FOURTH DECADE 2000 – 2010

 

Louis Sclavis: NAPOLI‘s WALLS / Christian Wallumrod Ensemble: A YEAR FROM EASTER / Trygve Seim: SANGAM  / John Abercrombie: CLASS TRIP / Ralph Towner: TIME LINE / Jon Balke: SIWAN / Anouar Brahem: THE ASTOUNDING EYES OF RITA

 

 

 

 

 

FIFTH DECADE 2010 – 2019

 

 

 

 

 

 

Small Appendix:

 

Talking with Manfred Eicher on ATMOSPHÈRES

Talking with Eivind Aarset on LOST RIVER

Talking with Jon Balke on WARP

Talking with Steve Tibbetts on LIFE OF

 

 

Kleine Nachtmusik: in der Nacht von Freitag auf Samstag, an einem 19. August, vor wenigen Jahren, tobte ein heftiges Unwetter über dem Münchner Raum. Bäume fielen auf Straßen, Bäume und Äste auf Gehwege, es gab vollgelaufene Keller, Pkws steckten in überschwemmten Straßenunterführungen – das sind nur einige der Einsatzstichworte für die Kräfte der Feuerwehr. Niemand nahm körperlich Schaden. Im ganzen Stadtgebiet waren die Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr unterwegs. Durch die Integrierte Leitstelle München wurden zusätzlich zu den Einsätzen im Stadtgebiet noch etwa 80 Einsätze für den Landkreis München disponiert. Das Unwetter beschädigte zudem eine Engelsfigur in Haidhausen. Die Feuerwehr sicherte die Figur auf dem 45-Meter hohen Kirchturm und seilte sie ab. In seinem Auto musste auch der Produzent Manfred Eicher ausharren, die Wassermassen zwangen ihn dazu, mehr als eine Stunde auf den Rettungsdienst zu warten. Immerhin funktionierte das Autoradio noch, und so schaltete er gegen 1.15 Uhr den Deutschlandfunk ein. Und so misslich seine Lage war, er musste wohl innerlich schmunzeln, als er rasch eine vertraute Radiostimme erkannte, und nur wenige Minuten vergingen, bis er, in den „Klanghorizonten“, der kleinen Premiere eines Musikstückes aus Björn Meyers exzellenter CD „Provenance“ lauschte, aus der von ihm in Lugano produzierten Aufnahme.

Es kann ja immer etwas dazwischen kommen, aber momentan sieht es so aus, dass meine nächste Ausgabe der der Radionacht Klanghorizonte im Deutschlandfunk eine spezielle wird: „Produced by Manfred Eicher – fünf Jahrzehnte ECM in fünf Stunden“. Das Tempo dieser Reise durch die Dekaden wird trotz der „mission impossible“ kein eiliges sein. Ob ich Manfred Eicher noch treffen werde im Vorfeld, ist unklar. Auf jeden Fall konnte ich zwei Musiker für die Sendung gewinnen, die seit ziemlich früher Zeit auf unterschiedliche Art mit dem Label verbunden sind. Steve Tibbetts wählt jeweils eine seiner Lieblingsplatten aus den „Siebzigern“, „Achtzigern“ und „Neunzigern“ aus, Jon Balke macht das mit den „Neunzigern“, „Nullern“, und „Zehnern“. Beide werden etwas zu diesen Werken erzählen, Steve wird sich dazu wohl in seinem Studio in St. Paul ein paar ruhige Minuten nehmen, Jon ist derzeit in Kompositionsarbeiten versunken, wird aber spätestens in Venedig, wo er demnächst auftritt, morgens auf einem Hotelbalkon, genug Musse haben, seine kleinen Stories beizusteuern. Das alles in der Nacht von Freitag auf Samstag, im Deutschlandfunk, am 17. August. Vielleicht kommt auch noch der eineoder andere Überraschungsgast hinzu. Natürlich wird von beiden auch etwas zu hören sein, spätestens in der letzten Stunde – Jon Balkes „WARP“ (2016) und Steve Tibbetts‘ „LIFE OF“ (2018) sind zwei fantastische Alben.

Das neue Werk von Arve Henriksen erscheint am 22.8.2014 bei Rune Grammofon – Streichinstrumente umgeben das Spiel des Trompeters und Multiinstrumentalisten. (Bin sehr gespannt, habe noch keinen Ton gehört.) Also kurz vor dem 10. Punktfestival in Kristiansand, und eine Woche nach meiner nächsten Radionacht “Klanghorizonte” am 16. August, wo ich die Platte vorstelle. NATURE OF CONNECTIONS. In einer Cafepause in Lugano (bei einer ganz anderen Produktion) sassen wir zusammen, und Arve sprach über die dünne Grenze zum Replikantentum. Wie leicht man, egal, wie eigen sich ein Ton anfühlt, im Trompetenraum eines anderen landen kann, sei es Davis, sei es Hassell.

Drum hat er ja auch jüngst ein Doppelalbum vorgelegt, das bewusst abseitige Pfade erforscht, und in elektronischen Sphären jenseits des Virtuos-Gehandhabten die Trompete nur ausgewählte Schattenstellen heimsucht. Ich nannte es spasseshalber sein “Sun Ra-Album”. Ulrich Kriest hat dem Opus in der Jazzthetik fünf Sterne gegeben, einen zuviel für mein Empfinden, aber dank des Antriebs der Grenzöffnung auch wiederum verdient.

Ein 5-Sterne-Album reinsten Wassers wird in unabsehbarer Zukunft (jede Wette, Frühjahr oder Herbst 2015) bei ECM erscheinen, das Debut des armenischen Pianisten Tigran Hamasyan, der bislang jazzspezifisch zu lange den Bebop-Fallen seines Lehrers erlegen war, und auch im Bereich der Multi-Kulti-Musik keine Bäume ausriss. An seiner Seite Jan Bang, Arve Henriksen, Eivind Aarset. Drei alte Freunde, die nie die Grenzfelder aus dem Sinn verlieren, das Duo Aarset-Bang schlägt mit “Dream Logic” (ECM) nach wie vor in Bann. NATURE OF CONNECTIONS. Und alle befinden sich im kreativen Höhenflug auf Jan Bangs fiebrig-leisen Meditationen, betitelt “Narratives from the Subtropics”, die jetzt auch offiziell den deutschen Handel erreicht haben.

Flashback: in Lugano war die Abmischung in den letzten Zügen. Das interessante Doppelmikrofon, vor dem Arve seine Trompete zum Einsatz brachte, ist auf dem Foto unten abgebildet. Manfred Eicher war hochkonzentriert, er wusste, dass da etwas letztlich Unplanbares Gestalt annahm, ein “Instant Classic”. Einmal eröffnete Arve eine Komposition mit einem Solo. Er selbst war schon auf dem Weg zum Flughafen, da meldete sich Jan Bang zu Wort, und befand, dass das Intro etwas zu lang sei, und einen Hauch zuviel von Jon Hassell verströme. Daraufhin liessen Manfred und der seelenruhig agierende Toningenieur das Solo einfach mal untertauchen in den ominösen Soundnebeln, die Eivind Aarset heraufbeschwor.

Die Trompete verlor so ganz und gar ihre Dominanz, glänzte lediglich durch Abwesenheit, bis sie sich langsam aus dem Nichts ans fahle Licht herantastete.

Die Wirkung war immens. Arve wird nicht böse sein, wenn er das hört. That’s what friends are for! NATURE OF CONNECTIONS. Noch eins: ich wünsche mir für Tigrans Cd oder Doppel-Cd ein vielfarbiges Cover, etwas, das auf Anhieb einen visuellen Sog entfaltet, wie einst die vier Luftballons auf Keith Jarretts Meilenstein “Belonging”. Bitte kein Dunkelblau mit einsamem Lichtrahl in der Nacht!

 
 
 

 

6903 Lugano Besso. Du kannst Magie nicht zwingen. Du kennst eine Unzahl von Tricks, du weisst, wie man Sackgassen entkommt, du weisst, wie man aus losen Enden geschlossene Gestalten formt, aber der magische Mehrwert bleibt unberechenbar. Widerspenstig. Es begann mit alten Banden zwischen Arve Henriksen (Trompete etc.), Jan Bang (Live-Sampling etc.) und Eivind Aarset (Gitarren etc.), es begann mit dem Punktfestival von Kristiansand anno 2005. Es begann mit Lieblingsplatten aus den frühen Jahren von ECM, die den armenischen Pianisten Tigran Hamasyan durch seine Teenagerjahre begleiteten. Es begann mit den weit zurückreichenden Erfahrungen des Produzenten Manfred Eicher mit armenischer Musik. Und es begann auch damit, dass Jan Bang mir für eine Ausgabe der JazzFacts (Deutschlandfunk) eine kleine Passage aus seinem Duo mit Tigran (Punkt 2013) schicken sollte: ein Kinderspiel für offene Ohren, hier, in furios inszenierten Dejavues und elektronischen Spiegelungen, den Basisstoff für eine zukünftige Unternehmung zu wittern! Ich tat das Nötige, damit Manfred diese paar Minuten zu hören bekam – und er hörte genug, um die Dinge in Gang zu bringen.

Und so entstand und entsteht in diesen Tagen in Lugano, im „Studio Grosso“ des RSI, eine Produktion mit vier Musikern, einem Produzenten und einem Toningenieur, von der man vieles erhoffen durfte und darf, aber nicht unbedingt solch eine konzentrierte, entfesselte Energie, solch einen Ideenfluss (voller Finessen und Widerständigkeiten)! Wer in naher Zukunft die beteiligten Personen auf diese Tage im Tessin anspricht, wird auf Blicke treffen, die Bände sprechen, auf Sätze, die mal holprig, mal elegant, das So-Nicht-Vorhersehbare ins Spiel bringen, einen Glücksfall. Als Zeuge (Ohren und Augen) atmete ich die Musik ein, hellwach verfolgte ich das Abhören, das Abmischen, die minimalen Korrekturen, die im grossen Saal (ohne Trennwände, ohne Kopfhörer) eingespielten drei, vier Takes einer alten Komitas-Komposition, die eine oder andere tänzelnde Bewegung des Produzenten, die kurzen Dialoge, das Spiel der Gesten und Mienen (für stille Freude gibt es eine ganze Palette) – und einmal, in einer Kaffeepause, blieb ich einfach sitzen vor der menschenleeren Bühne. 

 
 
 

 

Where: The National Library, Solli Plass, Oslo (Henrik Ibsens gate 110)

When: Friday October 18th 2013, 12:00-17:00

The German record company ECM (Edition of Contemporary Music) is frequently referred to as one of the most important labels for contemporary, classical, and jazz music. As of today their discography counts close to 1400 titles, several hundreds of which have been recorded in Norway. Over the last decades producer Manfred Eicher has been travelling to Oslo to make records with mainly improvising musicians in the studios of recording engineer Jan Erik Kongshaug. From the very start in 1970 this work set a standard in studio production, and many of the releases have become seminal in the history of recorded jazz.

In 2013 ECM deposited their archive of master and production tapes from Rainbow studio with the National Library of Norway for preservation and research purposes. With this as a backdrop, the National Library, in collaboration with the Department of Musicology at the University of Oslo (with the NFR Kulver Contemporary Soundspaces project), invite to a research seminar.

The seminar will revolve around the ECM recordings of jazz made in Norway, and will from different perspectives discuss the production and reception of these records. The emphasis will be on the music, the sound, the records, but in this context, equally important, on the different roles of the producer, the contribution of the engineer, and the very process of capturing editions of contemporary music in the recording studio.

We are proud to announce that director and main producer of ECM Manfred Eicher will contribute with his insights at the seminar, as will recording engineer Jan Erik Kongshaug and musician Arild Andersen, in dialogue with professor Hans Weisethaunet and research librarian Ivar Håkon Eikje. In addition two of the leading researchers in jazz studies and recorded music, professor Krin Gabbard and lecturer Peter Elsdon, will share their thoughts on the topic presented: ECM recordings as artistic expression and cultural practice.

„Die Siebziger Jahre waren ein Füllhorn, eine Wundertüte, ein „power spot“, und Manfred Eicher war damals ein „halber Norweger“, der in Oslo Meilensteine am laufenden Band produzierte, von Sart bis Open, to Love, von Whenever I Seem To Be Far Away bis Northern Song, von Solstice bis Belonging, von Facing You bis Piano Improvisations, Vol. 1 and 2, von The Following Morning bis Dansere etc etc. Und ich glaube mich zu erinnern, wie er mir im Interview erzählte von tagelangen Zugfahrten und den Masterbändern im Gepäck. Was für Reisefrachten, und da stand nicht mal „Be careful! Fragile!“ drauf.“  (M.E. In den Klanghorizonten, Oktober 1993)

Producing The Jazz Facts in the Deutschlandfunk was pure fun. A lot of nice coincidencies: two days ago, I realized that not only Ralph Towner’s TRAVEL GUIDE, but Carla Bley’s TRIOS, too, were recorded in that „radio theatre“  in Lugano. And after talking with Austrian guitarist Wolfgang Muthspiel about his first recording with producer Manfred Eicher, I decided to need another voice sheding some light on the special room and the producer’s input. So, I got Bley’s long-time sax player Andy Sheppard on the phone, and what he told me, was the icing on the cake, a great finish for the show. 

Now this was only part of the fun. Some guys do great work, working as musician and tone engineers behind the controls to make radio sound magic. In this case bass player Markus Brown (his trio  is just featured  in a big Scandinavian jazz magazine) was the great man working the details: listen to  the show, and you will see that it was done, let me say it this way, with love and care. In between jazz matador Karsten Mützelfeld entered the studio and offered me 20 Euros, because he couldn’t help but strictly ignore the deadline of 7 minutes and 30 seconds. This guy has great humour 
 
The good vibes continued when we arrived at the headquarter of jazz affairs and small-taked with Harald Rehmann. It was a perfect radio day, and you really shouldn’t miss the show! There will be features on the Punkt Festival and a showcase in Trondheim.  Last, not least, there are great new records by Carla Bley, Ralph Towner, Jan Bang, Nils Petter Molvaer and Arve Henriksen. Arve will perform in Dortmund’s Domicil on October 12th! I’ll be there. And Harald will record Arve at the Unterfahrt in München. 

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