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Archives: Robert Ashley

1 – Am Ende eines Gespräches

 

In my next radio night I will play a long track from Robert Ashley‘s masterpiece „Private Parts“. A special voice tells a story full of apparently marginal things (but nevertheless a meditation on life), accompanied by interesting „background music“. Recommended for your ears, Kurt, also,  because of the way you are working with  language on Showtunes.“

“The  name rings a bell, Michael. Special background music – that was the  case, too, when Bob Dylan read his speech for the Nobel Prize, just being accompanied by a piano.“

“A propos piano. In a review of Showtunes, I put your album alongside some other albums from different genres that, for me, have a similar kind of nakedness, intensity and intimacy. And one of them was a piano solo album by Paul Bley: „Open, to love“.  Go for that, Kurt, it‘s awesome midnight music.

„I will, Michael. I love ECM“.

 

(transcribed from memory, from yesterday‘s Zoom-interview with Kurt Wagner (Lambchop) in Nashville, Tennessee)

 

 

 

 

2 – Einige dieser Sommerabende

 

Der Sommer, der morgen beginnt, und obwohl er schon ein paar Tage offenkundig war, rasch wieder von einer Regenfront und kühlen Winden verprellt wird, hatte genug warme Wiesen parat, um sich darauf zu räkeln, in die neuen Kurzgeschichten von Haruki Murakami abzutauchen,  oder sich vom feinsinnigen Humor der Essays von John Green entführen zu lassen – und obendrein gab es die angenehm kühlen Abende mit verlangsamten Blicken zu den Restlichtern dieser Tage (Laternen, Abendrot, Grillkohle), sowie Alben, die, wie in alten Zeiten, zur Nacht hin, abwechselnd den Plattenteller blockierten: immer wieder „Showtunes“ von Lambchop, „Promises“ von Floating Points, und das Album mit mehr als einem Hauch einer alten Stadt der Mayas. „Every repetition is a form of change“ (Oblique Strategies, oder Heraklit, ganz wie man will).

 

 

3 – In bester Gesellschaft von „Showtunes“

 

Mark Hollis’ solo album, Joe Lovano’s „Trio Tapestry“, Nico‘s „The Marble Index“,  Paul Bley‘s „Open, to Love“, Brian Eno‘s  „Another Day On Earth“, Prefab Sprout‘s „I Trawl The Megahertz“, John Cale‘s „Music For A New Society“, and the last album of Jacques Brel, the one with a pale blue sky and pale white clouds

 

 

4 – Nachspiel

 

Trio Tapestry‘s sense of melody, space and  letting-go  is immaculate. I will always remember their first record, one of the jazz miracles of 2019. For me, it was the best album Joe Lovano ever made, with Manfred Eicher’s perfect sequencing of the tracks. Listen to the vinyl: suspense, sound and silence in perfect union. It is quite natural that this follow-up lives up to the high standard of the first meeting in New York. Now with a deeper touch of Provence pastel and colours at dusk. You can think of every jazz writing cliche of praise, from „filigree“ to „elemental“, and be sure that Lovano, Crispell and Castaldi are breathing new life into it. After the first three pieces of pure baladry (written by soul, not by the book), the appearances of sound take more and more adventurous side steps, from moments of pianistic unrest and upheaval, to an exploration of metal and sound in Castaldi‘s drum figures. A zen-like purity‘s bold pairing with an adventurous spirit. „Garden of Expression“ delivers everything with grace, selflessness and the most nuanced sense of  tempo, time standing still and a flow of undercurrents. If this sounds slightly over the top, let the music take over, dim the lights and follow the tapestries!

 

„He took himself seriously
Motel rooms had lost their punch for him
He opened all his bags
There were two and inside those two, there were two more
It’s not an easy situation
But there was something like abandon in the air
There was something like the feeling
Of the idea of silk scarves in the air
There was a kind of madness to it
The kind we read about in magazines“

 
 

Irgendwann entdeckten Martina und ich Robert Ashleys „Private Parts“. Das wunderbare Vinyl-Remaster von „Lovely Music“ anno 2018 liess ich mir nicht entgehen. Erschienen war Ashleys vielleicht faszinierendstes Album 1977, enstanden war es im gleichen Jahr, in Oakland, Kalifornien. Wo sonst, und war da LSD im Spiel? Unsinn, oder!? Was passiert hier? Hat dieses spoken word-Album eine Handlung? Ja, schon, aber – das wäre die korrekte Antwort. Wir begegenen dem Innenleben einer Frau und eines Mannes ohne genau zu wissen, ob sie einander überhaupt kennen. 40 Minuten Laufzeit, alles kreist um Bedeutung(en), eine Auflösung gibt es nicht. Aber allerseltsamste Sounds ringsum. Im selben Jahr erschien übrigens bei Lovely Music Jon Hassells „Vernal Equinox“.

 
 

Was Ashley in seinen langen Monologen erforscht, scheint alles zu sein, was nicht passiert – eine Umkehrung, die in den Schatten schleicht und tanzt. Wir sind eingeweiht in die zappeligen Obsessionen seiner Probanden, in ihre Verhaltensticks, in ihre kopflastigen Grübeleien und in ihr psychisches Gerümpel, aber Erzählung, Erkenntnis oder Bedeutung bleiben so schwer fassbar wie ein nicht ganz erinnerter Traum. Private Parts ist auf Leere gebaut. Es ist verblüffend, wie fesselnd diese Leere sein kann.“

 
 

Der letzte Satz eines Rezensenten bringt es auf den Punkt: eine fesselnde Leere. Was ist wirklich geschehen? Was ist geträumt? Und wieso berühren uns diese gesammelten Vagheiten, Ungewissheiten und Leerräume dermassen, wenn wir einmal in ihrem Sog gelandet sind? Bevor man sich das Album zulegt, oder die Musik irgendwo in Datenströmen aufspürt, sollte man sich als „non-native speaker“ erst einmal mit der Übersetzung vertraut machen. Lovely Music hat mir eine freundliche Nachricht zukommen lassen, als ich um Hintergrundmaterial bat, und einen witzigen Satz angefügt, neben dem Erteilen sämtlicher Übersetzungsrechte: „The whole album is background material“.

Zusammen mit meinem Freund Deep Ludwig habe ich die erste Schallplattenseite, „The Park“, übersetzt, und wer will kann sie in den Tiefen des Blogs finden, in den denkwürdigen Monaten Januar und Februar des Jahres 2020. Am leichtesten funktioniert es, wenn wenn man unter SUCHEN einfach die beiden Worte „Private Parts“ eingibt. Ohne An- und Abführung. Die Übersetzung habe ich in 13 Teile gegliedert. Und auf 13 ganz bestimmte Tage verteilt. Den Text einmal zu lesen, macht wenig Sinn. Am besten kehrt man über Tage zu ihm zurück, und solchermassen vorbereitet, spricht nichts mehr dagegen, „The Park“ das erste Mal aufzulegen. Den Park zu betreten … nicht immer gilt: the first cut is the deepest. Der zweite kleine Ausflug des Albums heisst „The Backyard“. Martina oder ich werden darüber berichten, über kurz oder lang.

2020 10 Feb

Private Parts (1)

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Er nahm sich selbst ernst
Motelzimmer hatten für ihn ihren Reiz verloren
Er öffnete alle seine Taschen.
Es waren zwei, und in diesen zwei waren noch zwei weitere.
Es ist keine einfache Situation.
Aber es lag so etwas wie Verlassenheit in der Luft
Da war etwas wie das Gefühl
von der Idee der Seidentücher in der Luft
Es lag eine Art von Wahnsinn in der Luft
Die Art, über die wir in Zeitschriften lesen


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