Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the category ‘Blog’.

Category: Blog

 

Es ist klar. Einer der aneckt und unbequem ist, wird von der Krach- und Spiessgesellschaft des DFB rasiert. Der beste deutsche Schiedsrichter (neben Aytekin, der in frühen Jahren eine Spassbremse war, und sich toll entwickelt hat) wird sein wohl letztes Spiel am Samstag in Dortmund feiern – es wäre ein noch würdigerer Rahmen, wenn es vor Fans passieren würde: dann wären ihm standing ovations sicher. Manuel leitet Spiele empathisch, und ich habe mich immer gefreut, wenn er den BVB gepfiffen hat. Dass er ein kluger Kopf ist, konnte man letzte Woche im Aktuellen Sportstudio sehen. Die ganz grossen Moderatoren*innen hat diese alte Sendung in den letzten Jahren kaum noch hervorgebracht, fast alle kommen glattgebügelt daher, selbst in manch kritischer Nachfrage. Ich wünsche mir Andrea Petkovic. Immerhin wird Manuel das ZDF-Team bei der anstehenden EM begleiten, aber wer interessiert sich, nach all den Kläglichkeiten der letzten Jahre von Löw bis Keller und Co. noch für die EM? Wahrscheinlich wird Armin, der Clown aus Aachen, dort mit seiner Gutmenschenfassade auf Stimmenfang gehen. Im nächsten Jahr dann die von Anbeginn an kontaminierte WM in Katar – das kann ja wolkig werden. Die anrührenden Happy Ends dieser Saison gab es in Mainz und Dortmund. Und bei den „Eisernen“ aus Berlin (mit oder ohne Europa). Übrigens: Terence Hill ist BVB-Fan, kein Witz – seht euch doch einmal seinen besten Film an: „Mein Name ist Nobody“.

 

 
 

Auf Sizilien habe ich ihn entdeckt, auf Sizilien suche ich stets nach neuen Werken von Battiato. Er versammelt alle Themen, die mir in diesem Leben gefallen: Frieden, Malerei, Philosophie, Musik, Tanz, Reisen und Neighborhood.

Kurz vor Reisen in den Süden stimme ich mich mit seiner Musik ein, die von Verwandtschaft zu Cage, Stockhausen, Costello, Berte, Beethoven … zeugt.

 

2021 18 Mai

Tagesnotiz

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 4 Comments

 

„Die Zeit“ verreisst ein Netflix-Produkt, das von der Fernsehzeitschift meines Vertrauens namens Gong, in vertrauten Kreisen auch „Misses Gong“ genannt, mit sechs Würfelaugen hochgejazzt wird. The Woman in the Window heisst der besagte, aktuelle Film. In diesem Fall vertrauen wir der Einschätzung aus der Hanseatenstadt, sind eh nicht bei Netflix gemeldet zur Zeit, weil der neue Fernseher mit eingebautem „Meskalin-Effekt“ die Pforten der Wahrnehmung geöffnet hat und jeglichen noch so banalen Inhalt wie Lucy in the Sky with Diamonds rüberbringt, vorzugsweise aber Nachrichten, Weltbilder, Kulturbeiträge und sogar Naturfilme zum Hochgenuss macht. Es stellt sich Entspanntheit ein, Detailzauber und das herrliche Gefühl: alles ist gut (mal abgesehen davon, dass die Krisen in Nahost und anderswo ja gar nicht gut sind und bestätigen, was ich heute morgen bei einem Düsseldorfer Denker namens Rudolf Heinz las: dass der Kern des Menschseins Feindschaft sei, und die geballte Ansammlung arabischer Judenhasser hierzulande sah unsereins ja auch vor Jahren schon kritisch, Regierungskreise scheinen hier mal wieder recht blauäugig, those sleepwalkers sleepwalking). Zurück zu Amy Adams und The Woman in the Window: schade, wäre schön gewesen, ihre Schauspielkunst mal wieder zu bewundern. Sharp Objekts jedenfalls bleibt in Erinnerung, da gäbe ich sogar die volle Sechs, Misses Gong!

 

As Soul Jazz Records HQ (London) announced in 2020, the duo from Tucson, Arizona, Trees Speak,  sees their project „as much a sound laboratory as a rock and roll band.“ Combining elements of experimental rock, electronic avant-garde, Krautrock and Miles Davis „Bitches‘ Brew“ era jazz. They construct abstract improvisational jams into coherent compositions in the „sound lab“ of the studio. The result is a collection of dynamic songs, as the band described them, „translucent jams for a virtual autobahn“.

 

Philosophically, the members of Trees Speak also draw inspiration from the philosophy and creative process of the Surrealist, Dadaism, The Avant-Garde and Vanguard movements from the 1920s. So far, so good, or even better – with the release of „PostHuman“ at the end of May, Soul Jazz Records will have published three albums of this highly creative duo of the Diaz brothers. „Trees Speak are Daniel Martin Diaz and Damian Diaz from Tucson, Arizona and their music often draws on the cosmic night-time magic of Arizona’s natural desert landscapes. ‘Trees Speak’ relates to the idea of future technologies storing information and data in trees and plants – using them as hard drives – and the idea that trees communicate collectively.“ (SJR HQ)

 

 

 

 

I discovered their music with the second album, „Shadow Forms“, and was particularly thrilled by their ways of keeping diverse spirits of „the golden era of kraut rock and beyond“ alive, alive and kicking – and pushing them into new landscapes. It was not a short affair, I went back to the albums again and again. Nostalgia is only a small part in the game of digging into the world of Trees Speak.

 

We exchanged some mails, and sending them some of my night hours and ideas, they obviously appreciated my ways of curating music, and are now in the mood to be virtual, real, really virtual guests on my „Moon In June“- radio night in Cologne, giving their first interview ever (which came as a surprise for me, looking at the high critical acclaim of their music). They will speak about all of their three albums and their special approach to sounds from distant eras and distant horizons. Improvisation is one of the tools of their modus operandi. Excerpts of or „trance-atalantic“ conversation will be part of the first hour, and the fourth one (the first time travel section of the June 19).  Make a mental note, don‘t miss the show for your own good. Get high without drugs – trees speak!

2021 18 Mai

„Blue Mojo in July“

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment

 
 

The July edition. This is not advertising, this is personal. The founder of VinylChapters isn‘t bothering asking people about vinyl albums in their collections. Well  I have one with BLUE, a story still going on. An album as life‘s company, from decade to decade. „The wind is in from Africa“ … this line alone, the way she sang it, put a spell on me when I was sweet sixteen. (m.e.)

 

„I was 15, 16 and had started writing songs, and at some point my dad said I should listen to Blue and Blood On The Tracks – because those are, like, the bibles of songwriting. So I had a fall and a winter driving around rainy Seattle in my 1980s Toyota Camry listening only to those records.

I started learning all the songs on Blue and playing them at coffee shops, and for All I Want, because I wanted to do it right, I had to buy a dulcimer. The song is all about how little you need to be infinite, and the dulcimer is definitely a part of that. Dylan is like, I only need 6 strings. Joni’s like, I only need 4 – total flex!

All I Want is like the overture to Blue, setting up the mission statement that this is going to be about relationships, and we even get the first appearance of the word “blue”, with that amazing melody, moving from the G to the F for “…so I hurt you too”. It’s a master level move.

There’s stuff on Blue that I think about almost every day. Even [from River] “I’m gonna make a lot of money and quit this crazy scene” –I aspire to that sometimes! Some people have the Bible and I have Blue.“ 

(Robin Pecknold, Fleet Foxes)

2021 17 Mai

Die John Cage Methode

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 8 Comments

Video – Parts One & Two & Three

 

„Im Zen heißt es: Wenn etwas nach zwei Minuten langweilig ist, versuch es für vier Minuten  Wenn es immer noch langweilig ist, für acht. Dann sechzehn. Dann zweiunddreißig  schließlich merkt man, dass es überhaupt nicht langweilig ist … „

(J.C. )

 

Ich habe aus dem Buch Nichts tun von Jenny Odell Übungen in Aufmerksamkeit gelernt. Ich saß 60 Minuten am tosenden Meer und habe nichts getan.  Jenny Odell meint mit „Nichts tun“ nicht faul in der Sonne liegen, sondern sie beschreibt „die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen.“ So lautet der Untertitel ihres Buches. Odell ist Künstlerin und Schriftstellerin. Sie lebt in San Francisco.

In dem Kapitel „Plädoyer für das Nichts“ erzählt sie von einem Kunstprojekt an einem großen Monument in San Diego.  Dort wurden Stühle aufgestellt. Die Gäste sollten nicht ihre Smartphones zücken, um Fotos zu machen, sondern lediglich den Sonnenuntergang betrachten. Als die Sonne ganz untergegangen war, klatschten sie.

Auch ich hatte das Gefühl nach 60 Minuten „Nichts tun“, nur das tosende Meer betrachtend, dass ich etwas Großes erlebt hätte.

An einer anderen Stelle im Buch erzählt Odell über eine Ausstellung von David Hockney in einem Museum in San Francisco. David Hockney ist ja zu aller erst Maler, hier zeigte er aber eine Videoarbeit. „Seven Yorkshire Landscapes“, Hockney’s Heimat, ist eine wandbreite Videoarbeit von mehreren, rasterartig zusammengefügten Bildschirmen. Damit der Betrachter genauer hinschaut, lässt er das Video in „ameisenhaftem Tempo“ ablaufen. Besucher, die das Werk gesehen hatten, berichteten, dass sie anschließend draußen alles langsamer betrachtet hätten.

 

„Der Prozess des Betrachtens selbst ist die Schönheit.“

(J. C.)

Mir ist bewusst, dass ich diese Aufmerksamkeitsübungen in großer Naturschönheit machen kann.

Jochen hatte vor einiger Zeit kurz das Buch von Odell erwähnt. Er hat mein Video, das ich an der Nordküste von El Hierro aufgenommen habe, hier hochgeladen. Ihr könnt damit üben. Wenn es nach drei Minuten zu langweilig ist, versucht es für vier Minuten …

 

 

 

 

„Ehrlich jetzt, die Platte begann mit Steely Dan, mit dem, was so 1970 bis 1977 in der Musik abging, in den USA, besonders die Sachen, die in New York entstanden?“

„Yes, and every Steely Dan record, always. I remember driving to Corpus Christi, Texas, on a beach vacation. Eating fried clams while looking at an amateur version of Botticelli’s The Birth Of Venus and then listening to Katy Lied on the way back to our geriatric condo. The balmy air.“

 

v i d e o

 

Sie hat erzählt, dass die Lieder ihres neuen Albums von dem Sound der Siebziger geprägt seien, „those rocking radio times in NYC.“ Eine zeitliche und geografische Blase, erstmal kaum mehr als eine blitzgescheite Übung aus dem weiten Feld von Retro, wäre der Grund für die Inspiration nicht so verheerend.

Vor zwei Wintern wurde ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er seine Zeit für seine Rolle in einem millionenschweren Aktienmanipulationsprogramm abgesessen hatte. Sie begann zu dieser Zeit mit dem Schreiben dieser Songs, „um den Kreis einer Reise zu schließen, die mit seiner Inhaftierung im Jahr 2010 begann.“ Die Inhaftierung und anschließende Freilassung ihres Vaters habe sie zurück zu den Schallplatten geführt, mit denen er sie in ihrer Kindheit bekannt gemacht habe, erklärt sie. Platten, von denen sie glaubt, dass sie die „wahrscheinlich mehr als jede andere Musik“ in ihrem ganzen Leben gehört habe.

Der Effekt ist nicht so sehr eine musikalische Imitation, sondern eher etwas aus den Abteilungen „Tieftauchen“ oder „Tiefgraben“; ein Hinabsinken in die persönliche Gedächtnisbank der Sängerin, eine greifbare, sinnliche Erfahrung. Die Verschmelzung von Saxophon, Synthesizern, Wurlitzer, Bläsern, die außergewöhnlichen Winkel ihrer Gitarre, die Dehnung und das Schnappen ihrer Stimme bringen ein Gefühl von Großstadthitze: sie drücken gegen die Haut und winden sich um die Beine, schwül und durstig und fiebrig. Dazwischen hängen drei Interludien wie Dunst. Alles, Achtung Modewort, tiefenentspannt. Aber hinter der Pose das Trauma, das Tanzen, und das ganze Theater namens Ich (schwankende Grösse), Du (schwankende Grösse). Und Welt (verloren, gefunden). Man höre das Album mal in aller Ruhe. Und stellt dann wohl fest, wie verstörend dieser Sound der Seventies daherkommt, nämlich nicht als Ruhekissen, Seelenbalsam, sondern als, zumindest streckenweise, reichlich tollkühne Wiederbelebung voller Verfremdungen. Ob das Album nun verstört oder verzaubert, liegt ganz im „ear of the beholder“. Bei mir wirkt‘s!  (P.S. Liebwr Jan, hier ist als Co-Produzent, und Co-Player, wie bei Lana Del Ray zuletzt, wieder Jack Antonoff dabei, der Typ ist ganz gross!)

 

(getextet, remixt von Laura Barton, Michael E. Und Deep L.)

 

 
 

Es ist immer schön, wenn man dem lieben Gott, den es nicht gibt, einen Tag stehlen kann. Ich bin heute sehr früh aus dem Bett gefallen, und nach dem Beeren-Müsli hatte ich grosse Lust auf ein paar Vormittagsstunden voller Vinyl-Abenteuer. Welche Alben ziehen mich gerade magnetisch an, das war die Frage. Ich blickte in meiner elektrischen Höhle herum, und traf eine Wahl von Platte zu Platte. Die einzige Regel war: jedes Album sollte eine komplett andere Welt öffnen. Zuerst hörte ich das Album, das gestern mit der Post kam, und das Pharoah Sanders einst im Leihwagen an der Ostküste der USA hörte, und der Initialpunkt war, Sam Shephard zu kontakten: „Elaenia“. Danach eine Tasse grünen Tee aus Korea, und folgende Alben drehten sich, bescherten mir flow auf flow auf flow auf flow auf flow: Dead Can Dance: Aion, Zazou/Bikaye/Cy1: Noir et Blanc (hier habe ich aufgedreht, da ist sicher meine Nachbarin aus dem Bett gefallen, aber sie hat ein grosses Herz und viel Humor), Keith Jarrett & Jack DeJohnette: Ruta and Daitya, Dadawah: Peace and Love (one of my fave reggae albums, with deep dyabinghi), Muddy Waters: Folk Singer (Aufnahmejahr: 1964. Wenn mir jemand ein Blues-Album mit einem ähnlich überragenden Sound (und zugleich solcher Qualität) nennen kann, wäre ich dankbar, mir fällt nur die SACD-Version von Jon Lee Hookers einzigem Impulse-Records-Album ein, „It Serve You Right To Suffer“).

 

 
 

Der einzige Ultra, den ich sehr gut kenne, heisst Sven. Ich war am Abend in einem kleinen Saal Maskierter eingetroffen, vor der grossen Leinwand, alle Abstandsregeln wurden beachtet. Ich nehme an, die wenigen, die sich umarmten, beim ersten, zweiten, dritten, vierten Tor, bildeten eine Impf- oder Virengemeinschaft. Wow – Jesus, Maria, Joseph, and the wee donkey! Eine erste Halbzeit aus dem Bilderbuch. Diese Ultras sind Antifaschisten und zeigen sog. Querdenkern den Mittelfinger. Sven ist ein Freund kontrollierter Pyrotechnik, und ich bin ein Freund grosser BVB-Ekstase. Meine Lieblingskneipe am Hafen (die, die immer Nina Simone, The Clash, und das weisse Album der Beatles spielt, oder alte John Peel-Sendungen von Kassette laufen lässt, bei Meister- und Pokalsiegen) hatte natürlich geschlossen, aber Sven grinste nur und sagte, das Feuer werde geregelt. Ich gab den DJ in seinem schwarzen Ford Fiesta, und legte Nerve Net von Brian Eno ein. Wir näherten uns dem Borsigplatz, während Enos Burner „Fractal Zoom“ erklang. Die ersten roten Feuer brannten auf der grünen Insel der Geburtsstätte des BVB. Im Vorfeld war klar, die Polizei würde deeskalieren, und niemand von uns war auf Krawall gebürstet. Presseausweis dabei, klar. Das hier war systemrelevant: alles rot, Nebel, ein Maskenfestival, wir tanzten. – Sven, das ist ziemlich geil! – Das ist es, Alter! Wir tanzten im roten Rauch, wir sangen „You‘ll Never Walk Alone“ auf englisch. Ein bisschen Anarchie war unausweichlich, später zurück, kifften wir mit Selbstgedrehten, Covid geschuldet, und liessen Edin, Marco, Pischu und Erling auf Endlosschleife laufen.

 

2021 13 Mai

Daddy‘s Home

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments

 

„Daddy’s Home from St. Vincent is the perfect amalgamation of warm, 70s funk layered beneath unique and ever-inventive pop production. Harsh realities may have inspired the record but supreme musicianship and cleverly written tracks are what hold it all together.“

Jamie Parmenter, Editor and Founder of Vinyl Chapters. („Always bothering people to tell a story about a record in their vinyl collection“)

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz