Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 14 Mai

Das rote Feuer am Borsigplatz

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 6 Comments

 
 

Der einzige Ultra, den ich sehr gut kenne, heisst Sven. Ich war am Abend in einem kleinen Saal Maskierter eingetroffen, vor der grossen Leinwand, alle Abstandsregeln wurden beachtet. Ich nehme an, die wenigen, die sich umarmten, beim ersten, zweiten, dritten, vierten Tor, bildeten eine Impf- oder Virengemeinschaft. Wow – Jesus, Maria, Joseph, and the wee donkey! Eine erste Halbzeit aus dem Bilderbuch. Diese Ultras sind Antifaschisten und zeigen sog. Querdenkern den Mittelfinger. Sven ist ein Freund kontrollierter Pyrotechnik, und ich bin ein Freund grosser BVB-Ekstase. Meine Lieblingskneipe am Hafen (die, die immer Nina Simone, The Clash, und das weisse Album der Beatles spielt, oder alte John Peel-Sendungen von Kassette laufen lässt, bei Meister- und Pokalsiegen) hatte natürlich geschlossen, aber Sven grinste nur und sagte, das Feuer werde geregelt. Ich gab den DJ in seinem schwarzen Ford Fiesta, und legte Nerve Net von Brian Eno ein. Wir näherten uns dem Borsigplatz, während Enos Burner „Fractal Zoom“ erklang. Die ersten roten Feuer brannten auf der grünen Insel der Geburtsstätte des BVB. Im Vorfeld war klar, die Polizei würde deeskalieren, und niemand von uns war auf Krawall gebürstet. Presseausweis dabei, klar. Das hier war systemrelevant: alles rot, Nebel, ein Maskenfestival, wir tanzten. – Sven, das ist ziemlich geil! – Das ist es, Alter! Wir tanzten im roten Rauch, wir sangen „You‘ll Never Walk Alone“ auf englisch. Ein bisschen Anarchie war unausweichlich, später zurück, kifften wir mit Selbstgedrehten, Covid geschuldet, und liessen Edin, Marco, Pischu und Erling auf Endlosschleife laufen.

 

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6 Comments

  1. Jochen:

    Superfoto, ehrlich.

    (supertore: erling)

  2. Lajla:

    Toll.

  3. Martina Weber:

    Magic!

  4. Michael Engelbrecht:

    Beim letzten Pokalsieg gegen Frankfurt , 2:1 und mühsam, waren wir ja alle zusammen, in Münster beim Mana-Treffen.

    Alle Pokalsiege wurden exzessiv gefeiert, Lajla könnte ein Lied von den „roten Teufeln“ beisteuern:). Dass die Erinnerung an all diesen Tage über Jahrzehnte funktioniert, nennt man auch, in der Psychoanalyse, „Affektbindung“, haha. Ich nenne das Football‘s coming home.

    Ich war sieben, 1963, im Schwarzwald, mit meinen Eltern, und las morgens gross in der BILD, fette Schlagzeile, dass der HSV den BVB 3:0 weggeballtert hatte, mit drei Toren von Uwe Seeler. Die Älteren werden sich erinnern. Damals waren wir immerhin Meister.

    1965 wurde Alemannia Aachen 2:0 besiegt und das Fernsehen war noch schwarzweiss. 1989, mit Nobby, dem Helden von Berlin wurde Bremen 4:1 besiegt, 2012 Bayern 5:2 und 2016 eben Frankfurt.

    Und ich bin Nichtraucher (Nikotin). Kleine Ausnahme. Das Foto hat ein Kumpel von Sven gemacht und mir gemailt und geschenkt. Er hat damit auch etwas Geld gemacht. Ich gebe das Lob weiter:)

  5. Lajla:

    Die Roten Teufel gehen leider durch Limbo.

    Gestern hat mir der Busfahrer hier, er kommt aus MG, gesagt, seine Mutter war nicht ans Telefon zu bekommen, sie guckte DAS Spiel im TV. Die Welt ist rund.

  6. Olaf Westfeld:

    Habe das intensive Spiel in einer Gartenlaube gesehen; seltsam, weil Leipzig gut gespielt hat und das Ergebnis gleichzeitig voll in Ordnung ging – als wenn die Dortmunder einen mehr auf dem Platzt gehabt hatten. Toller Text, tolles Bild.

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