Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the category ‘Blog’.

Category: Blog

2022 18 März

Une dérive à l’envers

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments

 

 

 

Das sind Zeiten. Angesichts des fortschreitenden Dramas, das Russland in der Ukraine anrichtet, erleben wir das Geschehen  um Covid hierzulande als nicht sooooo dramatisch. Man muss nur morgens Spiegel-Online lesen, oder The Guardian, oder die SZ, oder die TAZ, und weiss, welcher Terror im Osten Europas weiter herrscht. Aber für sich betrachtet – ganz unabhängig von der „Relativitätstheorie des Unglücks“ (derzufolge es immer andere gibt, die in einer weitaus schrecklicheren Situation leben) – ist die Covid-Lage absolut nicht harmlos und die neue Gesetzgebung ein „zahnloser Tiger“. Der Expertenrat der Bundesregierung hatte schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Omikron zu Personalengpässen im Gesundheitswesen führen könne: „Jeder, der es hätte wissen wollen, hätte es wissen können – wenn er sie gelesen hätte.“ Die stets wohltuende, weil smarte und mit einem Blick aufs Ganze ausgestattete, Virologin Melanie Brinkmann sagte mit Blick auf die FDP: „Das gilt ganz klar auch für eine Partei, die das nicht so gern wahrhaben möchte und die Pandemie lieber für beendet erklären möchte.“ Das mit dem kleinen Freedom Day traut sich die FDP nun doch nicht – wäre ja auch zu absurd! Melanie Brinkmann nannte es richtig, dass in den Bundesländern für die nächsten zwei Wochen noch Übergangsregeln und damit die bisherigen Schutzmaßnahmen in Kraft sind. Sie äußerte zugleich Zweifel, dass diese zwei Wochen ausreichten. Diese Zweifel äussere ich auch. Ich warte schon freudig auf den Tag, wo mir an der Kasse im Supermarkt hinter mir ein unmaskierter Vollpfosten auf einen halben Meter an mich ranrückt, um seine Bananen auf das Rollband der Kasse zu legen. Gestern ein Blick in die Fussballstadien genügte auch, um sicher zu sein, dass die Zahl der Idioten im Lande niemals zu unterschätzen ist. Aber die Sonnenblumenöle und das Mehl hamstern, das haben die Spinner hierzulande locker im Repertoire. Resilienzfestigende Faktoren: nur einmal am Tag die aktuelle Nachrichtenlage verfolgen, Gelassenheitsübungen, Entspannungstraining, antidepressive (massvoll einzusetzende) „coping strategies“ wie Wandern, Marihuana, und Psychotherapie, ein Blick zu den Vorsokratikern (Stoiker, Epikuräer), positiver Eskapismus (Bücher und Musik, die Gegenwelten öffnen, uns wunderbar abtauchen lassen, andere Horizonte öffnen), italienische Koch- und Backrezepte, auf keinen Fall Richard Wagner oder Helene Fischer hören, schwarzer Humor – und ab und zu (unter Abwägung des jeweiligen Kontexts von Notwehr) das Faustrecht der Prairie.

 

2022 14 März

peace on my mind

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Comments

In einem Gespräch neulich mit A tauchte ein Thema auf, das mich seit Längerem beschäftigt, nämlich die Dichotomie von Realität und Fantasie. A meinte, er sei durch und durch Realist. Da er auch seit Jahrzehnten schon sich als großen Kafka-Freund bezeichnet, werde ich ihn bei Gelegenheit auf dessen Parabel Von den Gleichnissen“ hinweisen und sogleich meine persönliche, literarisch sicherlich nicht ganz fachgerechte Interpretation frei Haus liefern: nämlich die, dass man zwar de facto in einer Fantasie-freien Welt leben kann und darf, dies aber aus Sicht kreativer „Phantasten“, also der mit Einbildungskraft begabten, ein Nachteil wäre: man hätte etwas verloren. Sachliche Faktizität ist unbestritten erforderlich in so mancherlei Berufsbereich, sei es als Handwerker, Programmierer oder Jurist. Auch der Friedenstaube, die sich urplötzlich dem Maul eines Alligators gegenübersieht, das weit geöffnet ist, nicht um Argumente vorzutragen, sondern um zuzuschnappen, bleibt nur die nüchterne und fantasiefreie Anerkennung ihrer misslichen Lage. In Zeiten des Krieges nun wird ein grundlegendes Bedürfnis wieder bewusst, das mich seit frühen Kindheitstagen prägte und eine Strategie entwickeln liess: die rettende Flucht in die Literatur, die Kunst, die Einbildungskraft und die Musik. Hier nämlich entfaltete sich ein Identität stiftender Raum, ein Haus des Seins, in dem es sich überhaupt atmen und wohnen liess: in jene Bereiche mich rettend, die ich in Anlehnung an den gleichnamigen Buchtitel des Philosophen und Ethnologen Hans-Jürgen Heinrichs als „Erzählte Welt“ bezeichnen möchte. Heutzutage höre ich mir sogar einen Vortrag über Kriegsführung gerne an, wenn er von einem klugen Historiker sanft und erhellend vorgetragen, also erzählt wird und nicht etwa, wie in diesen shitstorm-reichen Tagen, rechthaberisch an die Wand drückt. Dialogbereitschaft sei das Stichwort jeder guten Stunde! „Peace on my Mind“ heisst denn auch einer meiner Lieblingssongs des Robben Ford. Gekonnte und stilsichere Variationen des altehrwürdigen Blues werden gewürzt mit kalifornischem Westcoast-Feeling, das schon Joni Mitchell zu schätzen wusste. Für Sprachmelodien und Gitarrenriffs gilt Gleiches: sind sie Frieden stiftend, hört man gerne zu.

2022 13 März

Procida Ispira

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 7 Comments

 

 

 

Procida

 

Baja sperduta, non più di venti barche a vela.

Reti, parenti del lenzuoli, stese ad asciudare.

Tramento. I vecchi guardano la partita al bar.

La cala azzurra prova a farsi turchina.

Joseph Brodsky

 

Beim legendären Mana-Treffen auf Sylt hätte ich fast ein Strandkonzert von den Sheriffs of Nothingness eingekauft, aber dann kam es anders. Vom Morsumer Kliff hatte mir Lajla erzählt, bevor ich das erste Mal dorthin fuhr. Als ich in den letzten Jahren immer wieder zu der Insel reiste, liess mich der Gedanke nie los, einmal nach „Klein Afrika“ aufzubrechen, wie ein Teil dieser uralten Landschaft genannt wird, und nicht wegen der Hitze, die mir auf einem klassischen Sonntagspaziergang dort engegenschlug. The more frequently you return to it, the greater the rewards. The bass line suspending Hassell’s eastern melody for “Chemistry” will start to glow. The synthesized horn of “Delta Rain Dream” will transform into a meadow. The cycled trumpet sample of “Rising Thermal 14° 16′ N; 32° 28′ E” will hypnotize you.  Nein, nachts, mutterseelenallein, und so kam es dann – in dem Rucksack waren, unter anderem, eine Taschenlampe, ein nicht gerade leichter Lautsprecher von Sonos, der von meinem Ipad angesteuert werden konnte, und Sprudelwasser. Als erstes kramte ich die Taschenlampe heraus, und machte mich auf den Weg, den ich tagsüber im Schlaf fand, im Sternenlicht aber nur zaghaft betrat.

 

Nachts bekommen Rundwege eine andere Dimension – da ist ja niemand, und selbst ein harmloser zweiter Wandersmann würde einem erstmal, als Schatten, einen gehörigen Schrecken einjagen. Bei diesem Rundweg, der auf dem verlassenen Parkplatz begann, den viele von euch kennen, kramte ich als erstes die Taschenlampe heraus, denn das Licht der Sterne war viel zu fahl und meist von Wolkenschleiern verdeckt. Harmonic motion is limited and all attention is centered around the embellishment of a single melodic line. Hassell is playing lead on these songs, but his performances often blur seamlessly into the backing tracks. Es gibt eine nicht ganz ungefährliche Stelle auf diesem Weg (wenn man sich blöd anstellt), ein schmaler Steg, mit recht steilem Abhang zur Linken, den ich Schritt für Schritt in Angriff nahm, das künstliche Licht mein Beschützer, und schliesslich, nach einer halben Stunde etwa, setzte ich mich an eine höhlenartige Einbuchtung, stellte die Box nahe am Wattenmeer auf, und froh, einen windfesten dicken Mantel zu tragen, liess ich „Possible Musics“ laufen, von Jon Hassell und Brian Eno, von Anfang bis Ende, und wie die Zeit sich in der Folge verhielt, ob sie dahinflog oder stillstand, blieb ihr selbst überlassen, ich mischte mich in nichts ein, und liess mich von den Klängen einfangen (wie seit Jahrzehnten schon), von den Schlangenlinien der Trompete, den Trommeln von Nana Vasconcelos, und einmal, als ich es donnern hörte, schaute ich kurz zum Himmel, eine Täuschung der Sinne, so fein verwoben war der verhaltene Donner mit Brians elektronischen Schatten.

 

Es ist einer der wenigen Tricks, die ich gut beherrsche, und die – auch wenn sich das wenig logisch klingt – auf die Zeit zurückging, als ich in meiner Kindheit ein Buch voller Zauberkunststücke studierte: in touristisch hochfrequentierte Orte am besten nur in der Nachsaison reisen, und dann hinein ins Abgelegene, in die Unzeiten: wind on wind, wind on water. Je leerer eine Bühne ist, desto mehr bewegen sich die  Dinge, die gar nicht da sind, Areale von Traum und Wirklichkeit rücken nah aneinander. Hassell’s landscape is an invented one—an imagined culture, where high technology and mysticism are blended together. Nachdem „Possible Musics“ in meinem abgelegenen Erdwinkel verklungen war, liess ich, aus purer Sentimentalität, diesen Song von Bob Dylan laufen, in dem er um noch eine Tasse Kaffee bittet, bevor er aufbricht, zum nächsten Tal. Dann fing es tatsächlich noch an prasselnd zu regnen, und ich zauberte aus meinem kleinen Rucksack einen faltbaren blauen Regenschirm (dessen Farbe von der Nacht verschluckt wurde), und eine noch halbvolle Thermoskanne Kaffee. The north and the south of you, post-psychedelic, lush, sensuous, and otherworldly. Jon‘s experiment was to imagine a ‚coffee coloured‘ world. Eine Bö riss mir auf dem Rückweg den Regenschirm aus der Hand, und ich war gut beraten, ihn nicht im Dunkeln von Klein-Afrika zu suchen.

Im Sommer 1999 war ich gerade Vater geworden und raus aus der Potsdamer WG, hinein in die Kleinfamilie und eine 3-Raum Wohnung in der Nähe des Ostkreuzes in Berlin-Friedrichshain gezogen. Dort schnell gemerkt, wie sich das Leben verändert, ja, auch unheimlich wird. Ich kaufte einen gebrauchten Röhrenfernseher, einen Videorekorder und stapelweise VHS-Kassetten, auf denen dann mit Showview Filme aufgezeichnet wurden. Eines Abends sah ich „Midnight Cowboy“, der muss kurz vorher im Spätprogramm gelaufen sein. Ich erinnere wenig, hauptsächlich einen großen Cowboy Hut und eine Lederjacke, Jon Voight und Dustin Hoffmann, ich erinnere mich, dass ich sehr beeindruckt war von den Bildern, vor allem aber in the echoes of my mind: „Everybody‘s Talking“ von Harry Nilsson. Kurz darauf fand ich eine „Best of Harry Nilsson“ auf dem Flohmarkt des Boxhagener Platzes, entwickelte eine kleine Obsession, kaufte die gesamten „Schmilsson“ Alben und traktierte zu fortgeschrittenen Stunden auf Feiern immer wieder Menschen mit „Coconut“ (das wiederum einen Auftritt in „Reservoir Dogs“ hat, meine ich mich zu erinnern).

 

Es trägt zur Faszination von Jan Reetzes Buch bei, dass es so nonchalant wie genau erzählt und „Der Sound der Jahre“ so viele private Erinnerungen an die alte BRD triggert, egal, wo wir waren, als in Düsseldorf, München, Berlin, Köln, Hamburg, Forst und anderswo Musikgeschichte geschrieben wurde. Die jüngeren Leser reisen einfach zurück in eine alte Zukunft, die immer noch Blüten treibt. Nach einem Tag in Düsseldorf sank ich nachmittags tief in meine Couch, und hatte mit Roger Enos „The Turning Year“ eine perfekte Begleitung in Vinyl aus dem Regal gezogen, witzigerweise hatte sich neben diese bezaubernd leisen, spannenden Klänge die Schallplatte „Sowiesoso“ von Cluster gesellt – eine andere perfekte kleine Nachtmusik. „The Turning Year“ erscheint am 22. April, „Sowiesoso“ kommt aus dem Sommer 1976. Wie es wohl klänge, würde Roger Eno die Musik von „Sowiesoso“ interpretieren, und Herr Roedelius, vielleicht mit Stefan Schneider, die Kompositionen von  „The Turning Year“ verwandeln. Imaginary albums.

 

 

 

Seit ich einen Kaffeevollautomaten und einen elektrischen Milchschäumer besitze, ist Kaffee die primäre Droge in meinem Leben. Und bei der „Bochumer Kaffeezentrale“ komme ich stets auf meine Kosten. Toller Service, und oftmals ein Blick über den reinen Kaffeehorizont hinaus. Hier meine jüngste Entdeckung: ‚Nessun Dorma‘, auf deutsch ’niemand schläft‘. Ein „Koffein-Hammer“ ist das allemal nicht, denn bei einer Mischung mit 95 % Arabica ist der Koffeinanteil eher gering. Woher also der Name? „Nessun Dorma“ ist einer der Ohrwürmer aus der Opernschmiede von Puccini, und Liebhaber dieses Genres geraten anscheinend in einen Zustand der Verzückung, wenn sie dieser Arie in den Fassungen von Pavarotti oder Paul Potts lauschen. Der Caffè Nessun Dorma berührt mich jedenfalls deutlich mehr als solche „Zirkusnummern der Ergriffenheit“, die auf mich fast immer so wirken, als hätte die jeweilige Sangesstimme einen Regenschirm verschluckt.

 

„Die handwerkliche Röstung in kleinen Chargen über Buchenholzfeuer lässt Nessun Dorma zu einer ausgewogenen Komposition werden, elegant nuanciert, sanft und mit aussergewöhnlich raffinierten Details im langen Abgang. Freuen Sie sich auf ein Symphonie von frischen Zitrusfrüchten, Jasmin, feiner Vanille und geschmolzener Schokolade – auch für Kaffee Kenner ein echtes Erlebnis!“ 

 

Den Jasmin habe ich tatsächlich herausgeschmeckt, wie immer diese Duftnote auch in die Bohnen gerät. Vielleicht wird mir eine grosse Tasse dieses Kaffees auch den Zugang zu Puccinis Arie öffnen: ich stelle mir frühlingshafte Temperaturen vor, eine alte Hollywoodschaukel, erfüllten Müssiggang, Michael Pollans tolles kleines Buch „Kaffee. Mohn, Kaktus“ in Reichweite, und Pavarotti aus der Box. Eine in jeder Hinsicht anti-calvinistische Bohne. 

2022 10 März

„Goodbye, Mr. Blue“

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments

Fühlen wir uns hier nicht gleich in die Welt von Fred Neils „Everybody‘s Talking“ versetzt, in die Balladen von Harry Nilsson, in die Country-Anmut von Glen Campbell? Es wird spannend sein, zu erfahren, ob Father John Misty auf seinem neuen, Mitte April erscheinendem Album, die brilliante Tiefe, etwa seines Meisterwerkes „Pure Comedy“, zugunsten von perfektem Pastiche und Nostalgie im Breitwandformat hinter sich lässt. Ob der „Father“ also vielschichtige lyrics und subversiv schleichende Klangspuren von Gavin Bryars hintanstellt, und schlichtweg die „Seele baumeln“ lässt, in vertrauter, nie verstörender Melancholie. Ich fühle mich jetzt schon, beim Hören von „Goodbye, Mr. Blue“ versucht, meine alte Fred Neil-Platte aus dem Plattenschrank zu holen, die ich 2015 in NYC fand, in einem Plattenladen, in dem eine dicke Frau an der Kasse sass, und einen Burger vertilgte. (m.e.)

 

Fred Neils selbstbetiteltes zweites Album war ein entpamntes und fließendes Juwel, das auch Jahrzehnte später noch nicht aus der Zeit gefallen ist. Die wunderschön traurigen, introspektiven Songs über die müde, moderne, urbane Enttäuschung, die Neil 1967 zu diesen Sessions mitbrachte, gehören zu den besten, die er je geschrieben hat, und die perfekt ausbalancierte elektrische Instrumentierung passt perfekt zu ihnen. Neils ruhiger, müder Bassgesang zieht die Dinge hier in einem ausgesprochen gemächlichen Tempo voran, und die Songs selbst scheinen organisch ins Leben zu driften, während er sie singt, bis es sich anfühlt, als würde man beim Hören dieses Albums schweben. „The Dolphins“, „Evrybody’s Talking“ – und all die anderen wunderbaren Songs. Neil hatte jedoch absolut kein Interesse am geschäftlichen Aspekt des Musikmachens, und wo die meisten Musiker das Rampenlicht suchen, mied er es, was bedeutete, dass das Album kommerziell nicht erfolgreich war, obwohl es unzählige andere Künstler beeinflusste. Ein eindringliches und beruhigendes Meisterwerk.“ (s.l., remixed by m.e.) 

„Recorded in early 2021, the album was inspired by the windy island landscapes while walking the same nature paths over and over again, working in the elder care and occasionally visiting the city.“ „Har ondt i halsen og går til biblioteket for at låne en bog“ („Habe Halsschmerzen und gehe in die Bibliothek, um ein Buch auszuleihen“). Das ist mal ein Titel für ein Stück Hausmusik. Lassen wir mal offen, ob Philip Sherbourne oder ich die Platte zuerst in den Fingern hatten. Aber unsere Reaktion war sehr ähnlich, wir waren angetan, sehr angetan, berührt. Diese Musik ist, mhmm, diskret und spannend. Einige Komponisten in Göteborg haben anscheinend eine neue Leidenschaft entdeckt, ihrem Land eine etwas andere Spielart zeitgenössischer handgemachter Musik zu servieren. Auch Elektronisches wird da en passant von Hand serviert, und so weit ist Brian Eno nicht entfernt, wenn dieser launige Plattenladen im Südwesten der Hafenstadt, der auch Label und Vertrieb ist, „Discreet Music“ heisst. „Diese Mischung aus Folk, Field-Recordings und Geräuschen erinnert an verklebte Tonbandköpfe, verwitterte Gitarren und durchnässte Casio-Keyboards in Kellerstudios, die mit mottenzerfressenen Teppichen ausgelegt sind – und vielleicht auch an das eine oder andere heidnische Lagerfeuer, da die Musik oft unheimlich wirkt.“ Soweit Mr. Sherbourne. Auf sehr wohltuende Weise unheimlich, möchte ich hinzufügen. Sie hätte auch schon in den 70er Jahren auftauchen können, auf Brian Enos zehn LPs umfassender Sammlung von „Obscure Records“ (incl., bingo, „Discreet Music“), und am besten den einzigen Langweiler der ansonsten ziemlich betörenden Kollektion verdrängt, Michael Nymans Beitrag. Sooo gut ist das Album mit dem Zungenbrechertitel für Mitteleuropäer. Skaergardslyd. Am einfachsten über HHV zu besorgen, oder in Göteborg anrufen. Übrigens ist, aus der Reihe der „Obskuren Aufnahmen“, Harold Budds „The Pavillon Of Dreams“ gerade wieder neu aufgelegt, mit dem betörenden Titelstück, auf dem Marion Brown sein Altsaxofon wie eine Flöte klingen lässt (s.a. Blogeintrag vom 1. Mai 2015).


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz