Manafonistas

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2022 9 März

Stromae

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Ich glaube, es ist ein in Frankreich gebräuchliches Sprachspiel, Silben zu vertauschen. So wurde der Maestro zu Stromae. Aufgefallen ist mir dieser belgische Künstler vor einigen Jahren, seltsamerweise auf einer Klassik-Webpage, nämlich der von Norman Lebrecht. Der wies auf „Papaoutai“ hin, das sofort bei mir hängenblieb, unter anderem, weil ich bemerkenswert fand, wie gut ein französisch gerappter Text klingt.

Dann kam lange nichts. Anfang Januar war es dann, dass Stromae einen neuen Song vorstellte, „L’enfer“ — eigentlich nichts, was besonders spektakulär wäre, hätte es davor nicht eine immerhin siebenjährige Pause gegeben und hätte er dies nicht in einer Nachrichtensendung von TF1 getan. Das ging natürlich durch die Presse. Und jetzt ist das dazugehörige Album da, Multitude. Es ist sehr, sehr hörenswert, auch wenn mein Französisch wirklich sehr, sehr rudimentär ist. Norman Lebrecht zog seinerzeit einen Vergleich zu keinem Geringeren als Jacques Brel, und mir scheint, da ist etwas dran.

Hier übrigens gibt es ein vollständiges, zweistündiges Live-Konzert von Stromae, 2015 in Montréal aufgezeichnet.

 

gebratene Blutwurst

mariniert mit Senfkruste,

Kartoffelstampf und Apfelkompott

 

Wer kommt, ist eingeladen zu einem köstlichen Hauptgericht von der weit gefächerten Karte. Auch wenn Chrissie einen verhaltenen Brechreiz erlebt bei diesem „appetizer“, sei darauf hingewiesen, dass das Thema Pilzsuppe und Schwammerl „durch“ ist in der Story der Manafonisten und der Horizont geweitet werden muss. Der ungewöhnliche Mix dieser Hauptspeise ist manchem aus Kindheitstagen bekannt – als „Himmel und Erde“ und westfälische „fusion-Kost“ – im “Kohlenpott“ zumindest so populär wie Pfefferpotthast. Und, du meine Güte, durch wie viele Welten man wandert, gesprächsweise, bei einem Glas Wein, zu zweit oder dritt unter einem strahlend blauen Frühlingshimmel, in diesen dunklen Zeiten!?

Kennen Sie noch Wally? Wally ist Theaterautor, und eines Tages, früh in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, verabredet sich Wally mit einem alten Freund. Ewig haben sich die beiden nicht gesehen. Sein alter Kumpel Andre hat einiges zu erzählen, von seinen Reisen mit tibetischen Mönchen in die Sahara, einem Reinkarnationsritual, und von den unwirtlichen, einsamen Landschaften im Norden Schottlands. Von letzteren könnte ich auch erzählen, etwa von meinem friedlichen Einbruch in ein Haus an der Steilküste, gegenüber der Orkney-Inseln, und wie ich dort nachts eine alte Platte von Louis Armstrong fand und auflegte. Nun, egal, es machte mir damals grosse Freude, den beiden Freunden zuzuhören, im Kino – Louis Malle hatte den Film „Mein Essen mit André“ 1981 gedreht, und neben „Herzflimmern“ gehörte er damals zu meinen Lieblingsfilmen des Franzosen.

 

2022 9 März

„This is a photograph“

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Eine Überraschung für die, die ihn nicht kennen, wird wohl Kevin Morbys demnächst erscheinendes Album sein, das ich als Stream anhören konnte, und das ein Thema hat, das so verbreitet ist, dass nur dann, wenn Lieder die nötige Schärfe haben, die Oberflächen abstreift: wie hat unsere Vergangenheit uns zu dem gemacht, was wir heute sind? Der Mann aus Kansas macht daraus keinen sentimentalen Overkill, sondern liefert die Antworten darauf in einem Spannungsfeld zwischen Bilderflut, unwiderstehlichen Rhythmen (manches kann einem afrikanisch vorkommen), und Zeilen, die, mit der nötigen Energie, einfach mal unter die Haut gehen. „This is what I miss about being alive“ ist so eine, hier zu hören, in dem Titelsong des Albums. Es ist eine Form bereichernder Selbstironie, ein Defizit im Lebendigsein im Verlust der verlorenen Zeit zu markieren, und dieses dann mit sound & vision so elanvoll zurückzuholen! Chapeau, Mr. Morby.

 

Oder: ECM Double Talk (20) – Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet: „Witchi-Tai-To“ & „Dansere“


Einige Male habe ich Jan Garbarek live erlebt, aber das unvergesslichste Konzert war das in Münster, im Westfälischen Landesmuseum, Mitte der Siebziger Jahre. Es war die Zeit jenes Quartetts, das Jan Garbarek, Bobo Stenson, Palle Danielsson und Jon Christensen bildeten. Hockten wir da alle auf dem Boden im gut gefüllten Rund, oder sassen wir auf Stühlen? In der Erinnerung sehe ich mich auf dem Boden, neben mir zwei Kommilitonen, die ich aus Proseminaren der Germanistik kannte – einer erzählte vor Beginn des Auftritts von einem kleinen Roman, den er gerade schreibe (später hörte ich von seinem Suizid). Es war die Zeit florierender Kleinkinos, und man musste in Münster nicht weit gehen, um Leuchttafeln mit den Namen von Fellini-, Pasolini- und Godardfilmen zu sehen. Zu dem Zeitpunkt besass ich bereits alle frühen ECM-Platten mit Jan Garbarek, und erinnere mich just, wie auch die „Sounds“ damals einen längeren Text über den „kühnen Sound aus dem hohen Norden“ veröffentlichte (ich kaufte die Ausgabe in der Bahnhofstrasse auf Borkum um verschlang des Text im Gehen, auf dem Weg zu Meer). Ich war Feuer und Flamme für die Band, und endlich bekam ich sie live dargeboten. Auch das zweite Album der Gruppe war unlängst erschienen, „Dansere“, auf dem Jan die Quellen der eigenen Folklore anzapfte. Das Titelstück von „Dansere“ zählte von früh an zu den „set songs“ des Norwegers – die Frische, die Waghalsigkeit, die Unbekümmertheit, mit der das Quartett durch seines Kompositionen pflügte, riss uns zu manchem Begeisterungssturm hin. Es muss abends gewesen sein, und an solchen Veranstaltungsorten wohl Schatten vertreibendes Neonlicht herhalten, eigentlich eine ernüchternde Lichtkulisse, kein ideales Ambiente. Der Boden war hart, die Architektur funktionell, doch das scherte uns wenig. Hätte ich damals nur gewusst, wie man die Zeit anhalten, und sich ganz und gar einrichten kann in Jahren, die 1974, 1975 und 1976 heissen, und, statt stur linear voranzuschreiten, einen munteren Kreislauf zelebrieren, in denen wir an jedem Tag gewusst hätten: wir geben alles, wir fangen noch einmal an, wir proben heute eine andere Wirklichkeit, wir werfen Gras hoch. Ich wäre 1975 erst nach Kronach gereist, zum dortigen Auftritt von Keith Jarrett, ich wäre eine Woche später in Köln mit dabei gewesen. Es war eine Zeit fortlaufender Feuerwerke in der Musik, Funken und Glut für alle Tage. Es war eine Gegenwelt zum Fassbinder-Grau, und anderen Ernüchterungen. Die Verlangsamung der Zeit zumindest war realistisch, manches ECM-Adagio tat seinen Part dazu, auch Brian Eno sorgte bald dafür, dass wir uns, wenn wir den Dreh raushatten, auf Flughäfen in Zeitlupe bewegten. Meine Blicke folgten den singenden Bögen von Jan Garbarek. Alles war so neu, und hatte noch keine Patina angesetzt aus Erinnerung und gut abgelagertem Wissen: der Zauber der frühen Jahre. „Witchi-Tai-To“ lief endlos, endlos. Fast eine ganze Seite, zwanzig zeitlose Minuten, waren einer Komposition von Don Cherry vorbehalten, „Desireless“. Das Gras fliegt noch immer durch die Luft.

2022 8 März

Roman einer Sylter Jugend

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Zurück in die Achtziger. Westerland. Aber wir fangen heute, naja, in einer etwas weiter gefassten Gegenwart, an, in der Zeit der Lockdowns. Und dann wird eine Geschichte erzählt, die nicht verklärt, und doch bestens unterhält, die sich nicht der Mär überdrehter Inselromantik oder Inselkrimis und ihrer nett-biederen TV-Varianten andient, sondern einen feinkörnigen Sozialrealismus enthält. Das Coverfoto wird manchen Blindkauf beflügeln, und dann wundert sich der eine und andere Spezialist für Strandlektüren, dass es hier aber anders zur Sache geht als erwartet. Nicht so lustig. Aber durchweg fesselnd. Für meine Lieblingsmitarbeiterin der Kieler Landesregierung ein Muss, für manch andere Inselfreunde auch. Samstag dann im Samoa / Seepferdchen! Oder Nachtwandern am Watt. Und, übrigens, für mich rekordverdächtig, das Buch war in zwei Tagen verschlungen, zwei gute Bekannte auf der Insel waren wohl noch schneller.

 


 
 

Procida ist die Nachbarinsel von Capri. Sie wurde zur italienischen Kulturhauptstadt 2022 ausgewählt. Deswegen bin ich hier. Leider habe ich bisher noch keine Kultur entdeckt. Ich ging ins Rathaus, um nachzufragen. Kopfschütteln allerseits. Aber Elsa Morante, sie habe doch hier gelebt, wo eigentlich genau. Meine Frage war der Türöffner. Sie brachten Materialien, einen Stadtplan und markierten Elsa‘s Haus darauf. War Pasolini auch mal auf Procida, vielleicht bei ihr auf Besuch, sie waren ja Freunde. Si, si, no mai. Ist Pasolini noch interessant, frage ich den Kulturbeauftragten mit weißem Seidenschal. No, no. Aber ich habe im Tabakladen ein neu herausgegebenes Buch, eine Graphic Novel, über ihn gesehen. Si, no lo so, ma, ok. bene …

„Wer einmal sein Brot mit Tränen aß“ (ital. Accattone) ist mein meistgesehener Pasolini Film. Ich war damals von der Dichte der Realtätsbilder hingerissen. Pasolini hatte in einem Armenviertel von Rom mit Laiendarstellern gefilmt. Er wollte stets die Armut zum intellektuellen Thema erheben, nicht nur in seinen Filmen, auch in seinen Gedichten und Schriften (Freibeuter).

Wenn ich die vielen E-Fatbikes hier durch die engen Straßen fahren sehe, denke ich an seinen Angriff auf den Konsum, der nur zur Verblödung führe. Die beneidenswerten Besitzer einer Vespa haben sich ein Maradona-Konterfei auf ihr Schmuckstück geklebt. Pasolini war selbst aktiver Fußballer. Er trug die Nummer 11. Miroslav Klose trug die, und Timo Werner wird sie tragen. Für ihn war Fußball die einzige universelle Sprache. Ob Milo Rau auch Fußball spielt? Ich weiß es nicht. Ich würde Milo Rau als ebenbürtigen Nachfolger von Pier Paolo Pasolini durchgehen lassen. In seinem sehenswerten Film „Das Neue Evangelium“ lässt er einen Afrikaner den Jesus spielen. Einige der Schauspieler sind aus der Pasolini Crew entliehen. Die meisten Akteure sind jedoch Laiendarsteller. Das hätte Pasolini gefallen. Auch er stellte die unverbrauchten Gesichter vor die Kamera. Warum musste er so grausam sterben? Am 5.3. wäre er 100 Jahre alt geworden  

 

2022 7 März

Jan 75

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„On March, 4, Jan Garbarek turned 75. ECM’s decades-long collaboration with the great Norwegian saxophonist goes all the way back to his label debut Afric Pepperbird recorded in September 1970, with Terje Rypdal, Arild Andersen and Jon Christensen. An album now regarded as a classic, it set the stage for many highly influential records with Jan as a leader, co-leader and creative contributor.“

 

My twelve ten Jan Garbarek albums (their rankng order changing from year to year) are those I loved from the beginning, and neverheless they grew with time passing by, at least they never became the stuff of nostalgic rituals. Life‘s company. Lifers! Am I  lost, a bit, in the 70’s? Sorry, but I rely on my limitations. „Officium“, with the Hilliard Enselmbe, at this point of time, is no. 13, another five stars in the night sky. Here they are – and there are more, believe me -, and everybody has  different preferences:

 
 

1. Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet: Witchi-Tai-To

2. Jan Garbarek: Dansere

3. Jan Garbarek w/ Ralph Towner: Dis

4. Jan Garbarek: All Those Born With Wings

5. Jan Garbarek (as part of Keith Jarrett‘s Norwegian Quartet): Belonging

6. Keith Jarrett / Jan Garbarek: Luminessence

7. Jan Garbarek: It‘s OK to listen to the Gray Voice

8. Jan Garbarek / Egberto Gismonti / Charlie Haden: Carta de Amor

9. Jarrett / Garbarek / Danielsson / Christensen: Sleeper 

10. Jan Garbarek: Places

11. Jan Garbarek: Sart 

12. Jan Garbarek: Wayfarer 

 

 

Es gibt kaum randständigere Orte als Parkplätze, alles an ihnen ist auf das Vorübergehende eingestellt, das begrenzte Verweilen, fast unvergesslich ist es, wenn ein Parkplatz mal in einem Song auftaucht, wie bei Joni Mitchell. Diesen Parkplatz im Raum von Haria werde ich nie vergessen, und nichts hat sich dort zugetragen, was einen Song hergäbe, oder eine kurze Kurzgeschichte. Zwischendurch las ich dort einen Text über Joni Mitchells frühe Jahre, und wie ihr kurzzeitiger Lover Leonard Cohen eigentlich nie aus dem Bett raus wollte. Ein Foto der Zwei hatte den adretten Charme alter Urlaubsfotos. Ich klappte das Magazin zu. Es war einfach phänomenal, bei 33 Grad Celsius und einem trockenen Wind aus Afrika diesen wundervollen Niemandsort abends um acht Uhr auf sich wirken zu lassen, mit all den Geräuschen ringsum Jameos Del Agua, und noch eine Weile diese tropischen Sphären einzuatmen, bis eine Treppe ganz in der Nähe für das Publikum geöffnet wurde, für zwei Höhlenkonzerte mit Nils Petter Molvaer sowie Francois Couturier und Anja Lechner. Es war der Tag, als Lajla mir eine kurze Lektion über Stillleben erteilte, weil ich ihr ein Foto mit einem angebissenen Fisch aus dem „Restaurant der fünf Brüder“ als solches verkauft hatte.

 

 


Können Bücher zugleich witzig und spannend sein? Und zudem noch orginell? Eine Expertin für zeitgenössische Thriller-Kunst in der New York Times schreibt genau diese Eigenschaften Alex Seguras SECRET IDENTITY zu und bemerkt, das Buch funktioniere auf vielen Ebenen: „als Hommage an den klassischen Noir, als Liebesbrief an das New York der zwielichtigen 1970er Jahre und als eindringliches Tutorial über das Comic-Publishing jener Zeit.“ Im Mittelpunkt steht (soweit ich das verstanden habe) Martina, die Sekretärin des Chefs eines kaum überlebenden Comic-Verlages, die sich danach sehnt, ihre eigenen Comics zu schreiben. Leider ist ihr Chef ein chauvinistischer Tölpel. 
Aber das Glück ist ihr hold, als sie sich mit einem Kollegen zusammentut und dabei hilft, eine elektrisierende neue Serie mit einer grüblerischen Heldin namens Lynx zu produzieren. (Bonus: Einige der Seiten sind im Buch enthalten.) Aber dann wird der Kollege ermordet. Und niemand weiß, dass Martina den größten Teil der Geschichte geschrieben hat – ihr Name wird nicht als Autor erwähnt. Der Versuch, ihrer unbeständigen, unregelmässig verheirateten Freundin aus dem Weg zu gehen, beruflich Fuß zu fassen und den Mord an ihrem Kollegen aufzuklären, während sie der Polizei einen Schritt voraus ist, erweist sich als schwierig. Aber es gibt Entschädigungen, wie zum Beispiel eine wilde Nacht im CBGB’s mit einer elektrisierenden neuen Band, den Talking Heads. Das scheint doch nun wirklich ein Buch für einige Manafonisten und Leser dieses Blogs zu sein: wir kennen das ja schon, dass der eine und die andere hier Bücher veröffentlichen, aber selber Heldin eines Romans zu sein, ist schon ein starkes Stück. In fünf Jahren auf Netflix, vielleicht aber schon Mitte März in Ihrem Bücherschrank.

 

2022 5 März

Dimmed highlights

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So manches Licht ist, zugegeben, eher dunkel schimmernd in diesen Tagen. Der Pass, in sepiafarbenes noir getaucht, liefert gelungen eine Adaption der schwedisch-dänischen Serie Die Brücke, ist dabei aber in der Erzählung eigenständig. Die Serie spielt im Grenzgebiet von Deutschland zu Östereich. Grosseinstellungen einer fantastischen Bergwelt sind von erlesener Schönheit, für Bild-Ästheten und für Thriller-Fans eine grosse Freude. Nomadland ist ein ruhiger, berührender Film über das Leben, das Sterben, Begegnungen und Wanderschaft. Und das weite Land der Staaten. Succession, ich schrieb bereits darüber, ist meine absolute Nummer Eins, aus guten Gründen. Ein Aspekt mag die Kameraführung sein, die Interaktionen und Dialoge auf eine sehr intime Weise einfängt, als sei man mittendrin. Und wer guckt nicht gerne durchs Schlüsseloch der dekadenten Bourgeousie heimlich beim Leben zu? Mare of Easttown ist ebenfalls sehr sehenswert, mit Kate Winsley in einer ernsten Rolle als sozial kompetente Polizistin. Könnte der Kontrast hier grösser sein zu Anke Engelke? Die kommt sowas von frisch und witzig rüber in der achten Staffel ihrer Show und ist ein echter Ladykracher, verhilft dabei zu Lockerungsübungen in Sachen intelligente Heiterkeit. Nein, ganz ohne Humor geht es nicht, liebe Fernsehgemeinde! Vor einem Overload des Wissens schützen Huxleys Pforten der Wahrnehmung wie jenes Loblied auf den Typus des „Idioten“, das der von mir geschätzte Prosa-Dichter Botho Strauss in seinem Band Lichter des Toren präsentiert, in dem ich immer wieder gerne stöbere. „Klüger ist dümmer“, hier wird es klar. Schon Peter Sloterdijk bemerkte einst im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs, viele Geisteswelt-Akademiker hätten sich schon in jungen Jahren „zuschanden gelesen“. Trotz alledem sind Bücher Zufluchtsorte, die uns schützen können. Hinsichtlich des Desasters, das sich gerade abspielt, war die Zeit nun aber reif, um endlich auch Hintergründe zu erfahren: Krieg in Europa – Das Ukraine-Drama gibt einen Einblick in Geschichte und Entwicklung jenes Landes, das zerrissen scheint zwischen Ost und West. Die Dokumentation erzählt auch von den Menschen dort und ihrem kämpferischen Präsidenten, dem vormals polit-komödiantischen Hauptdarsteller einer erfolgreichen Fernsehserie, die manchem Oligarchen nicht gefallen haben dürfte. Wenn man bei all dem dann, um etwas Luft zu schnappen, eine kleine Runde dreht, kommt aus dem Nichts oftmals die Zeile eines gerne gehörten Liedes aus dem Unterbewussten emporgeschnellt. Was wäre an dieser Stelle angebrachter, als eine davon hier zu präsentieren, aus einem Song von James Taylor, mit dem man immer gerne „mitging“. So wie neulich gerade, als man spazierte und sinnierend sich fragend sang:

 

Moving in silent desperation,
Keeping an eye on the Holy Land
A hypothetical destination, say
Who is this walking man?


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