Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Just another day on earth. Nach 170 Kilometern auf der Autobahn blicke ich auf das Cover einer heiss erwarteten CD. Was mich da wohl in meinem „elektrischen Kerzenstudio“ erwartet? Das Cover kommt schon mal gut, und die lyrics sind surreal wie eh und je. Aber, was gab es schon alles für Enttäuschungen in diesem Jahr! Und immer noch keine offizielle Bestätigung, dass das Album des Jahres 2018 im Spätherbst auf den Markt kommen wird: die 50th anniversary edition of „THE WHITE ALBUM“. In einem Zustand fortgeschrittener Verzauberung lauschte ich neulich der Monofassung auf Vinyl, jener Seite mit „Why don‘t we do it on the road“. Ein eigentlich nicht ganz so grandioser Song der Beatles, der aber in den nahtlos ineinanderübergehenden  Liedern geradezu vollkommen wirkt. Ich dachte immer, ich sei stets vorne mit dabei, ich bin aber komplett retro. Ich legte die Nadel wieder auf die Einlaufrille, und die Sequenz begann erneut. Zweimal bekam ich pure Gänsehaut. Ian MacDonald schrieb einst ein Buch, in welchem er alle Beatles-Songs vorstellte: „Revolution In The Head“. Ich teile da gar nicht seine Verrisse einiger Lieder der Spätphase, in denen er Unreife und Regression witterte, und es am LSD-Konsum der Fab Four festmachte. Na, was soll‘s? Heute morgen bekam ich die Mail jenes Autoren, der hier zu Beginn der Weihnachtstage seinen Text „Alte Klamotten – ein kleiner Trip durch die Lyrik der 1970er Jahre“ (überarbeitet) präsentiert. Er bittet die Leser der von mir ausgewählten 12 Gedichte um angeregte Kommentare, die er noch teilweise einbauen möchte. Auf die eingangs angesprochene CD mit den herrlich gedeckten Farben auf dem Cover komme ich dann demnächst zu sprechen. Jetzt aber ist es Zeit für „Igel auf der Picknickdecke“, einen Artikel von Ulrich Hartmann, mit dem Unteritel „In Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und vor allem Axel Witsel verfügt Dortmund über ein Mittelfeld-Dreieck, das den BVB taktisch unberechenbar macht“. Sein Wort in das Ohr des Fussballgottes. Und gleich dann auf in die eigenen vier Wände. Die grüne Kerze anzünden. Und hoffen, dass die Silberscheibe so gut ist wie der Titel: „Songs You Make At Night“.

 

2018 27 Aug.

Borussia

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Es ist fast surreal, in Strobels‘ Biergarten live dem Fussballgeschehen zu folgen, das keine hundert Meter weiter live stattfindet. Die Laufwege dorthin sind mir seit meiner Kindheit und dem 2:2 des BVB gegen den HSV immer vertrauter geworden, der kurze Weg vom Max Planck-Gymnasium zum Stadion Rote Erde, später über die Brücke, an der Westfalenhalle vorbei, ins Westfalenstadion. Wie gestern,  beim 4:1 gegen Leipzig. Sicher gute fünfzig mal etwa war ich Teil der „gelben Wand“, oft sass ich auf der Haupt- oder Westtribüne, und Sternstunden ziehen in der Erinnerung genauso vorbei wie seltsam blasse, nachhalllose Spiele. Wieso etwa erinnere ich mich an ein müdes 0:0 gegen Braunschweig aus Asbach Uralt-Zeiten? Wenn man an mitunter rauschhaften Festen teilnimmt, als Fan, keine Frage, könnten ja all die erlebten Spiele zu einem vogelwild wuchernden Mix der extrem gemischten Gefühle werden, Zeitlinien sich kreuzen und auflösen – umso verblüffender, wie jener Grottenkick von neunzehnhundertwasweissich eine fast fotografische Spur hinterlässt. Weil. Ja, weil im Inneren sich mitunter eine geheime Welt öffnet, die kein Aufgehen in der Menge erlaubt, und von keiner Statistik erfasst wird.

 

 

 
 
 

I don‘t know if any Manafonista will write some lines and add a fourth or fifth album to our column of „albums of the month“, but the selection so far is a strong palette of energies ranging from the introspective to the ecstatic, zigzagging between these areas more than once. Arve Henriksen, The Necks, and bass player Barre Phillips! And, just to fastforward a little bit, Aby Vulliamy‘s album „Spin Cycle“ will be one of our October albums. 

I‘m quite scceptical about another great album to be released from our, or at least, my personal heroes. Till December 6th, the day of our 2018 retrospectives. Many albums that came along carrying high expectations, were disappointing. Even albums that were on my best of  2018 so far-list couldn‘t stand the test of (a very short span of) time. Jon Hopkins and Steve Tibbetts are still standing strong, but to be honest, in recent times, I do find more interesting stuff in the reissue-department. Ekuka Morris Sirikiti, for example. I didn‘t know him, too :) – old thumb piano recordings buried deep down in Africa.

Or Ivor Raymonde. Have a look into the archives of a nearly forgotten composer, the father of the Cocteau Twins‘ Simon Raymonde. His dad came from an era that had brought strings and reeds full circle to add to the magic of songs. Like young Bowie! He had lost his impact when the guitars took the front rows. (I wouldn‘t call it „my“ music, but it is that kind of old-fashioned stuff, I like to listen to from time to time, it really touches my „sentimental nerve“, so to speak. And I have a knack for artists named Ivor, like Ivor Cutler, the late magician of words, a friend of Robert Wyatt, and the bus driver from „The Magical Mystery Tour“.)

Patricia Hampl‘s book is pure meditation. You can read it slowly, and finish it with a feeling of deep enjoyment after about one or two years, I‘m sure about that. It‘s a book ideal for the bedside, long-distant flights, the restroom, the waiting rooms, and the beaches at the end of the world (Sylt, Blackpool, St. Jean-de-Luz). It‘s all about the cherishing of daydreaming, the wonders and joys of getting rid of time-killing agendas. The free zones of the mind are the basics for still getting surprised by oneself. One of the main figures is the champion of sharp words and short-cut truths, Michel de Montaigne.

„The Book of Hidden Things“ is one of the best novels, I‘ve  read in quite a time. Let‘s call it a book dealing with supernatural matters, and some will turn away immediately. On a deeper level, it is simply a book about, well, oh, come on, find out for yourself. It‘s thrilling, thought-provoking, with well-designed characters, and all located at another end of the world, in the deep south of Italy. (Besides everything else, it made me think of the best pizza I ever had, made by an Italian master cook in Brooklyn.) Such a cracker! And, funny enough, yesterday I got a present from an Italian guy, a fantastic red wine made and bottled in Salento. Felt like I was inside the book again.

Do you remember the first three seasons of „Die Brücke“ / „The Bridge“, with that female detective who‘s easily as outstanding as the protagonist of the Stig Larsson books? Now it all comes to final solutions, in the last season of one of the best editions of that „Scandi Noir“-genre. As far as I know there is no other BluRay edition like the one with original language and English sub-titles. A way to make your possibly favourite flawed heroine even more real – with her „real“ voice!

 

P.S. Was Thriller und Kriminalromane einsamer Klasse angeht, sollten Leser, die gute deutsche Übersetzungen bevorzugen, Keigo Higashinos im Tropen-Verlag erschienenen Roman „Unter der Mitternachtssonne“ ins Auge fassen, die englische Übersetzung gewann u.a. den „Mana Thrill Factory Prize 2018“. Ein unfassbarer Leserausch (mit dieser Meinung stehe ich nicht allein.)

 

 

Den klassischen Double-Take kennt man aus Stummfilmen, zum Beispiel bei Laurel and Hardy: ungerührt wird eine Aktion zur Kenntnis genommen, bis mit zeitlicher Verzögerung gestutzt wird, und der wahre Sachverhalt aufscheint. Wer unsere Double-Takes mit ECM-Platten kennt, wird natürlich nur eine minimale Reaktionszeit brauchen, um zu erkennen, dass Neil Youngs „Hitchhiker“ nicht zum ECM-Katalog zählt. Und doch haben diese beiden Schallplatten, die sich bei mir nie abnutzen, einiges geneinsam, man schaue nur auf die Umschattung der Coverfotografien.

Beide stammen aus den 70er Jahren, nur erschien Neil Youngs Soloperformance erst Jahrzehnte später – bei Jarrett stand „Facing You“ am Beginn vieler atemraubender Solodarbietungen. Im Studio waren aussser den Musikern jeweils nur zwei weitere Personen, Manfred Eicher und Jan Erik Kongshaug in Oslo, sowie  David Briggs und ein mit Neil befreundeter Schauspieler, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, an der West Coast.

Beide Tonaufzeichnungen sind überragend, und was die Ausstrahlung der Musik angeht, sind „intimacy“ und „intensity“ zwei reflexhaft auftauchende Wörter, die auch kurzem Nachdenken standhalten. Der gebürtige Kanadier hatte ein Heimspiel auf seiner Ranch, Haschisch war in dieser Nacht dabei, und, was weiss ich, sonst noch. Er betrauerte en passant das Ende einer grossen Liebe, und David Briggs scheint den Regler für die Gitarre ein wenig aufzudrehen, während Neil Young  an den Versen von „Give Me Strength“ entlangtaumelt, in sanfter Bedröhnung. Und doch waren seine Sinne geschärft.

Sicher hat Keith Jarrett während der Aufnahme einen eher klaren (oder, Zen-technisch, leeren) Kopf gehabt, egal, wohin die Musik ihn transportiert hat. Manfred Eicher könnte sicher einiges zu dieser magischen Dreiviertelstunde erzählen, den Stunden davor, dem Tag danach. Die eine oder andere Frau geistert, schaut man sich die Titel an, auch durch diese Platte, die in einer Doppel-Besprechung im Down Beat neben Paul Bleys „Open, To Love“ auftaucht: beide erhielten fünf Sterne, aber das wäre ein anderer „Double Take“.

 

 

 
 
 

In einem Zeitraum von zwanzig Jahren veröffentlichte das schottische Duo Boards of Canada vier  Alben, in denen die Brüder Mike Sandison und Mark Eoin eine eigene Klangsprache erfanden, gespeist aus zahlreichen Quellen. Tomorrow‘s Harvest war ihr bislang letztes Album: ein strengerer Ton als auf den Vorgängern – das Erinnerungsselige, Verspielte, Melodientrunkene nicht mehr in Hülle und Fülle auffindbar, eher Mangelware. Die Stärke der beiden Schotten war immerzu das Verwischen der Grenzen von Verzauberung und Verstörung. Von reinem Staunen und, mitunter gar nicht so sanftem, Erschrecken. 

Tomorrow‘s Harvest ist das dunkelste Album der Brüder Mike Sandison und Marc Eoin, dystopisch, dysphorisch – man setzt bewusst Elemente aufs Spiel, welche die Band 1998 so schwebend ins öffentliche Bewusstsein gehoben haben. Ihr erstes und berühmtesttes Werk ist Music Has The Right To Children. Löst man man sich von verführerischen  Oberflächen, ist es kaum weniger unheimlich als  Tomorrow‘s Harvest. Es ist voller Gespenster.

Durch den Gebrauch vorzugsweise beschädigter Instrumente, ungestimmter Synthesizer, Stimmfetzen, und eines mitunter verwaschenen Klangbildes, – wurde auf jenem Klassiker die Empfindungswelt, der Sound von Nostalgie zum Thema gemacht. Jene Sehnsucht nach einem Zuhause, das nicht länger existiert, oder niemals existiert hat.

Boards of Canada verweigerten sich den Moden der Electronica ihrer Zeit. Sie liebten eine unstete, schwankende, verwackelte Textur, die an Uralt-Filmspulen erinnerte, an verstaubte Magnetbänder, an abgelagertes Vinyl, alles anfällig für Verfall, Verzerrung – und Wiederentdeckung. Bei manchen Stücken von „Music has the right to children“ springen einen Erinnerungen geradezu an – jeder kennt gebleichte Fotosammlungen, die Zeitreisen des Anschauens alter Super-8-Filme der Kindheit – und all die gespeicherten Emotionen. Aber dieses Cover: die Gesichter der Menschen – Leerräume. Wie sahen die Augen aus dieser Gestalten, die uns, gefiltert in fahlem Grün, eben nicht anschauen? Horror. 

 
 

Weisst du noch, damals. 

Nein. 

Weisst du noch.

War es schön, es war doch schön, manchmal, oder.

Ja ja, auch. Aber.

Aber.

Es war auch … anders.

Unheimlich.

Unheimlich. 

Manchmal unheimlich glücklich.

 
 

In diesem Osillieren von Erinnerungsverlusten und Erinnerungsschüben steht immer alles immer auf der Kippe. Der Nachfolger heisst Geogaddi und verschärft den Ansatz der Brüder Sandison und Eoin: die Zahlenmystik wird mysteriöser, ein Art nicht lineares Zählen und Erzählen voller Bewusstseinslücken, „Life is a history pf holes“. Die akustischen Schnappschüsse noch verwaschener, Bruchstücke wahrer Empfindungen, wahrer Unheimlichkeiten. 

 

Ein Stück wie „1969“: Anspielungen an die Waco-Sekte, das Aufflammen satanistischer Kulte in den USA in einer Zeit, als die Welt voller Hoffung war. The Greening of America. Das anbrechende Wassermannzeitalter Der „Summer of Love“ erst zwei Jahre vorbei. Und man hört eine vollkommen naive Stimme vor sich hin summ-singen: „sun is shinging in 1959“, „sun is shining in 1969“. Zeit zerfliesst. In einem einzigen Leben begegnet man genug Dämonen. 

Geogaddi: jede sanft-schlurfende Melodie kann von einem Dunkelbeat aufgesogen werden. Boards Of Canada lassen die Freiheit: man kann sich gepflegt wegschiessen, feinster Eskapismus – und die Sinne schärfen. Oder beides zusammen. Die Schotten kreieren immense Projektonsflächen. Ein Betriebsgeheimnis: allen Empfindungen ihre leichte Beschreibbarkeit auszutreiben, die Reise ins Vorsprachliche. 

Und dann Opus Nummer Drei: The Campfire Headphase. Da kamen die Gitarren hinzu, und manche rümpften die Nase. Aber die Musik blieb reichhaltig. Die Gepenster gingen auch nicht verloren. Nur anfangs wirkt die Musik zu eingängig, als wollte man der Sammlung Klang gewordener Sonnenuntergänge in den North Western Highlands noch den vollkommensten hinzufügen. Aber schon bald tauchen sie wieder auf, die Risse, die Löcher in der Musik.

 


 
 
 

Im Lauf der Jahre geisterten durch meine Nachtsendungen ein paar, gern variierte Sätze, u.a. „Die Häuser der Kindheit müssen ihre Dämmerung behalten“, von Gaston Bachelard, und wenn ich von „Regressionen im Dienste des Ichs“ sprach, zitierte ich den Psychoanalytiker Georg Groddeck. Beides kommt bei mir in letzter Zeit zusammen, wenn ich mir so angucke, was ich mitunter für Platten auflege. Oder welche Lust ich manchmal auf alte Filme verspüre, jetzt ist gerade „Bullitt“ dran, genau, der Film mit Steve McQueen.

 

Es ist auch nicht typisch für mich, dass ich seit einiger Zeit ganz gerne bestimmte Platten auflege, die lange vor meiner Jazz-Entdeckungs-Zeit aufgenommen wurden. Vorzugsweise „Way Out West“, von Sonny Rollins, und „Midnight Blue“ von Kenny Burrell. Ich sehe keine Bilder beim Hören von Klängen, aber es fällt mir leicht, innere Filmsequenzen abzuspielen, wenn ich es will. Und genau das will ich zuweilen, wenn mir bewusst wird, dass diese Aufnahmen Zeit still stehen lassen, Zeit ablichten.

 

Ich schaue mir das Aufnahmedatum der beiden Platten an, und katalputiere mich in das jeweilige Studio. Von beiden Studios habe ich etliche Fotos, so dass ein beträchtlicher Realismus garantiert ist. Ich sehe die Musiker vor mir, sie trinken Bier, reden miteinander (ich schnappe einzelne Sätze auf), in der Regel gehe ich vor die Tür, und wenn ich weiss, wann die Session beginnt, suche ich mir eine Bar in der Nähe. In einem Fall ist es 1957, überlegen Sie mal! Wir sind zehn Jahre vom „summer of love“ entfernt, die Bars und Skylines erinnern mich an all die Filme, die ich aus jener Zeit kenne, „black and white and beautiful“. Einmal hätte ich fast Ray Barrettos ersten Auftritt an den Congas verpasst, als ich in der „Upper River Bar“ einen Whisky zuviel trinke, und eine Lady mir etwas von ihrer Kindheit in Georgia erzählt.

 

Meine Lieblingsplatte von Joe Henderson kam erst sehr viel später raus, die mit den „Elements“, sowie Alice Coltrane und Charlie Haden. Aber den Saxofonisten bei Burrells Sessions hautnah zu erleben (nicht auf  youtube-Filmchen), und seine stoische Präsenz auf mich wirken zu lassen, ich sass neben dem Mischpult und war natürlich für alle Anwesenden unsichtbar, dies ist ja keine Hokuspokus-Geschichte – my gosh, unbelievable! (Sie ahnen schon, welche Optionen man hier in einem luziden Traum hat?!)

 

Die abgekürzte Form dieser Zeitreise geht so, dass ich, während die jeweilige Schallplatte läuft, ins Studio springe, einmal tief durchatme und dann auf einem Holzhocker lausche, lausche, lausche. Ich habe enorme Freude daran, dem Mienenspiel der Beteiligten zu folgen, und jeder, der diese, auch hervorragend aufgenommene, Musik hört, wird bestätigen, was ich sehe: „all cats are in the mode and mood  of deep relaxation – and time is on their side“. Natürlich ist für mich als Zeitenspringer selbige auch auf meiner Seite, obwohl das ein zweischneidiges Schwert ist, Teil purer Illusionskunst: eine klassische Regression im Dienste des Ichs. Und, keine Frage, die Räume der Studios müssen ihre Dämmerung behalten.

 

Und jetzt also „Bullitt“, die alten Autos, eine frühe Version von Coolness auf der grossen Leinwand, und der Soundtrack von „Bullitt“, hernach auf dem Plattenteller. Das remasterte Vinyl als Zeitmaschine. Eine Aufnahme aus dem Jahre 1968. „This new reissue by Speakers Corner received a first-class remastering from Kevin Gray, and it has earned a permanent slot in my slim soundtrack collection. Steve McQueen’s „missing“ Mustang, not seen in decades, was recently unveiled at the Detroit Auto Show and put up for auction. Few of us can spare the millions needed to buy such a treasure, but for chump change you can get a lot of the Bullitt mileage each time you replay this splendid reissue.“ (Dennis Davis, The AudioBeat)

 

In einer sagenhaften Ansammlung an unglücklichen Erlebnissen, einer Pechsträhne ohnegleichen, brachte ich schon den vemeintlich bösen Blick ins Spiel, den mir eine seltsame Tusse mit Hut auf einem Schamanenseminar zuwarf, hasserfüllt in meinen Augen, aber ich war high von der weichen Schwester von Awayasca, und wendete den Blick ab, statt aufzustehen, und die Tante eiskalt zu konfrontieren, so dass ihr Scheiss bei ihr bliebe. Mittlerweile hängt ein Mittel gegen den bösen Blick über dem Türeingang, ein Mistelzweig. Magisches Denken ist zuweilen hilfreich,  besonders, wenn es sich zwischen Ritual und Selbstironie bewegt. Mein geschätzter Kollege Oliver Burkeman schreibt Texte, denen man reflexhaft das Etikett „self help instruction stories“ anheften könnte. Ah, wieder so einer, der daher kommt, und einem mal kurz mitteilt, dass die Trauben gar nicht so hoch hängen. Nun, Oliver schreibt tatsächlich „self help intruction stories“, und sie sind richtig gut (wie der folgende). Es sind,  besser gesagt, kleine Essays, die das Denken in Bewegung bringen, und aus dem Kopf rausholen. Übrigens, die Trauben hängen tatsächlich nicht so hoch. (m.e.)

 

„What with positive emotions being, shall we say, thin on the ground these days – in public life, anyway – I was pleased to encounter this wise insight into how to generate more of them, courtesy of the German-born Buddhist nun Ayya Khema: 

“We may believe that it’s the quality of the sunset that gives us such pleasure, but in fact it is the quality of our own immersion in the sunset that brings the delight.” 

That seems like a technical distinction and, to be fair, Buddhist teachers do love making technical distinctions. But this isn’t one. It’s a crucial point about human happiness that might make us all more cheerful if we grasped it.

To begin with the basics: most of us, most of the time, act as if it’s external circumstances that make us happy. That’s plainly true in the case of the deluded materialist who thinks earning millions will bring lasting joy. But it’s no less true of the discerning soul who seeks happiness in family, or nature, or improving the world: they’re all still external circumstances. 

Buddhism, a more radical creed than it’s often given credit for, rejects that, arguing that happiness comes not from what you’re experiencing, but from how deeply or mindfully you’re absorbed in that experience. It’s definitely easier to get absorbed in a “nice” experience like a sunset than, say, battling with a supermarket self-checkout machine. But ultimately it’s the quality of your experiencing that counts. That’s why, in the states of extreme concentration known as “jhanas”, Buddhist meditators can reach heights of rapture by focusing on something as boring as the breath.

Having misunderstood the source of positive emotions, we naturally then bungle how we respond to them: we try to get more of the external thing we believe is causing our happiness, or fear we’re going to lose it – both of which are recipes for misery. As the meditation teacher Allen Weiss wrote in the Buddhist magazine Lion’s Roar: “What we don’t do, but should do, is to put our attention directly on the subjective feeling of the emotion that has arisen.” Focus on the feeling, not the sunset. It’s a curious truth that when you gently pay attention to negative emotions, they tend to dissipate – but positive ones expand.

And just to be clear: this isn’t positive thinking, which entails convincing yourself your external circumstances are, or soon will be, better than they are, or “deciding” you’re going to feel happy. Instead, it means paying attention to positive emotions that already exist. And in virtually any life, however beleaguered, they do exist. Maybe it’s the tiny whisper of pleasure at stepping into the shower, sipping a cup of tea, or feeling the breeze on your skin. See if you can focus on the emotion – the pleasure, not the shower or the tea – for at least 20 seconds, Weiss advises. You should find it grows.

I anticipate the usual objection: if everyone grew permanently blissed-out about showers and tea, would nothing get done? Would people stop fighting injustice? The answer, to paraphrase the author Robert Wright, is: maybe! But look around. We’re a long way from needing to worry about that yet.“  (Oliver Burkeman, The Guardian)

 

 

 

 

 

Über ein paar Jahre hinweg fieberte ich jedem neuen Lyrikband von Jürgen Becker entgegen. Er erzählt mir die Dinge aus dem Alltag der BRD, unverbraucht von Bildungsdeutsch. Wie eine Vaterfigur, der einen Kosmos-Baukasten der Lyrik öffnet. So erfuhr ich auch, wie der Krieg sich noch einnistete an den Randzonen des Bewusstseins, in altem Geld und Finsterkatholizismus. Manchmal war das eine Art Geschichtsunterricht, der den Blick klärte und leerräumte. In reine Gegenwart wandelte. Wie der Sound der Rillen beim Auflegen einer ECM-Platte, in den frühen Zeiten, vor dem ersten Ton. 

 

Wo nicht viel geschwärmt wird, ist das Schweben leichter – man wird von keinem verschraubten Lehrton gegängelt. Und da war noch etwas anderes: in seinen Gedichten konnte ich seltsam ruhig werden, den Atem anhalten, und das Atmen nicht vergessen. An den entlegendsten Küsten der Nordsee, kilometerweit von Hunde- und FKK-Stränden entfernt, mit einem Eric Ambler in der Fahrradtasche, selbst da ging mir noch manches Echo seiner Zeilen durch die Sinne. Das Hinterland mochte ich von früh an. Gerne hohe Wellen, gerne wildes Grau. Der Name der Sehnsucht hatte vorzugsweise einem weiblichen Vornamen. Die Blonde auf dem Foto, wie sie mir eine Reval in den Mund schob. Erinnerungen, Verluste. Wie bei Boards of Canada. Meine Empfehlung: „The Campfire Headspace“ hören, und dabei einen alten Gedichtband von Jürgen Becker rausholen.

 

 

It‘s a running game of our enthusiasm to call out, once in a while, another contender for the album of the year, or at least, „wow, that will be among my top ten of 2018“, remember, Gregory? So, we really have already had our hours of drifting away or being totally absorbed, between sharply formed fire machines like David Torn‘s sharing company with Guitarreros from Switzerland, or Jon Hassell‘s vertical studies in sound. The best song albums of the year, for me, come from women I had never before heard singing.  But here comes a valuable addition to, well, a hot contender for another peak experience of its kind: his best album since the days of Chiaroscuro and Cartography. And very different from those ones. THE HEIGHT OF THE REEDS. By Mr. Arve Henriksen. And Eivind Aarset. And Jan Bang. And Jez Riley French. And the chorus and orchestra of opera north, conducted by Justin Doyle. Better order it at the website of Rune Grammofon now. Oh, god, it‘s so great. I will miss the Punkt festival this year. Hope they will sell it there in big numbers. It‘s a stunner. One of our albums of September. I better shut my mouth now. This is a cliffhanger.

 


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