Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2018 16 Aug

Eine Zeitlang wohnte ich in den Gedichten von Jürgen Becker.

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Comments off

 

 

 

 

Über ein paar Jahre hinweg, in den Siebzigern, wann sonst, fieberte ich jedem neuen Lyrikband von Jürgen Becker entgegen. Er erzählt mir die Dinge aus dem Alltag der BRD, unverbraucht von Bildungsdeutsch. Wie eine Vaterfigur, der einen Kosmos-Baukasten der Lyrik öffnet. So erfuhr ich auch, wie der Krieg sich noch einnistete an den Randzonen des Bewusstseins, in altem Geld und Finsterkatholizismus. Manchmal war das eine Art Geschichtsunterricht, der den Blick klärte und leerräumte. In reine Gegenwart wandelte. Wie der Sound der Rillen beim Auflegen einer ECM-Platte, in den frühen Zeiten, vor dem ersten Ton. 

 

Wo nicht viel geschwärmt wird, ist das Schweben leichter – man wird von keinem verschraubten Lehrton gegängelt. Und da war noch etwas anderes: in seinen Gedichten konnte ich seltsam ruhig werden, den Atem anhalten, und das Atmen nicht vergessen. An den entlegendsten Küsten der Nordsee, kilometerweit von Hunde- und FKK-Stränden entfernt, mit einem Eric Ambler in der Fahrradtasche, selbst da ging mir noch manches Echo seiner Zeilen durch die Sinne. Das Hinterland mochte ich von früh an. Gerne hohe Wellen, gerne wildes Grau. Der Name der Sehnsucht hatte vorzugsweise einem weiblichen Vornamen. Die Blonde auf dem Foto, wie sie mir eine Reval in den Mund schob. Erinnerungen, Verluste. Wie bei Boards of Canada. Meine Empfehlung: „The Campfire Headspace“ hören, und dabei einen alten Gedichtband von Jürgen Becker rausholen.

 

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