Manafonistas

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Archives: November 2022

2022 16 Nov.

Crimson at 50

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„Es handelt sich weniger um eine Geschichte des Avant-Prog-Haudegens als vielmehr um eine Darstellung der erweiterten Band von King Crimsons in ihren letzten Jahren, mit Porträts der wichtigsten Akteure im Laufe der Zeit. Es geht auch um das Geheimnis von Robert Fripp und seine unerbittliche Hingabe an Disziplin und Technik. Es ist ironisch und aufschlussreich, nicht zuletzt, wenn es um die Fans geht.“

 

Soweit Uncut vom Januar 2023, und jetzt ich: bei allem vornehmlich britischen Humor („sophisticated til black“) zeigt sich hinter mancher Fassade des Unerbittlichen und Sarkastischen auch eine sanfte Seite des Bandleaders, neben der durchaus zu erwartenden Verletzlichkeit.

Zum Ende des Dokumentarfilms (danke, Ingo!)  von Toby Amies, die nun in Kürze als Doppel-Bluray-Dvd (Stereo und Surround, englisch ohne Untertitel) vorliegt, gibt es Passagen, die wahlweise erschütternd, tief philosophisch, sehr, sehr privat sind (bei vollem Schutz der Integrität der Protagonisten).

Für jeden, dem die Musik dieser um den Planeten Fripp kreisenden Band in der einen oder andere Verkörperung von King Crimson sehr, sehr naheging, einfach „nur“ bereichernd war, existenziell, oder lebensbegleitend, ist diese Dokumentation ein tiefer Einblick in manche Betriebsgeheimnisse einer Band, der mit viel Chaos, Konflikten, Verletzungen (aber auch Versöhnungen) einherging – eine ganz und gar aussergewöhnliche Veranstaltung, bei der es wohl nur selten beim einmaligen Sehen bleiben wird. Nichts Zusammengestoppeltes, vielmehr eine exzellent komponierte Dokumentation. Flow-Faktor 10. Mehr dazu demnächst.

 

🎩🎩🎩🎩🎩

 

2022 16 Nov.

Zum Lohnabstandsgebot

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Hinsichtlich der Debatte um das neue Bürgergeld habe ich ein Problem. Einig sind sich alle Parteien, dass die Erhöhung des Regelsatzes von fünfzig Euro im Monat okay ist, ist er doch de facto gerade mal ein Inflationsausgleich. Dann aber wird von den konservativen Parteien und Journalisten ständig vom Lohnabstand geredet, der angesichts der Höhe der Sozialleistungen Arbeit unattraktiv mache. Erkennen sie die etwas schräge Melodie, verehrter Leser? Welche Konsequenz hätte denn eine Erweiterung des Lohnabstands? Ganz nüchtern und mathematisch betrachtet bleiben zwei Möglichkeiten: entweder das Existenzminimum zu drücken oder den Mindestlohn zu erhöhen. Diese Grundrechenart scheint aber in die polemische Bierdeckeldenke eines Herrn Merz und seiner geistigen Mitstreiter, in der ich übrigens grosse Schnittmengen zur AfD sehe, nicht hinein zu passen. Wer war denn gegen die Erhöhung des Mindestlohns? Bleibt also noch die Möglichkeit, den Regelsatz noch weiter unter das Existenzminimum zu senken, als er eh schon ist. Ein zweiter Punkt ist das Menschenbild herrschender Klassen, das sich aus meiner Sicht eines limitierten historischen Wissens seit den Feudalgesellschaften über die Industrialisierungs-Epoche bis zur heutigen Digitalgesellschaft treu geblieben ist: den Arbeitsbegriff als Disziplinarmassnahme im Dienste der Ausbeutung, zur Schaffung des Mehrwerts, zum Wohle und Machterhalt des Kapitals zu missbrauchen. Zudem fragt sich ein schlichtes Gemüt wie meines, ob denn das Lohnabstandsgebot auch zwischen einem Arbeiter, und sei es ein Zahnarzt aus der Mittelschicht, und den wirklich Reichen gilt. Ist der Lohn- und Besitzabstand hier angemessen? Blackrock sucks! Ein Top-Manager kann doch über Lohnabstand nur lachen. Der geht hier Hand in Hand mit einem Fussballprofi. Hinzu kommt, dass permanent Scheindebatten geführt werden, die vom wahren Kernproblem ablenken: wie wir angesichts der Klimakrise das Ende des Kapitalismus bewerkstelligen. Da bleibt dann für die Philosophie eines Herrn Merz recht wenig Platz.

 

2022 16 Nov.

Aus einem Interview der NYT

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Interviewer: Along those lines, there’s beauty in FOREVERANDEVERNOMORE, but it’s also deeply sad. Is that an accurate reflection of how you’re feeling about the world?

 

Brian Eno: For me, some of the music is very blissful. The last track is an idea of a kind of future that I would like. Also the track called “We Let It In” is not pessimistic. There is a threat built into it — that low barking sound — but that’s because I can’t conceive of a future where there isn’t a threat. I think we’re in for a hard ride for maybe half a century. Then it will either be the end of civilization or a reborn humanity with a different set of ideas about who we are and where we belong and how we must relate to things in order to survive. So I see a pessimistic short-term future. Not short-term for the person who’s living it but short-term in the history of civilization. Then I see this point at which we either really fail or we start to succeed. I think the succeed side has a very good chance because of the amount of human intelligence at work. There has never been more intelligence on the planet than there is now. Not only because there’s more brains than ever but there are also more augmentations of brains. There are more connections among all these brains. We’re in a sort of intelligence explosion. I hope. It doesn’t always seem like it. No, it certainly doesn’t. [Laughs.]

 

2022 16 Nov.

Life of Leaves / 1549

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(c)FoBo_
 

2022 16 Nov.

and I ride and I ride

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In einem Hörspiel, das sicherlich irgendwann gesendet wird, bittet eine Frau in den Dreißigern, der einzig verbleibende Mensch in einem Raumschiff, einen Roboter darum, ihr den Song The Passenger von Iggy Pop vorzuspielen. Den Hype um den Song im Jahr 1977 habe ich leider nicht mitbekommen. Ich höre das Lied also zum ersten Mal. Das offizielle Video ist akustisch ein Energiebooster und optisch eine sich immerzu verwandende Collage mit film noir Elementen und einer Verwirrung der Sehschärfe. Iggy Pop wurde durch ein Gedicht von Jim Morrison inspiriert. „Modern life is a journey by car. The Passengers change terribly in their reeking seats, or roam from car to car, subject to unceasing transformation. Inevitable progress is made toward the beginning […], as we slice through cities, whose ripped backsides present a moving picture of windows, signs, streets, buildings.”

 

 


 
 
 

The music documentary MUSIC FOR BLACK PIGEONS is a a truly astonishing and moving cinematic WONDERWORK of high musical sensibility fully captivating all senses 90 minutes long until the last scene! A deep work evoking many smiles, also laughter, fun and giving touching insight in processes of music making! 

 

I saw the screening yesterday night at the International Documentary Festival Amsterdam (IDFA) in impressing cinemascope format … it’s hard to let the exciting experiences sink to the back- or underground of my mind. I will definitely go for a second screening.

 

It is a masterly rhythmically cut documentary and thereby effortlessly criss-crossing drawing lines between musical lifes. It’s significant and touching even when you are not familiar with some of the persons. It’s a docu about living for music, with music, and by music.

 

Congratulations to Jørgen Leth, Andreas Koefoed and Adam Nielsen who worked on and filmed for this magical opus during 14 years documenting musicians working with guitarist Jakob Bro under diverse circumstances: Lee Konitz, Paul Motian, Bill Frisell, Thomas Morgan, Jon Christensen, Palle Mikkelborg, Joe Lovano, AC, Joey Baron, Craig Taborn, Jorge Rossy, Andrew Cyrille, Mark Turner, Larry Grenadier, Midori Takada, Arve Henriksen, Tomasz Stanko, Manfred Eicher.

 

At moments the pictures were like a fairy tale and it IS a fairy tale. But also very real and thus firing our phantasy (and becoming more real).

 
 


 

 

 

Ein grandioser Film, ein erstklassiger Thriller, eine herausragende Story. Wieviele Oscars hat er bekommen? Keinen. Wieviele Lobeshymnen? Sehr wenige. Wieviele Verrisse? So einige. Das ist ein Kinofilm (man kann ihn bei amazon prime erleben), der für mein Empfinden völlig unterschätzt wird. Criminally underrated, so to speak. Der Soundtrack: exzellent. Die Kamerafahrten: dezent und atemraubend. Aber hier wird es, unter Manas, auch kein Konsensfilm. Egal, der eine oder andere Leser wird meine Begeisterung verstehen. Alles, was an „Seven“ nicht gut war, gelingt diesem Film über die Jagd nach einem Serienkiller. Die bessere Story als jener „Kultfilm“ hat er sowieso. Für mich einer der besten Noir-Streifen der letzten Jahre, so gut wie „Zodiac“ (2007), mit einem, muss man es betonen, herausragenden Denzel Washington. Selten passiert in einem Film dieses Genres so wenig, an den Oberflächen, was „action“ betrifft, oder „twists & turns“, und geht dabei so verdammt tief, mit fast unerträglicher Spannung. Keine einzige verschenkte Sekunde – ein kleines Meisterstück. Und was grosse Thrillerkunst angeht, empfehle ich im gleichen Atemzug „The Good Nurse“ auf Netflix.

 

🎩🎩🎩🎩1/2

A definite highlight of Jazzfest Berlin 2022, memorable and steeped in history: the concert of PETER BRÖTZMANN w HAMID DRAKE (dr) and MAJID BEKKAS (guimbri). Brötzmann’s playing was highly economic and expressive at its best (he played all his instruments). With the capacities that are left to him as an octogenarian it became an extraordinary strong statement, a truly master set and strong legacy with an emphatic imperative for passionate, uncompromising, impacting expression: very personal but reaching much much further than that – a testimony that has not lost its thorns!

 

It was a gift that both sides found together, the festival and Brötzmann, met each other IN the festival and reinforced each other. What made it special and outstanding: the three main lines of the festival, (historical) Freejazz, Folk Traditions and Chicago, came together here in such a strong way. The basis of that musical meeting was deep spiritual trust and the result here was – to use a Dutch expression – bloedmooi, bloody beautiful and wild. You have the future when you have the past.

 

It is food for thought, how these three energy poles, African, European and Afro-American fused. Hamid Drake, the epic-rhythmic narrator, brightened up the deeper ground of that bond and made clear the deep trace and glowing fire Brötz left in the field.

 
 


 
 

 
(c)FoBo_

 

 

Das ist so ein Lyrikband, der für mich zu den unvergesslichen zählt. Gedichte, die Matthew Sweeney in dem knappen Jahr geschrieben hat, das ihm zwischen der Diagnose einer tödlichen Krankheit und seinem Tod blieb. Alles kommt vor: die Bedrohung, die Verunsicherung, die Angst, der Tod. Letzterer ist das „dunkle Zentrum“ um das die Eulen und andere Vögel kreisen.

 

 

 

Und oft kommen die Gedichte wie short stories daher, mit einer geballten Ladung Storytelling und raben-, ich darf kalauern, eulenschwarzem Humor. Und letzterer kompensiert im flow der Bilder für den fehlenden Trost eines versöhnlichen Jenseits. Parallel lesenswert: Oliver Burkemans „4000 Wochen – das Leben ist zu kurz für Zeitmanagament“. Ein psychologisch wie philosophisch fundiertes Buch über unseren Umgang mit der Zeit, und wie man selbst ein paar Schalter umlegen kann.

2022 15 Nov.

Carpe Diem

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