Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: November 2022

 
 

Damals in Unna, 1973 (oder war es schon 1974), sah ich (mit Ulrike U. und „Marokko“ an meiner Seite) in einer Musik-Aula mein erstes Konzert einer ECM-Band, das Gary Burton Quartet mit Mick Goodrick an der Gitarre. Die dazu gehörige Platte: „The New Quartet“. In jenen Siebziger Jahren (einem der aufregendsten Musikjahrzehnte aller Zeiten, da konnte selbst Perotin im 12. Jahrhundert nicht mithalten), gewiss seit Jan Garbareks „Sart“, ein Jäger nahezu jeder Neuerscheinung des Labels, das seine erste langjährige Geschäftsstelle (und ein Plattengeschäft) in der Gleichmannstrasse 10 in Pasing hatte (daher auch der Titel des abgebildeten Albums), war das natürlich ein besonderes Erlebnis: die flirrende Musik des Vibraphonisten live zu erleben, und diesen ganz und gar verblüffenden Gitarristen an seiner Seite, der sich nie anstrengen musste, Burtons Tonkaskaden spannende Texturen an die Seite zu stellen, die so geschichtsbewusst wie modern daherkamen. Man höre sich nur die fabelhafte Session von „In Pas(s)ing“ an, aus dem Jahre 1978, mit John Surman, Eddie Gomez, und Jack DeJohnette.  Mick Goodrick lebte von 1945 bis 2022. Übrigens, sie spielten in Unna eines meiner Lieblingsstücke von Carla Bley: „Olhos de Gato“. Es sind zuweilen die kleine Dinge, die man nie vergisst.

 

 

In diesem Jahr habe ich mir deutlich mehr alte Schallplatten gekauft als neue Veröffentlichungen oder Wiederveröffentlichungen. Ich war ein bisschen auf Ebay, viel in Fachgeschäften unterwegs. Besonders reichlich war die Ausbeute an ECM Alben, von denen ich „nur“ 4 in die Liste unten gepackt habe; ein Zufall des Moments, es hätten auch mehr sein können. Das schöne ist (von der Qualität der Musik ganz zu schweigen), dass die Vorbesitzer oft sehr pfleglich mit ihren Platten umgegangen sind und man immer wieder ein Schnäppchen machen kann. Making Music habe ich zum Beispiel Anfang des Jahres für €35,- stehen gelassen, vor vier Wochen habe ich sie dann für €13,- bekommen. 

Kaum Geheimtips auf dieser Liste, vieles ist sehr offensichtlich. Den meisten Alben würde ich 10/10 Pitchfork Punkten geben.

 

    1. Ella Fitzgerald & Louis Armstrong Ella & Louis / Ella & Louis Again 

Einzelne Lieder hörte ich als Kind von Kassette auf langen Autofahrten, dann liefen die von einer gebrannten CD wieder, als ich gerade Vater geworden war und jetzt von Schallplatte. Wunderbare Lieder, wunderbare Interpretationen. 

    1. Bill Evans Inner Spirit

As good as it gets.

    1. King Sunny Adé Juju Music

Die jüngste Neuerwerbung. Schimmernde, flirrende Soundscapes, sehr mitreißend.

    1. The Impressions The Young Mods‘ Forgotten Story

Curtis Mayfield mag ich sehr gerne, diese Stimme, schwärm. Von seinen Aufnahmen mit den Impressions kannte ich bisher nur People Get Ready. Ein Fehler. 

    1. Pat Metheny Bright Size Life

Power Trio. Bright Size Life indeed.

    1. The Rolling Stones Sticky Fingers

Hatte ich mit 16 ein paar Mal gehört, seitdem nicht mehr. Was für tolle Songs, was für ein tolles Album! Vor allem (aber nicht nur) Can‘t You Hear Me Knocking. 

    1. Nana Vasoncelos Saudades

Archaisch.

    1. Wonderful Alex Konadu’s Band Odo Ma Yenka Ntam

Lief in einem Plattenladen und hat meinen Kopf zum Nicken gebracht. Als ich das Cover sah war mir klar, dass ich dieses Album wohl nie wieder sehen würde. Ich habe den Kauf nicht bereut. Summer Breeze.

    1. John Clark Faces

Auf ruhigen Pfaden durchs Hinterland.

    1. Talking Heads Remain In Light

Ich hatte das Album nie verstanden und immer unterschätzt. Jetzt nicht mehr.

    1. Kenny Burrell Midnight Blue

In diesem Jahr habe ich – angesteckt von Herrn 45RPM – einige Blue Note Platten (wieder-) entdeckt. Midnight Blue ist besonders schön.

    1. Zakir Hussain Making Music

Zwar nicht mehr als die Summe der einzelnen Teile, aber das ist bei diesen Musikern schon ganz schön viel.

 

2022 20 Nov.

Im Rausch der Sonaten

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Mozart auf Mozarts Hammerflügel gespielt: Nichts für schwache Ohren – aber Aufklärung kann auch schön sein.

Christine Lemke-Matwey, Die Zeit

 

Wie beim Studieren einer Schatzkarte, funkeln endlos die Details, und tiefer und tiefer gerät man, auf Mozarts uraltem, erstaunlich erhaltenen und restaurierten Flügel, in ferne Landschaften – fündig wird man überall, im Rausch der Sonaten.

Michael Engelbrecht, Manafonistas

 

2022 19 Nov.

Hannah Arendt lag falsch!

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In meinem Post über den Dschihadismus hat Micha als Schlusscomment Hanna Arendt zitiert: Das Böse ist banal. Leider war ich da gerade vom Netz abgeschnitten und konnte es nicht lesen bzw rechtzeitig beantworten. Also auf ein Neues!

Ich denke – bzw erfahre täglich das „Böse“ , nennen wir’s mal ruhig weiter so, es kann sich ja jeder was darunter vorstellen, das in seiner Entstehung, Weiterentwicklung und seinem vollständigen „Erblühen“ ein sehr komplexer Vorgang ist. Arendt erlebte einen geistesschlichten Eichmann – er hatte keinen Schul- oder Berufsabschluss vorzuweisen – während des Prozesses und seiner Aburteilung in Israel. Sie hielt das Böse ebenfalls für schlicht, eindimensional, undifferenziert-monolithisch; sollte einer Philosophin eigentlich nicht passieren, wobei sie diese Bezeichnung für sich lebenslang ablehnte. Zumal das Böse keine Entität ist, sondern ein Prozess – etwas bildet sich, differenziert sich und fliesst in Gefühle, Gedanken, schliesslich in Handlungen ein und trifft schliesslich den jeweils anderen. Allein das ist schon ein komplexer, sich verzweigender Verlauf, eine Form der Kontaminierung des menschlichen Seelenorganismus.

Daher fiel mir dieser Film ein, der die Dynamik des „Bösen“ gut abbildet und durchdekliniert, und hier zeigt sich schon der Facettenreichtum des Phänomens: tragisch vor allem, weil der Protagonist das Böse bei sich als ich-dyston empfindet – er will nicht böse sein, er wäre gern anders. Das Böse überwältigt ihn aber ebenso, wie er seine Opfer überwältigt. Das unterscheidet ihn schon mal von Eichmann, er war ich-synton mit seinen Handlungen und damit in toto identifiziert. Da gab es sicher keine schmerzhaften innerseelischen Spannungen durch ein Gewissen, das seine Arbeit brav erledigt und Druck auf das Ich ausübt, anders sein zu müssen. Auch unmittelbar vor seinem Tod bekannte sich Eichmann noch zum Nationalsozialismus und seinen Idealen.

Der Film heisst „Der freie Wille“, der Titel also schon eine Ironisierung – hier gibt es keinen freien Willen. Theo ist ein krimineller junger Mann, verurteilt wegen Körperverletzung und Vergewaltigung, er hat nicht gelernt seine Impulse zu kontrollieren, Sexualität kann nur auf aggressive Weise gelebt werden, verbindet sich nicht mit liebevollen, zärtlichen Gefühlen oder lässt die gewalttätigen Wünsche zumindest in spielerischen Ritualen erfüllt werden. Liebevolle Affekte sind bei ihm schwach ausgeprägt oder überhaupt nicht vorhanden und vom Triebleben abgetrennt, Befriedigung und Erleichterung findet er nur in Gewalthandlungen.

Der Film findet einen ungeschönten Einstieg mit der Vergewaltigung eines jungen Mädchens, das Theo auch noch an den Händen gefesselt und ihm die Augen verbunden hat, so dass sie nach dem Akt völlig hilflos nackt durch die Gegend taumelt und eine Böschung hinabstürzt. Theo blickt ihr nach und plötzlich – eine leise Regung von Mitleid – läuft er ihr hinterher, zerschneidet die Handfesseln und flüchtet. Ein bisschen Hoffnung keimt im Zuschauer, ein plötzlicher Bruch in der Brutalität, eine Verwerfung in der Psyche.

 

 

 

 

Theo lebt in einer therapeutischen WG, hat eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Bewährungshelfer. Er lernt Nettie kennen, ein von seinem Vater psychisch und vielleicht auch physisch ausgebeutetes Mädchen, zwei beschädigte Menschen. Er arrangiert für sie ein Date in einer Kirche, in der eine Sopranistin das Ave Maria singt, das sie tags vorher zusammen im Radio gehört hatten; sie nehmen sich bei der Hand. Hier wechselt Theo in den Innenbereich des Guten, Unbefleckten, Ungetrübten – wofür Maria steht, er macht erste liebevolle Objekterfahrungen.

In einer Krise – sein Bewährungshelfer zieht aus der Stadt weg – bricht er in die Wohnung einer alleinstehenden Frau ein, diese liegt schlafend im Bett. Es kommt zu einer sehr anrührenden Szene – er streckt die Hand nach der schlafenden Frau aus aber die Geste des Zupackens wird plötzlich zu einem vorsichtigen verhaltenen, geradezu ängstlichen Streicheln. Dann verlässt er wieder die Wohnung. Der Schritt ist geschafft – die aggressiven Strebungen haben sich mit den liebevollen verbunden, entschärfen den Hass und machen ihn kontrollierbar. Eine Heilung könnte beginnen.

Aber der Zustand ist nicht stabil – eine Enttäuschung über Nettie – sie geht mit ihren Kollegen aus, anstatt sich mit ihm zu treffen – führt wieder zu einer Triebentmischung, Theo ist rasend vor Eifersucht und vergewaltigt erneut eine nächtliche Passantin.

Nettie sucht ihn und findet ihn am Strand, kann ihn nicht mehr daran hindern, sich die Pulsadern zu öffnen, er verblutet in ihren Armen. Sie holt keine Hilfe, sieht ein, dass er genug hat vom ständigen Kampf gegen seine destruktiven Affekte. Hier am Ende des Dramas finden Theo und Nettie immerhin noch ein Stück freien Willens, er wählt den Frei-Tod, sie entscheidet für sich, ihn nicht zu retten. Aber es ist ein Pyrrhussieg.

Das „Böse“ entsteht durch ein Missverhältnis von frühen guten und negativen Objekterfahrungen. Hass  Wut und Sexualtriebe müssen sich mit Liebe und Zuneigung verbinden, um einen integrierten ambivalenzfähigen Menschen zu formen. Sind die Niederschläge liebevoller Erfahrungen im Seelenleben zu wenig, wird eine Spaltung durchgeführt, um das wenige Gute vor dem überflutenden Bösen zu schützen – diese Menschen leben abwechselnd den einen oder anderen Pol und kommen nicht in eine Form von Mitte und Mass: „Meine Frau ist die beste aller Frauen und eine wundervolle Mutter – wenn ich sie nur wieder hätte!“ versus: „Die verdammte Hure betrügt mich mit sämtlichen Nachbarn, man sollte sie …!“ Undsoweiter. Es handelt sich um die selbe Frau.

Jürgen Bartsch, der Kirmesmörder, war ein ruhiger , freundlicher junger Mann,der Kinder mochte und sich gerne mit ihnen beschäftigte. Er geriet aber in Zustände in denen er sie vergewaltigte, grausam verstümmelte und tötete. Seine Kindheit war eine Aneinanderreihung von sadistischen Handlungen von Adoptiveltern und Internatserziehern und sexuellem Missbrauch durch einen Geistlichen. Zeitweise brach die Identifikation mit dem Angreifer bei ihm durch und er wurde vom Opfer zum Täter und dann wieder zurück.

 

Hitler war reizend zu seinen Sekretärinnen und seinem Hund.

Der Dschihadist richtet liebevolle Worte an seine Mutter.

Wie definieren wir also das Böse aufgrund dieser Darstellungen?

 

Eindimensional ist es sicherlich nicht, es ist hochdynamisch, lässt sich abdrängen, vermischen, entmischen, neutralisieren, durch erlernte Fähigkeiten im Zaum halten und wieder von der Leine lassen und durch Verschiebungen und Abwehroperationen unsichtbar werden. Eine dynamische und talentierte Entität, die sich durch die Abwesenheit des Guten definiert und sich sorgfältig davon fernhält, um sich ungehindert ausleben zu können und nicht zerstört zu werden. Und besonders gefährlich wird’s, wenn es noch das Gewand einer Ideologie angezogen bekommt, so dass es aussieht als wäre es gut. Dann wird es nämlich nicht mehr vom Gewissen attackiert: Der Kampf gegen Ungläubige legitimiert es moralisch – und da wird’s besonders gefährlich – und abstossend. Theo hat noch einen Rest unserer Sympathien im Kampf gegen seine Dämonen. Der durchideologisierte Dschihadist kämpft diesen Kampf gegen sein Gewissen nicht mehr, er ist mit sich im Reinen, ernennt das Böse zum absolut Guten und verfolgt es mit ultimativer Verbissenheit. Seinen Tod sieht er als Opfertod. Das sind neben den Psychopathen, den Nichtfühlenkönnenden, völlig Gewissensfreien, die Gefährlichsten.

Alles jetzt natürlich stark vereinfacht. Somit ist das Böse in der Choreographie menschlicher Verhaltensweisen sicher eins nicht: banal!

 

 


 

cannot say how much i love the EXPOSURES boxset by Mr. Fripp circling the years between 1977 and 1983. Frippertronics, Exposure in four editions, Surround, Stereo, and, well well well, God Save The Queen / Under Heavy Manners in toto, with never released tracks is one of the best surround experiences I ever had. Don‘t hesitate to enter Fripp‘s world on our blogroll.

And, in regards to my number two: Steve Tibbetts‘ oeuvre is criminally undersung. For its openness to distant horizons, its exploration of studio technology’s imaginative potential, its instrumental facility and sheer beauty, Tibbetts‘ music deserves much wider recognition. That said, no guitarist got more airplay on my Klanghorizonte nights between 1990 and 2021.

 

 

 

And, well, well, I imagine a listener who is adventurous and never before has encountered the music of Meredith Monk. Shangrila might be waiting for him. For this unknown reader I put Meredith‘s ECM box on Number 3. I never stopped returning (from time to time) to albums like Do You Be, Dolmen Music, Book Of Days and and and. Lifers!  Here‘s something about Meredith, Ingo‘s film.

 

Nothing is complete. Life a history of holes anyways. Thank you, and dance.

 

  1. Robert Fripp: Exposures Boxset
  2. Steve Tibbetts: Hellbound Train
  3. Meredith Monk: The Recordings
  4. Grounation: The Mystic Revelation of Rastafari
  5. Julie Tippetts: Sunset Glow
  6. Neil Young & Crazy Horse: Toast
  7. The Beatles: Revolver (2-cd-set)
  8. Kevin Rowland’s Dexy Midnight Runners: Too Rye Ay*
  9. Brötzmann & Bennink: Schwarzwaldfahrt**
  10. XTC: Mummer (vinyl edition, 2022)
  11. Sun Ra: The Futuristic Sounds Of Sun Ra 
  12. Branko Mataja: Over Fields And Mountains***
  13. Jonathan Richman: Modern Lovers 88
  14. Alva Noto & Ryuichi Sakamoto: Insen
  15. Various: United Dreadlocks Vol. 1 & 2
  16. Beverley‘s Rocksteady: In A Rocking Mood (1966-1968)
  17. Norma  Tanega: I‘m In The Sky****
  18. Albert Ayler: The 1970 Fondations Maeght Recordings
  19. David Blue: Stories
  20. Mavis Staples & Levon Helm: Carry Me Home

 

 

* „Let’s make this precious! Having twice before revisited Don’t Stand Me Down, Kevin Rowland now presided over a “director’s cut” of Dexys’ 1982 opus. Rowland’s plan, it transpired, was to reframe specific moments – backing vocals brought down an octave, a female speaking role replaced by Rowland, a trombone instead of a pennywhistle – as well as a general clean-up that added warmth and intimacy to their creator’s Celtic soul vision.“ (Uncut)

** a classic of FMP Records in the 70‘s, now wonderfully put together again, from the Viennese label for free music, TROST RECIRDS: the music, a book with a lot of unseen photos from that legendary trip to the Black Forest, and an insightful essay by David Keenan. i will probably celebrate this re-discovery and extended edition in my JazzFacts Magazine on January 12, 2023.

*** „Born in 1923, this Yugoslavian guitarist and luthier ended up in Hollywood, where he built guitars and recorded his own versions of the folk songs of his childhood land, unheralded as an artist in his lifetime. This first compilation of his wildly inventive work, however, revealed it to be strikingly ahead of its time, with the likes of “Duboko Je More” delaydrenched instrumentals that deserve to stand alongside the work of Eno, Lee Perry and Vini Reilly.“ (Uncut, thx for letting me discover this! – Steve T., you should listen to this one😉 – the last comparison is slightly over the top, but fascinating it definitely is. m.e.)

**** It’s been rewarding to observe, over the past half decade, blossoming interest in the songs and life of Norma Tanega. Her body of work was slight – two solo albums, plus a third, unreleased – but as this anthology confirmed, there was a lot there: an elliptical writer, with songs that mosey and meander, her tenderness and grasp of melody was nonetheless effortless. (Uncut quote  again, and every word is true)

 

2022 18 Nov.

Jakob Bro, Lee Konitz and more

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In „Music For Black Pigeons“ saxophonist Lee Konitz plays an important role. As I told earlier here Jakob Bro was keen to play with older musicians as Jon Christensen, Palle Mikkelborg and Konitz. All three are embodiments of the history of jazz. Konitz (1927-2020) had a long long career and played with Charlie Parker and Lennie Tristano in his early years. Trumpeter Kenny Wheeler (1930-2014) was another candidate. I wrote about Wheeler’s involvement and the role Konitz got in Bro’s music. You can read it HERE. There you can also find music of Wheeler with Bro.

There is a lot of material with Lee Konitz on Youtube and there is this wonderful album „ANGEL SONG“ (1997) on ECM with Kenny Wheeler, Konitz, Bill Frisell and Dave Holland. Wheeler and Konitz are unique voices you must have heard in your life.

 

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Lee Konitz has his very own funny manners as you can see in „Music For Black Pigeons“. Here is an early hilarious example of that when Konitz played in a show dedicated to the music of Charlie Parker

 

VIDEO

 

I saw Konitz, who lived in Cologne for quite some time, live several times. The most magical was a concert I saw in Bucharest, the evening of July 5, 2015, that took place on an open air stage on a midtown square in Bucharest:

a huge crowd lost in a leap of time listens to his music in full devotion. Time seemed to have been turned back for a while. A glow of sound arises from a nostalgic aura seizing the square’s listeners, a rare sensation. LEE KONITZ is playing … , a totally immersing experience, unforgettable.

It actually had started messy with some coordination problems between the musicians, Thomas Rückert, Jeremy Stratton, George Schuller and then all of a sudden it turned …
 
to read HERE 

 

 


Man begegnet gemeinhin keinen Wahlverwandten bei La Becasse, aber heute hatte ich Glück: Bob Dylan wich mir nicht von der Seite. Er kaute mir ein Ohr ab mit Bing Crosbys „Whiffenpoof Song“ von 1947, wunderbar. Und da sie dort keine Hintergrundmusik laufen lassen, hatte ich meinen unbekannten Evergreen des Tages gefunden.

 

Wirklich der beste Weg, „Die Philosophie des modernen Songs“, diesen mitreissenden Schinken von Herrn Dylan zu lesen, ist es, zwischen den 66, von ausgelassenen Bewusstseinsströmen durchtanzten, Kapiteln und den jeweiligen Songs hin- und herzupendeln. Das kiloschwere, schelmisch daherkommende und  wunderlich durchtriebene Buch ist ein Schmöker, den ich höchstens für die Länge eines alten Liedes aus den Händen legen möchte. 

Wenn die Leute über Bob Dylans „Wiedergeburtszeit“ sprechen, können sie den Punkt verfehlen. Wenn es eine entscheidende spirituelle Wiedergeburt gab, dann geschah sie nicht in den späten 1970er Jahren, sondern zwei Jahrzehnte früher, als der Junge aus Hibbing mit dem Kopf voller Hank Williams und Little Richard schwor, sich dem Gesang zu widmen. Es wurde zu einer nicht enden wollenden Taufe; er tauchte in diesen Fluss ein und kam nie wieder heraus, sondern schwamm immer tiefer.

In einem Gespräch mit Newsweek zur Zeit von „Time Out Of Mind“ – neben Harold Budds „By The Dawn‘s Early Light“ mein anderes Album für zwei Wochen, in Portsmouth erstanden am Tag des Erscheinens, auf einer Wanderung über den Coastal Path von Cornwall im Jahre der Dame 1997 –  sagte Dylan unmissverständlich: „Die Sache mit mir und dem Religiösen ist die: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Er wiederholte dies gegenüber der New York Times: „Diese alten Lieder sind mein Lexikon und mein Gebetbuch… Man kann meine ganze Philosophie in diesen alten Liedern finden.

Welche Religion, welche Philosophie ist das? Die Antwort findet sich auf den rund 300 Seiten seiner außergewöhnlichen Neuerscheinung The Philosophy Of Modern Song. Aber lassen wir den Trick der meisten Rezensionen dieses Tollhauses von einem Buch, ausgibig One-Liner und Sentenzen zu zitieren, und schauen uns kurz die hochglänzenden Oberflächen an.

Das physische Buch ist nämlich das wichtigste Artefakt. Die reichhaltigen Illustrationen, die von Coco Shinomiya gestaltet wurden, bauen eine Welt um Dylans Worte herum auf und bewahren gleichzeitig deren Geheimnisse. Keines der Bilder ist beschriftet. Man erkennt Sam Cooke, der Gene Vincent umarmt, oder auch nicht. Man nimmt das Telefonat von Julie London auf, oder auch nicht. Die Figur, die man am häufigsten sieht, ist jedoch Bob Dylan selbst, der wie ein Spiegelbild in einem zerbrochenen Spiegelsaal zwischen den Seiten hindurchgleitet. „Wie bei vielen Männern, die sich neu erfinden, werden die Details an manchen Stellen etwas fragwürdig„, schreibt er über den „ukrainischen Juden namens Nuta Kotlyarenko“.

Ernst, spielerisch, einfühlsam, unverschämt, verstörend, urkomisch und verschlagen, unflätig und engelsgleich, durchdrungen von Blut und lüsternen Gedanken, ist es weniger Musikwissenschaft als ein gnostisches Evangelium mit einer literarischen Stepptanzroutine darin. Es ist eine Kirche, die auf einem Rummelplatz gebaut wurde. 

Es gibt auch das Hörbuch in der Originalsprache. Die nächtliche Großstadtatmosphäre ist eine Weiterentwicklung von Dylans „Theme Time Radio Hour“-Show. Dylan wird von Sprechern wie Jeff Bridges, John Goodman und Steve Buscemi aus „Big Lebowski“ sowie von Größen wie Rita Moreno und Sissy Spacek gesprochen. Ein Theater der Stimmen – aber das Bilderbuch ist unersetzbar. Grosses Kompliment für den C.H. Beck-Verlag und die Übersetzung von Conny Lösch, die Sprachfluss und Genauigkeit bestens kombiniert! 

 

(geschrieben von Damien Love und Michael Engelbrecht, „truffle“-live remix by M.E.)

To get an idea about the 90 minutes documentary here is the INTERNATIONAL TRAILER

 

Saxophonist LEE KONITZ (1927-2020) plays a key role during the 90 minutes. He also coined the title of the documentary. It is revealed at the end of the documentary and it’s to precious to tell at the moment you read this.

 

Together with Bro, Konitz played in a way that he had to get himself gradually. It was pure beauty from hidden deep down. There is this magic moment in the documentary in the Avatar studio when Lee Konitz, Bill Frisell, Thomas Morgan, Craig Taborn and Paul Motian recorded this simple beautiful song of Bro: the faces looking at each other after the last tone had faded tell a moving story. It is also a strong witness that they met in MUSIC not in a certain style. It was the gift of that young musician Bro to make that happen, to connect these musicians in MUSIC as their soul’s essential motion.

 

Another key role plays drummer PAUL MOTIAN (1931-2020). About MOTIAN there is also a documentary that I will post later and tell about how I connected to Jakob via Paul.

 

Jakob Bro preferred to play with certain key musicians of the older generation that not only brought in traces of the legendary past but also a life spirit. The first one who came in was legendary drummer JON CHRISTENSEN (1943-2020). He played mainly cymbals – and that in a truly amazing way as I could experience live several times. To see him playing together with trumpeter PALLE MIKKELBORG (1941) was unforgettable touching. Both. touched the essence with simple means.


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