Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2022 30 Jan.

Ein Rückblick auf 2021

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Mit 2021 ist ein Jahr voller Denkwürdigkeiten ist zu Ende gegangen, ein Jahr, das aber wieder sehr viel Wunderbares hervorgebracht hat. So blicke ich nun etwas verspätet zurück. Als ich auf meine Auswahl der Highlights des Jahres schaute, fiel mir auf, wie sehr mich noch das Instrument, das ich über viele Jahre erlernt und studiert habe, das Klavier (hier aber im weitesten Sinne auch mit den elektronischen Tasteninstrumenten) und die Erforschung seiner Grenzen fasziniert. Das beginnt mit Nik Bärtsch, dem absoluten Highlight des Jahres und geht über Ayumi Tanaka, Hafez Modirzahdeh, Kit Downes und dem fantastischen Reissue von Morteza Mahjubi zur mehr elektronischen Seite mit Richard Barbieri, Arushi Jain, Sunroof bis zu dem fast transzendenten letzten Werk von Pauline Anna Strom. Bei den Grenzüberschreitungen sind gerade auch Erkundungen jenseits der für westliche Musik so gesetzten temperierten Stimmung äußerst spannend. Auch wenn sie beim ersten Hören oft etwas dissonant und gewöhnungsbedürftig klingen mögen, lohnt es sehr hier die Ohren zu öffnen.

 
 

    1. Nik Bärtsch – Entendre
    2. Floating Points w/ Pharoah Sanders and The LSO – Promises
    3. The Grid/Robert Fripp – Leviathan
    4. Mannheimer Schlagwerk – The Numbers Are Dancing
    5. Richard Barbieri – Under A Spell
    6. Nova Materia – Xpujil
    7. Portico Quartet – Terrain
    8. Stephan Thelen – Fractal Guitar 2
    9. Jon Hopkins – Music for Psychedelic Therapy
    10. Ceeys – Musikhaus
    11. Ayumi Tanaka Trio – Subaqueous Silence
    12. Jo Berger Myhre – Unheimlich Manoeuvre
    13. Sarah Davachi – Antiphonals
    14. Lucy Railton/Kit Downes – Subaerial
    15. Natacha Atlas – The Inner & The Outer
    16. Vivien Goldman – Next Is Now
    17. Hafez Modirzadeh – Facets
    18. Dictaphone – Goats & Distortions 5
    19. Pauline Anna Strom – Angel Tears In Sunlight
    20. Origamibiro –Miscellany
    21. Simon Goff – Vale
    22. Oliver Doerell & Jawad Salkhordeh – ([Sāje])
    23. Sunroof – Electronic Music Improvisations Vol. 1
    24. Alice Coltrane – Kirtan: Turiya Sings
    25. Thomas Strønen/Ayumi Tanaka/Marthe Lea – Bayou
    26. Trees Speak – Vertigo Of Flaws
    27. Powell – Piano Music 1-7
    28. Polypores – Shpongos
    29. Humanbeing – Humanbeing
    30. Theon Cross – Intra-I
    31. Markus Stockhausen – Tales
    32. Brand Brauer Frick – 3535 Memory
    33. Arushi Jain – Under the Lilac Sky

 
 
   
 
 

Bei den Wiederveröffentlichungen findet sich wieder einiges Japanisches, z.B. von Eitetsu Hayashi, einem der Köpfe des späteres Ondekoza Ensembles, der seine Musik in einer recht ungewohnten Art rhythmisch denkt über Motohiko Yamase, dessen Fourth-World-Vision aus japanischer Perspektive noch einmal neu eingespielt wurde bis hin zu dem YMO-Mitgründer Yukihiro Takahashi, dessen programmatisches Neuromantic nun wieder verfügbar ist.

 

    1. Japan – Quiet Life
    2. Don Cherry – Om Shanti Om
    3. Eitetsu Hayashi – Kaze No Shisha
    4. Benjamin Lew & Steven Brown – Douzième journée — leverbe, la parure, l‘amour
    5. Chris Carter – Electronic Ambient Remixes One
    6. Motohiko Yamase – Reminiscence/Intaglio
    7. Morteza Mahjubi – Selected Improvisations From Golha, Pt. 1
    8. Yukihiro Takahashi – Neuromantic
    9. Radiohead – Kid A Mnesia
    10. Dunkelziffer – In The Night
    11. King Crimson – USA

 

Als für mich neue Kategorie für den Blick zurück will ich einige meiner Abendlektüren aufführen, die mir beim Lesen und Studieren viel Freude bereitet haben und mich nach getanem Tagewerk noch erfrischen und inspirieren konnten.

 

    1. Michael Spitzer – Eine musikalische Geschichte der Menschheit
    2. Nik Bärtsch – Listening: Music, Movement, Mind
    3. Nils Wortmann – Alles so schön still hier
    4. Christoph Dallach – FVTVRE SOVNDS
    5. Byung-Chul Han – Undinge
    6. Lawrence Kumpf – Organic Music Society
    7. Werner Herzog – Das Dämmern der Welt

Michael Rothers Musik ist nie so richtig an mich rangegangen. Noch während meiner Schulzeit spielte meine damalige Freundin mir Flammende Herzen vor, ganz nett, aber irgendwie zu glatt. Das ging mir bei den folgenden Alben auch so (allein schon die Titel …) und wurde sogar eher distanzierter, bis ich Harmonia entdeckte, was Michael Rother gleich rehabilitierte. Aber selbst bei seinem letzten Soloalbum Dreaming fiel mir selbst das Einfühlen schwer. So hörte ich mehr wegen des Covers in sein neues Album zusammen mit der italienischen Elektronikmusikerin und Partnerin Vittoria Maccabruni hinein. Diesmal brauchte es nur ein paar Sekunden, um mich völlig zu packen: bereits das Intro von dem Eröffnungsstück Edgy Smiles führt direkt ins Zentrum der Magie dieser Musik. Der Beitrag Vittoria Maccabruni’s gibt den Stücken eine untergründige Rauheit, subtile Kanten und mitunter fast geisterhafte Räume, in die sich der Gitarrensound Rothers fließend einfügt und über diesem Kontext ganz neue Konturen annimmt. Kommt Exp 1 noch in eigenwilligem Flow herbei, verlieren sich in den weiteren Stücken jegliche konventionelle Songstrukturen, es treten seltsam treibende Rhythmen in Erscheinung, die noch während des gleichen Songs im Kopf ihr Eigenleben entfalten, kriechen Ghostnotes aus dem Hintergrund und bringen eine Magie des Kathartischen hervor, der in Stücken wie Forget This und Codrive Me beklemmend rituelle Gegenräume entwerfen, intensiv und surrreal. Im finalen Happy (Slow Burner) setzen Rother und Maccabruni als veritable Krautwizards einen sehr vielschichtigen und skurrilen infiniten Punkt, der schnarrend entschwebt. As Long as the Light …

 

2021 27 Nov.

Incontro con Don Cherry

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Neben den beiden wunderbaren Livealben der Organic Music Society erschien Anfang dieses Jahres fast ganz unbemerkt Om Shanti Om, ein sehr intimes Album von Don Cherry aus dem Jahre 1976. Es wurde in den Studios des italienischen Rundfunks RAI für den Broadcast Incontro con Don Cherry als Soundtrack aufgenommen und wurde nun erstmalig als Album veröffentlicht. Eine freundliche Einführung auf italienisch leitet den Film ein und schon beginnen Don Cherry, Nana Vasconcelos, Gian Piero Pramaggiore und Moki Cherry sich einzustimmen. Das Studio ist mit den bunten Stoffcollagen von Moki Cherry ausstaffiert und die Musiker sitzen dazwischen in einer natürlichen Selbstverständlichkeit fast wie zu Hause und spielen sich mit einer wunderbaren Leichtigkeit durch indische, tibetanische, brasilianische und afrikanisch inspirierte Improvisationen, überspringen kulturelle Grenzen, als ob es sie nie gegeben hätte, schaffen etwas wie eine ganz selbstverständliche akustische Weltmusik mit fast kindlich spielerischer Neugier. Manchmal kommen sie schon in ihrer Intimität und Komplexität ganz nah an die Klangwelt der Codona-Alben heran und der Hörer bekommt eine leise Ahnung wieviel Vertrautheit und gemeinsame Spielerfahrung dennoch erforderlich sein werden bis dieser Meilenstein entstehen konnte. Eine entspannte Natürlichkeit ist Om Shanti Om eigen, eine humorvolle Präsenz in Studio, die schließlich im letzten Stück in Gastauftritten seiner Kinder Neneh und Eagle Eye kulminiert, die sich fast wie beiläufig in das Klanggefüge einklinken. Obwohl die Kamera mitläuft bleibt eine sehr stille, private Atmosphäre tragend und lebt von den kleinen Pausen und Wechseln, in denen spürbar wird, wie konzentriert die Musiker in der Musik präsent sind. Eine leise Reminiszenz an den so unbefangen scheinenden Klangmagier Don Cherry, dessen intensive und organische Improvisationen hier geborgen hypnotische Kräfte entfalten. Om Shanti.

 
 

2021 25 Okt.

Alles so schön still hier …

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… oder die Ästhetik des Hintergrundes. Nachdem ich als Jugendlicher endlich stolzer Besitzer einer eigenen Stereoanlage war, erstand ich als zweite Schallplatte „Zeit“ von Tangerine Dream und kaum war das Knistern des Rillenanfangs den Klängen gewichen, verlangsamte sich die Zeit und stand schließlich still. Vorder- und Hintergrund des Raumes und alle anderen Klänge begannen miteinander zu verschwimmen, ein „surrounding influence“, wie Brian Eno es später nennen sollte, in trat meinen Bewusstseinsstrom. Ruhe stellte sich ein und ein tiefer, weiter Raum der Reflexion öffnete sich. Auch wenn das Konzept der „Ambient Music“ noch nicht formuliert war und die Musik Erik Satie’s noch auf dem Weg zu mir, war meine Liebe zu genau dieser Musik geweckt und führte zu zahllosen faszinierenden musikalischen Entdeckungen auf diesem Wege. Nun ist Ambient für viele nicht mehr als eine langweilige Klangtapete, doch wenn man sich, wie einst Brian Eno, der Tage vor einer frisch gekalkten Wand in der Patio des Hauses von Freunden auf Lanzarote verbrachte, um das Zentrum der Langeweile zu ergründen, darauf wirklich einlässt, kann man alsbald entdecken, dass Langeweile nicht weniger ist als die Unfähigkeit des Geistes sich mit dem Gegebenen kreativ auseinanderzusetzen.

Nils Wortmann hat sich eingelassen und ist der Ambient Music in Gänze verfallen, hat sich durch tausende Alben dieses Genres durchgehört und hat nun mit „Alles so schön still hier – 100 Ambient-Alben, die man gehört haben sollte“ in dem Hofheimer Wolke Verlag eine chronologische geordnete Monographie vorgelegt. Angefangen bei „Discreet Music“ als Ausgangspunkt elektronischer Ambient Music über die ursprünglichen Protagonisten des Genres, wie Edgar Froese, Manuel Göttsching, Hans-Joachim Roedelius, Harold Budd und Steve Hillage beschreibt er wie sich die Kreise weiten und immer neue Einflüsse und Ideen dazukommen. Hierbei werden im Verlauf amerikanische Musiker, Spezialisten für das Experimentelle oder Exzentrische, die oft unterschätzte Frankfurter Elektronikszene und nicht zuletzt auch „kankyō ongaku“, die sehr subtile japanische Ambient-Musikszene gewürdigt. Der Falle jeder Best-of-Liste sich zu sehr festzulegen, was auch dem Geist des Genres widerstreben würde, entzieht Nils Wortmann sich, indem er die einzelnen Alben exemplarisch aufführt und mit einer „Weiterhören“-Rubrik nach den sehr unterhaltsamen und sachkundigen Rezensionen ergänzt. Für jedes Jahr ab 1975 stellt er Alben vor, die anfangs die unzweifelhaft grundlegenden Werke des Ambient auflisten, aber mit zunehmender Verbreitung (eine aktuelle Suche bei Discogs tagged mehr als 450.000 Alben unter Ambient!), muss die Auswahl mehr und mehr eine persönliche Note bekommen. Und hier schafft Wortmann es in unglaublicher Weise eine exquisite Wahl zu treffen, die mit jedem mir bislang unbekannten Album eine Offenbarung ist. Ohne Ausnahme. Aus der Überfülle der Veröffentlichungen filtert er dank seiner  Faszination und umfassenden Kenntnis ein musikalisch besonderes Album nach dem nächsten heraus, beleuchtet verschiedene Seiten des Genres und infiziert den Leser, indem er mit seinen lebendigen Texten und Hörvorschlägen jegliche Langeweile gründlichstens atomisiert. Abgerundet wird das Buch durch ein umfangreiches Literatur- und Ambient-Labelverzeichnis, die zur weiteren Suche einladen. Und wer am Ende des Buches in Ambient-Music immer noch eine Klangtapete sieht, wird einräumen müssen, dass diese auffällig vieldimensional und psychedelisch ist und keinen Halt vor den Tiefen seelischen Erlebens macht. Eine wunderbare, gut recherchierte und neugierig machende Lektüre bis zum letzten Tipp.

 
 

2021 23 Okt.

Lass irre Hunde heulen

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Um es gleich vorweg zu nehmen: Schubert ist für mich ein Kindheitstrauma. „Winterreise“ gesungen von Dietrich Fischer-Dieskau. Grauenhaft! Es war mir trotz aller Bemühungen meiner Mutter, die Musiklehrerin war, nicht möglich auch nur ansatzweise zu verstehen, was man daran schön finden konnte. Also half nur die Flucht, wenn sich die Nadel auf besagte Schallplatte senkte. In den am weitesten entfernten Teil der Wohnung, mein Zimmer und – sobald ich eine solche besaß – die Anlage aufgedreht, bis ich auch bei leisen Stellen keinen Ton mehr davon hören musste. Das kam mir alles so erquält-gekünstelt und einfach nicht echt vor. Das waren einfache Lieder und der arme Sänger musste bestimmt tagelang üben, um sie so aalglatt zur Klavierbegleitung darzubieten. Und überhaupt das ganze romantische Gesäusel, da konnte ich so wenig mit anfangen, dass ich es kaum schaffte mir ein ganzes Lied am Stück anzuhören. Und nun, Jahrzehnte später landet die CD von Kai Schumacher und Gisbert zu Knyphausen auf meinem Schreibtisch. Tagelang kreise ich da drumherum, nahezu in der sicheren Gewissheit, dass mir ein Flashback und eine Retraumatisierung bevorstehen, wenn ich auch nur ein Lied davon höre.

Ein leises Flirren, dann eine leise einsetzende Klavierstimme und dann die ersten Töne des Gesangsparts von „Gute Nacht“, dem ersten Song (ja, das kann ich nicht anders nennen!) intoniert von Gisbert zu Knyphausen. Ich bin verblüfft, was ist das? Das fängt ja wie ein intimer Abend am Kamin an, vielleicht mit etwas Fingerfood und Wein. Keine Kunststimme, sondern ganz entspannt und etwas rauh. Doch bald steigert sich das Lied, kriegt Zug und Dramatik. Kein unendlich oft gehörtes, plattgedudeltes romantisches Geklimper. Gute Arrangements, oft überraschend in Akzentuierung und gute Auswahl der Stücke. „Der Wegweiser“ folgt in final ernster Dramatik, ohne sentimental zu werden, sondern das Stück lässt eher die endgültige Beklemmung eines einsamen Wanderers im Bewusstsein seines finalen Weges spüren. Dann folgt „Ständchen“, dass von der überraschend eingesetzten Posaune lebt, die die Gitarre, die Schubert so wohl vorsah, mit diskreten jazzigem Unterton versieht, was sich im folgenden „Nähe des Geliebten“ als Gute-Laune-Song fortsetzt. Die meisten Lieder entstammen der „Winterreise“ und dem „Schwanengesang“ mit Texten nicht nur von Schuberts Hausdichter Wilhelm Müller, sondern auch von Goethe, Rückert, Heine und Bellstab. Texte von Banalitäten weit entfernt, ernst, sprachlich pointiert und hintergründig. Da gibt es Liebeslieder, wie „Du bist die Ruh“, das vom Überkünstelten befreit, sehr nach innen gerichtet und authentisch wirkt und Liebesschmerz bei „Der Doppelgänger“ und „Aufenthalt“. Gerade da wird der Schmerz viel glaubhafter, da er durch die Intonation viel näher an die Dramatik des Alltags heranschleicht, mit einer Eskalation, die sich stilistisch eher aus der Rockmusik stammenden Effekten bedient als akademisch rein vorgetragen und glattgeschmachtet, was mir immer sentimental-befremdlich und unglaubwürdig vorkam. Mit „Die Krähe“ und „Der Leiermann“ werden die Abgründe des Lebens und dessen Begrenztheit thematisiert, mit einer fast schmerzhaften, schweren und herben Schlichtheit, die sicherlich gut geeignet wäre in gediegener Gesellschaft das Kaminfeuer ausgehen zu lassen. Und schließlich schließt die Auswahl der Songs mit der „Litanei auf das Fest Aller Seelen“, das den geneigten Hörer mit einem besänftigenden „Alle Seelen ruh’n in Frieden“ etüdenhaft und mit bitterer Note tröstlich entlässt. Und mich seltsamerweise ebenfalls. Das Grauen meiner Kindheit ist nicht mehr spürbar und war es auch zu keiner Minute. Da ist es Kai Schumacher und Gisbert zu Knyphausen in hervorragender und unprätentiöser Weise gelungen die Stücke von Schubert ihrer romantischen und in der bisherigen Rezeption aalglatten Interpretationen in eine Gegenwart zu holen, in der sie wieder Gewicht und schlichte Authentizität bekommen haben. Die schönste Art ein Trauma zu therapieren. So kann mit der letzten Liedzeile nun auch die Seele von Dietrich Fischer-Dieskau für mich in Frieden ruhen.

 
 

2021 8 Okt.

Hinübergehen mit Eberhard

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In seinen Ausführungen über das Spätwerk bedeutender Musiker „Hinübergehen“ hat Joachim-Ernst Behrendt sich sehr ausführlich mit den finalen Werken vieler Musiker über fünf Jahrhunderte hinweg auseinandergesetzt und versucht die Besonderheit, die ganz eigene Atmosphäre, die diese Werke gemeinsam haben, herauszuarbeiten. Das, was in ihnen in Erscheinung tritt und über die Begrenztheit des Lebens in irgendeiner Weise hinausweist. Er schreibt: „Eine Frucht fällt vom Baum, wenn sie reif ist. Dann ist sie am „Besten“, am süßesten. Aber dann fällt sie auch. Vielleicht gilt das auch für Musiker. Oder für alle Menschen? Es hat mit Reife zu tun. Sie fallen, wenn ihr Werk „am besten“ ist.“ und „Spätwerke sind Kulminationswerke – in einem Maße, das weit über das Zu-Erwartende und das in anderen Künsten, überhaupt in anderen menschlichen Tätigkeiten Erfahrbare hinausgeht.“ So auch bei Lyle Mays als er Mitte 2019 eine infauste gesundheitliche Prognose bekam und entschied ein Werk, das ihm besonders wesentlich erschien noch aufzunehmen: eine Hommage an den Bassisten Eberhard Weber mit dem er gemeinsam gespielt hat und dem er viele musikalische Impulse verdankte. Diese fasste er bereits 2009 in eine Komposition für das Zeltsman Marimba Festival, die er für seine letzte Studioaufnahme, bei der u.a. Bill Friesell, Alex Acuñha, Michael Forman und Steve Rodby dabei waren, noch einmal intensiv überarbeitete und weiterentwickelte. Er steckte seine ganze Energie hinein, um dieses Stück noch bis Januar 2020 fertig aufzunehmen und konnte das Ergebnis schließlich noch in den letzten Tagen vor seinem Tod hören. Zentraler Ausgangspunkt war das Bassspiel und der Kompositionsstil Eberhard Webers zu dem sich viele weitere Elemente, wie minimalistische, ethnische Einflüsse aus Indonesien oder Brasilien, aus dem Jazz und der orchestralen Musik gesellten. Er nahm einfache melodische, harmonische oder rhythmische Ideen und experimentierte mit ihnen bis er die ganze Formenvielfalt entdeckt und feinsten herausgearbeitet hatte. Seine Nichte Aubrey Johnson beschreibt „Some parts of the process occur very quickly and some are painstaking, but together I think the resulting music feels organic and interesting, as well as logical and connected.“

Das 13-minütige Stück beginnt mit einem Marimba-Ostinato, das das ganze Stück hindurchträgt, darauf steigt Mays mit einer leichten Pianomelodie ein, dann folgt der Basseinsatz, der weiter in ein tiefes und komplexes Gewebe hineinführt, das zwar auf einer gewissen Ebene fast zu seicht klingt, was den choralen Einsätzen nicht unwesentlich geschuldet ist, aber niemals darin stecken bleibt und eine große stilistische und kompositorische Vielfalt aus den Grundthemen entwickelt und sich in der Intensität immer weiter steigert. Eberhard kumuliert das musikalische Schaffen Mays auf kleinstem Raum und kulminiert schließlich in einem Tenorsaxophonsolo von Bob Sheppard. Danach öffnet sich ein unglaublich tiefer, leiser Raum, dem ein Subbass unterliegt und entlässt den Hörer … wohin? Das weiß nur Lyle Mays. Now, the music’s over. Was bleibt, ist Stille.

 

2021 4 Okt.

FVTVRE SOVNDS

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Wie klingt die Zukunft? Wie klingt die Zukunft, wenn man in einem Land aufwächst, dessen Kultur und Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern liegen, wo Kultur im 3. Reich systematisch auf ein retrogrades infantil-atavistisches Kunst- und Musikverständnis runtergebrochen worden war und diese Stunde null scheinbar nie aufhören wollte. Sich musikalisch dann versuchsweise bei angloamerikanischen Produktionen zu orientieren liegt nahe, ist aber kaum mit dem deutschen Nachkriegslebensgefühl in Deckung zu bringen. Da musste etwas Neues her, etwas Ureigenes.

Hier hat sich Christoph Dallach, angeregt durch Gespräche mit Irmin Schmidt und seiner Frau Hildegard und Julian Cope’s „Krautrocksampler“, akribisch auf die Suche gemacht und Musiker und Kulturschaffende im In- und Ausland interviewt, um die Entstehungsmomente und Strukturen einer ganz neuen Musik in Deutschland zu ergründen. FVTVRE SOVNDS ist erzählte Geschichte, qualitative Feldforschung und äußerst spannende Lektüre bis zur letzten der fast 500 Seiten. Er benutzt dabei die Methode, die schon Jürgen Teipel mit seinem immer noch bissig-provokanten „Verschwende Deine Jugend“ und Rüdiger Esch mit „Elektri_City“ entwickelt haben, spart deren Themen vorsichtig aus, ohne etwas zu kurz kommen zu lassen und schlägt einen ganz weiten Bogen von der Vorgeschichte zum Höhepunkt experimenteller Musik in Deutschland bis zu den Spuren in der aktuellen Musikkultur. So umfangreich, wenn auch aus ganz anderer Perspektive hat das bisher nur Jan Reetze mit „Times & Sounds“ getan, wobei Dallach den Weg wählte, dieses höchst lesenswerte Stück Zeitgeschichte ausschließlich in den eigenen Worten der Protagonisten zu dokumentieren.

Es geht hier um Krautrock. „Der Begriff ist Quatsch“, sagt Holger Czukay, „ein idiotischer Begriff“ ergänzt Iggy Pop. „Wir machen elektronische Musik, weder Kraut noch Rock“ meint Klaus Schulze. Und Mani Neumeier rettet mit der simplen, wie wahren Feststellung, dass hier ja nicht von dem Kraut, das man isst, sondern von dem, das man raucht die Rede sei. Und Rock? „Rock steht für gar nichts … das machen auch Rechtsradikale“ stellt Jaki Liebezeit lakonisch fest. Kurzum: hier in Deutschland hätte sich niemand so bezeichnet. Wahrscheinlich stammt das Label „Krautrock“ aus der Feder des Musikverlegers Simon Draper bei Virgin Records, der einen knackigen, verkaufsfördernden Überbegriff für die damals in England sehr gefragte deutsche Musik suchte. Für die weitere Verbreitung tat dann John Peel im Radio was er konnte, denn diese Musik, die da aus Deutschland kam war innovativ, experimentell, auf das Wesentliche reduziert, streng und fokussiert, ganz anders als die angloamerikanische Musik zu dieser Zeit. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Musik außerordentlich heterogen war und aus einem weiten Spektrum von musikalisch hochgebildeten Musikern (Irmin Schmidt, Holger Czukay, Michael Rother etc.) bis zu musikalisch völlig unbefangenen Dilettanten, von Folk- und Weltmusikern bis zu psychedelischen Revolutionären ihre kreativen Zuflüsse bezog. Interessant war hierbei, dass diese Szene sehr viel mehr Einflüsse aus zeitgenössischen Kunstkonzepten bezog als aus der sonstigen Gegenwartsmusik. Doch dann gab es noch Stockhausen und den amerikanischen Minimalismus, sowie der freie Umgang mit Improvisation aus dem Free Jazz als wichtige Impulsgeber, aber auch den unbeirrbaren Willen etwas neues zu schaffen und das Kopieren bestehender Strukturen um jeden Preis zu vermeiden. Die Herangehensweise war dabei sehr unterschiedlich von kollektiven, alternativen Lebensformen in Kommunen (Faust, Amon Düül, Cluster) bis zu offenen Sessionformaten, wie sie im Berliner Zodiak oder bei Can gelebt wurden. Gemeinsam war aber allen, dass auf auch nur annähernd konventionelle Songstrukturen verzichtet wurde und lange, bisweilen ausufernde Sessions zentral zur Klangneufindung beitrugen. Die Ergebnisse waren einzigartig, überraschend und viele hören sich auch Jahrzehnte später noch überraschend frisch an.

Lange schon war dieses Buch angekündigt gewesen und Christoph Dallach hat sich keinen Augenblick zu spät an die Arbeit gemacht, denn viele seiner Interviewpartner leben inzwischen nicht mehr, wie Dieter Moebius, Holger Czukay, Jaki Liebezeit, Christian Burchard, Bernd Witthüser und Gabi Delgado-López. Allein schon an der Auflistung der inzwischen Verstorbenen kann man die enorme Spannweite der damaligen Kreativkraft nur erahnen. Was das Buch ebenfalls sehr spannend macht, ist dass Dallach auch nicht oder nur zum Teil beteiligte Musiker und Produzenten aus dem Ausland interviewt hat, u.a. Brian Eno, Steven Wilson, Jean Michel Jarre. Hier wird sehr deutlich, wie sehr die Rezeption im europäischen Ausland und in den USA dazu beigetragen hat, dass die deutschen Musiker überhaupt Anerkennung fanden, denn der Blick des großen Publikums war immer noch an den angloamerikanischen Charts orientiert. Klaus Schulze bringt das auf den Punkt: „Es klingt absurd, aber gerade wenn man als Deutscher etwas Eigenes machte, wurde man in Deutschland quasi selbst zum Ausländer und gerade dadurch fürs Ausland interessant“. Gerade diejenigen, denen gegenüber ein Kontrapunkt gesetzt werden sollte, haben also nicht unwesentlich zum Erfolg vieler deutscher Gruppen und Musiker in dieser Zeit beigetragen. Vermisst habe ich wirklich nur wenig, vielleicht wären Beiträge von Manuel Göttsching oder Eberhard Schoener noch interessant gewesen und eine Diskografie am Ende des Buches.

Eine lesenswerte und zutiefst faszinierende Reise durch diese 10-15 Jahre bis Ende der 70er, in denen ein kriegsbedingtes Kulturvakuum füllend eine kreativste Musikexplosion stattfand, die die Popmusik bis heute noch nachhaltig beeinflusst. Und zum Schluß bleibt nur eine, fast etwas traurige Erkenntnis: Krautrock hat es nie gegeben.

 

2021 1 Okt.

Unheimlich Manoeuvre

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Der Heimlich-Handgriff (engl.: Heimlich-Manoeuvre) ist ein lebensrettender Handgriff, wenn die Atemwege einer Person durch einen Fremdkörper blockiert sind und diese deshalb keine Luft mehr bekommt. Er wird ausgeführt indem der Helfende mit beiden Armen den unteren Brustkorb des Betroffenen von hinten umfasst und einen ruckartigen Stoß in Richtung Zwerchfell ausführt, was natürlich auch nicht ohne Risiken für innere Verletzungen ist. Der Handgriff wurde von dem amerikanischen Arzt Henry J. Heimlich entwickelt, der ihn aber in seinem Arbeitsleben nie selbst einsetzen musste. Erst im Alter von 80 wendete er seinen eigenen Handgriff zum ersten mal in einem Restaurant an und dann noch einmal mit 96 (!) als sich in seinem Seniorenheim (vermutlich eher eine Seniorenresidenz) beim Essen eine 87-jährige Mitbewohnerin verschluckt hatte und er ihr damit das Leben rettete.

Um seinem Spiel zwischen Licht und Dunkelheit, dem Vertrauten und dem nicht fassbaren Unbegrenzten und zwischen dem Schönen und verführerisch Abgründigen wagte der norwegische Bassist Jo Berger Myrhe das Wortspiel des Unheimlich Manoeuvre als Titel für sein Debütalbum. Bekannt ist Myrhe als Teil des Trios Splashgirl und als Mitglied de Nils Petter Molvaer Quartetts mit dem er Buoyancy und Stitches eingespielt hat, sowie vielen anderen Kooperationen mit anderen norwegischen Musikern. Hier hat er sich nun erstmalig seinen eigenen musikalischen Vorstellungen zugewandt und mit einigen Kollaborateuren wie Kaveh Mahmudiyan, Jo David Meyer Lysne, Jana Anisimova, Morten Qvenild, und in einem zentralen Stück Olafur Björn Olafson und Viviane Wang in einer faszinierenden Gratwanderung zwischen Erhebendem und bedrohlichen Untiefen umgesetzt. Ausgangspunkt waren die Improvisationen mit seinem Bass, der in einer elektronischen Effektkette Klangeffekte weit jenseits des Erwartbaren hervorgebracht hat, die dann kongenial mit den anderen Gastmusikern zu etwas Neuem, fast Transzendenten transformiert wurden.

Aus dem Formlosen hebt sich zu Beginn Everything Effacing, hebt sich leise und mächtig bis der Bass einsetzt und dem unheimlichen Schweben nur einen weiteren Akzent verleiht, der sich erst im folgenden Stück sich langsam verdichtend an einer improvisierten, fast nur dahingetupften Pianolinie materialisiert, um sich gleich wieder aufzulösen. Erst in Aviary wird eine flüchtige Form gefunden, die sich traumverloren und schwermütig immer an der Grenze zur erneuten Auflösung entlangbewegt. Cynosure vertieft diese Stimmung, die scheinbar in der ewigen Zone der Dämmerung herumwandert und nur durch den gelegentlichen Klang einer Tombak nicht verloren geht. In Smallest Things Pt.2 trägt Vivian Wang ein Fragment aus einer Kurzgeschichte von Raymond Carver „I Could See The Smallest Things“, einer Nachtgeschichte mit offenem Ausgang, aber um so unheimlicherer Atmosphäre, vor. Fast wie eine programmatische Ansage für das Album. Gate Opens ist fast das fassbarste Stück des ganzen Albums, getragen von Jo David Meyer Lysne’s vorsichtig gezupfter Gitarre. Perils folgt dann mit einem gestrichenen Kontrabass, der erst perkussiv unterlegt wird und sich dann langsam in fremdartigen Räumen elektronischer Verlassenheit rhythmisch einfindet. Die letzten beiden Stücke Sustainer und Inner Relations sind auf unterschiedliche Weise sehr intim: das Erstere fließt in eine irgendwann kaum noch zu ahnende Unendlichkeit und Inner Relations spielt erneut über das Klangspektrum Myrhe’s Kontrabass mit freundlicher Abstraktion bis an den Rand eines musikalischen Niemandslandes.

Dieser Rand des musikalischen Niemandslandes findet sich auch im Zentrum des Covers wieder fast wie ein schwarzes Loch, das alle Annäherungen leise in sich aufnimmt und einen zeitlosen Zustand in der magischen Mitte entstehen lässt. Das erinnert mich an das Kunstwerk Descent Into Limbo von Anish Kapoor, das aus einem kleinen Raum mit einem mit Vantablack (ein nicht mehr lichtreflektierendes ultraschwarzes Pigment) ausgemalten 8ft tiefen Loch besteht, von dem nicht mehr zu erkennen ist, ob es ein Loch oder eine Fläche ist, was fatalerweise dazu führte, dass bei einer Ausstellung trotz Warnung ein Zuschauer hineinstürzte. An der Wand wird nur angemerkt “the sculpture is an expression of Kapoor’s interests in the formal and metaphoric play between light and darkness, inside and outside, the contained and the infinite, which underpins his sculptural oeuvre.”  Gilt programmatisch auch für Jo Berger Myrhe, den es hoffentlich noch zu vielen Manövern in den unwegsamen Nachtgefilden der Un-Heimlichkeit ziehen wird.

 
 

2021 3 Aug.

Next Is Now

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Die Frau Professor ist bestens vorbereitet um nach Jahren des Schreibens und Lehrens endlich einmal ein vollständiges Album an den Mann zu bringen. Sie ist der Punk Professor (kein Witz, sie hat tatsächlich einen Lehrauftrag an der NYU für Punk und Reggae!) und startete mit einer Single, die sie in den Post-Punk Wirren mal nebenbei, Johnny Rotten etwas Studiozeit abknapsend, aufnahm und dann etwa 30 Jahre später zum ersten mal aufführte: Launderette. Letztes Jahr dann ergriff sie wieder das Wort/die Stimme, um dem unsäglichen Wahlmanagement Donald Trumps etwas entgegenzusetzen: I Have A Voice, was letztendlich das letzte und akustischste Stück ihres neuen Albums Next Is Now wurde. Vivian Goldman, die unzählige Albumbesprechungen und Texte (u.a. die erste Biografie von Bob Marley) schrieb, greift nun auf Elemente des Wave, kalte Vintage-Synthesizer, des Dub und ganz subtil minimalistischen und weltmusikalischen Anspielungen zurück um ein bemerkenswert frisches und vitales Album vorzulegen. Eine intelligente und tanzbare Revue durch Jahrzehnte Hörerfahrung, die trotzdem völlig homogen und klanglich diffizil und ausgereift daherkommt. Einfach grandios, überraschend und einfallsreich. Wenn auch nur die Hälfte aller Professoren so rüberkämen, wäre Bildung (egal welcher Couleur) wieder ein erstrebenswertes Kulturgut. Viva Vivian, Next Is Now!

 

 

2021 20 Juli

Facettenreich

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Der Herr Professor ist bestens vorbereitet um den Epigonen eurozentrischer Musikkultur eine äußerst feine Lektion in der Entwicklung neuer ästhetischer Dimensionen zu erteilen. Diskret, leise, in wunderbaren Miniaturen und Duetten mit ausgewähltesten Mitstreitern. Schon seit Jahren arbeitet er auf dem Boden mikrototaler persischer Dastgah-Skalen und Inspirationen durch Ornette Coleman’s chromatische Matrizes an der Entwicklung einer postchromodalen Musik für deren Umsetzung auf Facets er die Stimmung eines Klaviers den exotischen Skalen anpassen ließ und sich dann Kris Davis, Tyshawn Sorey und Craig Taborn dazu holte, um in überwiegend improvisierten kleinen Stücken (einige basieren auf Stücken von Thelonious Monk) nur vermeintlich dissonante Klangräume zu ergründen, die mit allen europäischen Hörgewohnheiten brechen, fremd und doch zugleich vertraut wirken. In vielen Stücken spielt der Komponist Hafez Modirzadeh dann im Duett Tenorsaxophon mit den Pianisten, wobei er über eine eigens entwickelte Spieltechnik daraus auch mikrotonale und orientalische Melodiefiguren entlockt. Jedes der Stücke stellt eine spezielle Herangehensweise an die umgestimmten Skalen dar, mal in melodischer Weise, mal in Akkordclustern. Und nicht zuletzt wagt er sich, vielleicht auch um zu zeigen wie ernst es ihm ist an ein Stück aus J.S. Bach’s Goldbergvariationen heran und stellt es in einen verstörend neuen Kontext. Eine Herausforderung für den Hörer, die im Verlassen gewohnter Dimensionen aber mit vielen Kleinodien reich belohnt wird. Hafez Modirzadeh ist Professor für Weltkultur der Musik in San Francisco und dennoch klingt hier nichts in einem der innovativsten, facettenreichsten Alben dieses Jahres akademisch.

 
 


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